Abb. 1 Profil mit Schichten der Wurt und Gräbchen
einer Abflußrinne (Foto: W. Schwarze).


Abb.2 Gräbchen mit Resten des Flechtwerks einer
Abflußrinne (Foto: W. Schwarze).

 

Frühmittelalter

Wolthusen (2007)

FdStNr. 2609/2:17-2, Kreisfreie Stadt Emden

Im Vorgriff auf eine noch nicht genehmigte Baumaßnahme erfolgten am Westrand der Wolthuser Dorfwurt Baggerarbeiten, die von der Unteren Denkmalschutzbehörde unterbunden wurden. Die anschließende archäologische Untersuchung der Baustelle erbrachte Informationen zur Geschichte der Wurt und zahlreiche Fundstücke.

An der Ostseite der Baugrube wurde ein Profil zur Klärung der Stratigraphie geputzt (Abb. 1). Die Oberfläche der Wurt lag an dieser Stelle bei +3,00 m NN. Unter modern umgelagerten Schichten, die z. T. noch mit Bauschutt der jüngsten Bebauung durchsetzt waren, ließ sich ab etwa +1,50 m NN eine spätmittelalterliche Auftragsschicht verfolgen, aus der u. a. ein fast komplett zusammenzusetzender Kugeltopf (Typ Haarnagel D) stammt, der ehemals einen Standring besessen hat. In diese Schicht war ein gut 1,20 m breites Gräbchen eingetieft, in dem sich Reste einer Flechtwerkkonstruktion erhalten hatten. Sie konnte in der Fläche auf noch knapp 5 m Länge verfolgt werden (Abb. 2). Wahrscheinlich handelt es sich um eine Abflußrinne, die Jauche aus einem weiter östlich zu vermutenden Bauernhaus abgeführt hat.

Ein deutlich ausgeprägter Laufhorizont in Höhe von +0,40 m NN zeigte die frühmittelalterliche Oberfläche an. Die darunter liegenden Auftragsschichten sind durch Muschelgrusware entsprechend zu datieren. Sie wurden bis in die Tiefe von -0,50 m NN verfolgt. Durch Bohrungen wurde ermittelt, daß sie bis ca. -1,00 m NN hinabreichten. Darunter lag eine rund 0,25 m starke torfige Schicht, unter der der gewachsene Marschenklei anstand.

Aus den verschiedenen Schichten wurde das für Wurten übliche Fundspektrum geborgen. So stammen aus dem genannten Gräbchen eine halb erhaltene Tüllenschale sowie ein Knochennadelbruchstück (Abb. 3,1) und ein verzierter Knochenkamm (Abb. 3,3). In der spätmittelalterlichen Schicht lag u. a. der Rest eines Schlittknochens (Abb. 3,2).

R. Bärenfänger

 

Abb. 3 Reste einer Knochennadel (1), eines Schlittknochens (2) und eines verzierten Knochenkamms (3)
(Zeichnung: P. Schamberger).

 

Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2007