Fundberichte
1962-1968

 



Ostfriesische Fundchronik

Marschenrat

Nr. 1 - 1962 Nr. 6 - 1965
Nr. 2 - 1963 Nr. 7 - 1966
Nr. 3 - 1963 Nr. 8 - 1969
Nr. 4/5 - 1964 Marschenrat 1970 (20 Jahre Marschenrat)

Herausgeber: Marschenrat zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee, Wilhelmshaven, Viktoriastraße 26/28

 

 

Marschenrat Nr. 1 - 1962

II Vorgeschichte

Von der Niedersächsischen Landesstelle für Marschen- und Wurtenforschung Wilhelmshaven wurden folgende Untersuchungen durchgeführt bzw. mit betreut:

a) Boomborg bei Hatzum (Reiderland):

Gewerbeoberlehrer Kramer aus Weener entdeckte 1962 eine Marschensiedlung aus der Zeit um Chr. Geb., die bei Ziegeleiarbeiten angeschnitten wurde.

b)  Emden-Wolthusen:

Auf dem Baugelände des Bankdirektors Nothdurft wurde 196l Keramik des früheren Mittelalters gefunden. Die Funde stammen aus einer Siedlung des 8. - 9. Jh., die nach dem Verlassen überschlickt wurde.

 

c) Jümmiger Hammrich bei Filsum:

Nach einer Fundmeldung durch Landwirtschaftsrat Post aus Leer wurde 1962 eine Siedlung an der Einmündung der Holtlander Ehe in die Jümme festgestellt. Die Untersuchung ergab, daß es sich um einen größeren überschlickten Siedlungsplatz mit völkerwanderungszeitlicher und frühmittelalterlicher Keramik handelt, der im Profil der begradigten Holtlander Ehe in einer Länge von 500 m angeschnitten wurde. Der Fundplatz erstreckte sich bis auf einen Geestausläufer in Richtung des Dorfes Filsum. Drei weitere Siedlungsplätze im Jümmiger Hammrich liegen südlich von Nortmoor und Potshausen. Bei einer Fundstelle handelt es sich wahrscheinlich um einen frühmittelalterlichen Turmhügel (Motte), bei den anderen um mittelalterliche Wüstungen.

 

d) Remels:

Hauptlehrer Lueken machte 196l auf Skelettfunde aufmerksam, die beim Ausschachten einer Heizungsanlage in der Kirche Remels zutage kamen. In der Baugrube wurde ferner festgestellt, daß der Kirchhügel aus Plaggen aufgebaut war.

 

e) Tannenhausen (bei Aurich):

Im Frühjahr 1962 erfolgte in Zusammenarbeit mit der Ostfriesischen Landschaft, Aurich, eine Untersuchung des Megalithgrabes in Tannenhausen, bei der die Trägersteine von 2 Grabkammern festgestellt werden konnten. Wichtig war der Nachweis, daß unter der Grabanlage ein Bodenprofil mit der Abfolge Heide-Horizont, Bleichsand, Ortstein und Eichen-Birkenwald ansteht, daß auf eine frühe Heidebildung, vermutlich infolge Rodungen, hindeutet. Die Grabung erbrachte neben vielen tiefstichverzierten Tonscherben auch Bernsteinperlen und Beile aus Feuer- und Felsgestein.

In Verbindung mit der Grabung erfolgte eine Aufnahme vorgeschichtlicher Fundplätze in der Umgebung von Tannenhausen. So wurden u.a. ein Bohlenweg und ein Sandweg nachgewiesen, die vom Moor überwachsen sind und durch pollenanalytische Untersuchungen altersmäßig bestimmt werden.

 

f) West-Rhauderfehn:

Im Ortsteil Hahnentange wurde 1961 durch Lehrer Löning beobachtet, daß bei Baggerarbeiten Feuersteinabschläge und Feuersteinklingen zutage kamen. Bei der Durchführung einer kleinen Flächenuntersuchung am Hang eines Dünenrückens wurden mehrere Pfostenverfärbungen angeschnitten, die evtl. zu einem größeren Hausgrundriß gehörten. Die in der Grabung angeschnittene steinzeitliche, mit Feuersteinabschlägen durchsetzte Siedlungsfläche ließ sich vom Sandrücken bis in das angrenzende vermoorte Niederungsgebiet verfolgen, wo mit guten Erhaltungsbedingungen für organisches Material aus der Zeit der Besiedlung zu rechnen ist.


Geplant ist die vorgeschichtliche Landesaufnahme im Reg.-Bezirk Aurich in Zusammenarbeit mit der Ostfriesischen Landschaft, den Landkreisen und der Stadt Emden.

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Marschenrat Nr. 2 - 1963

Reg. - Bezirk  Aurich

Von der Niedersächsischen Landesstelle für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven werden im Jahre 1963 folgende Untersuchungen durchgeführt: 

B  l   Archäologische Landesaufnahme

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Nordseeküstenprogramms stehen die Untersuchungen der vor- und frühgeschichtlichen Siedlungsplätze sowohl des Elbe-Weser-Gebietes, als auch des ostfriesischen Raumes im Vordergrund der in den nächsten Jahren von der Niedersächsischen Landesstelle für Marschen-und Wurtenforschung in Wilhelmshaven durchzuführenden wissenschaftlichen Aufgaben. Die Voraussetzung für diese Untersuchungen ist jedoch eine gründliche Kenntnis aller Bodenfunde im Gelände sowie die Erfassung aller Aufzeichnungen und schriftlichen Quellen über die vor- und frühgeschichtlichen Fundplätze des Arbeitsgebietes. Erst nach einer archäologischen Landesaufnahme wird durch zusätzliche Grabungen im Rahmen des Schwerpunktgrogramms der Deutschen-Forschungsgemeinschaft die siedlungsgeschichtliche Entwicklung in den einzelnen Landschaften des nordwestdeutschen Küstengebietes klar erkannt werden können. Neben der Landesaufnahme im Kreis Wesermünde kann jetzt auch die Landesaufnahme in Ostfriesland verwirklicht werden. Die ostfriesischen Landkreise haben sich bereit erklärt, dieses auf 10 Jahre berechnete Unternehmen zu finanzieren. Es ist ein wissenschaftliches Vorhaben der Ostfriesischen Landschaft, die die Bearbeiter - einen Wissenschaftler und einen Techniker - anstellt. Die wissenschaftliche Aufsicht liegt bei der Niedersächsischen Landestelle für Marschen - und Wurtenforschung in Wilhelmshaven. Als erste Stufe der Landesaufnahme in Ostfriesland ist die Geländebegehung des Landkreises Leer vorgesehen.

(nach Mitteilung von Dr. Haarnagel)

 

B 2 Boomborg bei Hatzum. Kreis Leer (s. auch Mitteilungsblatt l S. 9)

Bei Ziegeleiarbeiten wurde 1962 eine Siedlung aus der Zeit des 1. Jh. vor bis etwa 2. Jh. nach Chr. unter einer ca 70 cm mächtigen Kleischicht angeschnitten. Die Untersuchung des Bodenprofils zeigte, daß die prähistorische Siedlung sich in drei, durch tonige Sedimente deutlich voneinander getrennte Horizonte in einer Gesamtmächtigkeit von etwa 1 m deutlich abzeichnet. Die angeschnittenen Siedlungshorizonte waren mit humosem Boden, Mistbrocken, Holzkohle, Holzasche und gebranntem Ton stark durchsetzt, so daß beson ders in den beiden unteren Schichten gute Erhaltungsbedingungen für organisches Material wie Holz und Knochen zu erwarten sind. Aus dem unteren Siedlungshorizont wurden Scherben geborgen, die der jüngeren Bronzezeit bis älteren vorrömischen Eisenzeit angehören. Die für das Jahr 1963 geplante flächenmäßige Untersuchung der angeschnittenen Siedlung wird also nicht nur wichtige Befunde für die kaiserzeitliche Besiedlung der ostfriesischen Marsch, sondern gleichzeitig Vergleichsmöglichkeiten für die in den Jahren 1953 bis 1954 von der Niedersächsischen Landesstelle untersuchten bronzezeitlichen Siedlung Jemgum erbringen. Die Untersuchungen in Hatzum werden mit Hilfe von Forschungsmitteln des Zahlenlottos durchgeführt.

(nach Mitteilung von Dr. Haarnagel)

 

B  3  Tannenhausen, Kreis Aurich (s. auch Mitteilungsblatt l Seite 11)

Die im Frühjahr 1962 begonnene Untersuchung des Megalithgrabes wird 1963 in Zusammenarbeit mit der Ostfriesischen Landschaft fortgesetzt. Bereits im Vorjahre konnten  die Standgruben der Trägersteine von 2 Grabkammern festgestellt werden. Um das Megalithgrab rekonstruieren zu können, ist es notwendig, die gesamte Anlage freizulegen. Es soll deshalb der bereits 1962 angelegte Suchgraben um je 2 m nach beiden Seiten erweitert sowie eine Vertiefung um ca l m durchgeführt werden. Ziel dieser Grabung ist es, die Sohle des Steingrabes und auch die seitliche Begrenzung freizulegen. Die Untersuchungen werden mit Forschungsmitteln des Zahlenlottos finanziert.

(nach Mitteilung von Dr. Reinhardt)

 

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Marschenrat Nr. 3 - 1963

B Vorgeschichte

Sachbearbeiter: Dr. Schmid, Kustos der Niedersächsischen Landesstelle für Marschen- und Wurtenforschung, Wilhelmshaven

Regierungsbezirk Aurich

Von der Niedersächsischen Landesstelle für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven wurden im Jahre 1963 folgende Untersuchungen durchgeführt:

 

B 19 Archäologische Landesaufnahme (s. Heft 2, B 1 ) 

Nach Sicherung der Finanzierung der Landesaufnahme durch die Ostfriesischen Landkreise konnte zunächst seit dem l. Okt. 1963 ein Geländetechniker für die Flurbegehung im Kreise Leer eingesetzt werden. Sowohl der Techniker als auch der in Kürze zur Verfügung stehende wissenschaftliche Bearbeiter der archäologischen Landesaufnahme sind von der Ostfriesischen Landschaft angestellt, während die wissenschaftliche Betreuung und Aufsieht durch die Niedersächsische Landesstelle für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven erfolgt. Erstes Ziel der Landesaufnahme ist die Erfassung vor— und frühgeschichtlicher Fundplätze im südwestlichen Teil des Kreises Leer. Von diesen Geestrandgebieten um Weener ausgehend, soll dann im Laufe des Jahres 1964 die Marschenkartierung im Rheiderland erfolgen. 

 

B 20  Boomborg bei Hatzum, Kreis Leer

Mit Hilfe von Forschungsmitteln des Zahlenlottos wurde eine größere Voruntersuchung auf dem Gelände des jungbronze- bis früheisenzeitlichen Fundplatzes durchgeführt und eine Fläche von 20 x 30 m zwei Meter tief ausgehoben. Dabei gelang es, einen jemgumzeitlichen Horizont (jüngere Bronzezeit) mit erhaltenem Hausgrundriß, sowie darüberliegend Teile von vier weiteren Siedlungshorizonten mit dreischiffigen Hallenhäusern und Speichergrundrissen freizulegen. Die älteste Siedlungsschicht lag in der Tiefe von -0,85 m NN. Wie in Jemgum bestanden die Wände des ältesten Hatzumer Hausgrundrisses aus liegenden Bohlen, die durch Zangenpfosten gehalten wurden. In den nächstjüngeren Siedlungsschichten (Tiefe -0,75 bis -0,40 m NN) wurden jeweils ein bezw. in der Höhenlage von -0,40 m NN zwei dreischiffige Hallenhäuser und jeweils ein Speicherbau freigelegt. Diese dreischiffigen Hallenhäuser lassen sich nach dem Keramikbefund etwa dem 6. bis 5. Jahrh. vor Chr. Geb. zuordnen und sind somit die ältesten, bisher im deutschen Küstengebiet gefundenen Grundrisse dieses Bautyps. Der In der Höhenlage von -0,40 m NN angeschnittene Siedlungshorizont wurde nach dem Grabungsbefund vom Meer überflutet und von einer 20 cm mächtigen Transgressionsschicht überdeckt. Auf dieser Sedimentdecke lag ein weiterer Siedlungshorizont in der Höhe von -0.l0 m NN, zu dem ein dreischiffiges Hallenhaus und ein Speichergrundriß gehörten, die jedoch nur zum überwiegenden Teil noch in Verfärbung zu erkennen waren. Alles in allem hat die ältere Besiedlung in Hatzum nach den Keramik- und Metallfunden (Bruchstücke eines alten Wendelringes mit Hakenenden, sowie gekröpfte Nadel) gezeigt, daß in der ostfriesischen Marsch bereits am Ende der jüngeren Bronzezeit (Periode V/VI, d.h. etwa seit dem 7. Jahrh. vor Chr. Geb.) gesiedelt wurde. Diese ältere Besiedlung hat nach dem datierenden Material etwa bis zum 4. Jahrh. vor Chr. Geb. gedauert. Danach erfolgte ein Siedlungsabbruch infolge einer verstärkten Meerestransgression, die zur Ablagerung toniger Sedimente über den älteren Siedlungshorizonten führte. Erst 600 Jahre später, d.h. im 2. Jahrh. nach Chr. Geb., konnte die neugebildete Marschendecke wieder besiedelt werden. Nach dem 4. Jahrh. nach Chr. Geb. geht jedoch auch diese zweite große, prähistorische Siedlungsphase infolge weiterer, verstärkter Überflutungen zu Ende. Da eine größere Flächenabtragung in Hatzum die Möglichkeit bietet, erstmalig im nordwestdeutschen Küstengebiet die Entwicklung einer prähistorischen Marschensiedlung für die Zeit des 7. bis 4. Jahr. vor Chr. Geb. zu erfassen, sollen die Untersuchungen im Jahre 1964 fortgesetzt werden.

(nach Mitteilung von Dr. Haarnagel).

