Mit Holzbrettern abgedeckte Gräber aus der Gründungsphase des Klosters. Zweites Grab von oben das Grab eines Kleinstkindes (Foto: B. Thiemann).


Blick auf den freigelegten, klosterzeitlichen Westflügel (unten im Bild) samt Kreuzgang mit jüngeren Einbauten (Foto: B. Thiemann).

Spätes Mittelalter / Frühe Neuzeit

Ludwigsdorf (2006)

FdStNr. 2510/9:15, Gde. Ihlow, Ldkr. Aurich

 

Zisterzienserkloster Ihlow

Auch im Jahre 2006 konnten die Ausgrabungen in dem zwischen 1218 und 1228 gegründeten Zisterzienserkloster Ihlow erfolgreich fortgesetzt werden. Die Untersuchungen der letzten Jahre galten in erster Linie der Backsteinkirche. So konnten die letzten Fragen zur Baugestalt und Datierung dieses größten Kirchenbaus zwischen Groningen und Bremen geklärt werden.

Die diesjährigen Grabungen hatten die Zielsetzung neben Gestalt und Baugeschichte des Westflügels und des anschließenden westlichen Kreuzganges auch die Frage nach einer möglichen Nutzung nach der Auflösung des Klosters zu klären. Es wurde im 16. Jahrhundert von den Grafen von Ostfriesland in Besitz genommen und als Jagdresidenz genutzt.

Um die Anbindung des Kreuzganges an die Kirche zu klären, wurde bereits im Vorjahr (2005) ein 11,5 m breiter und 23,5 m langer Grabungsabschnitt angelegt, der etwa 12 m nach Süden und etwa 1 m nach Westen über die Südwestecke der Kirche hinausging. In westliche Richtung konnte der Schnitt nicht weiter geöffnet werden, da hier giebelständig ein im 19. Jahrhundert errichtetes Gulfhaus steht. Im Jahr 2005 standen neben Relikten eines Gulfhofes aus dem 18. Jahrhundert vor allem die zur Backsteinkirche gehörenden Befunde im Vordergrund, da diese von der geplanten (und in diesem Bereich bereits fertig gestellten) Kirchenrekonstruktion überdeckt werden. Aufgrund der gebotenen Eile wurde lediglich bis auf das Niveau des Kirchenfußbodens gegraben, die tiefer liegenden Schichten intakt gelassen. Bei der diesjährigen Fortsetzung der Arbeiten im Bereich südlich der Kirche zeigten sich Befunde, die zeitlich von der Gründungsphase des Klosters im 13. Jahrhundert bis zur Bebauung des Geländes mit Gulfhöfen im 18. Jahrhundert reichten. Die Stratigraphie wies hier eine Mächtigkeit von knapp 3 m auf.

Der gewachsene Boden konnte aus statischen Gründen nicht im gesamten Bereich freigelegt werden. Der Grabungsabschnitt konnte jedoch insgesamt bis auf die Höhe des Gründungshügel aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts abgetieft werden. Durch einige tiefergehende Schnittbereiche konnte geklärt werden, dass der ursprüngliche Untergrund aus einer auf quartärem Sand aufliegenden Torfschicht besteht. Diese Torfschicht nahm nach Westen hin an Mächtigkeit zu. Aufgrund der Grabungen der letzten Jahre kann davon ausgegangen werden, dass sich östlich der Grabungsfläche eine natürliche Sandkuppe aus einem weitgehend moorigen Umfeld erhob.

