Frühes Mittelalter

Oldersum (2007)

FdStNr. 2610/7:1-4, Gde. Moormerland, Ldkr. Aurich 

Nach einer Baumaßnahme auf der Dorfwurt östlich neben der Kirche, die ohne archäologische Betreuung stattfand, sind aus dem Aushub zahlreiche Fundstücke aufgelesen und gemeldet worden. Es handelt sich vorrangig um Tierknochen und Keramikscherben, außerdem sind ein halbes Webgewicht und Bruchstücke von Mahlsteinen aus Basaltlava zu nennen. Diese Funde zeigen ebenso wie Stücke von fest verbackenen Laufhorizonten mit Einschlüssen von Knochen und Scherben, dass hier tief in die Schichtung der Wurt eingegriffen worden ist und entsprechende Zerstörungen stattgefunden haben.

Die wohl ältesten Keramikscherben zeigen hinsichtlich der Machart Ähnlichkeiten mit den Eitöpfen der Weichen Grauware, sind aber durchweg dunkler oder schwarz und verfügen eher über einziehende Gefäßhälse mit kaum ausgebildetem Rand (Abb. 1-6). Ein Stück davon ist dünnwandig, wesentlich feiner gemagert und außen poliert (Abb. 6). Formal ergeben sich hier noch Anklänge an die engmündigen Töpfe der Völkerwanderungszeit. Nächst jünger sind Scherben von Eitöpfen mit kurz abgesetztem Rand (Abb. 7-9) und eine granitgrusgemagerte Wandungsscherbe mit Kreuzstempel (Abb. 10). Weiter ist eine mit dem Rollstempel verzierte Importware zu nennen (Abb. 11). Auch die frühmittelalterliche Muschelgrusware ist reichlich vertreten (Abb. 12-15). Dann folgen die gesteinsgrusgemagerten hochmittelalterlichen Randformen (Abb. 16-18) und pingsdorfartige Ware (Abb. 19) sowie spätmittelalterliche Kugeltopfränder (Abb. 20-23) und ein Schalenrand (Abb. 24).

Die Besiedlung im ungefähren Zentrum der Dorfwurt reicht nach diesem Fundspektrum bis in das 6./7. Jahrhundert zurück. Hinweise auf kaiserzeitliche Siedlungshorizonte liegen bisher aus der Wurt nicht mit Sicherheit vor. Wenn sie auch an dieser Stelle fehlen, kann es aber dem Umstand geschuldet sein, dass der Bodeneingriff nicht in die entsprechenden Tiefen hinabgereicht hat.

R. Bärenfänger



Oldersum 2610/7:1-4. Keramikscherben aus dem Aushub. M. 1:3. (Zeichnung: P. Schamberger)

 

Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2007