 

B 21 Tannenhausen, Kreis Aurich (s. Heft 2, B3)

Der bereits im Jahre 1962 angelegte Suchgraben wurde vertieft und erweitert. Nachdem schon im Jahre 1962 die Standgruben der Trägersteine von zwei Grabkammern festgestellt worden waren, gelang es, in den östlichen sechs Metern der westlichen Grabkammer die ursprüngliche Lage des einzigen, noch stehenden Steines, des östlichen Abschlußsteines dieser Kammer mit der dazu gehörenden Standgrube zu erfassen. Von der südlichen Längswand wurden drei, von der nördlichen eine Fundamentgrube festgestellt. Neben Verkeilsteinen wurden auch Reste der Trockenmauerung gefunden. Im Bereich der östlichen Kammer konnten neben den Resten der steinzeitlichen Kammerpflasterung auf der alten Graboberfläche zahlreiche Funde geborgen werden. Hier wurden aus l qm Erdreich maximal 520 Scherben und 14 Pfeilspitzen gefunden. Unter den Resten der Kammerpflasterung zeichneten sich die Standspuren der herausgezogenen Trägersteine deutlich ab. So konnte sowohl die Lage des westlichen, als auch annähernd die des östlichen Abschlußsteines erkannt werden. Nach den ermittelten Standspuren lassen sich die Maße der östlichen Kammer mit etwa 11,80 m Länge und 3,2o m Breite angeben. Auch über die Zahl und die Lage der Decksteine waren Rückschlüsse möglich. Wo jeweils zwei Decksteine zusammenkamen, brachte nach Errichtung der Kammer das abfließende Regenwasser Einwaschungsbänder zur Ausfüllung. Danach ist die Kammer mit vier gewaltigen Steinen bedeckt gewesen. Unklar ist die Bedeutung eines unter der Grabsohle verlaufenden, unregelmäßigen Grabens, in dem zahlreiche Gefäßscherben, ein fast vollständig erhaltenes Gefäß und eine große Bernsteinperle geborgen wurden. Südlich der Mitte der Grabkammer waren in der Profilwand zahlreiche kleine Granitsteinchen zu erkennen, die offenbar zur Pflasterung des Kammerzugangs gehörten, welcher mindestens 0,80 m breit gewesen sein muß. Bei der Abtragung des südlich der Kammer gelegenen Erdreichs trat der verstürzte Zugang durch den Hügel zur Kammer deutlich hervor. Die Pflasterung dieses Zugangs konnte noch nicht erfaßt werden. Da der zur Hügelanschüttung verwendete Sand eine große Anzahl von Seherben und Steingerät enthielt, ist zu vermuten, daß dieses Material aus der Nähe der steinzeitlichen Siedlung entnommen sein muß. Obwohl die Grabkammern völlig zerstört sind, ist die Fundausbeute relativ groß. Neben zahlreichen Gefäßscherben wurden in der diesjährigen Grabungskampagne drei Steinbeile, zwölf Bernsteinperlen, sowie zahlreiches Feuersteingerät, wie Z. B. querschneidige Pfeilspitzen, Kernsteine und Schlagsteine, gefunden.

(nach Mitteilung von cand. phil. I. Gabriel).

 

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Marschenrat Nr. 4/5 - 1964

A 27 Landeskundliche Untersuchungen

Die im Heft 3 unter A 14 angekündigte Dissertation von Almuth Salomon: "Geschichte des Harlingerlandes bis l600" ist von der Philosophischen Fakultät Göttingen angenommen und geht demnächst in den Druck. Damit hat das Harlingerland (vgl. Göttrup, Heft 3, A 9) eine monographische wissenschaftliche Behandlung erfahren, wie sie für alle Landesteile des Marschenratsgebietes anzustreben ist.

Als Dissertation, liegen ferner vor:

G. Teschke: Studien zur Sozial  und Verfassungsgeschichte Frieslands im Hoch- und Spätmittelalter. Phil. Diss. Hamburg 1964.

Harm J. A. Buss: Letztwillige Verfügungen im ostfriesischen Recht. Jurist. Diss. Göttingen 1963.

(Mitteilung von Dr. Ramm)  

 

B Vorgeschichte

Sachbearbeiter: Dr. P. Schmid, Kustos des Niedersächsischen Landesinstituts für Marschen- und Wurtenforschung, Wilhelmshaven

 Regierungsbezirk Aurich

Von dem Niedersächsischen Landesinstitut für    Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven wurden im Jahre 1964 folgende Untersuchungen durchgeführt:

B 42 Archäologische Landesaufnahme (s .Heft 2, B l und Heft 3, B 19)

Nachdem seit Oktober 1963 ein Geländetechniker für die Flurbegehung im Kreis Leer eingesetzt ist, konnte im Juli 1964 auch der für die Landesaufnahme von der Ostfriesischen Landschaft angestellte wissenschaftliche Sachbearbeiter Dr. Wilhelmi seine Tätigkeit aufnehmen. Die von den ostfriesischen Landkreisen finanzierte Landesaufnahme begann im Reiderland. Dort wurde inzwischen die Flurbegehung in den Gemeinden  Südlich der B 75 Beschotenweg, Boen, Diele Holthusen, Stapelmoor, Vellage, Wymeer abgeschlossen. 

135 Fundplätze lieferten in diesem Gebiet ca. 2700 Einzelfunde, die vor allem der mittelalterlichen Siedlungsperiode angehören. Besonders erschwerend für die Geländeaufnahme erwies sich die über Jahrzehnte erfolgte Abtorfung, bezw. Abziegelung in den Moor- und Marschgebieten dieser Gemarkungen, durch die alte Siedlungsoberflächen abgetragen und viele Funde zerstört wurden. Die insbesondere auf dem Stapelmoorer Geestrücken abgesuchten Flugsanddecken enthalten ebenfalls vorwiegend mittelalterliche Funde, während die vorgeschichtlichen Spuren, wie Feuersteinabschläge und Scherben, nur unter den Sanddecken bei zufälligen Ausschachtungen angetroffen werden.  Durch die Flurbegehung und die Befragung der Bevölkerung ergaben sich jedoch für die mittelalterliche Besiedlung viele neue Hinweise, besonders zum Problem der mittelalterlichen Hofwüstungen, sowie zur Datierung der alten Ackerbeete (Hochäcker), die heute unter Grünland oder in den Waldgebieten liegen. Im Marschgebiet des Oberreiderlandes wurden die unbewohnten Warfen und alten Deichlinien neu kartiert. Inzwischen erstreckt sich die Flurbegehung auf das Gebiet nördlich der B 75 mit den Gemeinden Bunde, Bunderhee, Bunderneuland, Kirchborgum, Weener und Weenermoor.

Im Zuge der archäologischen Landesaufnahme waren an mehreren Stellen des Kreises Leer Überwachungen von Erdausschachtungen notwendig, um evtl. auftretende Funde sofort sicherstellen zu können: So u.a. in Bingum (Kanalisation), Jemgum (Abziegelung), Midlum (Wasserleitung) , Critzum (Wasserleitung), Pogum (Deichbau), Amdorf (Flurbereinigung) , Brinkum (Hügelabtragung), Detern (Sandgrube), Filsum (Flurbereinigung), Heisfelde, Hesel (Straßenbau B 70), Holtland (Urne aus Sandstich, Ruderblatt bei Brunnenbau), Leer (Sandgrube), Loga (Kanalisation), Logabirum (Sandstich) , Neermoor (Flurbereinigung), Nortmoor (Dünen im Hammrich), Potshausen (Flurbereinigung). Neben der Arbeit im Gelände wurde im Zuge der Inventarisation auch die Erfassung der in den Museen, Schul- und Privatsammlungen vorhandenen Funde in Angriff genommen. Zunächst werden im Grenzlandmuseum Reiderland. alle magazinierten Funde kartei- und photomäßig erfaßt, um später mit den Befunden der Geländeaufnahme koordiniert und ausgewertet zu werden.

(nach Mitteilung von Dr. Wilhelmi)

 

B 43 Boomborg bei Hatzum, Kreis Leer (s. Heft 2, B2 und Heft 3, B 20)

Nach der bereits im Jahre 1963 erfolgten Untersuchung wurde im Anschluß an die vorjährige Fläche 1964 im Rahmen des Nordseeprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Untersuchung eisenzeitlicher Siedlungen im norddeutschen Flachland ein ca. l000 qm umfassendes Gelände untersucht. Dabei wurden die im vergangenen Jahr erfaßten unteren Tiefen, der Fläche im Zusammenhang mit der neuen Fläche freigelegt. Als wichtigste Ergebnisse können herausgestellt werden:

Die erstbesiedelte Oberfläche lag in der Tiefe von -0,90 m NN. Es konnte erkannt werden, daß sich die älteste Siedlungsoberfläche über einen Uferwall hinzieht, der, wie die zahlreichen Baumstubben zeigen mit einem lockeren Eichenbewuchs bestanden war. Zum ältesten Siedlungshorizont gehören drei dreischiffige Hallenhäuser, deren Wände aus liegenden Bohlen bestanden, die durch Zangenpfosten gehalten wurden. Die Häuser, deren Herdstellen z.T. noch gut erhalten waren hatten eine (durch?) 

schnittliche Länge von 12.00 m und eine Breite von 6.00 m. Wichtig war die Feststellung, daß offenbar zu jedem Bauernhaus, d.h. zu einem Wirtschaftsbetrieb, jeweils ein Speicher gehörte, dessen Pfostenfundament (6 oder 9 Pfosten) gut in Holz erhalten war. Für die Konstruktion der ältesten Häuser war aufschlußreich, daß die Innenständer unten abgestumpft mit Verkeilungen in Pfostengruben standen. Der nächstjüngere Horizont wurde in der Tiefe von -0,75 m NN und ein weiterer in der Tiefe von -0,60 m NN angetroffen. Sie enthielten vier Gehöfte in der gleichen Anordnung der ältesten Siedlungsschicht. Über diesem Siedlungsstadium zeichnete sich eine deutliche Überflutung ab, nach der in der Höhenlage von -0,40 m NN erneut gesiedelt wurde. In dieser Höhenlage wurden zwei dicht übereinanderliegende Siedlungsstadien erfaßt, deren dreischiffige, in Wohn- und Stallteil untergliederte Hallenhäuser mit Flechtwänden versehen waren. Die Herdstellen, sowie die Eingänge an den Giebelseiten zeichneten sich deutlich ab. Begrenzte die Siedlung nach Südosten bereits ein natürlicher Priellauf, so wurden die bisher freigelegten Siedlungsteile ferner durch einen Zaun eingeschlossen, dessen Pfosten in Holz erhalten parallel zum Priel angetroffen wurden. Die im Jahre 1964 erfaßten fünf, z.T. durch Überflutungsschichten voneinander getrennten Siedlungshorizonte lassen sich nach dem Fundmaterial vom Ende der jüngeren Bronzezeit bis in die vorrömische Eisenzeit hinein verfolgen. Die Keramik ist alles in allem gut mit der im nördlichen Teil der Niederlande vertretenen, sog. protofriesischen Ware vergleichbar. Auffällig war am Rande der Siedlung das Auftreten mehrerer Gruben von ca.30 cm Durchmesser, die mit Holzkohle und verbrannten Knochen, sowie Getreide angefüllt und von einer Scherbenlage eingefaßt waren. Nach der jungbronze- bis früheisenzeitlichen Besiedlung erfolgte während der Latenezeit eine erneute Überflutung, deren Transgressionsschichten während der älteren Kaiserzeit übersiedelt wurden. Über die Bebauung der kaiserzeitlichen Siedlungsphase ließen sich 1964 keine näheren Aufschlüsse erzielen, da das Gelände bis zur Höhe der ältereisenzeitlichen Siedlungsoberfläche (- 0,00 m NN) abgeziegelt war. Es konnten jedoch eine ganze Reihe guterhaltener Pfostensetzungen erkannt werden, die in die älteren Siedlungshorizonte hineinragten und nach den vereinzelt auftauchenden Begleitfunden der kaiserzeitlichen Siedlungsperiode zugeordnet werden müssen. Die Grabungsfläche 1964 wurde so angelegt, daß nach der Untersuchung der älteren Siedlungsstadien im Jahre 1965 ein noch nicht abgeziegelter Sockel miterfaßt werden kann, in dem sowohl die kaiserzeitlichen, als auch die älteren Kulturschichten nach der Prüfung des Schichtprofils gut erhalten sind.

(nach Mitteilung von Dr. Haarnagel)

 

B 44 Leer, Westerhammrich, Kreis Leer

Bei Sandabbaumaßnahmen wurden auf dem Geestvorsprung im Niederungsgebiet der Ems zahlreiche neolithische und kaiserzeitliche Funde geborgen. Neben tiefstichverzierten Tonscherben wurden Abschläge, sowie Bruchstücke von Steingeräten festgestellt. In die kaiserzeitliche Siedlungsphase gehören neben zahlreicher Keramik Bruchstücke von Mahlsteinen, sowie Spinnwirtel, Netz

senker und Hüttenlehm. Bei mehreren Notbergungen, die vom Institut für Marschen- und Wurtenforschung, sowie vom Museumsleiter Kramer durchgeführt wurden, konnten unter dem abgetragenen Siedlungsboden Reste von Abfallgruben, sowie Pfostensetzungen beobachtet werden, die offenbar zu Grundrissen dreischiffiger Hallenhäuser gehören.

(nach Mitteilung von Dr. Schmid)

 

B 45  Pogum, Kreis Leer

Bei Baggerarbeiten konnte in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt in Leer ein Einblick in den Schichtenaufbau der prähistorischen Wurt Pogum gewonnen werden. Die im Zuge der Erdabtragungen ermöglichten Probeuntersuchungen von Dr. WiIhelmi und cand. phil. Gabriel zeigten, daß in den, bis zu 4 m tiefen Erdentnahmestellen im Norden der Wurt sowohl Siedlungsschichten des 2. bis 5., als auch solche des 7. bis 12. Jhs. und des hohen Mittelalters vorhanden sind,   Es konnte Keramik aus diesen Zeitabschnitten geborgen, sowie Brunnen, Gruben und Hölzer nachgewiesen werden.

