Abb. 1 Blick von Westen auf die Lehmfußböden des
Westflügels und des Kreuzganges des 
14. Jahrhunderts. Unten im Bild ist die westliche
Außenwand des Flügelbaus zu sehen 
(Foto: B. Thiemann).


Abb. 2 Freigelegte Holzböden zweier Gruben
unbekannter Funktion.
Im oberen Bildbereich zeichnet
sich die
Erdsodenschalung der nördlichen Grube als
dunkle
Schicht im Profil ab (Foto B. Thiemann).

 

 

 

 


Abb. 3 Blick von Westen auf den Grabungsabschnitt 
im östlichen
Klausurbereich mit freigelegten
Backsteinbefunden
des 15.-18. Jahrhunderts
(Foto: B. Thiemann).

 

 


Abb. 4 Zur
Weiterverwendung gedacht. Im 18. Jahr-
hundert
aufgestapelte mittelalterliche Dachpfannen
(Foto: B. Thiemann).

 


Spätes Mittelalter/Frühe Neuzeit

Ludwigsdorf (2007)

FdStNr. 2510/9:15, Gde. Ihlow, Ldkr. Aurich

Am ehemaligen Zisterzienserkloster Ihlow konnten im Jahr 2007 die Ausgrabungsarbeiten im Bereich des Westflügels samt des anschließenden Kreuzganges beendet werden. Nachdem im Vorjahr die eindrucksvoll erhaltenen Baubefunde des 15.-18. Jahrhunderts in dem etwa 4 m breiten und knapp 40 m langen, West-Ost verlaufenden Grabungsbereich dokumentiert worden sind (s. Fundchronik 2006), konnten in diesem Jahr die älteren Schichten des 13.-15. Jahrhunderts erfasst werden.

Abgesehen von zwei völlig fundleeren, möglicherweise vorgeschichtlichen Gruben besteht die älteste Form einer Nutzung aus einem zumindest zweiphasigen Grabensystem. Dieses Grabensystem bestand aus einem breiteren, etwa Ost-West verlaufenden Graben, dessen östliches Ende an einen etwa Nord-Süd verlaufenden schmaleren Graben stieß. Beide Gräben zeigen eine Erneuerungsphase, wobei der Verlauf jedoch nur geringfügig verändert wurde. Allerdings wurde das östliche Ende des West-Ost verlaufenden Grabens von 2,20 m auf 0,80 m Breite verschmälert und dieses schmalere Stück mit einer Holzkonstruktion überdeckt. Dieser Steg bestand aus gut 2 m langen Weichholzplanken, die wiederum von insgesamt vier Unterzügen getragen wurden. Der Grabenübergang wurde von zwei Befunden gestört. Kurz vor dem westlichen Ende hatten zwei moderne Gasleitungen die Hölzer durchschlagen. Etwa mittig durchschnitt ein weiteres, mittelalterliches Gräbchen diesen Befund. In der jüngeren Phase des Grabensystems kommen erstmals Backsteine in den Verfüllungen vor, d.h. es ist mit dem Bau der Backsteinkirche im ausgehenden 13. Jahrhundert aufgelassen worden. Die wenigen geborgenen Keramikscherben widersprechen dieser Datierung nicht.

Die ältesten Baubefunde stellten sich nicht minder deutlich dar. Um 1300 wurde an die Backsteinkirche ein erster, hölzerner Kreuzgang gesetzt. Neben dem Lehmfußboden des Kreuzganges konnte auch der Lehmfußboden des ersten Westflügels erfasst werden. Auch hierbei handelte es sich um einen Holzbau. Von den Spaltbohlen der Westwand war ein einzelnes kleines Stück bei der Aufgabe des Gebäudes nach innen gefallen und so erhalten geblieben. Auch eine Ost-West verlaufende Binnenwand konnte hier anhand einer senkrecht eingelassenen Bohle nachgewiesen werden. Unmittelbar westlich dieser Bohle war sogar ein etwa 1 m langes Schwellholz eines Durchganges erhalten geblieben. Etwa 1,50 m nördlich der ehemaligen Binnenwand konnten zwei nacheinander genutzte Feuerstellen nachgewiesen werden. Sie zeichneten sich als dunkelbraun-rötliche Verziegelungsbereiche deutlich auf dem hellgrünen Lehmfußboden ab.