Auf dem Torf lag die Anschüttung des Gründungshügels aus dem 13. Jahrhundert. Rund 0,80 m hoch war ein helles Lehm-Sandgemisch aufgebracht worden. Aus dieser Frühphase des Klosters konnten – bis auf eine einzelne Pfostensetzung – keine Gebäudereste erfasst werden. Stattdessen kamen Gräber zum Vorschein. Die Grabanlagen entsprechen jenen Gräbern, die bereits unter der Backsteinkirche erfasst werden konnten: Die Toten wurden in eine schmale Grabgrube gebettet, diese danach mit Holzplanken abgedeckt. In der Regel benutzte man zwei, seltener auch drei Planken zum Abdecken des Grabes. Die Langhölzer wurden durch mit Holznägeln verdübelte Unterzüge verbunden (Abb. links oben). Das Gräberfeld wies nach Osten hin zwar keine Begrenzung durch einen Zaun oder ähnliches auf, jedoch war in die östliche Hälfte der Grabungsfläche kein Grab mehr eingelassen, so dass dort offensichtlich die Grenze des Bestattungsplatzes war. Die Pfostensetzung und eine weitere Grube befanden sich östlich der Bestattungen und indizieren, dass hier der Bereich der Konventsbauten der Gründungszeit begann. Obwohl die Bestattungen durch eine wohl barocke Brunnenanlage und einen breiten, mittelalterlichen Fundamentgraben gestört wurden, konnten auf dieser relativ kleinen Fläche noch 21 Grablegen erfasst werden. Unter den Bestattungen fiel eine aus dem Rahmen. Während alle übrigen Gräber Bestattungen ausgewachsener Menschen enthielten, war ein einziges Grab mit einer nur 0,70 m langen Holzplanke abgedeckt. Zwar hatten sich in dem feuchten Milieu keine Knochenreste mehr erhalten, da aber die hölzernen Abdeckungen der Gräber in der Regel 0,10 bis 0,20 m länger sind als die darunter liegenden Skelette, ist der hier beerdigte Mensch nicht größer als ca. 0,50 bis 0,60 m gewesen. Dass entspricht der Größe eines heutigen Säuglings.

Da in den Verfüllungen der obersten Grabgruben Backsteinsplitter beobachtet werden konnten, ist der Bestattungsplatz offensichtlich noch zur Bauzeit der Backsteinkirche belegt worden.

Dieses Gräberfeld wurde vom Kreuzgang überdeckt. Der Kreuzgang zeigte deutlich drei Bauphasen. Der erste an die Backsteinkirche angesetzte Kreuzgang war ein hölzernes Gebäude. Von diesem Kreuzgang konnten Reste eines Stampflehmfußbodens aus 8 cm starkem, massiv verdichtetem, hellgrünem Lehm erfasst werden. Die Konstruktion der Wände bleibt unklar, zumal der Nord-Süd verlaufende Bereich massiv durch den Fundamentgraben des späteren Backsteinkreuzganges überschnitten wurde. Jedoch belegt ein Findling mit einer eingearbeiteten Rille, dass die Grundschwellen des kirchenseitig angelegten Kreuzgangflügels auf derartigen, punktuell gesetzten Natursteinen ruhte. Dieser erste Kreuzgang macht den Eindruck eines Provisoriums, über dem Stampflehmfußboden befand sich ein nur wenige Millimeter starker Laufhorizont.

Vom ersten backsteinernen Kreuzgang war kein aufgehendes Mauerwerk mehr erhalten, lediglich ein kleiner Versturzrest konnte beobachtet werden. Auch der Fußboden konnte in nur geringen Resten erfasst werden. Er bestand aus quadratischen, undekorierten Backsteinplatten, die allerdings sehr schlecht erhalten waren. Der Verlauf des Kreuzganges ist dennoch eindeutig fassbar. Die Mauerzüge des Kreuzganges waren auf mit eingeschwemmtem Sand verfüllten Gräben errichtet, also in einer Technik, die auch beim Kirchenbau Verwendung fand. Der Fundamentgraben der parallel zur Kirchensüdwand verlaufenden Kreuzgangmauer war deutlich flacher als der Fundamentgraben der nach Süden hin laufenden Abwinklung gegründet. Dies mag ein Hinweis für das Aufgehende sein, offenbar trug der Nord-Süd verlaufende Graben eine größere Auflast.

Über diesem Kreuzgang des 14. Jahrhunderts befand sich eine weitere Bauphase. Einige wenige Keramikfunde lassen eine Datierung in das 15. Jahrhundert zu. Der Kreuzgang des 14. Jahrhunderts wurde niedergelegt und über dem einplanierten Abrissschutt ein neuer Mauerzug errichtet. Der Verlauf dieser neuen Mauer wich leicht von dem der älteren Kreuzgangmauer ab, die im rechten Winkel zur Kirchensüdwand stand. So band dieser Mauerzug nicht in die Südwestecke, sondern in deren Verlängerung, der älteren Westflügelnordwand, ein. Das Format der Backsteine unterschied sich deutlich vom Format der zur Bauzeit der Klosterkirche gebräuchlichen: mit 28 cm Länge, 7-8 cm Höhe und 13-14 cm Breite sind die Steine deutlich kleiner als die im 13./14. Jahrhundert verwendeten. Zu diesem Mauerzug gehörte ein Fußboden aus diagonal verlegten, undekorierten quadratischen Backsteinplatten. Dass dieses Gebäude bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts bestand, belegen Funde aus dem Abrissschutt ebenso wie ein zugehöriger Brunnen. Auch der zentral in der Grabungsfläche gelegene Brunnen wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufgelassen. Von dem zugehörigen Brunnenhaus waren noch fünf in den Untergrund eingeschlagene Rundhölzer erhalten. Die bis in den anstehenden Sand eingelassene Brunnenröhre war aus flachen, leicht gebogenen Backsteinen gesetzt.