(nach Mitteilung von Dr. Wilhelmi)

 

B 46 Hage, Kreis Norden

Nachdem 1960 bis 1965 unter den Ruinen der 1959 niedergebrannten Stadtkirche von Jever und in den Dorfkirchen von Stedesdorf, Kreis Wittmund und Arle, Kreis Norden, die Spuren älterer Holz

bauten festgestellt worden waren, ergab sich auch 1964 Gelegenheit, diese Untersuchungen an anderen Stellen fortzusetzen.

So wurden bei Renovierungsarbeiten in der Kirche von Hage Probegrabungen durchgeführt. Dabei zeigte es sich, daß das Schiff des im 13. oder 14. Jh. errichteten Ziegelbaues für eine eingehende Untersuchung unbrauchbar war, da unter dem, an vielen Stellen tief aufgerissenen Fußboden zahlreiche Grabkeller lagen, die die Bodenschichten zerstört hatten. Im Bereich des weniger gestörten nördlichen Teils wurden zwei Schächte am Fundament der Nordwand heruntergebracht, wobei sich unter einem Ziegelfußboden aus dem. 14. bis 15. Jh. zuerst aufgetragene Schichten zeigten, dann in 50 bis 60 cm Tiefe ein Fußboden aus graugrünem Geestton, der wahrscheinlich zum ersten Steinbau gehörte. Darunter lagen, wiederum Auftragungsschichten, und in der Tiefe von l,30 m bis l,40 m ein Lehmfußboden, der an der Oberfläche mehr oder weniger rot gebrannt und an vielen Stellen von Holzkohle bedeckt war. Nach dem Grabungsbefund war zu erkennen, daß offenbar brennende Hölzer auf die Lehmdiele gestürzt waren, Der Fußboden kann nur zu einem durch Brand vernichteten Holzbau gehört haben, da weder auf noch unter ihm die geringsten Spuren von Mörtel oder Ziegelbrocken gefunden wurden. Die Randzone des Holzbaues war durch die Einbringung des Findlingsfundamentes für den ersten Steinbau zerstört worden.

(nach Mitteilung von Dr. Marschalleck)

 

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Marschenrat Nr. 6 - 1965

Vorgeschichte

Sachbearbeiter: Dr. P. Schmid, Kustos des Niedersächsischen Landesinstituts für Marschen- und Wurtenforschung, Wilhelmshaven

 

Regierungsbezirk Aurich

Von dem Niedersächsischen Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven wurden im Jahre 1965 folgende Untersuchungen durchgeführt:

 

B 62 Archäologische  Landesaufnahme (s.  Heft  4/5,   B 42)

Im Oberreiderland, Krs. Leer, konnte die Aufnahme aller archäologischen Funde und Fundplätze durch Dr. Wilhelmi zum Abschluß gebracht werden. In den insgesamt 12 Gemeinden wurden ca. 150 Fundplätze mit etwa 3000 Fundstücken erfaßt. Diese gehören vor allem der früh- und hochmittelalterlichen Siedlungsperiode des l0. bis 14. Jhs. an. Auf Grund der geologischen Struktur

Dieses Gebietes sind ältere Funde schwer auffindbar. Sie gingen bei der Abtorfung der Moore z.T. verloren oder liegen unter jüngeren Moor- oder Flugsanddecken verborgen. In Verbindung mit der Tätigkeit im Gelände erfolgte die Bestandsaufnahme vor- und frühgeschichtlicher Funde in den Museen Weener, Leer und Westrhauderfehn. Dabei zeigte besonders die Sichtung der Museumsbestände in Leer eine Fundkonzentration auf dem diluvialen NO-SW- gerichteten Höhenzug, der sich unmittelbar an das Stadtgebiet von Leer anschließt. Es liegen beispielsweise aus den Gemeinden Loga, Logabirum, Brinkum, Holtland und Hesel an Altfunden sowohl zahlreiche neolithische Steingeräte als auch Urnen der Bronze- und älteren Eisenzeit sowie Anhaltspunkte für eine kaiser- bis völkerwanderungszeitliche Besiedlung vor. Die Flurbegehung in der Leda-Jümme-Niederung erbrachte dagegen in erster Linie mittelalterliche und frühgeschichtliche Siedlungsspuren, die meistens auf den Dünen und Erhebungen am Niederungsrand vorgefunden wurden (Bitzbarg, "Alter Kirchhof von Potshausen", Filsum und Nortmoor). Bei der Beobachtung von Wasserbaumaßnahmen konnten jedoch auch vereinzelt in diesem Niederungsgebiet unter tonigen Sedimenten Feuersteingeräte und tiefstichverzierte neolithische Tonscherben entdeckt werden (Filsum, Nortmoor).

Hatte der erste Abschnitt der Landesaufnahme im Kreis Leer vor allem über die mittelalterliche Siedlungstätigkeit sowie über die starke Veränderung der Landschaft durch Moor- und Marschbildungen Aufschluß gegeben, so erbrachte der zweite Abschnitt der Flurbegehung in Verbindung mit einer Ausgrabung bei Logabirum wichtige Erkenntnisse für die prähistorische Besiedlung alter Geestkerne in den Gemeinden nordöstlich von Leer. Bei der vom Unterzeichneten weitergeführten Landesaufnahme ergab die Fundverbreitung folgendes Bild: Im Bereich einer ausgedehnten Flugsanddecke in der Gemarkung Logabirum wurden auf den hochgelegenen Ackerfluren in großer Zahl Reste steinzeitlicher Abschläge und Geräte gefunden sowie Siedlungskeramik der jüngeren Bronze- bis älteren Eisenzeit. Die Vergesellschaftung mit Eisenschlacken läßt darauf schließen, daß neben der Landwirtschaft die handwerkliche Tätigkeit für die Bewohner dieser Siedlungen eine Rolle spielte. Eine weitere Fundkonzentration liegt ebenfalls im Bereich leichter Böden bei den Orten Siebenbergen und Meerhausen. Auf Grund der Bodenverfärbungen ließen sich in diesem Gebiet zahlreiche, ehemals vorhandene Grabhügel nachweisen, außerdem Reste eines Urnenfriedhofes, zwei Siedlungen aus der vorrömischen Eisenzeit sowie zahlreiche Feuersteinabschläge und  Steingeräte. Auf der angrenzenden hochliegenden Eschflur (Gaste) zwischen Brinkum und Holtland wurde dagegen in breiter Streuung mittelalterliche Keramik des 11. bis 13. Jhs. gefunden, während unter dem Esch Bestattungen der jüngeren Bronzezeit oder älteren Eisenzeit nachweisbar waren. Wie im Gebiet von Logabirum stammen also die prähistorischen Funde von den leichten Flugsandböden, während die angrenzenden schweren Lehmböden kaum Funde erbrachten. Auf den hohen Stellen leichter Böden findet sich die alte Eschflur oder Gaste, die, wie erwähnt, reich mit mittelalterlicher Keramik durchsetzt ist. Im Verlauf des zweiten Abschnittes der Landesaufnahme im Kreis Leer wurde besonders deutlich, daß die seit dem Mittelalter erfolgte starke Parzellierung der Geestrandgebiete zur Zerstörung vieler prähistorischer Siedlungen und Gräberfelder beigetragen hat. Unter den Eschböden hingegen weisen viele Spuren prähistorischer Funde darauf hin, daß durch Grabungen gute Erkenntnisse zur Rekonstruktion der Siedlungsgeschichte in prähistorischer Zeit gewonnen werden können.

(nach Mitteilung von Dr. Schmid)

 

B 63 Boomborg bei Hatzum (s. Heft 4/5, B 43)

Im Jahre 1965 wurde auf dem Grabungsgelände, von Hatzum im Anschluß an die Fläche 1964 ein Gebiet von ca. 800 qm untersucht. Im Gegensatz zu den Vorjahren war in der diesjährigen Fläche der gesamte Schichtenaufbau mit den Siedlungshorizonten der jüngeren Bronze- bis älteren Eisenzeit, der aufliegenden Sedimentdecke und den kaiserzeitlichen sowie mittelalterlichen Horizonten erhalten. In den Grabungsprofilen zeichneten sich dicht unter der Ackerkrume zwei mittelalterliche Oberflächen ab, die durch einige Scherben in das 12. und 13. Jh. datiert werden konnten. Darunter befand sich*eine Trans gressionsschicht, die dem kaiserzeitlichen Horizont auflag. Da das Zentrum der kaiserzeitlichen Siedlung nach dem bisherigen Befund weiter östlich liegt, wurden in der diesjährigen Grabungsfläche lediglich einige Abfallgruben angeschnitten, die durch zahlreiche Scherben in das l. bis 2. Jh. n. Chr. datiert werden konnten. Die in der Höhenlage von -0,00 m NN angetroffene kaiserzeitliche Oberfläche wurde durch eine Transgressionsschicht von den älteren Siedlungsperioden getrennt. Von diesen konnten im Zuge der Grabungsauswertung sechs Bauphasen festgestellt werden. Im jüngsten ältereisenzeitlichen Horizont zeichneten sich die Umrisse von vier bäuerlichen Gehöften in der Grabungsfläche ab. Zu diesen gehörten dreischiffige Hallenhäuser mit Wohn- und Stallteil und Wänden aus Flechtwerk sowie Pfostenspeicher in unmittelbarer Nähe der Häuser. Auffällig war die Konzentration mehrerer Herdstellen und Schlackenplätze im westlichen Teil der Grabungsfläche; dieser war durch einen Zaun besonders abgesetzt. Offenbar handelt es sich hier um ein handwerklich genutztes Gebiet. In den älteren fünf Siedlungsperioden wurden jeweils vier bäuerliche Betriebe erfaßt, deren Häuser um einen freien Platz gruppiert lagen. Es sind wiederum dreischiffige Hallenhäuser mit Wohn- und Stallteil. Die Erhaltungsbedingungen für organisches Material waren in der diesjährigen Fläche besonders günstig, weil die Häuser am Rande des hohen Ufergeländes lagen. Diese natürliche Senke war mit Mist angefüllt, so daß das Holz-, Knochen- und Pflanzenmaterial gut konserviert wurde. Neben Speichergebäuden war wiederum das vereinzelte Vorkommen halbkreisförmiger Pfostensetzungen bemerkenswert, die Herdstellen außerhalb der Häuser umschlossen. In den beiden unteren Horizonten wurden neben Flechtwandhäusern auch Grundrisse dreischiffiger Hallenhäuser gefunden, deren Wände aus liegenden, durch Zangenpfosten gehaltene Bohlen bestanden. Alles in allem gelang es im diesjährigen Grabungsabschnitt durch die Erfassung der gesamten Schichtenfolge mit den jungbronze/ältereisenzeitlichen sowie kaiserzeitlichen und mittelalterlichen Horizonten weitere gute Aufschlüsse sowohl über die landschaftliche als auch besiedlungsgeschichtliche Entwicklung im Bereich der Emsmarsch zu erhalten.

(nach Mitteilung von. Dr. Haarnagel)

 

B 64 Engerhafe, Krs. Aurich

Nach einer Fundmeldung wurde auf dem Gelände des Bauernhofes "Fehnhusergaste" hochmittelalterliche Kugeltopfkeramik des 13. bis 14. Jahrhs. geborgen. Schon 1960 war die Frage erörtert worden, ob an der Stelle des Fundplatzes die mittelalterliche "Oldeborg" gestanden haben könnte, da hier unmittelbar neben einer sich verengenden Bachniederung ein hochaufragender Geestrücken ansteht. Anhaltspunkte für eine solche Burg ergaben sich jedoch bis her nicht, da nur Siedlungsboden, nicht aber Steine oder Mauerwerk angetroffen wurden.

(nach Mitteilung von Dr. Reinhardt)

 

B 65 Logabirum, Krs. Leer (2711/4:63)

Im Bereich einer Sandgrube der Baufirma Siemens wurde durch Erdarbeiten ein Gräberfeld angeschnitten. Bei der sofort ansetzten Notgrabung konnte festgestellt werden, daß bereits viele der vor allem aus Brandgruben und Knochenhäufchen bestehenden Bestattungen aus der vorrömischen Eisenzeit durch mittelalterliche Kultivierungsarbeiten in Mitleidenschaft gezogen worden waren. So wurden viele dieser älteren Gräber durch Gräben geschnitten, in denen Kugeltopfscherben des 12. bis 13. Jhs. lagen. Offenbar wurde im Mittelalter auf dem prähistorischen Gräberfeld eine durch Gräben begrenzte Ackerflur angelegt. Der mittelalterlichen landwirtschaftlichen Nutzung fiel u.a. auch ein ca. l0 m Durchmesser umfassender Grabhügel zum Opfer. Während der Hügel völlig abgetragen war, gelang es, den umgrenzenden Kreisgraben vollständig nachzuweisen. Am Rande des Grabhügels erfolgte im Zuge der Anlage des Gräberfeldes aus der vorrömischen Eisenzeit eine Nachbestattung und zwar in Form einer Brandgrube, die Keramik des Dötlinger Typs enthielt. Diese Scherben lassen sich sehr gut mit der z. Zt. bei Hatzum untersuchten ältereisenzeitliehen Marschensiedlung vergleichen (s. Heft 4/5, B 43). Im Zentrum des Kreisgrabens wurde das steinzeitliche Zentralgrab freigelegt. Es handelt sich nach den Ausmaßen der Grabgrube offenbar um eine Hockerbestattung, die durch zwei mit Zickzackmustern verzierte Becher der nordwestdeutschen Einzelgrabkultur, einem Felsgesteinbeil und einem Feuersteinspandolch in das jüngere Neolithikum datiert werden konnte. Durch diese im Rahmen der Landesaufnahme erfolgte Untersuchung gelang es, den ersten sicher datierten Befund für den ältesten Teil dieses aus ehemals 52 Hügeln bestehenden großen Gräberfeldes zu erhalten.

