Im Profil des Suchschnitts zeichnet sich unten eine
torfig humose Verlandungsschicht
ab 
(Foto: R. Bärenfänger).

Spätes Mittelalter/Neuzeit

Leer (2007)

FdStNr. 2710/8:26, Gde. Stadt Leer, Ldkr. Leer

In der Stadt Leer erinnert nur noch der Straßenname „Steinburgsgang“ an den dort zu vermutenden Standort der Häuptlingsburg des Fokko Ukena. Sie ist nach halbjähriger Belagerung durch die Cirksena und ihre Verbündeten im Jahre 1431 zerstört worden. Im Winkel von „Steinburgsgang“ und „Süderkreuzstraße“ existiert südlich des Ende des 18. Jahrhunderts errichteten Armenhauses, heute Jugendherberge, eine gut 2500 qm große Freifläche, die neu bebaut werden sollte. Allseitig hatten dort bis in die 1970er und 80er Jahre neuzeitliche Gebäude bestanden. Suchschnitte sollten klären, ob sich dort Hinweise auf die frühere Burg und ihre Befestigungsanlagen finden lassen würden.

Von der jüngeren Bebauung, die durch Karten und Fotos bekannt ist, wurden unter der oberen Schuttschicht an verschiedenen Stellen noch Fundamentreste aus kleinformatigen Backsteinen festgestellt. Rammpfähle und ein liegender runder Balken zeigten an, dass diese Gebäude hölzernen Substruktionen aufgesessen haben müssen. Außerdem wurden ein mit Ziegelschutt verfüllter Brunnen und ein Kellerüberrest gefunden. Der Grund für die Notwendigkeit einer hölzernen Unterfütterung der neuzeitlichen Bauten wurde beim Tiefergehen rasch ersichtlich: Der gewachsene Boden in Gestalt eines pleistozänen Feinsandes wurde stellenweise erst 2,50 m unter der Geländeoberfläche erreicht. Ihm lag eine bis zu 0,60 m mächtige torfig-humose Schicht mit vielen Pflanzenteilen auf, die als Ergebnis der Verlandung in einer größeren natürlichen Bodensenke zu verstehen ist (Abb. links). Dieser Prozeß scheint sich über einen längeren Zeitraum ohne anthropogenes Zutun abgespielt zu haben. Erst im oberen Bereich dieser Schicht wurde eine einzelne Wandungsscherbe der Harten Grauware gefunden. Die dann folgenden Auftragsschichten, auf denen die genannten Gebäude gestanden hatten, lieferten ebenfalls nur sehr wenige Fundstücke, die der Neuzeit angehören.

Auch wenn die tatsächliche Ausdehnung der Senke nicht festgestellt werden konnte, kann davon ausgegangen werden, daß bei der Wahl des Burgplatzes diese natürliche Situation offenbar ausgenutzt worden ist. Die Burg in Gestalt eines Steinhauses muß daher weiter nordwestlich von ihr, jenseits des „Steinburgsgangs“ gesucht werden. Der älteste Stadtplan, der „Situationsplan von der Stadt Leer“ aus dem Jahre 1826, zeigt dort den Verlauf zweier rechtwinklig zueinander liegender Gräben. Mit der Senke auf der Südostseite könnten sie den Burgplatz umschlossen haben. Chroniken berichten in diesem Bereich von den „Steinburgsgärten“, in denen im 18. und 19. Jahrhundert Backsteinschutt und Mauerreste gefunden worden sind. Schließlich zeigt die Preußische Landesaufnahme im Zentrum dieses Areals ein etwa 30 x 30 m großes, von Bäumen umstandenes Gartengrundstück. Wenn in dessen Mitte das Steinhaus gestanden haben sollte, müßten Reste davon unter dem südlichen Parkplatz des heutigen Borromäus-Hospitals zu finden sein.

R. Bärenfänger

Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2007