Abb. 1 Der Grundriß eines 18 Meter langen
Wohnstallhauses mit Traufgräbchen
(Foto: A. Prussat).


Quadratische Grabenanlage mit
Brandschüttungsgräbern (Foto: A. Prussat).



Bronzezeit/Vorrömische Eisenzeit

Loga (2007)

FdStNr. 2710/6:44, Stadt Leer, Ldkr. Leer

Der alte Ort Loga liegt in erhöhter Position auf einer ausgeprägten Geestkuppe. Auf ihrem nach Süden zur Leda hin abfallenden Hang befinden sich nicht nur das Schloß Evenburg und die spätromanische Backsteinkirche, sondern auch die im Frühmittelalter beginnende Siedlung (vgl. Bärenfänger 2006, 9 ff.). In einer Höhe von mehr als +8 m NN verläuft der „Hohe Weg“ in westöstlicher Richtung beinah zentral über die Kuppe. Nördlich von ihm existiert eine als Ackerland genutzte Freifläche von mehr als 1 ha Größe inmitten der ansonsten modern überbauten Ortslage. Die Planungen zur Bebauung auch dieser Fläche führten zur Anlage von Suchschnitten und schließlich zu einer großräumigen Rettungsgrabung.

Unter dem mittelalterlichen Plaggenesch kam im nördlichen Bereich der Fläche der Grundriß eines Wohnstallhauses von 18 m Länge und 7 m Breite zutage, das an drei Seiten von Traufgräbchen eingefaßt gewesen ist (Abb. 1). Aufgrund der Erhaltungsbedingungen ist nicht eindeutig zu entscheiden, ob das Haus durchgängig dreischiffig gewesen ist. Etwas östlich der Hausmitte lagen sich auf den Langseiten zwei schmale Eingänge gegenüber. Das südliche Traufgräbchen wies in diesem Eingangsbereich eine Unterbrechung auf. Gut 20 m südlich des Hauses lagen mehrere 6-Pfostenspeicher von jeweils etwa 3,00 x 2,50 m Größe. Ihre reihenhafte Anordnung entsprach mit der leichten Abweichung von der West-Ost-Achse der Ausrichtung des Wohnstallhauses.

Nur rund 14 m südlich der Speicher wurde eine 2 x 2 m große quadratische Pfostensetzung, von der noch drei Pfostenspuren erkennbar waren, aufgedeckt. In ihrem Zentrum war durch einige Stückchen Leichenbrand in einer schwachen Verfärbung eine Brandbestattung nachweisbar, so dass hier von einem Totenhaus gesprochen werden kann. Die Erweiterung der Grabungsfläche erbrachte unmittelbar daneben ein länglichovales Umfassungsgräbchen mit 6,50 x 4,40 m Innenmaß, in dessen Mitte sich ebenfalls Überreste einer Brandbestattung befanden. 27 m weiter westlich davon konnte ein etwa quadratischer Graben mit abgerundeten Ecken und dem stattlichen Innenmaß von 17 m freigelegt werden (Abb. 2). Er war bis zu 1,50 m breit, bis zu 0,50 m tief und besaß auf der Südseite im Osten einen Durchlaß. Innerhalb des Grabens wurden wenigstens sechs Brandschüttungsgräber festgestellt, eines lag inmitten des Durchlasses, ein anderes westlich davon am inneren Grabenrand. Von ihm waren Holzkohle- und Leichenbrandstücke auch in die Grabenfüllung gerutscht. Damit ist klar erwiesen, daß es sich um einen einen Grabhügel umgebenden Graben gehandelt hat, der nach Ausweis der Profilschnitte über einen längeren Zeitraum durch Erosionsvorgänge und in einem zweiten Schritt durch anthropogene Aktivitäten verfüllt worden ist.

Die Ausrichtung der beiden Grabhügelgräben entsprach exakt der der Speicherreihe und der des Wohnstallhauses. Aus diesem unmittelbaren räumlichen Bezug ist ohne Zweifel auf einen chronologischen Zusammenhang zu schließen. Ist schon die Nähe von Hof und Gräberfeld ein für die Urgeschichte Ostfrieslands besonderer Befund, so ist der Nachweis ihrer Gleichzeitigkeit eine Novität. Eine Untersuchung von Holzkohle aus drei der Brandschüttungen aus dem großen Hügel wird derzeit dvon der Universität Groningen, Centrum voor Isotopen Onderzoek durchgeführt. Eine entsprechende Untersuchung von Leichenbrandstücken ist ebenfalls noch nicht abgeschlossen.

Bemerkenswert ist im weiteren, daß es trotz der prägnanten Lage des Geländes wohl nur zu einer einphasigen Nutzung als Hofplatz mit unmittelbar angrenzendem kleinen Gräberfeld gekommen ist. Letzteres ist wohl bis in das Mittelalter kenntlich gewesen und respektiert worden, bis es der Eschwirtschaft zum Opfer fiel. Es bleibt abzuwarten, ob die anstehenden weiteren Ausgrabungen dieses vorläufige Bild noch modifizieren werden.

Lit.: Bärenfänger, R.: Archäologie im Park des Schlosses Evenburg in Loga. Wegweiser zur Vor- und Frühgeschichte Niedersachsens 26, 2006.

R. Bärenfänger  

Grabung Loga 2008

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