(nach Mitteilung von Dr. Schmid) 

 

B 66 Nortmoor, Krs. Leer

Bei der Beobachtung von Wasserbaumaßnahmen am Heimschloot, in deren Verlauf der Wasserstand z. Zt. der Flurbegehung bis  auf die Sohle abgesenkt wurde, konnte aus der Tiefe von -2,5 m NN sehr viel Feuersteinmaterial mit Abschlägen sowie tiefstichverzierte neolithische Keramik   geborgen werden. Die Fundschicht liegt  im Feinsand unter Darg und To. Dieser neue Fundplatz fügt sich in eine Reihe ähnlicher Befunde im Gebiet von Filsum ein, die im Rahmen der archäologischen Landesaufnahme erzielt wurden.

(nach Mitteilung von Walter Niebergall)

 

B 67 Tannenhausen, Krs. Aurich  (s. Heft 3, B 21)

Die Aufgabe des Grabungsabschnittes 1965 im Bereich des Steingrabes von Tannenhausen war die abschließende Untersuchung der Ostkammer. Dabei wurde festgestellt, daß der Zugang zur Kammer offenbar keine Steinstützung, sondern eine hölzerne Konstruktion gehabt hat. So wurde als Begrenzung des Zuganges je eine Doppelreihe von Pfostenverfärbungen gefunden. Bemerkenswert ist die Konzentration von Steingeräten im Bereich des Zuganges. Sowohl die dort besonders zahlreich vorgefundenen Feuersteinschaber und querschneidigen Pfeilspitzen, als auch die Feststellung zweier Oberflächen lassen auf mindestens zwei Benutzungsphasen der Steinkammer schließen. Im Bereich der Ostkammer konnte ferner durch einen Grabungsschnitt der Verlauf der nördlichen Längswand geklärt werden. Danach bildeten zwei Tragsteine die westliche und drei die östliche Hälfte. Die vorgefundenen Standspuren zeigten, daß der östliche Abschluß der Kammer von zwei Schlußsteinen gebildet wurde. Nach den neuen Untersuchungen betrug die Länge der Kammer ll,20 m, während die Breite im östlichen Teil mit 2,2o m, im westlichen mit 2,80 m anzunehmen ist. Durch einen weiteren Grabungsschnitt wurde die Annahme bestätigt, daß zu jeder Kammer ein Hügel gehört hat. Nach dem Profilaufbau ließen sich im Bereich der Ostkammer zwei Hügeloberflächen, im Bereich der Westkammer drei Oberflächen erkennen. Die Fundausbeute des Grabungsabschnittes 1965 brachte weitere Ergänzungen zur Keramik. Neben zahlreichem Feuersteinmaterial fand sich außerdem ein kleines Steinbeil und das Bruchstück einer nackengebogenen Streitaxt.

(nach Mitteilung von cand. phil. I. Gabriel)

 

B 68 Warsingsfehn  (Rorichmoor), Krs. Leer

Bei Baggerarbeiten für einen Entwässerungsgraben wurde eine mittelalterliche Fundschicht angeschnitten. Die Untersuchung ergab, daß die gefundene Keramik des 12. bis 13. Jhs. unter einer sedimentierten, ca. 70 cm mächtigen Kleischicht lag. Unter dieser stark schilfdurchwurzelten Schicht befand sich ein Torfhorizont, der über l m bis zur Sohle des Entwässerungsgrabens reichte. Durch die  geborgene Keramik ist es möglich, den Beginn der mittelalterlichen Überflutung der Niederungstorfe im Emsgebiet festzustellen und somit weitere Anhaltspunkte für die Veränderung der Landschaft dieses Raumes im Mittelalter zu gewinnen.

(nach Mitteilung von Dr. Schmid)

 

B 69 Viktorbur, Krs. Aurich

Bei Ausschachtungsarbeiten für die Anlage einer Kirchenheizung wurde in der Dorfkirche in ca. 2 m Tiefe ein Sarg mit einem gut erhaltenen Skelett angeschnitten. Bei der Überwachung der Ausschachtungsarbeiten sowie bei der Anlage zweier Grabungsschachte wurde festgestellt, daß das Grab von einer alten Oberfläche aus in einen Plaggenhügel eingetieft worden war. Dieser älteste Teil des Plaggenhügels lag in einer Mächtigkeit von ca. 80 cm einem natürlich gewachsenen Torfhorizont auf. Bei der Untersuchung der Profilschnitte zeigt sich, daß über der alten Oberfläche des ersten Plaggenhügels weitere Auftragungen mit Soden bis zur Höhe von ca. 2,50 m vorgenommen worden waren. In diesem aus Moorboden und Heideplaggen aufgetragenen Kirchhügel wurden vier dünne, harte Lehmschichten angetroffen, die nur als Estriche älterer Kirchenbauten anzusprechen sind. Diese gingen also dem jetzigen, in die Mitte des 13. Jhs. datierten Bauwerk voraus. Mehrere Pfostengruben ließen sich den einzelnen Oberflächen zuordnen. Die in den Lehmschichten festgestellten Brandspuren deuten darauf hin, daß in diesem Bereich mit alten Gußgruben für Glocken oder Taufbecken zu rechnen ist.

Bei der erwähnten Bestattung handelt es sich nach dem Grabungsbefund um ein 0-W-Grab frühchristlicher Zeit, das ohne Beigaben z. Zt. der ältesten Kirchengründung im Plaggenhügel angelegt wurde. Der Kirchenhügel von Viktorbur gehört somit nach den Untersuchungen in die Reihe großer Plaggenhügel, die wahrscheinlich oft schon in heidnischer Zeit errichtet und auf denen in frühchristlicher Zeit die ältesten Holzkirchen erbaut wurden.

(nach Mitteilung von Dr. Reinhardt)

 

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Marschenrat Nr. 7 - 1966

B VORGESCHICHTE

Sachbearbeiter:  Dr.  P.  SCHMID,  Kustos  des  Niedersächsischen  Landesinstituts  für Marschen- und Wurtenforschung, Wilhelmshaven

 Vom Niedersächsischen Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung, Wilhelmshaven, wurden im Jahre 1966 folgende Untersuchungen durchgeführt:

 Regierungsbezirk Aurich

B 85  Archäologische Landesaufnahme

in Zusammenarbeit mit der Ostfriesischen Landschaft und den Kreisen des Regierungsbezirks Aurich.

(Ausführung und Bericht: Dr. P. SCHMID, Wilhelmshaven) (s. Heft 6, B 62)

Die Aufnahme der Altfunde im Kreis Leer deuteten bereits darauf hin, daß im Bereich des nordöstlich an Leer grenzenden langgezogenen Geestrückens eine dichte Besiedlung für die prähistorischen Zeitabschnitte angenommen werden kann. Durch die Geländebegehung in den Gemeinden Logabirum, Brinkum, Holtland, Nortmoor, Filsum und Hesel wurde diese Vermutung bestätigt. Dabei zeigte es sich, daß die in unmittelbarer Nähe der aufgeführten Altdörfer befindlichen hohen Gasten oder Esche ein dichtes Fundnetz von verstreuter mittelalterlicher Keramik aufweisen, darunter zum überwiegenden Teil als älteste Scherben Randprofile des 12. und 13. Jhs. Die im Rahmen der Geländebegehung erfaßten prähistorischen Funde lagen vor allem auf den aufragenden Geestkuppen oder am Rande der angrenzenden Niederungsgebiete. Bei den Fundplätzen handelt es sich sowohl um steinzeitliche Siedlungen als auch um solche der römischen Kaiserzeit. Das aus dem Bereich der Gasten vorliegende prähistorische Fundmaterial stammt fast ausschließlich aus Sandentnahmestellen oder Baugruben. Es hatte nach den Fundumständen primär unter dem mittelalterlichen Eschboden gelegen und war erst durch jüngere Erdbewegungen an die heutige Oberfläche gekommen. Da auf den Gasten in zunehmendem Maße Sand abgefahren wird, konzentrierten sich die Arbeiten im Rahmen der Flurbegehung auf diese Gebiete in den verschiedenen Landkreisen des Reg.-Bezirks Aurich. Es war nicht möglich, die Geländearbeiten in allen Gemeinden eines Kreises, d. h. sowohl in den Niederungs- und Waldgebieten als auch auf den Gasten, zum Abschluß zu bringen. Von der Tatsache der zunehmenden Gefährdung wichtiger Fundplätze im Bereich der Gasten ausgehend, wurde daher versucht, in möglichst vielen Gebieten des Reg.-Bezirks Aurich die Bau- und Sandentnahmestellen unter Beobachtung zu halten. So wurden u. a. am nordöstlichen Geestrand des Kreises Wittmund die Gemeinden Damsum, Fulkum, Utgast und Dunum bearbeitet. Auch hier traten zahlreiche prähistorische Funde, vor allem im Bereich aufragender Geestkuppen und am Rande der Niederungsgebiete, auf.

In den Sommermonaten wurde die Flurbegehung in den nördlichen Teil des Kreises Norden verlegt, da in dieser Zeit die Geländearbeiten auf den beackerten Flächen der Geest nicht weitergeführt werden konnten. Im Kreis Norden standen vor allem die Gemeinden Westermarsch I, Westermarsch II, Linteler Marsch und Ostermarsch im Mittelpunkt der Geländetätigkeit. Außer der Wurtenkartierung im Bereich mittelalterlicher Deichlinien erfolgte an mehreren Stellen die Beobachtung von Erdarbeiten im Marschgebiet. Zahlreiche Oberflächenfunde aus dem Gebiet der Wurten erbrachten wichtige Anhaltspunkte über die spätmittelalterliche Siedlungsentwicklung in den aufgeführten Gebieten. In den Wintermonaten 1966/67 wird das bisher erfaßte Fundmaterial der archäologischen Landesaufnahme für die Kartei und das Archiv bearbeitet und in einem zentralen Fundmagazin bei der Ostfriesischen Landschaft in Aurich untergebracht.

 

B 86  Logabirum, Kr. Leer

(Ausführung und Bericht: Dr. P. SCHMID, Wilhelmshaven) 

Bei Planierraupenarbeiten wurden auf einem Baugelände an der Bundesstraße 75 Leichenbrand und Scherbenreste aus der römischen Kaiserzeit festgestellt. Die sofort angesetzte Notgrabung zeigte, daß die angeschnittenen Gräber unter einem ca. 0,60 m mächtigen Plaggenboden, der Gaste (Esch), lagen. Bereits bei der ersten Anlage der Ackerbeete im Mittelalter waren offensichtlich Teile des Gräberfeldes zerstört worden. So fanden sich z. B. auf einer Brandgrube, die mit Leichenbrand und Holzasche gefüllt war, Reste von Pflugfurchen. Die in der Notbergung erfaßten Beisetzungen wiesen eine weite Streuung auf. Insgesamt wurden 12 Knochenlager und 4 Urnenbestattungen freigelegt. Bei den Urnen handelt es sich um Trichterschalen bzw. Standfußgefäße des 2. bis 3. Jhs. n. Chr. Die Gräber wurden nesterweise angelegt und bestanden in wenigen Fällen aus Urnenbeisetzungen.

 

B 87 Ostermarsch, Kr. Norden

(Ausführung und Bericht: Dr. P. SCHMID, Wilhelmshaven) Bei der im Rahmen der Landesaufnahme durchgeführten Geländebegehung im nordöstlichen Teil des Kreises Norden wurden im Bereich mittelalterlicher Gehöftwurten wiederholt Erdarbeiten festgestellt. So erfolgte z. B. in der Nähe des Tiefs „Schiffschlot" die vollständige Abtragung von zwei Wurten. Die Beobachtung der Baustellen ergab, daß sich im Profilschnitt der Wurten jeweils zwei Siedlungshorizonte abzeichneten, die durch eine ca. 0,50 m mächtige Kleiauftragung voneinander getrennt waren. Nach der geborgenen Keramik lassen sich die Siedlungsschichten etwa dem 12. bis 13. Jh. n. Chr. zuordnen. Da die abgetragenen Wurten ca. 1,5 km von dem ältesten, in diesem Gebiet bei der Geländekartierung erfaßten Deich entfernt liegen (Deichlinie Süderhaus), ergeben sich aus ihrer Datierung interessante Anhaltspunkte für die älteste Deichgeschichte in diesem Raum.

 

B 88 Mimstede bei Utgast, Kr. Wittmund

(Ausführung und Bericht: Dr. P. SCHMID, Wilhelmshaven) Bei der Geländebegehung des nördlichen Geestrandes im Kreis Wittmund wurden bei Sandgewinnungsarbeiten auf der Gaste (Esch) bei Mimstede Leichenbrand und Urnenscherben festgestellt. Die sofort angesetzte Notgrabung erbrachte folgenden Befund: Beim Abräumen des ca. 0,60 m mächtigen Plaggenbodens waren im hellen Sand in breiter Streuung Brandgrubenbestattungen der römischen Kaiserzeit angeschnitten und zum größten Teil zerstört worden. In dem noch ungestörten Gelände wurde ein in nordsüdlicher Richtung verlaufender und zum Teil stark mit Holzkohle angefüllter Graben in einer Gesamtlänge von etwa 23 m erfaßt. Da dieser ca. 0,40 m breite und ca. 0,50 m tiefe Graben an zwei Stellen von Brandgruben mit Scherben der römischen Kaiserzeit geschnitten wurde, kann es sich um die Begrenzung eines älteren Gräberfeldes bzw. einer Siedlung handeln. In den noch ungestört vorgefundenen drei Brandgrubenbestattungen lagen Scherben von Henkeltöpfen sowie Trichter- und Standfußschalen, welche die Gräber etwa in das 2. bis 3. Jh. n. Chr. datieren. Bei den weiteren Planierungsarbeiten wurden zwei in ostwestlicher Richtung verlaufende, ca. 0,30 m breite Gräben im Abstand von etwa 3,50 m angeschnitten. Da diese von dem eingangs erwähnten nordsüdlich verlaufenden, breiten Graben geschnitten werden, lassen sie sich einer älteren Zeit als die den Graben überlagernden kaiserzeitlichen Brandgrubenbestattungen zuordnen. Im Bereich zwischen den beiden Gräben fanden sich mehrere Pfostenverfärbungen, die evtl. als Reste eines prähistorischen Hausgrundrisses anzusprechen sind. Daß in der Nähe des angeschnittenen kaiserzeitlichen Gräberfeldes mit einer älteren Siedlung gerechnet werden kann, wird durch benachbarte Hakenpflugspuren bestätigt, die sich unter der Gaste im hellen Sandboden deutlich abzeichnen und von dem oben angeführten nordsüdlich verlaufenden Graben geschnitten wurden.

