Backsteinpflasterung und westlich vorgelagerter Wandverlauf (Foto: A. Moser).




 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Spätmittelalterlicher Brunnen und Pfostenspuren im gewachsenen Boden (Foto: A. Moser). 

 

 

 

 


Grube im Schloßpark mit kompakter Altglasfüllung (Foto: A. Moser).

Spätes Mittelalter und Neuzeit

Loga - Evenburg (2004)

FdStNr. 2710/9:21-4, Stadt Leer, Ldkr. Leer.

Die geplante Verlegung des Parkplatzes aus der historischen Anlage des Evenburg-Parkes heraus auf ein ca. 1800 qm großes, unmittelbar westlich der Vorburg gelegenes Gelände, ließ eine archäologische Begleitung notwendig werden. Ein erster Suchschnitt hatte Mauerreste und Bodenverfärbungen erbracht, die eine Ausgrabung des historischen Geländes unumgänglich machten. Bereits früher waren bei Ausgrabungen im Parkgelände Mauerreste, ehemalige Wege der historischen Parkanlage sowie mittelalterliche Keramikscherben aufgedeckt worden (Bärenfänger u. Prussat 1999). Für die Untersuchung des Parkplatzgeländes wurde eine zunächst sechsmonatige Ausgrabung anberaumt, die vom Archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft unter finanzieller Beteiligung des Landkreises Leer, der Besitzer des Schlosses und Bauherr des Parkplatzes ist, durchgeführt wurde.

Um 1703 wurde von Gustav von Wedel auf der nördlichen Schloßseite die sogenannte Vorburg errichtet, ein langgestrecktes, eingeschossiges Gebäude mit einer Zufahrt zum Schloß von Norden her (Abb. unten). Die Evenburger Vorburg wurde im Gegensatz zu anderen Vorburgen nicht zur Verteidigung errichtet, sondern diente der Unterbringung von Dienst- und Wirtschaftsgebäuden. Neben Pferdeställen, Wagenremise und Viehställen waren eine Reitbahn, eine Waschküche, eine Tischlerei, eine Rentei mit zugehöriger Wohnung, Gewächshäuser sowie Wohnungen für Gärtner und Kutscher darin untergebracht. Außerdem soll es am Westflügel eine Kegelbahn gegeben haben. „Im Laufe der Zeit hat es immer wieder Erweiterungen und Umbauten am Gebäude gegeben. Die jetzige Form der Vorburg gibt nicht die Ausmaße wieder, die sie noch bis zum Ende des zweiten Weltkrieges hatte. Intensive Bemühungen um die Beschaffung zeichnerischer Unterlagen anläßlich der Restaurierung der Vorburg blieben leider ohne Erfolg“ (Braukmüller u. Neumann 1996, bes. 28f.).


Evenburg Park um 1874 (rekonstruiert nach Flurkarte und Einschätzungscoupon von 1874): 
1 Schloß Evenburg, 2 Vorburg, 3 spätromanische Kirche, 4 früherer Meierhof, 5 archäologisch nachgewiesenes Gebäude, 6 zwei mutmaßliche Gebäude, 7 mutmaßlicher Pulverturm, 8 Allee, 9 heutiger Meierhof, 10 Eishaus, 11 aktuelle Ausgrabungsfläche (Zeichn. G. Kronsweide).

Die Größe und Lage der Grabungsfläche orientierte sich an den Abmessungen des neuen Parkplatzes. Bereits der ca. 2,00 m breite archäologische Suchschnitt entlang der Parkplatzgrenzen erbrachte diverse Mauerreste und Bodenverfärbungen, aber auch Fundmaterial wie mittelalterliche Keramikscherben, Apotheker-Glasfläschchen, Überreste von säuberlich entsorgten Wein-, Wasser-, und Bierflaschen sowie Unmengen von Porzellan aus dem gräflichen Haushalt. Beim Abbaggern der Gesamtfläche wurden im gesamten Ostteil Mauerreste freigelegt, die ca. 0,40 – 0,50 m oberhalb des anstehenden Bodens erfaßt wurden. Im Nord- und Westteil der Fläche wurde bis auf den anstehenden Boden in ca. 1,00 m Tiefe gebaggert: Hier befand sich kein Mauerwerk (lediglich zwei gemauerte Klärschächte), dafür konnten in dem gelben Lehmboden dunkel verfüllte archäologische Bodenverfärbungen wie Pfostengruben, Gruben und Gräben aufgedeckt werden.