Im 14. Jahrhundert wurde dieser Holzbau durch ein Backsteingebäude ersetzt (Abb. 1). Die östliche Mauer des Kreuzganges sowie die Mauer zwischen Kreuzgang und Flügelbau waren zwar durch die Fundamentgräben des Nachfolgebaues zerstört. Sie müssen aber etwa an der gleichen Stelle gestanden haben, da die Fußböden weitgehend unversehrt vorhanden waren. Der Lehmfußboden des Kreuzganges wurde auch nicht vollständig erneuert. Statt dessen war zu beobachten, dass eine neue Lehmschicht auf den älteren Fußboden aufgetragen worden ist, die nach Westen hin etwa 0, 20 m über die Kante des älteren hinausging. Ähnlich war man im Bereich des Flügelbaues vorgegangen. Auch hier lag der neue Lehmfußboden unmittelbar über der dunklen Trittschicht des Vorgängergebäudes. Einen klaren Hinweis auf eine Nutzungskontinuität stellen zwei Feuerstellen dar, die an nahezu identischer Stelle lagen wie die des älteren Flügelbaues. Dass es sich dabei nun um einen Backsteinbau gehandelt haben muss, ist an zwei Befunden nachweisbar. Weil Versturzreste unmittelbar auf dem Fußboden auflagen, müssen bei der Aufgabe des Gebäudes Teile der Mauer zwischen Kreuzgang und Flügelbau in den Flügelbau gestürzt sein. Die Westwand des Flügelbaues war noch bis zu vier Steinlagen hoch erhalten. Auch diesen Mauerzug hatte man beim Abriss in das Gebäudeinnere hinein gestürzt, wie anhand der nach innen gekippten westlichen Fundamenthälfte deutlich wurde. Das Fundament selbst war relativ schwach. Die unterste Steinlage bestand aus jeweils einer äußeren Binderlage, zwischen denen eine Läuferlage verlegt war. Auf der Außenseite sprangen die nächsten beiden Lagen jeweils um 0,10 m zurück. Auf der Innenseite dagegen war das Mauerwerk gerade nach oben geführt worden. Im Aufgehenden war diese Mauer 0,60 m breit. Ungewöhnlich an dem erhaltenen Mauerwerk war zudem, dass es komplett im Lehm gebunden war. Steine aus dem Versturz belegen, dass das aufgehende Mauerwerk vermörtelt gewesen ist. Der Grund für die Lehmbindung der Fundamentsteine ist möglicherweise in der mit dem Bau des Backsteinbaus einhergehenden Erhöhung des Außengeländes zu sehen. Hier sind zwar zwei aufeinander folgende Bauphasen feststellbar, die Feuerstellen im Gebäude belegen aber deutlich eine Nutzungskontinuität. Grundsätzlich sind Feuerstellen in der Klausur eines Zisterzienserklosters in verschiedenen Bereichen zu erwarten, gezielt beheizt wurde bei den asketisch lebenden Mönchen jedoch nur die Wärmstube. Da diese in der Regel im Südflügel der Klausur lag, ist eine andere Nutzung der hier im Westflügel liegenden Feuerstellen anzunehmen.

Im Bereich westlich außerhalb des Flügelgebäudes wurden einige interessante Befunde gemacht, die hinsichtlich der Nutzung des Flügelbaus von großer Bedeutung sind. Dort konnten zwei Wasserstellen dokumentiert werden. Bei dem älteren, in die Zeit um 1300 zu datierenden Befund, handelt es sich um eine Fasszisterne. Aus einem im Abstand von etwa 10 m parallel zum Westflügel verlaufenden Graben wurde Wasser durch eine Holzleitung in ein im Boden versenktes Fass geleitet. Das Fass, dessen ursprüngliche Höhe aufgrund des noch vorhandenen Spundloches etwa 1,60 m betragen haben dürfte, war noch bis zu 1,30 m hoch erhalten. Der Boden wurde dem Fass entnommen, bevor man es in die Baugrube einsetzte, die bis auf zur Wasser stauenden Lehmschicht reichte. Die 2 m lange hölzerne Zuleitung bestand aus einem grob behauenen Stamm, in den eine 3 - 5 cm tiefe und 8 - 10 cm breite Rinne eingearbeitet war. Der Stamm wiederum wurde mit zwei Brettern abgedeckt. Die Abdeckung überragte das im Fass mündende Endstück der Holzleitung um 0,60 m. Das Gefälle der Leitung von insgesamt 14 cm belegt eindeutig, dass in dieses Fass Wasser hineingeleitet wurde. Im 14. Jahrhundert ist diese Zisterne aufgegeben und durch einen Brunnen ersetzt worden.

