1 Blick von Nord auf einen Teil der Ausgrabungsfläche im Park der Evenburg mit verschiedenen Fundamentresten; links: Fundamentgraben des ehemaligen Westflügels der Vorburg, Mitte: modernes Mauerwerk für eine Sägegatter, rechts: Westwand der Kegelbahn (Foto: A. Moser).


2 Ausschnitt aus dem Grabungsplan: Als mittelalterlicher Gebäudegrundriß konnte eine Scheune identifiziert werden
(Zeichnung: G. Kronsweide).


3 Blick von West auf eine mittelalterliche Pfostenreihe, im Hintergrund heutiger Westflügel der Vorburg (Foto: H. Lange).


4 Scherben der Muschelgrusware aus einem Brunnen belegen die bereits frühmittelalterliche Besiedlung in einem Teil des späteren Parks
 (Zeichnung: S. Starke).

Spätes Mittelalter/Neuzeit

Loga Evenburg (2005)

FdStNr. 2710/9:21-4, Stadt Leer, Ldkr. Leer

Im Park der Evenburg wurden die Untersuchungen westlich der Vorburg fortgesetzt und abgeschlossen (vgl. Fundchronik 2004). Dabei konnten im südlichen Bereich der Grabungsfläche weitere Überreste von barockzeitlichen und jüngeren Gebäuden dokumentiert werden (Abb. 1). Aus Zeitgründen konnten die Befunde unterhalb dieses Niveaus nicht mehr verfolgt werden. Die Fundamente wurden deshalb unangetastet gelassen, mit einem Vlies und einer mächtigen Sandschicht überdeckt und von dem Parkplatz überbaut.

Nördlich und westlich davon konnte eine große Anzahl mittelalterlicher Befunde bearbeitet werden. Allerdings störten zahlreiche Lehmentnahmegruben sowie ein mehrfach erneuerter breiter Graben die älteren Befunde, so daß kaum zusammenhängende Baustrukturen erkennbar wurden. Lediglich zwei parallel verlaufende Pfostenreihen könnten als Hinweis auf ein Holzgebäude gewertet werden (Abb. 2): Sie verliefen im Abstand von bis zu 6 m auf 11 m Länge, womit sicher nicht die gesamte Ausdehnung des Gebäudes angegeben ist. Im Vergleich mit Befunden aus Gasselte, Prov. Drenthe, könnte es sich um eine Scheune gehandelt haben. Südlich davon konzentrierten sich andere Pfostenbefunde, die vielleicht auf einen weiteren Speicherbau hindeuten.

Im nordwestlichen Bereich der Grabungsfläche befand sich zwischen den Lehmentnahmestellen ein größerer Grubenkomplex, der außer spätmittelalterlicher Harter Grauware eine ganze Anzahl von Scherben der frühmittelalterlichen Muschelgrusware enthielt. Solche fanden sich in großer Zahl auch in einem nicht weiter befestigten Brunnenschacht am nordöstlichen Rand der Grabungsfläche (Abb. 4). Zwar waren schon bei früheren Untersuchungen im Evenburger Park vereinzelt Hinweise auf eine Nutzung des Geländes im frühen Mittelalter gefunden worden, nun kann aber mit Sicherheit gesagt werden, daß die Besiedlung in diesem Bereich bis in das 9./10. Jahrhundert zurückreicht. Die hochmittelalterliche Besiedlung ist durch einheimische Keramikscherben der Harten Grauware als auch durch solche von importierter pingsdorfartiger Ware belegt. Für die frühe Geschichte von Loga, das als Lagi bereits in den Werdener Urbaren erscheint, sind diese Neufunde von großem Belang.

R. Bärenfänger

Lit.: Bärenfänger, R. u. Prussat, A.: Archäologie im Park: Probegrabungen am Schloß Evenburg, Stadt Leer, Ostfriesland. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 19, 1999, 67-70. Moser, A.: Flaschenaufsatz. Archäologie in Niedersachsen 9, 2006, im Druck.  Bärenfänger, R., A.: Archäologie im Park des Schlosses Evenburg, Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens 26, Oldenburg 2006.

 

 

Fundchroniken  Zeittafel Jahresrückblick 2005