Ansicht der Evenburg aus dem 19. Jh.

 

Loga (2000)
FStNr. 2710/9:21, Stadt Leer, Ldkr. Leer

Archäologie im neuzeitlichen Schloßpark

Im zur Stadt Leer gehörenden Loga liegt inmitten eines weitläufigen Parkes auf einem leichten Geestsporn zur Leda hin das Schloß Evenburg. In der Planung und z.T. schon in der Durchführung begriffen befindet sich neben der Restaurierung der Gebäude die Neugestaltung des Parkes auf der Grundlage des Landschaftsgartens (ab 1860), dessen einstiges Erscheinungsbild sich neben den fragmentarischen Hinterlassenschaften einer Gartenanlage im Französischen Stil noch erahnen läßt. Als Grundlage für die Rekonstruktion hätte eine Flurkarte von 1874 dienen können, wäre sie nicht in einem viel zu kleinen Maßstab gehalten. Auch gibt es keine klaren Belege für die komplett korrekte Anlage dieser Karte. So hat sich der Landkreis Leer als Eigentümer dazu entschlossen, archäologische Sondierungen zwecks Suche dieser Wege durchzuführen. Aufgebaut werden konnte auf den Voruntersuchungen des Jahres 1998 der Archäologischen Forschungsstelle der Ostfriesischen Landschaft, mit der eine enge Zusammenarbeit bestand.

Die Suche nach den alten Wegeverläufen beschränkte sich jetzt auf den Bereich um das Schloß sowie den südöstlichen Teil des Parkes. Rücksichtnahmen auf den z.T. sehr alten und einzigartigen Baumbestand bestimmten nicht selten den Ablauf der Grabungen. Der um das Schloß verlaufende Weg mit drei Abzweigungen, ein zwischen zwei nicht mehr vorhandenen Brücken gelegener und leicht gewundener Weg mit einer Art Rastplatz und ein Wegesystem im Südosten konnten differenziert werden. Hierbei wurden wichtige Erkenntnisse über den Unterbau und die Schotterung der Wege erlangt. Allgemein lagen sie auf einer Schicht aus sandigem Lehm und hatten eine Oberfläche aus feinen Kieselsteinen. Der Rastplatz hatte einen Estrich aus Kalkmörtel und war ebenfalls mit feinen Kieselsteinen bestreut. Auf einer Seite des Sees befanden sich Spuren eines ehemaligen Weges, dessen Unterbau uneinheitlich und teilweise Sand mit Ortsteinbeimengungen gewesen ist und der auf der Flurkarte von 1874 fehlt. Im äußersten Südosten wurde die Zweiphasigkeit eines Weges festgestellt, der zu einem ehemaligen, 1998 ergrabenen Gebäude führte. Der ältere Weg besteht aus Bauschutt und wird leicht versetzt überlagert von einem typischen Wegeunterbau des Landschaftsgartens. Diese Befundsituation liefert einen Hinweis auf das Bestehen des Gebäudes (Turm/Pavillon?) bereits vor der Zeit des Landschaftsgartens.

Im zentralen Teil des Parkes ließen sich aufgrund starker Vernässung (Quellhang) und der damit verbundenen extremen Vermischung des Oberbodens kaum Wegeverläufe des Landschaftsgartens nachweisen. Da nicht klar war, auf welchem Niveau er angelegt worden ist, wurden die Suchschnitte hier besonders tief gelegt. Dabei kam ein alter Wassergraben mit einer Uferverbauung aus Dachziegeln zu Tage, der eine genaue Verlängerung des östlichen Schloßgrabens darstellt. Hierdurch konnte eine entscheidende Lücke in der Rekonstruktuion des Französischen Gartens geschlossen werden. In diesen Graben wurde mit der Errichtung des Landschaftsgartens ein überwölbter Kanal als Ersatz gesetzt, der vielleicht sogar von Anfang an nicht dicht gewesen und in Teilen zerstört worden ist, was dem Wasserdurch- und Ausfluß jedoch nur wenig geschadet hat.

Beim Schneiden einer zentralen, fast quadratischen Grube (1,10 x 1,00 m) im oben genannten Rastplatz, die einen später herausgezogenen schweren Pfosten enthalten hat, ist in einer Tiefe von 1,15 m eine Bleichsandschicht erfaßt worden, die Keramik des Hochmittelalters enthielt. Ein Pfostenloch und ein Gräbchen ließen sich zwar nicht mit Sicherheit dieser Zeitstufe zuordnen, die Funde belegen aber auf jeden Fall eine noch frühere Nutzung und vielleicht Besiedlung des Parkareals, die bisher ab dem 14. Jahrhundert bekannt war. In eine noch frühere Zeit weist eine mit Muschelgrus gemagerte Randscherbe, die allerdings aus dem humosen Auftragsboden stammt.

Literatur: R. Bärenfänger u. A. Prussat, Archäologie im Park: Probegrabungen am Schloß Evenburg, Stadt Leer, Ostfriesland. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 19, 1999, 67-70.

M. Hamöller

Grabung Loga Evenburg (Eishaus) 2004
Grabung Loga Evenburg (Vorburg) 2004

 

Fundchroniken Zeittafel Grabungen 2000