Dieser Brunnen wies eine für Ostfriesland typische Aufmauerung der Brunnenröhre aus Torfsoden auf. Im oberen Bereich stabilisierte man die Brunnenröhre durch ein Balkengeviert, worauf zwei Lagen aus Erdsoden aufgesetzt wurden. Zwischen diesem Brunnen und dem Westflügel wurden zwei Befunde dokumentiert, deren Funktion noch unklar ist. Es handelt sich um zwei runde Gruben, deren randliche Einfassung ebenfalls aus Erdsoden aufgebaut war. Beide Sodenringe stießen unmittelbar aneinander und lagen in einer Baugrube. Beide Befunde wiesen einen inneren Durchmesser von fast 2 m auf. Der ursprüngliche Eindruck, dass es sich ebenfalls um Brunnenanlagen handeln könnte, erwies sich dabei als falsch. Der höher erhaltene Sodenring der nördlichen Grube belegte, dass beide Gruben nicht besonders tief angelegt worden waren. Die Böden der Gruben waren mit Brettern ausgelegt (Abb. 2), wobei in der nördlichen Grube ein Bottichboden Verwendung gefunden hat. Der Boden der südlichen Grube war mit zum Teil sekundär verwendeten Brettern ausgelegt, wie an einigen Bohrungen erkennbar war. Die Verfüllungen der Gruben glichen den Sedimentschichten, die in einigen Gräben angetroffen wurden. Innerhalb der südlichen Grube lag unmittelbar auf dem Holzboden eine mehrere Zentimeter starke Schicht aus stark verdichtetem mistartigem Material. Möglicherweise trägt eine Analyse dieses Materials zur Deutung der Funktion dieser Gruben bei. Die Zisterne und der Brunnen zeigen an, dass hier ein Bedarf an Wasser bestand. Die Feuerstellen im Gebäudeinneren müssen einen wirtschaftlichen Hintergrund haben. Daher liegt es nahe, hier einen Vorgang zu vermuten, zu dem auch eine geraume Menge an Wasser benötigt wurde, wie z. B. das Brauen von Bier. Auch die Herstellung von Malz (Rösten von geschrotetem gekeimten Getreide) ist hier durchaus denkbar.

Westlich des Gebäudes wurde ein im 14. Jahrhundert bestatteter Hund gefunden. Das Skelett wies keine Spuren von Gewalteinwirkung auf. Mit dem auf der Vorderpfote ruhendem Kopf lag der Tierkörper in einer für Hunde typischen Schlafposition. Hier kann wohl von der „Bestattung“ eines Hof- oder Hütehundes ausgegangen werden.

Im August 2007 wurde ein 5 m breiter und gut 40 m langer Ost-West verlaufender Ausgrabungsabschnitt angelegt, um den östlichen Kreuzgangarm mit dem anschließenden Klausurostflügel zu erfassen (Abb. 3). Wie im Westflügel lag auch hier der Fußboden des östlichen Kreuzgangarms etwa 0,50 m unter der heutigen Oberfläche. Die Mauer zum Kreuzganginnenhof war weitgehend ausgebrochen und auch der Fußboden aus großformatigen Backsteinplatten nicht in dem guten Erhaltungszustand wie die zeitgleichen Befunde aus dem westlichen Klausurbereich. Da im östlichen Kreuzgangarm der Fußboden mit Backsteinplatten des selben Formates ausgestattet war, konnte auch dieser Fußboden in das 15. Jahrhundert datiert werden, was Keramikfunde aus zugehörigen Gerüstpfostengruben bestätigten. Die Mauer zwischen Kreuzgang und Ostflügel war bis auf einen geringen Rest ausgebrochen worden. Auch der Fußboden des Ostflügels war bis auf eine kleine Fläche beim Abriss der Anlage entnommen worden.

Wie der Westflügel samt vorgelagertem Kreuzgang wurden auch der östliche Kreuzgangarm und der Ostflügel nicht nach der Auflösung des Klosters im 16. Jahrhundert niedergerissen. Im Gegensatz zur Klosterkirche, deren Abriss für das Jahr 1529 urkundlich belegt ist, blieben auch der Ostflügel der Klausuranlage und der östliche Kreuzgangarm bestehen und wurden als Teil der landesherrlichen Jagdresidenz bis in das 18. Jahrhundert weitergenutzt. Dass man das durch den Abriss der Anlage im 18. Jahrhundert gewonnene Baumaterial wieder verwendete, bzw. wieder verwenden wollte, belegt ein ungewöhnlicher Befund. In der Südwestecke der Grabungsfläche konnte ein Stapel von Dachpfannen freigelegt werden, dessen Ausdehnung sich noch nach Süden und Westen in die nicht ergrabene Fläche fortsetzte (Abb. 4). Der freigelegte Bereich enthielt etwa 100 Dachpfannen des Typs „Nonne“. Der Stapel war leicht nach Westen hin gekippt, ein Großteil der Pfannen stark zerscherbt. Offensichtlich stammen diese Dachpfannen vom Dach des Kreuzganges. Nach Abnahme der aufliegenden Mönchsziegel wurden die Nonnenziegel abgedeckt und im Innenhof des ehemaligen Kreuzganges aufgestapelt. Der Grund dafür, dass dieser Stapel dort verblieb, ist wahrscheinlich darin zu sehen, dass er umkippte, dabei ein Großteil der Pfannen zerbrach und nicht mehr zu verwenden war.