 

B 89 Damsum, Kr. Wittmund  (2311/4:9 + 10)

(Ausführung und Bericht: Dr. P. SCHMID, Wilhelmshaven)

Bei der Flurbegehung am nördlichen Geestrande des Kreises Wittmund wurden auf einer aufragenden Geestkuppe neben der Straße Damsum/Utgast in dichter Streuung Leichenbrand und Gefäßscherben festgestellt. Es handelt sich nach dem Scherbenfund um ein auseinandergepflügtes und zum größten Teil zerstörtes Gräberfeld der Spätlatene- und älteren Kaiserzeit. Vereinzelt wurden noch Bodenteile mit Leichenbrandresten sowie Reste von Eisenbeigaben (wahrscheinlich Fibeln und Messer) vorgefunden. In unmittelbarer Nähe dieser Grabfunde, d. h. auf der gegenüberliegenden Seite der Straße, lagen ebenfalls auf einer aufragenden Geestkuppe in breiter Streuung Scherben der älteren Kaiserzeit und des Mittelalters. Die Struktur vieler Scherben (ziegelroter Brand) läßt darauf schließen, daß u. a. auch Herdstellen auseinandergepflügt worden sind. Mehrere Eisenschlackenreste deuten ferner darauf hin, daß sich an dieser Stelle eine Siedlung aus der älteren Kaiserzeit befindet, die von einer mittelalterlichen Siedlung überlagert wird.

 

B 90 Nord-Uppum bei Fulkum, Kr. Wittmund  (2311/4: 50)

(Ausführung und Bericht: Dr. P. SCHMID, Wilhelmshaven)

 Bei der Flurbegehung im Rahmen der Landesaufnahme wurde auf einem aufragenden Geestrücken am Rande der Marsch bei Fulkum in dichter Streuung früh- bis spätmittelalterliche Keramik (etwa des 9. bis 13. Jhs.) erfaßt. Ferner fanden sich mehrere Importscherben (Pingsdorf), Eisenschlacke sowie eine hellblaue Glasperle. Wichtig ist die Feststellung, daß neben dieser mittelalterlichen Siedlung zwei Dorfwurten liegen (Nord- und Süd-Uppum). Die vergleichende Untersuchung der auf dem Geestbuckel gelegenen mittelalterlichen Siedlung und der Wurten würde wichtige Anhaltspunkte für die Entwicklung der Besiedlungsgeschichte des Marschenlandes in diesem Raum vermitteln. Darauf deutet auch die Beobachtung von Erdarbeiten in der Nähe der Wurt Nord-Uppum hin. In einem durch Baggerarbeiten entstandenen Schnitt von etwa 100 m Länge war der Verlauf einer jungen Transgressionsschicht sichtbar, die einer alten vermoorten Oberfläche in etwa 0,60 m Mächtigkeit aufliegt. Sie erstreckt sich auch über den Rand der eingangs erwähnten Geestkuppe, auf der die mittelalterliche Siedlung festgestellt wurde.

 

B 91 Dunum, Kr. Wittmund

a) Suchgrabung im Bereich eines frühmittelalterlichen Gräberfeldes 

(Ausführung und Bericht: Dr. P. SCHMID, Wilhelmshaven) 

Nach der Meldung von frühmittelalterlichen Urnenfunden aus dem Gelände der Dunumer Gaste (Esch) wurde im Rahmen der Landesaufnahme im Bereich einer Streifenflur am Rande der Geest ein ca. 70 m langer und 2 m breiter Suchgraben angelegt. Dabei zeichnete sich im Profil unter der heutigen Ackerkrume eine 0,40 m bis 0,60 m mächtige graue humose Schicht ab, die, wie der spätere Befund zeigte, als mittelalterlicher Plaggenboden anzusprechen ist. Unter dem Eschboden wurden in dichter Verbreitung im hellen Sand Verfärbungen von Körpergräbern festgestellt, dazwischen vereinzelt Urnenbeisetzungen. Nach Abschluß der Voruntersuchung im Suchgraben und in der anschließend angelegten kleineren Fläche von 7 x 35 m ergab sich in chronologischer Abfolge dieser Befund: Unmittelbar unter dem Eschboden, d. h. zum Teil angepflügt und zerstört, wurden Reste von West-Ost-Gräbern vorgefunden, die keine Beigaben enthielten. In mehreren Fällen konnten die Skelettverfärbungen erkannt werden. Diese jüngste Bestattungsschicht überdeckte zahlreiche, ebenfalls west-östlich angelegte Körpergräber, die mit zum Teil reichen Beigaben ausgestattet waren. Nach dem bisherigen Befund der Beigaben (Perlenketten, Nadeln, Schlüssel, Gürtelschnallen, Pinzetten usw.) lassen sich diese Gräber etwa in die Zeit um 800 bis 1. Hälfte 9. Jh. datieren. Bemerkenswert war die Feststellung, daß die mit Beigaben ausgestatteten West-Ost-Gräber die vorgefundenen jeweiligen Grabbereiche älterer Urnenbeisetzungen nur selten überschnitten. Bei diesen Brandbestattungen handelt es sich um Urnengräber des späten 8. Jhs. mit zum Teil Brandschüttungen und Beigaben, wie Schlüssel, Messer, Pinzetten, Perlen u. a. Die häufige Einfassung der Urnen durch Pfosten läßt darauf schließen, daß diese Gräber z. T. bis in die Zeit der Anlage der West-Ost-Bestattungen noch kenntlich waren. In die Phase der Brandbestattung gehört ein reich ausgestattetes Kriegergrab mit Spatha, Sax, Lanzenspitze und Schildbuckel. Die Urne dieses Waffengrabes aus der Zeit um 800 war von einer Pfostensetzung eingefaßt und lag in einem von Körperbestattungen nicht berührten Gebiet. Am Rande des bisher angelegten Grabungsschnittes wurden als älteste Bestattungsschicht mehrere Süd-Nord-Gräber mit ebenfalls z. T. reichen Beigaben, wie z. B. Perlenketten, Schnallen, Messer und Nadeln, festgestellt. Viele Süd-Nord-Gräber wurden von West-Ost-Bestattungen mit und ohne Beigaben geschnitten. Die Lage der bisher erfaßten Süd-Nord-Gräber läßt darauf schließen, daß das Zentrum des älteren Friedhofteiles im angrenzenden nördlichen Bereich der diesjährigen Suchgrabung anzunehmen ist. Alles in allem zeigt der Befund, daß wir es mit einem größeren frühmittelalterlichen Gräberfeld zu tun haben, von dem bisher insgesamt etwa 120 Bestattungen erfaßt werden konnten.

 

b)   Suchgrabung auf der Gaste und Archivarbeit

(Ausführung und Bericht: Dr. W. REINHARDT, Wilhelmshaven) Die siedlungsgeographischen Untersuchungen im Bereich des Grabungsgeländes ergaben, daß der Rand des Gräberfeldes in westlicher Richtung zum Zentrum der Dunumer Gaste hin verläuft. Dort wurden über West-Ost-Gräbern, dem heutigen Verlauf der Flur entsprechend, ca. 10 m breite Ackerbeete auf der Gaste festgestellt, die durch Keramikfunde an der Sohle etwa in das 12. bis 13. Jh. n. Chr. datiert werden konnten. Das Gelände des Gräberfeldes wurde also im Zuge der mittelalterlichen Neubewirtschaftung (Bildung der Gasten) mit Plaggenboden bedeckt. Die Archivarbeiten ergaben, daß in einem Besitzregister zu einer Flurkarte von 1670 die Flurstücke im unmittelbar an das Gräberfeld grenzenden Bereich mit dem Flurnamen „Darpstette bezeichnet wurden. Es kann also angenommen werden, daß dort wahrscheinlich die zum Gräberfeld gehörende, später wüst gewordene Siedlung lag. Die Anlage der Flur und die Besitzverteilung sprechen dafür, daß möglicherweise noch weitere Wüstungen im Bereich der Dunumer Gaste anzunehmen sind, die z. T. durch Funde von mittelalterlicher Siedlungskeramik und von Ziegelsteinen bestätigt werden konnten. Bestimmte Teile der Gaste lassen auch den abschnittsweise erfolgten Ausbau der Flur erkennen. Wichtige Hinweise über den Gang der Besiedlung vermittelt schließlich ein von Nord-Dunum nach Süd-Dunum führender Weg, der bis zum Gräberfeld eine auffällige Breite aufweist, in seinem weiteren Verlauf aber mit Rücksicht auf die Flur, die er zum Teil durchschneidet, stark eingeengt ist. Die aus dem Gräberfeld und aus dem Ortsteil Süd-Dunum vorliegenden Bodenfunde ermöglichen es, die Baustadien des Weges und damit auch die Teile der Flur, die er durchschneidet, annähernd zeitlich zu bestimmen.

 

B 92 Boomborg bei Hatzum, Kr. Leer

(Ausführung und Bericht: Dr. W. HAARNAGEL, Wilhelmshaven) (s. Heft 6, B 63)

Um die Ausdehnung und den Verlauf der Siedlungsschichten begrenzen zu können, wurden 1966 zwei Suchgräben angelegt sowie mehrere Bohrschnitte durchgeführt. Dabei zeigte es sich, daß die Siedlungsschichten durch heute verlandete Prielläufe begrenzt sind, die sowohl durch die Bohrungen als auch durch die Grabungen nachgewiesen werden konnten. Insgesamt wurden drei Prielsysteme erfaßt, von denen ein Priel die ältereisenzeitlichen Siedlungshorizonte im Südosten und Osten begrenzte. Ein Nebenlauf kam aus Nordwesten, er wurde im Suchgraben l und 2 angeschnitten, mündete in den Hauptpriel und verlandete vor der kaiserzeitlichen Landnahme. Durch diesen Priellauf wurden die Kerne der ältereisenzeitlichen Siedlung im Nordwesten, Westen und Südwesten begrenzt. Der dritte Wasserlauf war tiefer eingeschnitten, mündete offenbar wie der zuerst angeführte in nördlicher Richtung in die Ems und ist heute im Südwesten von der Gehöftwurt Boomborg-Hatzum bedeckt. Dieser Priel war während der älteren Eisenzeit und der römischen Kaiserzeit geöffnet. Bis zu seinem südöstlichen Ufer ließen sich Siedlungsspuren der älteren Eisenzeit nachweisen, und auch die Siedlungshorizonte der römischen Kaiserzeit wurden durch diesen Lauf begrenzt. Der Gesamtbefund zeigt, daß die ältereisenzeitlichen Siedlungskerne von einem Priel und seinen Nebenläufen fast völlig eingeschlossen waren. Nur in nördlicher Richtung, zum damaligen Emslauf hin, waren sie nicht begrenzt. Die ältereisenzeitlichen Kulturschichten bedecken innerhalb der Prielschleifen eine Fläche von etwa l ha. Wie die Suchgrabungen gezeigt haben, wird die Flachabdeckung des Gebietes innerhalb der umgrenzenden Priele ausreichen, um die Kernsiedlungen zu erschließen und die Dorfformen zu ermitteln. Die Suchgrabungen zeigten ferner, daß die Kulturschichten der Spätlatène-und römischen Kaiserzeit durch den Haupt- und Nebenpriel nicht begrenzt wurden. Nachdem die älteste Ansiedlung in dem von beiden Prielen umschlossenen Gebiet angelegt worden war, wuchs sie offenbar bald über die Wasserläufe hinaus, d. h. diese wurden mit Mist und Siedlungsschutt angefüllt und der tief eingeschnittene Priel im Nordwesten in der Folgezeit als Wasserweg benutzt.

 

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Marschenrat Nr.  8 - 1969

B VORGESCHICHTE

Sachbearbeiter: Dr. P. SCHMID, Oberkustos des Niedersächsischen Landesinstituts für Marschen- und Wurtenforschung, Wilhelmshaven

Forschungsvorhaben im Arbeitsbereich des Niedersächsischen Landesinstituts für Marschen- und Wurtenforschung Wilhelmshaven:

 

Regierungsbezirk Aurich 

B 110     Archäologische Landesaufnahme

Nach der wissenschaftlichen Betreuung durch den Berichterstatter bis zum Herbst 1968 wurde dieses von den Kreisen des Regierungsbezirks Aurich finanzierte Vorhaben von Dr. R. MAIER als Sachbearbeiter der Ostfriesischen Landschaft weitergeführt (s. Heft 7, B 85).

Im Jahre 1967 erstreckte sich die Flurbegehung auf den Küstenstreifen zwischen Hagermarsch, Kr. Norden, und der Grenze zwischen den Kreisen Wittmund und Friesland. Während des Frühjahres und Herbstes wurde die Geländearbeit im dortigen Geestgebiet in 6 Gemarkungen durchgeführt. Wie schon in den vergangenen Jahren bei der Landesaufnahme in den Kreisen Leer und Wittmund beobachtet werden konnte, lagen die dabei erfaßten urgeschichtlichen Fundplätze vorwiegend auf den aufragenden Geestkuppen und an den Rändern der angrenzenden Niederungen. Im Bereich der Gasten dagegen, wo junge Eschböden die Spuren prähistorischer Besiedlung überdecken, lieferte die Flurbegehung in der Regel nur mittelalterliches Fundmaterial. In den Sommermonaten wurde die Arbeit der archäologischen Landesaufnahme wegen der Vegetation auf den Ackerflächen in die Wald- und Weideareale und später in das Marschengebiet verlegt. Dort konnten in 12 Gemarkungen zahlreiche Wurten und alte Deichreste registriert werden. Im Jahre 1968 erfolgte die Geländebegehung zunächst im nördlichen Kreise Wittmund, wo 9 Gemarkungen in der Marsch und im Geestrandgebiet begangen wurden. Anschließend begann in den Sommermonaten die Bearbeitung von 8 Gemarkungen in der Krummhörn. Seit September 1968 wird die Landesaufnahme auf dem Geestgebiet im Bereich von Aurich durchgeführt. Neben der planmäßigen Geländebegehung führte auch die Überwachung der Sandgruben und die Beobachtung anderer Erdarbeiten zu der Entdeckung neuer ur- und frühgeschichtlicher Siedlungs- und Begräbnisplätze. Namentlich im Bereich der Gasten wurde das sonst weitgehend mittelalterliche Fundgut durch ältere urgeschichtliche Funde ergänzt. So konnten z. B. allein in der Gemarkung Brill, Kr. Wittmund, neben reichen Siedlungsfunden der römischen Kaiserzeit und vorgeschichtlichen Brandgräbern auch steinzeitliche Flintgeräte aus drei verschiedenen Sandgruben geborgen werden und im benachbarten Dunum aus einer weiteren Sandgrube neben Feuersteinmaterial auch neolithische Keramik.

