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Landschaft von Ostfriesland
AUFGABEN / ZIELE |
ARCHÄOLOGIE / AUFGABEN / ZIELE

Geschichte und Aufgaben

In Ostfriesland reicht der Beginn der Sammlung und Katalogisierung archäologischer Funde bis weit in das 19. Jahrhundert zurück. Die in Emden von aufgeschlossenen Bürgern 1820 gegründete Gesellschaft für Bildende Kunst und vaterländische Alterthümer gab seit 1872 ein Jahrbuch heraus und machte darin u.a. neue Funde bekannt, die z.T. im Emder Museum ausgestellt wurden. Den damals aktuellen Kenntnisstand trug 1879 der Emder Arzt Dr. Petrus Tergast in dem Bändchen Die heidnischen Alterthümer Ostfrieslands zusammen.

 

Die nächste Zusammenstellung von Funden erfolgte durch Prof. Peter Zylmann 1933 unter dem Titel Ostfriesische Urgeschichte. Gelegentlich wurden in dieser Zeit in Ostfriesland z.B. in Bentumersiel, Nesserland und Logabirum Ausgrabungen durch das Landesmuseum Hannover in Ostfriesland durchgeführt.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte vor allem das Institut für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven für erste größere Ausgrabungen. Sein Leiter, Dr. Werner Haarnagel und Prof. Peter Zylmann gründeten am 4. Juli 1951 die Arbeitsgruppe Vorgeschichte der Ostfriesischen Landschaft. Motor dieser Gründung war Dr. Harm Wiemann, den seine historischen Forschungen zu der Erkenntnis gebracht hatten, daß eine Verbesserung der Quellenbasis nur durch archäologische Befunde und Funde erreicht werden könne. In der Arbeitsgruppe sollte es darum gehen, in allen Teilen Ostfrieslands Vertrauensleute zu gewinnen und zu schulen, um Feldbegehungen durchzuführen und bei Bauarbei­ten zutage kommende Funde der Wissenschaft zu melden.

 

Rettungsgrabungen bestimmen den Alltag der ostfriesischen Archäologen.

So begann die systematische Erfassung der Bodendenkmale und Funde. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß diese hochgesteckten Ziele allein in ehrenamtlicher Tätigkeit nicht zu erreichen waren. Daher betrieben Dr. Wiemann seitens der Ostfriesischen Landschaft und Dr. Haarnagel seitens des Wilhelmshavener Instituts eine Institutionalisierung der archäologischen Landesaufnahme und der Bodendenkmalpflege durch Fachkräfte.

 

Beginnend im Landkreis Leer fanden seit 1961 Verhandlungen über die flächen­deckende Begehung und Kartierung der archäologischen Fundstellen statt. Der Oberkreisdirektor des Landkreises Leer und spätere Präsident der Ostfriesischen Landschaft, Peter Elster, förderte die Gespräche und erreichte schließlich eine Einigung auf der Ebene der ostfriesischen Landkreise, später stieß die Stadt Emden hinzu. So konnte seit 1963 in zunächst wechselnder personeller Besetzung die archäologische Landesaufnahme in Ostfriesland begonnen werden, bis nach Dr. Wilhelmi und Dr. Maier schließlich 1972 die Stelle eines hauptamtlichen Archäologen fest etabliert werden konnte. Dr. Wolfgang Schwarz M.A. führte seitdem die Archäologische Forschungsstelle. Die archäologische Landesaufnahme konnte in den siebziger Jahren erfolgreich fortgeführt werden, hinzu traten erste eigene Ausgrabungsprojekte an der Burgstelle Borgholt und am Zisterzienserkloster Ihlow.

 

Mit den achtziger Jahren veränderten sich allmählich die Anforderungen, die an die Archäologie gerichtet wurden: Die wirtschaftliche Entwicklung Ostfrieslands zog eine zunehmende Veränderung der Region nach sich, die sich vor allem in verstärkter Bauaktivität ausdrückte: Wohn- und Gewerbegebiete, Straßen- und Pipelinebau, Rohstoffentnahme bei Sand, Kies, Klei und Torf. Auf der Basis des erst 1978 in Kraft gesetzten Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes rückten nun Rettungsgrabungen auf Baustellen in den Vordergrund des archäologischen Alltags. Die systematische Feldbegehung kam so aus personellen Gründen bald ganz zum Erliegen, da der Dokumentation von untertägiger Denkmalsubstanz, die durch die Baumaschinen gefährdet ist, der Vorrang eingeräumt werden mußte. Immerhin konnte die Grundlage für ein archäologisches Fundstellenarchiv geschaffen, das – mittlerweile auf EDV-Basis – eine solide Beurteilung der Situation in verschiedenen Landesteilen zuläßt.

 

Ein im Hause entwickeltes und von der Firma data-design, Leer umgesetztes Fundstellenprogramm bietet die Möglichkeit der Funderfassung, Einbindung von Abbildungsmaterial und vor allem die Möglichkeit der raschen Auswertung von komplexeren Problemstellungen. Geplant ist auch, die kartographische Darstellung in das Programm einzubinden.

Der Trend zur weiträumigen Umgestaltung der Kulturlandschaft und der damit einhergehende Verlust von Bodenurkunden hat sich nicht wieder abgeschwächt, er nimmt bis heute kontinuierlich zu. Die ostfriesischen Gebietskörperschaften, die Landkreise Aurich, Leer, Wittmund und die kreisfreie Stadt Emden haben die Forschungsstelle daher dankenswerterweise personell weiter verstärkt, nicht nur zwei Grabungstechniker kamen hinzu, 1988 wurde mit Dr. Rolf Bärenfänger auch ein zweiter hauptamtlicher Archäologe eingestellt.

 

Heute umfaßt das im Auftrage der Gebietskörperschaften zu bearbeitende Tätigkeitsfeld ein breites Aufgabenspektrum: denkmalpflegerische Stellungnahmen und Gutachten zu Bauleitplanungen u.ä., Organisation und Durchführung von Rettungsgrabungen, wissenschaftliche Auswertung und Publikation von Grabungsergebnissen, Information der Öffentlichkeit durch Pressearbeit und Homepage, Vorträge, Ausstellungen, Veranstaltungen in der Jugend- und Erwachsenenbildung.

 

Im Juni 2001 wurde das Anforderungsprofil der Abteilung aktualisiert, um unter anderem ihren Dienstleistungscharakter zu betonen. Seitdem vertritt der Archäologische Dienst vorrangig den Bereich der archäologischen Denkmalpflege, während sich das Forschungsinstitut in erster Linie der wissenschaftlichen Auswertung annimmt und Projekte initiiert.

 

Nachdem Dr. Rolf Bärenfänger 2008 in das Amt des Landschaftsdirektors berufen wurde, übernahm Dr. Sonja König im Dezember 2008 die Leitung des Archäologischen Dienstes. Im November des gleichen Jahres wurde Dr. Wolfgang Schwarz nach 36 Jahren Tätigkeit im Dienste der Archäologie in den Ruhestand verabschiedet. Seine Aufgaben nimmt seit Januar 2009 Dr. Jan Kegler wahr.

 

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