Um neben dem Kreuzgang den anschließenden Westflügel zu erfassen, wurde ein zweiter, ca. 40 m langer und 4 m breiter Ost-West verlaufender Schnitt angelegt. Unter der modernen Humusschicht kam unmittelbar der Abrissschutt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zu Tage (Abb. links unten). Nach Entfernen dieses Zerstörungshorizontes traten unmittelbar erste Baubefunde auf. In aller Deutlichkeit zeigte sich, dass der mittelalterliche Kreuzgang und Westflügel zwar baulich verändert wurden, aber beide noch bis in das 18. Jahrhundert Bestand hatten, also in der Tat im 16. Jahrhundert nicht niedergerissen wurden. So wurde auf den Fußboden des mittelalterlichen Kreuzganges ein kleiner, zumindest zweiräumiger Einbau gesetzt. Dafür wurde ein Strebepfeiler der Kreuzgangmauer zur Hälfte durchschlagen. Besonders auffällig war die geringe Größe der beiden angeschnittenen Räume: mit 1,04 m und 2 m Breite scheinen beide recht schmal. Ebenfalls ungewöhnlich wirkt die Neuanlage des Fußbodens. Über den diagonal verlegten Bodenfliesen des Kreuzganges wurde ein neuer Fußboden aus hochkant gestellten Backsteinen verlegt.Er war deutlich weniger sorgfältig als der Kreuzgangboden ausgeführt und deutlich unebener.

Ein ähnliches Phänomen zeigte sich auch im anschließenden Flügelbau. Die westliche Außenwand sowie die Mauer zwischen Westflügel und Kreuzgang waren zwar, abgesehen von geringen Resten, bis auf den Sand der Fundamentgräben ausgebrochen, die Fußböden waren aber bemerkenswert gut erhalten. Auch im Westflügel wurde in der Neuzeit ein neuer Bodenbelag eingebracht, der von deutlich schlechterer Qualität als der Boden der Klosterzeit war. Die Trennung in einen nördlichen und einen südlichen Raum durch eine klosterzeitliche Binnenwand wurde auch während der grafenzeitlichen Nutzung beibehalten. Der neuzeitliche Belag bestand aus sehr unregelmäßig und uneben verlegten Backsteinen; der Grund dafür ist in der Funktion des Raumes zu sehen. Für die jüngste Bauphase liefern zwei eindeutige Befunde Hinweise auf die Funktion: es handelt sich um zwei Ofenanlagen.

Die erste, runde Anlage ist knapp 0,10 m tief in den Boden eingelassen. Sie hat einen Durchmesser von 0,70 m (Innenmaß). Die Schwärzung der Steine im Inneren des kleinen Rundes lässt keinen Zweifel daran, dass hier mit Feuer gearbeitet wurde. In unserem Fall dürfte es sich um eine Konstruktion zum Aufsetzen eines Kessels gehandelt haben. Die zweite Anlage ist längs angeschnitten worden. Die Backsteinsetzungen zweier Ofenzüge weisen neben einer intensiven Verrußung auch Verglasungsspuren auf. Vor den Zügen befand sich die Feuerung, vor welcher wiederum eine flache Aschengrube dokumentiert werden konnte. Aufgrund der beiden Öfen kann der Bereich als Küche identifiziert werden. Insoweit entspricht die in einer Karte des 18. Jahrhunderts angegebene Funktion dem archäologischen Befund.

Im Westflügel war der klosterzeitliche Fußbodenbelag unter dem Nutzungshorizont der Grafenzeit erhalten geblieben. Er bestand aus Backsteinen. Nicht ganz in der Mitte des Raumes befand sich ein Geviert aus diagonal verlegten Bodenfliesen. Dieses Fliesenfeld lag ursprünglich in der Mitte des Raumes, erst durch eine Verbreiterung des Nord-Süd gestreckten Flügelbaus um einen Meter nach Westen verlor es seine zentrale Position. Bislang kann diese Umbaumaßnahme nicht genau datiert werden.

