Knochenkamm aus Uttum
Uttum (2000)
FStNr. 2508/6:13, Gemeinde Krummhörn, Ldkr. Aurich

Siedlung des Mittelalters

Die Dorfwarft Uttum liegt am Nordrande der Sielmönker Bucht auf alter Marsch. Von Südwesten kommend reicht ein Arm der Bucht südöstlich an Uttum verbei. Hier ist die Marschoberfläche relativ hoch aufgelandet und erreicht Höhen von fast einem Meter über NN, während nordwest- und nordöstlich nach Auskunft der Höhenlinien eine Niederungszone, die noch unter 0 m NN liegt, um Uttum herum greift. In dieser Lage zwischen alter Knickbrackmarsch und erst im Mittelalter eingedeichter Seemarsch entstand die Ansiedlung. Die historischen Quellen nennen Uttum erstmals in den Schenkungsregistern des Klosters Fulda, die ins 12. Jahrhundert datiert werden können, aber ältere, vermutlich frühmittelalterliche Vorlagen des 9./10. Jahrhunderts kopieren (Reinhardt 1969, 237 f.).

Die Dorfwarft Uttum erstreckt sich in ovaler Form von Südwesten nach Nordosten. In derselben Richtung verläuft auf der Mittelachse der Warft die Straße, an derem südwestlichen Ende die Kirche auf einer eigenen Warft und entgegengesetzt ein großer Bauernhof am Rande liegen. Im heutigen Zustand ist die Aufschüttung etwa 350 m lang und 200 m breit. Die Kanalisation, die im Jahre 2000 gebaut wurde, erfasste nur die Nordwesthälfte der Warft bis zur mittleren Straße (Lilienstraße), sodass nur Beobachtungen zur Genese der Nordwestseite möglich waren. Weil aber die Kanalisationsschächte auf der hohen Mittelachse der Warft nur Tiefen bis zu 1,9 m unter der Oberfläche von über +5 m NN erreichten, liegen dort die ältesten Schichten noch unberührt. Wahrscheinlich fehlen hier bis zum gewachsenen Boden noch fast 3 m, wenn das Basisniveau bei +0,5 m NN wie das des direkten Umlandes angenommen wird.

Wie manche andere große Warft der Krummhörn ist auch Uttum im späten Mittelalter noch aufgeschüttet und erweitert worden. Die oberen 1,5 m des Auftrages sind mit Ziegelbrocken durchsetzt. Obwohl durch die spätmittelalterliche und neuzeitliche Bautätigkeit auch ältere Aufträge umgeschichtet wurden, kann doch eine Aufhöhung von etwa einem Meter angenommen werden. Bereits auf einem Niveau von +3,5 m NN finden sich die Siedlungslagen des späten Frühmittelalters, des 9./10. Jahrhunderts, die nach Nordwesten hin schnell auf +1,0 m NN abfallen. Im Nordwestteil folgen sie weitgehend der heutigen Oberfläche und bilden damit den Kern der Dorfwarft Uttum. Diese Kernwarft könnte nach den dokumentierten Profilen rund 200 bis 250 m lang und 100 m breit gewesen sein. Unbeantwortet ist noch die Frage, ob die respektable Aufschüttung von mindestens 3 m Höhe in diesem Zeitabschnitt auf jungfräulichem Boden oder auf einer älteren Warft erfolgte. Einzelne kleine Tonscherben der Römischen Kaiserzeit in mittelalterlichen Schichten deuten nämlich darauf hin, dass eine Vorgängersiedlung nicht völlig ausgeschlossen werden kann.

Neben der bekannten einheimischen Tonware des Mittelalters, mit deren Hilfe die Auftragsschichten datiert wurden, kam als bemerkenswerter Neufund ein Knochenkamm zu Tage. Es handelt sich um einen Dreilagenkamm, der aus einer Mittellage von Knochenplatten mit Kammzähnung und zwei Griffbügeln besteht, die mittels Nieten den Knochenkamm zusammenhalten. Leider wurde er in unbeobachteter Fundlage in einer Tiefe von +3,7 m NN in der Nähe von Profil 18 gefunden, so dass er nicht eindeutig einer Siedlungsschicht zugewiesen werden kann. Eine gleichzeitig gefundene Randscherbe datiert den Kamm ins 13. Jahrhundert, falls er nicht noch älter ist.

Auf Grund der Profilbeobachtungen kann vermutet werden, dass die Kernwarft des frühen bis hohen Mittelalters vom Platz der Kirche im Südwesten bis zur Ringstraße im Nordosten reichte. An den Rändern war die Aufschüttung nur noch einen Meter hoch. Im Südwesten erfolgte dann eine bedeutsame Erweiterung. Zunächst wurde die Kirchwarft am Südende angelegt und mit einer eigenen Warft deutlich hervorgehoben. Im Spätmittelalter wurde hier auch jenseits der Kirche die Warft ausgebaut, und außerhalb der ursprünglichen Warft entstand der Burgplatz mit trapezförmiger Graft. Auch im Nordosten wurde im Spätmittelalter die Warft nicht nur in der Höhe, sondern auch an den Rändern deutlich erweitert.

Die Siedlungsentwicklung Uttums zeichnet sich erst in groben Zügen ab und muss durch weitere Beobachtungen verfeinert werden. Vielleicht bestätigt die zur Warftmitte hinzielende Einbuchtung zwischen Schullohne und Heckenlohne am Nordrand der Warft die oben skizzierte Annahme eines voneinander unabhängigen Ausbaus des Nordost- und des Südwestteiles. Die Einbuchtung könnte aber auch andere Ursachen haben, da sie offenbar auf die am Nordwestrand befindliche Niederungsrinne bezogen ist.

Literatur: Reinhardt, W. 1969: Die Orts- und Flurformen Ostfrieslands in ihrer siedlungsgeschichtlichen Entwicklung. Ostfriesland im Schutze des Deiches 1, 1969, 201-375.

W. Schwarz

 

Fundchroniken Zeittafel Grabungen 2000