Zur Zeit lassen sich drei Zeithorizonte feststellen. Zum einen existiert ein hochmittelalterlicher Fundhorizont (12./13. Jahrhundert): Im anstehenden gelben Lehmboden hoben sich die dunkel verfüllten Bodenverfärbungen deutlich ab. An mehreren Stellen traten konzentriert Pfostengruben auf, die auf mindestens einen Hausgrundriß schließen lassen. Ein im Durchmesser ca. 2,00 m großer Befund könnte sich als Brunnen erweisen (Abb. links Mitte), eine ca. 7,00 x 4,00 m große annähernd rechteckige Verfärbung möglicherweise als Grubenhaus. Mehrere Nordwest-Südost verlaufende Gräben von bis zu 4,00 m Breite scheinen teilweise ebenfalls in diesen Zeithorizont zu gehören. Die bisher aus den Verfärbungen geborgene mittelalterliche Keramik gehört dem 12./13. Jh. an.

Zum zweiten gibt es einen barockzeitlichen Fundhorizont (ab 1703): Im Ostteil der Grabungsfläche, und zwar auf Höhe des restaurierten Westflügels der Vorburg, wurden Backsteinmauerreste und Fundamentgräben freigelegt, die eindeutig im Zusammenhang mit der Vorburg zu sehen sind. Der Verlauf der Mauern sowie deren Backsteinformat belegen, daß der Westflügel der Vorburg ursprünglich ca. 15 m weiter nach Westen gereicht haben muß, als bisher bekannt war. Momentan ist jedoch noch unklar, ob hier entsprechend der Ostseite ein Hof von mehreren Gebäuden umrahmt worden war. Außerdem wurde in diesem Bereich auch ein ca. 30 qm großes Backsteinpflaster aufgedeckt (Abb. links oben). Holzkohlespuren, Eisenreste und diverse Aussparungen in der Pflasterung legen die Vermutung nahe, daß es sich bei diesem Gebäudeteil um eine Schmiede handelte. Entfernte Backsteine bzw. Mauern, Pfosten (mit Holzerhaltung) in Fundamentgräben sowie die Lage des Backsteinpflasters deuten auf Umbauten bzw. auf eine zeitlich aufeinander folgende Nutzung der Gebäude hin. Weitere Mauern und Gebäudereste von noch unbekannter Funktion (möglicherweise Kegelbahn, Gewächshaus/Baumschule, Pumpenhaus für Wasserzufuhr der Wäscherei) stehen ebenfalls im Zusammenhang mit der Vorburg, Bauweise und Steinformat legen jedoch ein jüngeres Alter nahe. Zumal Bilddokumente und Baupläne der Vorburg fehlen, sind die bislang gewonnenen und in doch überraschendem Umfang erzielten Ergebnisse der Ausgrabung um so wichtiger zu bewerten.

Außer den bereits erwähnten Mengen weggeworfenen Porzellans aus dem gräflichen Haushalt wurden auch vier Gruben aufgedeckt (Abb. links unten), die zahlreiche Überreste verschiedener Glasflaschen enthielten. Die aus nur einer Grube geborgene Glasmenge betrug allein 180 kg. Die Inschriften und Etiketten auf den Flaschenresten legen eine Verwendung zwischen 1856 und ca. 1931 nahe. Mehrfach wurde auch Bauschutt des ersten Schlosses geborgen (holländische gelbe Klinker, schwarzbraun glasierte Dachziegel, Marmorplatten vom Fußboden).

Zum dritten folgt ein moderner Fundhorizont (ab ca. 1935 oder eher): Ein rechteckiger Fundamentblock (6,00 x 1,50 m) aus Schalbeton mit Eisengewinden stellte sich als Fundament für eine Säge, ein sogenanntes Horizontalgatter, heraus. Im Westflügel der Vorburg befand sich nach Angaben des Sohnes des ehemaligen Sägereibetreibers seit mindestens 1935 bis ca. 1940 – als das Schloss also bereits nicht mehr bewohnt wurde – eine Sägerei mit Holzlager. Der nicht von der Sägerei beanspruchte Bereich nach Norden und Westen hin wurde zu diesem Zeitpunkt als Garten genutzt, zum Teil standen hier Obstbäume.

A. Moser

Literatur: Bärenfänger, R. u. Prussat, A.: Archäologie im Park: Probegrabungen am Schloß Evenburg, Stadt Leer, Ostfriesland. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 2, 1999, 67-70. Braukmüller, H. u. Neumann, D.: Zur Geschichte der Evenburg. Leer 1996.

 

Grabung Loga Vorburg der Evenburg 2005
Grabung Loga Evenburg (Eishaus) 2004
Grabung Loga Evenburg (Park) 2000

Fundchroniken  Zeittafel Jahresrückblick 2004