(Bericht: Dr. R. MAIER, Aurich)

 

B 111     Brill, Kr. Wittmund

Bei dem systematischen Absuchen einer Sandgrube im Geestgebiet von Brill wurden, wie schon im Jahre 1966, urgeschichtliche Siedlungsreste festgestellt. Die Sandgewinnungsarbeiten legten wiederholt Verfärbungen von Siedlungsgruben und Pfostenlöchern frei, die auch in den meisten Fällen durch Notgrabungen untersucht werden konnten. Dabei gefundene Keramik gehört größtenteils der römischen Kaiserzeit an. Besonders erwähnenswert ist von den übrigen Funden eine bronzene Scheibenfibel mit Emailleeinlage. Auf dem gleichen Gebiet wurden außer den Siedlungsresten auch vorgeschichtliche Grabanlagen aufgedeckt, die zeitlich jedoch nicht genauer einzuordnen sind. Es handelt sich um ein Urnengrab, das im Oberteil durch den Bagger schon zerstört war und um mehrere Brandgrubenbestattungen, die keine Beigaben enthielten.

(Bericht: Dr. R. MAIER, Aurich)

 

B 112     Canhusen, Kr. Norden

Im Rahmen der archäologischen Landesaufnahme wurden 4 Wurten festgestellt. Bei der Begehung eines dieser Fundplätze traten zahlreiche Oberflächenfunde auf. Neben Bruchstücken von Mahlsteinen aus Basaltlava, Stücken von Eisenschlacke und Fragmenten von tönernen Webgewichten wurden über 400 mittelalterliche Tongefäßscherben gefunden.

(Bericht: Dr. R. MAIER, Aurich)

 

B 113     Dunum, Kr. Wittmund

Im Abraum einer Sandgrube westlich vom „Hilgenmoor" wurden neben einigen Geräten, Klingen und Abschlägen aus Feuerstein 53 vorgeschichtliche und mittelalterliche Tonscherben gefunden, darunter eine neolithische mit Furchenstichverzierung.

(Bericht: Dr. R. MAIER, Aurich)

 

B 114     Nesse, Kr. Norden

Bei den Ausschachtungsarbeiten für eine Heizungsanlage wurden in der Kirche in drei Meter Tiefe mehrere mittelalterliche Bestattungen freigelegt. Im Erdaushub fanden sich zahlreiche Gefäßscherben, darunter importierte Keramik (Pingsdorfer Ware) sowie Bronzeschlacke und Mahlsteinreste aus Basaltlava. Ferner wurden mehrere Münzen entdeckt, die in das 15. bis 18. Jahrhundert datiert werden konnten.

(Bericht: Dr. R. MAIER, Aurich)

 

B 115     Boomborg bei Hatzum, Kr. Leer

(s. Heft l, S. 9; Heft 2, B 2; Heft 3, B 20; Heft 4/5, B 43; Heft 6, B 63; Heft 7, B 92)

Die Grabung einer Siedlung aus der älteren vorrömischen Eisenzeit (etwa 6. bis 3. Jh. v. Chr.) im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Vorgeschichte" der Deutschen Forschungsgemeinschaft konnte fortgesetzt werden. Nachdem es bereits in mehreren, seit 1963 durchgeführten Grabungsabschnitten gelungen war, in fünf verschiedenen Siedlungshorizonten etwa 30 Hausgrundrisse freizulegen und z. T. die dazugehörenden Hofplätze und Vorratsspeicher zu erfassen, wurde 1967 die Ausgrabung der älteren Siedlungsschichten im Anschluß an das bisher untersuchte Gebiet vorgenommen. Durch mehrere Profilschnitte gelang es, den Verlauf der z. Z. der Besiedlung bestehenden Priele festzustellen und somit die Begrenzung eines Teiles der Siedlung zu erfassen. Es bestätigte sich die in den Vorjahren gewonnene Erkenntnis, daß die Siedlung bereits am Ende der jüngeren Bronzezeit angelegt wurde und über mehrere Jahrhunderte als Flachsiedlung bestand. Die zunehmende Gefährdung durch die Meerestransgression zwang die Bewohner schließlich zur Aufgabe ihres Wohnplatzes. Nach Ablagerung toniger Sedimente wurde das Gelände in der um Chr. Geb. günstigen Siedlungsphase wieder besiedelt, bis schließlich im Verlauf des 2. bis 3. Jh. n. Chr. die endgültige Aufgabe erfolgte. 1967 gelang es, drei Siedlungshorizonte der vorrömischen Eisenzeit zu erfassen, in denen die Grundrisse von jeweils 3 Häusern freigelegt wurden. Es handelt sich dabei um dreischiffige Hallenhäuser mit Wohn- und Stallteil und einer durchschnittlichen Größe von 6 x 15 m. Sowohl die das Dach tragenden Innenständer als auch die Reste der Wandpfosten und des Flechtwerkes wurden z. T. in Holz erhalten vorgefunden. Es gelang auch, die Begrenzung der Höfe durch Flechtzäune festzustellen. Außerdem wurde im untersuchten Bereich ein alter Priel angeschnitten, der in der Zeit der Besiedlung offen war und somit den älteren Wohnplatz nach Norden begrenzte. Im Jahre 1968 erfolgte die Erweiterung der Fläche des Jahres 1967 in südwestlicher Richtung. Weiterhin wurde ein umfangreiches Bohrprogramm in Angriff genommen, das vor allem über die prähistorischen Landoberflächen außerhalb der Siedlung, über den Verlauf der Priele im Bereich des besiedelten Geländes und des Ufers der prähistorischen Ems einen Aufschluß bringen sollte. Diese beiden nebeneinander durchgeführten Untersuchungen erbrachten neue wichtige Erkenntnisse in Bezug auf die weitere Ermittlung der ältereisenzeitlichen Siedlungsformen und die Gestaltung des Landschaftsbildes im Verlauf der Besiedlung von der älteren Eisenzeit bis zum Mittelalter. Durch mehrere Bohrschnitte konnte der Verlauf des Hauptprieles, der das bewohnte Gebiet in einem weiten Bogen umfloß, in seiner ganzen Länge erfaßt werden. Die angrenzende, hoch aufgelandete Uferzone bildete ein günstiges Siedlungsgelände, das von zwei Nebenprielen fast völlig eingeschlossen war. Verkehrstechnisch diente der Hauptpriel als Wasserweg zur Ems, während die beiden Nebenpriele geschützte Anlegeplätze boten. Bei der Flächenabtragung des Jahres 1968 wurde die alte Landoberfläche angeschnitten, auf der der Baumbestand eines Auewaldes in Spuren nachgewiesen werden konnte. Darüber lagen insgesamt 5 Siedlungshorizonte mit jeweils 2 oder 3 Grundrissen von Wirtschaftsbetrieben in den einzelnen Wohnoberflächen. Sie bestanden aus dreischiffigen Hallenhäusern sowie Speicherbauten. Der Siedlungshorizont 5 wurde von einer ca. 0,20 m mächtigen Tonschicht überdeckt, die in der Transgressionsphase des 3. bis 1. Jh. v. Chr. zur Ablagerung kam. Kurz vor Chr. Geb. erfolgte dann die neue kaiserzeitliche Landnahme. Die Untersuchung der Grabungsprofile ergab, daß die Siedlung während der beiden ersten Wohnperioden nicht durch Sturmfluten gefährdet war. Erst in der folgenden Zeit zwangen die zunehmenden Überflutungen die Bewohner zur Anfüllung der tiefliegenden Senken ihres Siedlungsbereiches, um der Gefährdung durch das Wasser zu begegnen. Die über den oberen Siedlungshorizonten festgestellten Sedimente zeigten weiterhin, daß die Sturmfluten immer häufiger die Siedlung heimsuchten und schließlich im 3. Jh. v. Chr. zur Aufgabe des Geländes führten.

(Ausführung und Bericht: Prof. Dr. W. HAARNAGEL, Wilhelmshaven)

 

B 116    Dunum, Kr. Wittmund (s. Heft 7, B 91)

Die Untersuchung eines frühmittelalterlichen Gräberfeldes auf der Gaste bei Dunum wurde mit Mitteln des Niedersächsischen Zahlenlottos fortgesetzt. Nach der Probegrabung 1966 erfolgte in den Jahren 1967 und 1968 die Freilegung eines Geländes von etwa 1400 qm sowie die Anlage mehrerer Suchgräben, um die Begrenzung des Gräberfeldes festzustellen. Während in nördlicher Richtung das Ende des Friedhofes bisher nicht erschlossen werden konnte, zeichneten sich im Süden, Westen und Osten in den Suchschnitten die Randgebiete deutlich ab. Insgesamt konnten 424 Gräber in der Fläche und in den Suchgräben erfaßt werden. Von den in der Fläche bisher untersuchten 391 Bestattungen bestanden 233 aus SW/NO-, 93 aus WO-, 34 aus SN-, sowie 5 aus NW/SO-Gräbern. Ferner wurden 26 Brandbestattungen freigelegt. Im zentralen Bereich der Grabung konnte eine zerstörte Steinsetzung nachgewiesen werden, um die sich zahlreiche Körpergräber gruppierten. Wie die Grabungsprofile zeigten, wurde die Steinsetzung bereits bei der Anlage der Körpergräber und später nach Aufgabe des Friedhofes durch die mittelalterliche Bodenbewirtschaftung stark zerstört. An einer Stelle gelang es, unter einem Deckstein die Langseite einer Steinkiste freizulegen. Auf Grund der Findlingsanhäufungen kann angenommen werden, daß im angrenzenden Gebiet ebenfalls Steinkisten vorhanden waren, die wahrscheinlich dem jüngeren Neolithikum oder der älteren Bronzezeit angehörten.

Zum ältesten Bestattungshorizont des frühmittelalterlichen Gräberfeldes gehören die Brandgräber. Bei diesen handelt es sich vor allem um Urnenbestattungen, deren Grabbezirke oft von Pfostensetzungen eingefaßt waren. Als äußere Begrenzung dieser ursprünglich unter einem Hügel befindlichen Brandgräber wurden außerdem Kreisgräben festgestellt. In einem Falle gelang  in Verbindung mit zwei Brandbestattungen der Nachweis einer kammerartigen Holzkonstruktion. Der größte Teil der in Dunum freigelegten Grabanlagen besteht aus Körperbestattungen, von denen die älteste Gruppe in SN-Richtung angelegt wurde. Diese fand sich vor allem in der Nähe der von Kreisgräben eingefaßten Brandbestattungen. Sowohl die Brand- als auch die SN-Gräber werden sehr oft von SW/NO- und WO-Gräbern überschnitten, die über die ganze Flächenbreite verteilt vorgefunden wurden. Zur Datierung des Gräberfeldes ist anzuführen, daß die Beigaben dem 8. bis 9. Jh. n. Chr. angehören. Aus der jüngeren, z. T. mit reichen Beigaben ausgestatteten Körpergrabgruppe, liegen u. a. verzierte Bronzeschlüssel vor, die sich mit niederländischen und skandinavischen Parallelen der Zeit um 800 zuordnen lassen. Die Annahme, daß es sich bei diesen Funden um christliche Amulette handelt, wird durch ein Exemplar aus Dunum bestätigt, dessen Griff eine in durchbrochener Arbeit gestaltete, stilisierte menschliche Figur mit erhobenen Armen aufweist. Die mit diesen Beigaben ausgestatteten Gräber leiten bereits über zu einer beigabenlosen WO-Gruppe, mit der die Belegung des Friedhofes in der Frühzeit der Christianisierung endet. Zur Datierung der heidnischen Brand- und Körperbestattungen ist ferner bemerkenswert, daß in die Gruppe der Brandgräber eine mit Waffen ausgestattete Beisetzung gehört, die als Adelsgrab aus der 2. Hälfte des 8. Jhs. angesprochen werden kann. Sowohl diese als auch eine weitere Beisetzung mit der Ausrüstung eines Berittenen bestätigt historische Quellenaussagen über die Herausbildung einer für das Wirtschaftsleben des frühen Mittelalters entscheidenden und lenkenden Oberschicht und damit für die soziale Struktur der im Küstengebiet ansässigen Bevölkerung.

(Ausführung und Bericht: Dr. P. SCHMID, Wilhelmshaven)

 

B 117     Archäologische Untersuchungen in ostfriesischen Kirchen

In den Jahren 1966 bis 1968 fanden in mehreren Kirchen Ostfrieslands mit Unterstützung der Ostfriesischen Landschaft und der betreffenden Kirchengemeinden archäologische Untersuchungen statt. Es handelte sich hierbei nicht um planmäßige Ausgrabungen und Bohrungen, sondern lediglich um Einschaltungen in laufende Renovierungsarbeiten, bei denen durch die Entfernung der Fußböden die Anlage von Grabungsschächten ermöglicht wurde. Zweck der Untersuchungen war, das etwaige Vorhandensein älterer Kirchenbauten zu ermitteln.

