Spätes Mittelalter und Neuzeit

Loga - Evenburg (Eishaus) (2004)

FdStNr. 2710/9:21-3, Stadt Leer, Ldkr. Leer.

 

Im Park der Evenburg hat bis in die 1930er Jahre ein Eishaus, auch Eiskeller genannt, existiert, in das erlegtes Jagdwild eingelagert worden sein soll. Bei Wegebauarbeiten wurde der Standort dieses Gebäudes angeschnitten und in Teilbereichen ausführlicher untersucht. Es maß 8,30 x 8,30 m, besaß ein 2,30 m breites Portal auf der Mitte der Nordwand und einen jüngeren, 4,30 m breiten Anbau auf der Ostseite. 1,20 m breite und 0,90 m tiefe, mit hellgelbem Sand verfüllte Fundamentgräben zeigten den Verlauf der Backsteinmauern an, deren Ausbruch ebenfalls erkennbar war (Abb. links unten). Es handelte sich unzweideutig um ein ebenerdiges Gebäude. In dessen Südwand befanden sich zwei Durchlässe aus Tonröhren (Abb. links oben), die in einen aus Backsteinen gesetzten Ablauf mündeten. Über diese Installation wird anfallendes Schmelzwasser in den nahegelegenen Graben geleitet worden sein. Die Wände des Hauses waren innen mit Holz versehen und sollen mit Torf isoliert gewesen sein, was angesichts der Funktion des Bauwerks wahrscheinlich ist, durch den archäologischen Befund jedoch nicht klar verifiziert werden konnte.

Unterhalb dieser subrezenten Befunde wurden mindestens zwei weitere Nutzungshorizonte ausgemacht: Zuunterst lag der mittelalterliche Plaggenauftragsboden mit hier 0,90 m Mächtigkeit, der auch schon an anderen Stellen im Park beobachtet worden ist und der deshalb auf die unmittelbare Nähe eines wenigstens seit dem Hochmittelalter ansässigen bäuerlichen Gehöftes schließen läßt. Selbst einige frühmittelalterliche Scherben der Muschelgrusware liegen vor, sie können allerdings auch mit den Plaggen auf das Gelände gelangt sein. Die Nutzung des Ackerbodens muß an dieser Stelle zu einem bestimmten Zeitpunkt aufgegeben worden sein, da in den Auftragsboden hinein eine sehr tiefe kesselförmige Eingrabung erfolgt ist. Ihre gesamte Ausdehnung blieb in dem kleinräumigen Grabungsschnitt zwar unbekannt, es kann aber gesagt werden, daß sie rasch mit einem kompakten lehmigen Material verfüllt worden ist und keinesfalls längerfristig offen gelegen hat. Zwei in diesem Kontext aufgefundene Lagen aus späten Klosterformatziegeln erhärten aber den Verdacht auf funktionale Zusammenhänge mit dem früher hier unweit südlich gelegenen ersten Meierhof.

Lit.: Bärenfänger, R. u. Prussat, A.: Archäologie im Park: Probegrabungen am Schloß Evenburg, Stadt Leer, Ostfriesland. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 19, 1999, 67-70.

R. Bärenfänger

Grabung Loga Evenburg (Vorburg) 2004
Grabung Loga Evenburg (Park) 2000

 

Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2004