Auch im östlichen Klausurbereich ließen sich wie im westlichen neuzeitliche Umbauten erkennen. So wurde u. a. an die Wand des ehemaligen Kreuzganges eine Fläche aus klosterzeitlichen dekorierten Fliesen gesetzt. Die aufgeplatzten und z. T. sekundär gebrannten Oberflächen der Fliesen belegen eindeutig die Nutzung als Herdstelle.

Im Ostflügel war nur ein kleiner Rest eines Fußbodens erhalten. Unter dem Abrissschutt des 18. Jahrhunderts traten meist bereits die mittelalterlichen Anschüttungen zu Tage. Dennoch kann hier eine Binnenwand nachgewiesen werden, denn deren Fundamente wurden hier wie die Mauerzüge im westlichen Klausurbereich oder auch in der Kirche auf sandgefüllten Gräben errichtet. Der erhaltene Fußbodenrest ist sehr unregelmäßig aus teilweise halben, teilweise ganzen Backsteinen gesetzt. Daneben fanden dieselben Fußbodenplatten Verwendung wie sie auch im Kreuzgang dokumentiert werden konnten, was eine Datierung frühestens in das 15. Jahrhundert belegt. Weiterhin war hier eine einzelne dekorierte Fliese mit Löwendarstellung in zweiter Verwendung verlegt. Die Ostwand des Ostflügels konnte nicht allein durch den sandgefüllten Fundamentgraben, sondern auch durch einen massiven Mauerblock erfasst werden. Seine Neigung zeigte, dass die Ostwand beim Abriss nach Westen hin, also in den ehemaligen Innenraum des Ostflügels gestürzt worden ist.

Während der Verlauf der Außenwände des Ostflügels des 15./16. Jahrhunderts und auch dessen Binnenstruktur trotz der weitgehend zerstörten aufgehenden Bausubstanz sehr gut nachvollzogen werden kann, zeigte sich beim Kreuzgang ein überraschender Befund. Die Wand des Kreuzganges zum Innenhof hin war hier nicht wie bei seinem westlichen Pendant ein Neubau aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die größeren Steinformate und der regelmäßige Mauerverband weisen auf ein höheres Alter hin. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, weil der östliche Kreuzgangarm und der anschließende Ostflügel eine andere Baugeschichte als der westliche Klausurbereich aufweisen können. Die Mauer war in ihrem südlichen Bereich noch bis zu sechs Steinlagen hoch erhalten, der nördliche Bereich war komplett ausgebrochen. Dennoch konnte der Verlauf des Mauerzuges nachvollzogen werden, da sich die unterste Fundamentlage noch als dunkler Abdruck auf dem hellen, sandgefüllten Fundamentgraben abzeichneten. Überraschend verlief diese Mauer nicht gerade in Nord-Süd Richtung, sondern zeigte einen Versatz. Warum der Kreuzgang im südlichen Bereich sich um 2,30 m verbreiterte ist unklar, jedoch konnte bereits 1989 ein ähnlicher Befund im nördlichen Bereich des östlichen Kreuzgangarmes dokumentiert werden (Roehmer 1990, 30-32). Diesen Befund chronologisch genauer zu fassen, ebenso wie die älteren Bauphasen des östlichen Klausurbereichs, ist Ziel der Grabungskampagne 2008.

Lit.: Roehmer, M.: Archäologische Untersuchungen im Klausurbereich des Klosters Ihlow. Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden 70, 1990, 5-62; Thiemann, B.: Kreuzgang, Konversentrakt und Grafenküche: Ausgrabungen im Westflügel des Zisterzienserklosters Ihlow. In: R. Bärenfänger (Hrsg.), Zisterzienser im Norden – Neue Forschungen zur Klosterarchäologie. Internationale Archäologie - Arbeitsgemeinschaft, Tagung, Symposium, Kongress 11, Rahden/Westf. 2007, 101-110.

B. Thiemann

Ausgrabung Kloster Ihlow 2004
Ausgrabung Kloster Ihlow 2005
Ausgrabung Kloster Ihlow 2006
Ausgrabung Kloster Ihlow 2008

Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2007