Frühes Mittelalter

Upleward (2003)

FStNr. 2508/7:2-5, Gde. Krummhörn, Ldkr. Aurich

In Upleward führte der anstehende Bau eines Privathauses zu einer kurzfristig angesetzten Rettungsgrabung, für die lediglich fünf Wochen zur Verfügung standen. Sie wurde mit finanziellen Mitteln des Bauherrn in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft und mit Unterstützung des Nds. Instituts für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven, durchgeführt. Bei einer zu erreichenden Tiefe von 3 m und einer Grundfläche von etwa 160 m² wurde eine Abtiefung in Schritten von ca. 0,50 m gewählt, wobei die Dokumentation in einer Tiefe von 1,20 m unter Geländeoberkante begann. Vier Abtragungsniveaus sowie die Profile der Westseite der Baugrube wurden zeichnerisch erfaßt und beschrieben.

Probeschnitte und Einzelfunde aus den 1920er und 30er Jahren gaben bisher nur einen geringen Einblick in die römisch-kaiserzeitliche und frühmittelalterliche Besiedlung der Wurt. Mit der nun durchgeführten Grabung ergaben sich v. a. für den frühmittelalterlichen Abschnitt zahlreiche Befunde und eine hohe Funddichte. Leider konnten die kaiserzeitlichen Siedlungsschichten nicht mehr erreicht werden, lediglich eine kleine Sondage in der NW-Ecke der Grabungsfläche führte in die tiefer liegenden Horizonte bis in eine Tiefe von etwa -1,50 m NN. Während die oberen drei Flächen nur wenige Befunde erbrachten - darunter mehrere Gräben, die eventuell als Parzellengrenzen zu deuten sind, sowie ein bis in die frühmittelalterliche Bebauung eingreifender Brunnenschacht - war die vierte Fläche bei durchschnittlich +1,40 m NN durch über 450 hölzerne Befunde gekennzeichnet, die sich auf zwei etwa parallel orientierte Gebäude verteilen (Abb. unten). Für eine vollständige Erfassung der Grundrisse war die Größe der Grabungsfläche nicht ausreichend: Zwar ist die jeweilige Breite mit etwa 5,00 m (Haus 1) bzw. 5,50 m (Haus 2) bekannt, es konnte jedoch lediglich der östliche Abschluß von Haus 1 ermittelt werden. Besser lassen sich die verschiedenen Gebäudeteile fassen. So liegt in Haus 1 mindestens eine Dreigliederung vor, wobei der mittlere Raum eine zentral gelegene Herdstelle besaß. Dieser wurde über mittig angelegte Eingänge, die durch die noch vorhandenen Türschwellen deutlich zu erkennen waren, von den anschließenden Räumen erschlossen. Aufgrund der Befundsituation von Haus 2 müßte es sich bei dem westlichen Gebäudeteil von Haus 1 ebenfalls um den Stall gehandelt haben, doch ergaben sich hier noch keine konkreten Hinweise wie Viehboxeneinteilungen oder Mistschichten. Allerdings scheint dieser Gebäudeteil überbaut worden zu sein, wie die umgestürzte Flechtwerkwand der Außenwand andeutet. Diese Wand, die auf einer Länge von etwa 5 m noch eine beeindruckende Höhe von etwa 0,70 m aufwies und mit der schräg gesetzte Außenpfosten in Verbindung standen (Abb. links oben), dürfte damit einem älteren Haus bzw. einer älteren Hausbauphase zuzuordnen sein. Auch der leicht divergierende Verlauf des östlichen bzw. westlichen Teils der Flechtwerkwand, der sich auch in abweichenden Gründungstiefen manifestiert, ist in dieser Hinsicht zu deuten. Weitere Hinweise auf eine Zweiphasigkeit des Baues liegen vor, bedürfen aber einer eingehenden Analyse.


Von Haus 2 wurde der Übergangsbereich vom Wohn- zum Stallbereich freigelegt. Besonders bemerkenswert ist der mit regelmäßig gesetzten Plaggen ausgekleidete Wohnbereich, der über die beiden Eingänge an den Längsseiten des Gebäudes zu betreten war. Auf den südlichen Eingang führte eine kleine Bohlenbrücke zu, die einen flachen Graben überquerte (Abb. links Mitte). Der Stallbereich konnte durch die angetroffenen Mistschichten identifiziert werden, längliche Bohlen könnten dabei als die beiderseits des Mittelganges befindlichen Jaucherinnen interpretiert werden. Reste der Viehboxen lassen sich bislang nicht konkret fassen, sicherlich dürften aber einige der angetroffenen Staken den Stalleinteilungen zuzuweisen sein.

Zur exakten zeitlichen Einordnung der Baubefunde wurden 132 Proben von den Bauhölzern der Firma DELAG übergeben. Bei den meisten Hölzern handelt es sich um Erlen und Eschen, die nicht für eine Absolutdatierung herangezogen werden können. Allerdings weisen die häufig ähnlichen Jahrringkurven dieser Proben auf ein zeitgleiches Wachstum und teilweise auf identische Fälljahre hin. Eine Synchronisierung mit den dendrochronologischen Daten der Eichenhölzer wird eventuell über die Klärung eindeutiger archäologischer Befundkontexte wie Flechtwerkwände und zugehörige Pfosten möglich sein. Für Haus 1 liegen folgende Datierungen vor (zur Lage der Hölzer vgl. Plan oben): Bef. 54 (d) 674 AD, Bef. 59 (d) nach 642 AD, Bef. 167 (d) 648 -1/+1 AD. Im Haus 2, das stratigraphisch gesehen das jüngere Gebäude darstellt, konnte nur ein datierbares Eichenholz (Bef. 524) mit dem Datum (d) 676 -6/+8 AD geborgen werden. Ein signifikanter zeitlicher Unterschied zum Haus 1 ergibt sich damit nicht. Die älteste Probe - eine Bohle aus dem südlich des Hauses verlaufenden Graben - datiert „(d) nach 584 AD“, kann jedoch in keinen baulichen Befundzusammenhang gestellt werden. Dennoch legt sie eventuell Zeugnis von einer älteren Besiedlungsphase ab, die sich auch durch einige Funde von völkerwanderungszeitlichen Keramikscherben in diesem Bereich andeutet. Abschließend ist auf zahlreiche Holzfunde (Abb. links unten) hinzuweisen, etwa zwei Felgensegmente eines Wagenrades, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Nordwand des Hauses 1 gefunden wurden, oder ein halber Bogen aus Eibenholz, der parallel zu der Innenwand gelegen hat.

H.-J. Nüsse

 

Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2003