Wiesmoor (1999)
FStNr. 2512/7:05, Gemeinde Wiesmoor, Ldkr. Aurich

Ein Bronzebeil aus dem Moor

Im Sperrmüll zwischen Werkzeug und Haushaltsgerät fanden Frau Eiben und Frau Renken in Ostgroßefehn ein Bronzebeil. Zwar war das Beil bereits vollständig einer Politur mittels Bohrmaschine unterworfen worden, aber auf der Oberfläche und in ihren Vertiefungen blieb teilweise eine dunkelbraune Patina erhalten, die das Beil als Moorfund ausweist. Nachfragen ergaben, dass das Beil wahrscheinlich vom ersten Finder in den fünfziger Jahren auf einem genossenschaftlichen Grundstück in Wiesmoor beim Abtorfen entdeckt worden ist. Das Beil ist 16,9 cm lang und maß ursprünglich wohl 17,3 cm, bevor es nach der Auffindung probeweise als Keil benutzt und um mehrere Millimeter an Schneide und Nacken gestaucht worden war. Seine Schneidenbreite beträgt 7,4 cm. Der Schaftteil ist durch hohe Randleisten gekennzeichnet, die sich zum Nacken hin verjüngen. Die Breitseiten tragen eine Y-förmige Rippenverzierung, wobei der senkrechte Wulst des Ypsilons gewissermaßen die Mittelrippe der Breitseite bildet. Hinter dem Absatz zwischen den beiden Schaftrillen befindet sich ein unförmiges Loch, das vermutlich beim Guss entstand. Es handelt es sich wohl um einen Gussfehler, der die Tauglichkeit des Beiles deutlich minderte. Dies könnte ein Grund dafür gewesen sein, das neuwertige Bronzebeil nicht zu verwenden, sondern im Moor zu deponieren. Die Y-Zier auf den Breitseiten datiert das Absatzbeil in die mittlere Bronzezeit, in die Periode II Montelius, und weist es den nordwesteuropäischen Absatzbeilen mit Hängebogen- und Y-Zier zu.

Literatur: W. Schwarz in „Die Kunde“, N.F. 51, 2000, S. 119-126;
Kibbert, K. 1980: Die Äxte und Beile im mittleren Westdeutschland I. Prähistorische Bronzefunde, Abteilung IX, 10. Band. München 1980.

W. Schwarz

 

Fundchroniken Zeittafel Grabungen 1999