1.  Victorbur, Kr. Aurich

Der ältere Teil dieses dem heiligen Victor geweihten Backsteinbaues wurde wohl in der Mitte des 13. Jhs. errichtet und im späten Mittelalter nach Osten und Westen erweitert. Nach der Anlage von 5 Grabungsschächten im Kirchenschiff wurden in dem 2,70 m hohen, aus Plaggen über Moor aufgeschütteten Kirchhügel mehrere Klei-Estriche festgestellt. Diese Estriche konnten zum Teil durch Pfosten und Pfostengruben als Fußböden von Holzbauten gedeutet werden. In sekundärer Lage wurden unter dem Lettnerfundament flache Findlinge vorgefunden, die vermutlich als Ständersteine der Pfosten gedient haben. In die Zeit der Holzkirche gehörte ein tief angelegtes Grab mit Kastensarg, der ein mit Lederschuhen bekleidetes und mit einem Leichentuch überdecktes Skelett enthielt.

(Ausführung und Bericht: Dr. K. H. MARSCHALLECK, Jever und Dr. W. REINHARDT, Wilhelmshaven)

 

2.  Engerhafe, Kr. Aurich

Im Bereich dieses, aus der 2. Hälfte des 13. Jhs. stammenden und Johannes dem Täufer geweihten Backsteinbaues wurden 7 Grabungsschächte angelegt. Die Kirche liegt auf einem aufgeschütteten Hügel, der auf einer Geestzunge errichtet wurde. Bei der Grabung konnten Teile der 1806 bzw. 1910 entfernten Apsis und des östlichen Teiles vom Kirchenschiff freigelegt werden. Auf diese Weise war es möglich, den mittelalterlichen Grundriß zu rekonstruieren. Vor dem Kirchenbau bestand ein christlicher Friedhof, dessen Gräber unter dem Fundament vorgefunden wurden. Die Bruchstücke eines im Fundament vermauerten Steinsargdeckels deuten auf einen Vorgängerbau hin. In 1,50 m Tiefe fanden sich die Reste eines zu einer Holzkirche gehörenden Klei-Estriches. In ungefähr 2 m Tiefe wurde außerdem eine starke Einlagerung von Holzkohle festgestellt, die auf einen noch älteren, verbrannten Holzbau schließen läßt.

(Ausführung und Bericht: Dr. K. H. MARSCHALLECK, Jever)

 

3.  Pewsum, Kr. Norden

In der am Rande einer Dorfwarf gelegenen, 1862 durch Umbauten stark veränderten Backsteinkirche konnten nur ein Heizungsschacht im Schiff an und unter der Nordwand ausgewertet sowie einige Bohrungen vorgenommen werden. Der Kirchhügel wurde über einem Wohnplatz aus dem 11. bis 13. Jh. errichtet. Ein Vorgängerbau bestand nicht. Die Kirche stammt frühestens aus der Zeit um 1300. Ein Steinfundament wurde nicht festgestellt, sondern nur eine gestampfte, sehr harte Schicht aus grau-schwarzem Klei. Nach den Bohrungen ist anzunehmen, daß die Dorfwarf wahrscheinlich über einer prähistorischen Flachsiedlung errichtet wurde. Besonders bemerkenswert ist die Feststellung, daß noch im späten Mittelalter künstliche Hügel zum Bau von Kirchen aufgeschüttet wurden.

(Ausführung und Bericht: Dr. K. H. MARSCHALLECK, Jever)

 

4. Riepe, Kr. Aurich

An der Nordwand dieser rechteckigen Backsteinkirche ohne Apsis ist sichtbar, daß ein älterer Bau bestanden hat, von dem ein Teil der Wand erhalten geblieben ist. Drei Grabungsschächte konnten im Innern der Kirche angelegt werden. Dabei fanden sich in etwa 1,5 m Tiefe Ziegelschuttmassen eines älteren Backsteinbaues mit Seitenflügeln (Kreuzkirche). Darunter wurde im östlichen Teil des Schiffes eine dicke Brandschicht mit Resten eines hölzernen Vorgängerbaues festgestellt. Ferner fanden sich verkohlte Balkenreste, deren Bergung wegen Wassereinbruchs nicht möglich war. Die eingewölbte Kreuzkirche, von der Formsteine der Pfeilerrippen gefunden wurden, ist wegen des schlechten Baugrundes offenbar bald eingestürzt. Ihre Form und Größe soll durch weitere Untersuchungen außerhalb des jetzigen Baues ermittelt werden.

(Ausführung und Bericht: Dr. K. H. MARSCHALLECK, Jever)

 

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Marschenrat  1970 (20 Jahre Marschenrat 1950-1970)

Archäologische Landesaufnahme im Regierungsbezirk Aurich

Von Reinhard Maier, Aurich

Gegen Ende des Jahres 1963 wurde in Ostfriesland mit der archäologischen Landesaufnahme begonnen. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Kenntnis der ur- und frühgeschichtlichen Bodendenkmäler in weiten Teilen des Landes, vor allem in den Moor- und Geestgebieten, noch sehr lückenhaft. Größere Abschnitte der Vorgeschichte waren im Fundmaterial überhaupt nicht repräsentiert. Zwar hatte P. Zylmann bereits 1933 in seiner „Ostfriesischen Urgeschichte" eine gute Zusammenstellung der bis dahin bekannten Funde gegeben, doch reichte dieses Material keineswegs aus, um für die verschiedenen Teile Ostfrieslands auch nur andeutungsweise etwas über den Gang und die Dichte der Besiedlung in vor- und frühgeschichtlicher Zeit aussagen zu können. Durch mehrere Ausgrabungen, die später vom Niedersächsischen Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung, Wilhelmshaven, in den ostfriesischen Marschgebieten durchgeführt worden sind, konnten zwar einige wertvolle Einblicke über den Besiedlungsablauf seit dem Ende der Bronzezeit gewonnen werden, doch betrafen diese Erkenntnisse nur die Marsch; für die Geest- und Moorlandschaften fehlten entsprechende Untersuchungen. Eine möglichst vollständige Erfassung aller Bodendenkmäler und Fundstellen, wie sie durch die Landesaufnahme erfolgt, war nicht allein für die siedlungsarchäologische Forschung dringend erforderlich, sondern auch für die Bodendenkmalpflege: In einer Zeit, in der durch großflächige Erdbewegungen bei Bau- und Kultivierungsarbeiten und vor allem bei der Sandgewinnung die ortsfesten Bodenaltertümer stärker als früher von einer Zerstörung bedroht sind, kann die Bodendenkmalpflege nur dann wirkungsvoll betrieben werden, wenn auch die gefährdeten Objekte bereits vor dem Beginn der Bau- und Erdarbeiten bekannt sind.

Diese Überlegungen führten schließlich auch in Ostfriesland dazu, mit der archäologischen Landesaufnahme zu beginnen. Die praktische Durchführung dieser Aufgabe hat die Ostfriesische Landschaft in Aurich übernommen. Von den ostfriesischen Landkreisen Aurich, Leer, Norden und Wittmund und neuerdings auch von der Stadt Emden wird sie hierin durch jährliche finanzielle Zuschüsse unterstützt. Auch das Land Niedersachsen hat Forschungsmittel für die Landesaufnahme in Ostfriesland bereitgestellt.

Die wissenschaftliche Betreuung der Geländebegehung, die Aufarbeitung der Funde und des schriftlichen Quellenmaterials erfolgt durch einen Prähistoriker, die systematische Geländebegehung besorgt ein Geländetechniker. Für die anfallenden Zeichenarbeiten steht zeitweise ein Zeichner zur Verfügung. Die Landesaufnahme wird in enger Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven durchgeführt, das zeitweilig auch den wissenschaftlichen Betreuer der Geländearbeiten stellte.

Eine der Aufgaben der Landesaufnahme ist die Erfassung aller bereits geborgenen Funde, die sich z. T. noch in den Museen und in Privatbesitz befinden. Von den Fundbeständen in den ostfriesischen Museen wurde bereits ein Teil aufgenommen. Bis jetzt wurde das Fundgut in den Museen Leer, Weener und Westrhauderfehn sowie aus einigen Privatsammlungen registriert. Zur Zeit werden die reichen Bestände des Ostfriesischen Landesmuseums zu Emden für die Landesaufnahme bearbeitet.

Vorrang gegenüber der Registrierung der Altfunde nimmt die Gewinnung neuen Fundmaterials durch die systematische Geländebegehung ein. Den Anfang machte die Flurbegehung im Kreis Leer. Dort wurden im Reiderland zunächst 10 Gemarkungen, vornehmlich Moorflächen und Gebiete der Emsmarsch, mit nur geringem Geestanteil begangen. Später kamen im Mormerland 6 Gemarkungen auf einem Geestrücken nordöstlich von Leer mit den anschließenden Moorflächen und Teilen der Jümmeniederung (Flußmarsch) hinzu. Vom Kreis Norden wurden bis jetzt die Flächen von 34 Gemeinden von der Geländebegehung erfaßt. Sie alle liegen in der Marsch. Vom Harlingerland im nördlichen Kreis Wittmund wurden bisher 28 Gemarkungen (Marsch und anschließende Geest) bearbeitet, während im Landkreis Aurich auf der Geest um Aurich in vier Gemeindebezirken die Begehung erfolgte. - Insgesamt wurde die Flurbegehung in 82 Gemarkungen des Regierungsbezirks Aurich durchgeführt, also in noch nicht ganz einem Viertel der Gesamtfläche Ostfrieslands. Dementsprechend kann man vorläufig auch nur wenig Verbindliches für das noch zu begehende Gebiet aussagen. Immerhin lassen sich einige Erkenntnisse aus der Landesaufnahme in Ostfriesland gewinnen, die einen Einblick in den Siedlungsablauf auf der ostfriesischen Geest gestatten. So zeigt es sich, daß mit einer verhältnismäßig großen Funddichte auf den leichten Geestböden gerechnet werden muß. Es sind in der Geest Gemarkungen mit 70 oder 80 neuen Fundstellen, darunter auch vor- und frühgeschichtlichen Wohn- und Bestattungsplätzen, keine Seltenheit. Die als Siedlungen angesprochenen Fundmassierungen finden sich in der Regel an den Hängen der Geestrücken und auf kleinen Geestkuppen, oft am Rande mooriger oder anmooriger Niederungen. Doch nicht immer sind die Bedingungen für einen Nachweis vor- und frühgeschichtlicher Besiedlung auf der Geest durch die Landesaufnahme günstig. Schon in den Anfängen der Arbeiten zur Landesaufnahme im Kreis Leer ergab es sich, daß auf weiten Strecken der Geest Spuren einer vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung fehlten, obwohl häufig genug auch Örtlichkeiten davon betroffen sind, die als siedlungsgünstig zu gelten haben (Hanglage auf leichten Sandböden in der Nähe eines Wasserlaufs). Als Ursache für diese Fundsituation stellte sich eine besondere Form der Melioration des Ackerbodens heraus, wie sie vom Mittelalter bis zur Einführung des Tiefpfluges um 1900 geübt wurde: die Eschkultivierung. Es wurden dabei Heide- und Grassoden (Plaggen) mit Dung angereichert vom Bauern zur Bodenverbesserung auf die Ackerflächen gebracht. Als Folge dieser Eschbewirtschaftung tragen heute Teile der Geest Schichten von Plaggenböden, die mehr als einen Meter mächtig sein können. Diese aber überdecken zugleich auch die alten Siedlungsflächen und machen somit die Entdeckung von Spuren einer vor- oder frühgeschichtlichen Besiedlung bei der Geländebegehung praktisch unmöglich. Gelegentlich werden bei der Begehung der Eschfluren (in Ostfriesland „Gasten" genannt) auch vorgeschichtliche Gegenstände gefunden. In der Regel handelt es sich dabei aber um Funde aus sekundärer Lage, um Funde also, die erst mit der Plaggendüngung auf den Fundplatz gelangt sind.

Wenn auch aus den soeben genannten Gründen bei einer Geländebegehung noch keine weitreichenden Erkenntnisse über die ur- und frühgeschichtliche Besiedlung im Bereich der Gasten zu gewinnen sind, so verschaffen jedoch noch gelegentliche Bau- und Erdarbeiten, vor allem der gegenwärtig intensiv betriebene Sandabbau, durch die damit verbundene Freilegung alter Siedlungs- und Begräbnisstätten wertvolle Einblicke. In Logabirum, Kreis Leer, wurde beispielsweise auf einer Großbaustelle unter dem Esch ein Brandgräberfeld der Römischen Kaiserzeit festgestellt; etwa aus der gleichen Zeit stammen Siedlungsreste und Gräber, die in Utgast, Kreis Wittmund, durch Sandgewinnungsarbeiten freigelegt wurden. Hier hatte darüber hinaus der Plaggenauftrag die Spuren einer alten Bearbeitung des Bodens durch den Hakenpflug konserviert. Auch mehrere mittelalterliche Wüstungen konnten bei solchen Gelegenheiten unter dem Esch nachgewiesen und durch Rettungsgrabungen genauer untersucht werden, wie z. B. in Ardorf, Brill oder Dunum im Kreise Wittmund. Zu den hier aufgezählten wichtigsten Fundplätzen, die unter dem Esch bei Erdarbeiten entdeckt wurden, gehört schließlich auch der bekannte frühmittelalterliche Friedhof von Dunum, der in großangelegten Ausgrabungen durch das Niedersächsische Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung untersucht wurde und wird. — Aus den kurz angeführten Beispielen wird bereits deutlich, daß eine Landesaufnahme, die sich bei der Geländearbeit allein auf die Flurbegehung beschränkt, zumindest in Ostfriesland zu oft recht unbefriedigenden Ergebnissen gelangen würde. Stattdessen hat sich eine Einbeziehung der Bodendenkmalpflege als nützlich und vielfach unerläßlich für die Erfassung aller Bodendenkmäler erwiesen. Sie kann gelegentlich noch da zu Erkenntnissen führen, wo die oberflächliche Absuche des Geländes bei der Flurbegehung versagen muß. Auch außerhalb der Geest gehört die Überwachung von Bau- und Erdarbeiten deshalb zu den hier zu nennenden Aufgaben der Bodendenkmalpflege. Die rege Bautätigkeit und vor allem der großflächige Sandabbau können binnen kürzester Zeit ganze Siedlungsplätze und Friedhöfe vernichten, und diese wären ohne ständige Überwachung für die Wissenschaft verloren.