Dass es sich bei dem Kreuzgang ebenso wie bei dem Backsteinfußboden um eine spätere Ausbauphase des Klosters handelt, zeigen schon die Formate der verwendeten Backsteine. Sie sind kleiner als die zum Bau der Kirche um 1300 gebrannten Ziegel. Keramikfunde unter dem Backsteinfußboden bestätigen, dass es sich um eine Erneuerungsphase des 15. oder frühesten 16. Jahrhunderts handelt.

Im westlichsten Bereich des Grabungsschnittes wurde der in der Nachkriegszeit verschüttete, etwa Nord-Süd verlaufende Binnengraben der Immunität mit seinen Vorgängern erfasst. Die Binnengräben laufen kreuzförmig durch das Gelände der Immunität und unterteilen sie in vier etwa gleich große Bereiche. Der hier angesprochene Graben trennt das Viertel auf dem Kirche und Klausur standen vom westlich angrenzenden Quartier.

Es wurde deutlich, dass hier der Rand einer etwa Westsüdwest-Ostnordost verlaufenden Senke angeschnitten wurde, nordnordwestlich erhob sich eine sandige Kuppe. Wohl im 13. Jahrhundert wurde ein etwa Nord-Süd verlaufender Graben von etwa 1 m Breite und 0,50 m Tiefe in die Sandkuppe eingetieft. Der Zweck des Grabens bleibt vorläufig verschlossen, zumal ein fortifikatorischer Zweck wegen der geringen Maße ausgeschlossen werden kann.

Die Senke wurde mit dem Bau der Backsteinkirche im ausgehenden 13. Jahrhundert verfüllt und ein neuer etwa Nord-Süd orientierter Graben nur wenige Meter weiter östlich angelegt. Mit einer weiteren Geländeerhöhung ging der Bau eines Gebäudes einher, dessen Nordostecke im Grabungsschnitt erfasst wurde. Dieses Bauwerk lag also zum Zeitpunkt der Errichtung nicht im gleichen Quartier wie die Kirche mit Klausuranlage, sondern im westlich angrenzenden. Von dem Gebäude waren die sandverfüllten Fundamentgräben der Nord- und Ostwand angeschnitten worden. Die Nordwand war bei Aufgabe des Gebäudes nach Norden gestürzt worden, wie die in diese Richtung hin verkippten Backsteine der untersten Fundamentlage deutlich zeigten. Dieses über 3,5 m breite und über 7 m lange Gebäude wurde nach Aussage von Keramikfunden etwa zeitgleich mit dem ersten Backsteinkreuzgang im 14. Jahrhundert errichtet. Der Zeitpunkt der Niederlegung des Gebäudes ist sicher einzugrenzen. Der östliche Fundamentgraben wurde von einem Graben überschnitten, der auch den mit dem Backsteingebäude zeitgleichen Graben überlagerte. Aus der Verfüllung des zeitgleichen Grabens konnten einige Scherben des 14. Jahrhunderts geborgen werden, so dass mit der Auflassung des Steingebäudes und des zeitgleichen Grabens wohl um 1400 gerechnet werden kann.

Der um 1400 angelegte, Nord-Süd verlaufende Graben zeigte sehr deutlich eine Zweiphasigkeit, wobei der Verlauf des Grabens jedoch nicht geändert wurde. Als Nachfolger wurde der Graben 5 m weiter westlich angelegt. Es zeichnete sich überraschend der nördliche Kopf des Grabens ab. Hier bestand also ab dem 15. Jahrhundert ein Übergang vom Klausurgeviert in das westlich angrenzende Quartier. Aufgelassen wurde diese Abgrenzung erst um 1800.

Literatur: Brüggler, M.: Von Häuptlingen und Heiligen. Archäologie in Niedersachsen 8, 2005, 125-128; Brüggler, M. u. Pieper, P.: Zwei bemerkenswerte Bestattungen aus Ihlow, Archäologie in Niedersachsen 9, 2006, 141-143; Brüggler, M., Schweitzer, C.: Geophysikalische Prospektion der Klosterwüstung Ihlow. Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 74, 2005, 265-269; Thiemann, B.: Vom Konversentrakt zur Grafenküche – Ausgrabungen im Westflügel des Zisterzienserklosters Ihlow. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 4, 2006, 135-136.

B. Thiemann

 

Ausgrabung Kloster Ihlow 2004
Ausgrabung Kloster Ihlow 2005
Ausgrabung Kloster Ihlow 2007

 Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2006