Ähnliches wie für die Eschfluren auf der ostfriesischen Geest gilt auch für die bisher aus unserer Betrachtung herausgelassenen Marsch- und Moorgebiete. In der Marsch werden gewöhnlich nur mittelalterliche und neuzeitliche Funde bei der Landesaufnahme registriert. Die tonigen Meeressedimente („Klei") decken alle übrigen Siedlungsspuren aus der Zeit vor den Überflutungen zu. Doch auch hier beschränkt sich die Landesaufnahme nicht auf eine Registrierung aller oberirdisch wahrnehmbaren Bodendenkmäler wie Warfen und Deichreste; Beobachtungen an Bodenaufschlüssen bei Tiefbau- und Kultivierungsarbeiten helfen bei der Datierung solcher Denkmäler und führen zuweilen auch zur Entdeckung älterer, vor- oder frühgeschichtlicher Siedlungsspuren. In Verbindung vor allem mit den Ausgrabungen Professor Haarnagels in Jemgum, Hatzum und Emden sowie den Untersuchungen Dr. Reinhardts in der Krummhörn kann bereits jetzt der Gang der Besiedlung in der Marsch wenigstens in großen Zügen rekonstruiert werden. — Ungünstiger ist dagegen die Fundsituation in den Moorgebieten Ostfrieslands. Hier haben Abtorfung und Kultivierung zahlreiche Bodendenkmäler zerstört. Nur gelegentlich können bei der Geländebegehung im abgetorften Moor vorgeschichtliche Besiedlungsspuren festgestellt werden, etwa in Form von Einzelfunden, oder wie z. B. in Hesel, Krs. Leer, wo steinzeitliche Feuersteingeräte in größerer Zahl auf einer sandigen Kuppe gefunden wurden, die vorher zum Teil unter dem nun abgetorften Moor gelegen hatte. Aber gerade in jenen Landschaften, in denen die Bodendenkmäler weitgehend durch die Bewirtschaftung der neueren Zeit zerstört sind, können manchmal noch Altfunde in den Museen oder alte Berichte von früher gefundenen Gegenständen wertvolle Hinweise für die Siedlungsgeschichte liefern und so die Befunde der Flurbegehung ergänzen.

 

Literatur

Maier, R.: Zur archäologischen Landesaufnahme in Ostfriesland. Jahrbuch der Gesellschaft

für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, Bd. 49. Aurich 1969. Reinhardt,   W.:   Die   Orts-  und   Flurformen   Ostfrieslands   in   ihrer siedlungsgeschichtlichen Entwicklung. In: Ohling, J., Ostfriesland im Schutze des Deiches, Bd. 1.   Pewsum 1969. Schmid, P.: Die vor- und frühgeschichtlichen Grundlagen der Besiedlung Ostfrieslands nach der Zeitenwende. In: Ohling, J., Ostfriesland im Schutze des Deiches, Bd. 1. Pewsum 1969. Zylmann,  P.: Ostfriesische Urgeschichte. Hildesheim 1933.

Berichte über den Fortgang der archäologischen Landesaufnahme in Ostfriesland finden sich seit 1963 in den „Nachrichten (früher Mitteilungen) des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee" und außerdem seit 1970 im „Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden" (in der „Ostfriesischen Fundchronik").

 

Das Megalithgrab von Tannenhausen, Kreis Aurich

Von Reinhard Maier, Aurich

Ostfriesland ist arm an oberirdischen Bodendenkmälern aus vorgeschichtlicher Zeit. Von den jungsteinzeitlichen Großsteingräbern, die es wahrscheinlich auch in diesem Räume in größerer Zahl gegeben hat, blieb nur noch ein einziges in spärlichen Resten erhalten. Es hat seinen Standort wenige Kilometer nördlich von Aurich auf einem Geestrücken, der von Niederungen mit Moor umgeben ist. Inmitten eines Dünengeländes liegen dort ungefähr in Ost-West-Richtung nebeneinander drei große Findlingsblöcke, die im Volksmund „Butter, Brot und Käse" genannt werden. Sie bildeten, wie man heute weiß, zusammen mit anderen, jetzt nicht mehr vorhandenen Steinblöcken die Kammer eines Ganggrabes der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur. Der kleinste, im Osten liegende Stein stellt den östlichen Schlußstein der Grabkammer dar, die beiden anderen dienten als Decksteine.

Schon früh haben die Granitfindlinge von Tannenhausen archäologisches Interesse geweckt. Bereits im Jahre 1780 wurden von „Auricher Alterthumsfreunden" dort Grabungen vorgenommen und dabei auch Tongefäßscherben gefunden. Weitere Ausgrabungen kamen im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts und in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg hinzu. Soweit überhaupt Berichte von diesen Untersuchungen vorliegen, sind sie nach unseren heutigen Begriffen unzureichend und geben über Form und Konstruktion der Grabanlage keine befriedigende Auskunft. Aber ein Teil der dabei gemachten Funde ist erhalten geblieben und in die Museen, vornehmlich in Emden und Leer, gelangt. Diese Funde, hauptsächlich Keramik der Trichterbecherkultur, erlaubten immerhin schon eine ungefähre zeitliche Einordnung und machten eine Deutung der Steine als Reste eines Megalithgrabes möglich. Bereits P. Zylmann sprach 1933 die Vermutung aus, daß es sich dabei um ein Ganggrab handele.

Dies etwa war auch noch der Stand der Forschungen um das Megalithgrab von Tannenhausen, als man im Jahre 1958 begann, auf dem Dünenzug in der Nähe der drei Findlinge Sandgruben anzulegen. Bald war auch die Grabstätte selbst durch die Sandgewinnung ernsthaft gefährdet, da sich die Abbaukanten den Steinen von drei Seiten teilweise bis auf etwa 10 m genähert hatten. Die Gefahr einer Beschädigung oder Zerstörung durch den Sandabbau war erst gebannt, als die Ostfriesische Landschaft in Aurich mit finanzieller Unterstützung vor allem durch den Landkreis Aurich und den „Marschenrat zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee" das Gelände mit dem Megalithgrab im Jahre 1960 ankaufen konnte. Die starken Abtragungen durch den Sandabbau in unmittelbarer Nähe des Grabes machten nun eine landschaftliche und gärtnerische Neugestaltung dieses Geländes erforderlich, nicht zuletzt auch, um einer Beschädigung durch Erosion vorzubeugen. So wurden unter anderem auch Anpflanzungen von Bäumen und Sträuchern vorgesehen. Zuvor jedoch erwies sich eine genaue archäologische Untersuchung als angebracht. Zur Klärung vieler noch offener Fragen waren Ausgrabungen am Megalithgrab ohnehin nötig; sie hätten aber nach der Neugestaltung des Geländes nur mit Schwierigkeiten und größerer finanzieller Belastung durchgeführt werden können. Deshalb entschloß sich das Niedersächsische Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven, sofort mit diesen Untersuchungen zu beginnen. In mehreren Abschnitten wurden von 1962 bis 1965 unter der Leitung zunächst von Dr. W. Reinhardt und später von cand. phil. l. Gabriel die Ausgrabungen durchgeführt. Die Suchschnitte bei den drei Findlingen bestätigten die Vermutung, daß diese zu einem Ganggrab gehörten. Zwar waren die Befunde im Bereich der drei Steinblöcke durch die „Grabungen" in alter Zeit stark gestört, jedoch ließ sich im untersuchten Teil die Ausdehnung der Grabkammer noch gut durch den östlichen Schlußstein (einer der drei Steine, der noch an seiner ursprünglichen Stelle stand) und durch die Standspuren von 8 Wandsteinen erkennen. Von der Länge der Kammer wurden 9 Meter in lichter Ausdehnung erfaßt; dazu dürften noch etwa 2 bis 3 m im nicht untersuchten Teil westlich der Grabungsschnitte hinzuzurechnen sein. Die lichte Breite der Kammer schwankte zwischen 2,20 und 2,80 m. Der Zugang zur Grabkammer, ein Gang an deren Südseite von ca. 5,5 m Länge und ca. 80 cm Breite, konnte durch eine humose Schicht (Lauffläche) und durch die Unterschiede im Niveau des Ortsteins, der sich unter der alten Hügeloberfläche gebildet hatte, nachgewiesen werden.

Bereits in der ersten Grabungskampagne im Jahre 1962 stellte man in einem Suchschnitt ganz unvermutet eine zweite Grabkammer fest, die sich östlich an die soeben besprochene Kammer anschloß, noch keine 3 Meter von dieser entfernt. Von der Ostkammer waren Deck- und Trägersteine nicht mehr vorhanden, die letzteren aber in den Standspuren noch nachzuweisen. Lediglich ein kleinerer Wandstein von der Nordwand fand sich noch an ursprünglicher Stelle. Den Abschluß der Kammer bildeten nach den Standspuren im Westen ein Steinblock, im Osten dagegen deren zwei. Die Innenmaße der Kammer betrugen in der Länge 11,20 m und in der Breite zwischen 2,20 und 3,20. Der Zugang zum Grab erfolgte über einen ca. 6 m langen Gang an der Südseite, der teilweise eine Steinpflasterung aufwies, wie sie auch im Kammerinnern noch in Resten festgestellt werden konnte. An beiden Seiten war der Gang von Pfostenlöchern in Doppelreihen flankiert. Möglicherweise gehören diese Pfosten zu einer Holzkonstruktion über dem Gang, von dem im übrigen keine Steineinfassung nachgewiesen werden konnte. Wie über jedem Megalithgrab war auch über der Anlage von Tannenhausen früherein Erdhügel errichtet. Eine äußere Begrenzung der Grabkammern durch Steinsetzungen, wie man sie von den Hünenbetten her kennt, wurde nicht gefunden. Beide Kammern haben trotz der geringen Entfernung zueinander anscheinend nicht gemeinsam unter einem Hügel gelegen, vielmehr kann man nach der variierenden Höhe der Ortsteinschicht, die unter der alten Oberfläche entstanden ist, gesondert  über jeder Kammer einen Hügel von annähernd runder Form annehmen. Diese Hügel scheinen nach den Grabungsprofilen mehrere Aufschüttungsphasen zu besitzen. Der Ausgräber l. Gabriel erwägt daher unter anderem, ob die beiden megalithischen Grabkammern in ein älteres, nichtmegalithisches „Langbett" eingetieft wurden, eine Möglichkeit, für die auch einige Grubenverfärbungen herangezogen werden könnten, die unter der Ostkammer nachgewiesen wurden und die älter oder höchstens gleichzeitig wie diese sein müssen. Eine zufriedenstellende Antwort auf diese chronologischen Fragen ist von den Grabungsbefunden her allein nicht möglich. Vielleicht aber wird man nach der Aufarbeitung der Keramik in der Beurteilung dieser Befunde sicherer sein.

Die ersten Maßnahmen zur Landschaftsgestaltung und Verschönerung des Geländes beim Megalithgrab in Tannenhausen ergriff die Ostfriesische Landschaft bereits im Jahre 1962. An der Süd- und Westseite des Grundstücks pflanzte man Bäume und Sträucher als Bodenschutz an. Als zwei Jahre später erneut in der Nähe des Großsteingrabes, im nördlich angrenzenden Flurstück, Sand abgebaggert wurde, kaufte die Ostfriesische Landschaft auch dieses Gelände und erhöhte dadurch den Schutz des Vorgeschichtsdenkmals. Im Nordwesten der neuerworbenen Fläche errichtete man zur Begrenzung einen Wall, der ebenso wie weite Teile des gesamten Grundstücks später mit bodenständigen Gehölzen bepflanzt wurde. 

Nach Abschluß der Ausgrabungen ging man auch an die Gestaltung der Grabanlagen selbst. Die Steine der Westkammer wurden so belassen, wie sie vor der archäologischen Untersuchung ausgesehen hatten. Über der Ostkammer schüttete man auf Vorschlag von I. Gabriel einen Erdhügel auf, bei dem entsprechend den Grabungsbefunden im Süden der Zugang zur Grabkammer durch eine Mulde angedeutet ist. Diese Rekonstruktion des Megalithgrabes dürfte in ihrem jetzigen Aussehen am ehesten dem in der Zeit der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur nahekommen. Der Hügel und das von Bäumen und Sträuchern freie Gelände wurden mit Rasen eingesät. Das ganze Grundstück erhielt eine Einfriedigung durch einen Stacheldrahtzaun. Es ist nur über zwei Drehkreuze von Osten her zu betreten.

 

Literatur

C. N. (= Cremer, U.): Das Steingrab zu Tannenhausen im Jahre 1780. In: Blätter des Vereins für Heimatschutz und Heimatgeschichte Leer i. Ostfriesland, e.V., Bd. 1, Nr. 10/11. 1928. Gabriel, l.: Das Megalithgrab zu Tannenhausen. Ein Vorbericht über die Ausgrabungsergebnisse,  besonders die des Jahres 1963.  In: Friesisches Jahrbuch 1964 (= Jahrbuch der Gesellschaft  für bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer,   Bd.   44).  Aurich  1964. —   Das Megalithgrab zu Tannenhausen,  Kreis Aurich.  Ein  zusammenfassender Vorbericht über die Ausgrabungsergebnisse, besonders die des Jahres 1965. In: Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen, 3. Hildesheim 1966. Schmid, P.: Zwei neolithische Grabkammern in den Kreisen Aurich  und  Land  Hadeln.  In:

Germania 43. Berlin 1965. Zylmann, P.: Die Steingräber von Tannenhausen und Utarp. In: Ostfreesland. Ein Kalender für Jedermann, 14. Jahrg. 1927.

Kurzberichte über die Ausgrabungen 1962—1965 finden sich in den „Mitteilungen des Marschenrates zur Förderung der Forschung im Küstengebiet der Nordsee", Nr. 1, 1962; Nr. 3, 1963 und Nr. 6, 1965. Weitere Hinweise über ältere Literatur in den oben angegebenen Arbeiten.

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Fundchroniken

Zeittafel

Fundchronik 1969 Emder Jahrbuch