Im Profil sind deutlich die verschiedenen Phasen zu erkennen. 1 Klosterphase 1, 2 Fundamentierung für ein Gebäude der Klosterphase 2, 3 Abbruchschicht des Jagdhauses, 4 Laufhorizont des Gulfhofs, 5 Abbruchschicht des Gulfhofs.

Spätes Mittelalter und Neuzeit

Ludwigsdorf (2004)

FdStNr. 2510/9:15-9, Gemeinde Ihlow, Ldkr. Aurich.

 

Die bereits im November 2003 begonnene Grabung im “Jagdschloß Ihlow” wurde ab Mitte März 2004 fortgesetzt und Ende Mai abgeschlossen. Das 1612 von Enno III. Cirksena erbaute und im Jahre 1756 unter preußischer Regierung vollständig abgetragene Jagdhaus lag auf dem Gelände der Wüstung des Zisterzienserklosters Ihlow. Die ungefähre Lage des Gebäudes im Bereich einer sanft im Gelände sich abzeichnenden Erhebung war im Vorfeld der Grabungen bereits durch eine Karte des Jahres 1744 bekannt und mittels Suchbohrungen bestätigt. Es galt, die exakte Lage, Größe und – soweit möglich – bauliche Gestalt zu ermitteln.

Außer den Befunden des neuzeitlichen Jagdhauses waren noch mindestens zwei weitere Siedlungsphasen zu erwarten: Einerseits die Überreste eines historisch bezeugten Gulfhofes, der zwischen dem Ende des 18. und der Mitte des 19. Jahrhunderts an derselben Stelle lag, und andererseits Spuren aus der Klosterzeit, d. h. dem 13.-16. Jahrhundert, da das Grabungsareal unmittelbar neben der Klausur des ehemaligen Klosters situiert war.

Als jüngste Phase konnten zunächst die Ausbruchsgräben des Gulfhofes freigelegt werden. Sie erstreckten sich in nordwest-südöstlicher Richtung über eine Länge von 28 m. Zu diesem Bau gehörten bis zu 1 m mächtige Schuttschichten, die durch eine Münze von 1825 klar diesem zugewiesen werden können.

Vom ehemaligen Jagdhaus ließen sich noch Fundamentreste und Ausbruchsgräben freilegen, die erlaubten, einen ca. 13 x 10 m großen Bau zu rekonstruieren. Das zur Errichtung der Mauern verwendete Backsteinmaterial stammt, wie sich anhand des Formats feststellen läßt, fast ausschließlich aus dem Abbruch der Klosteranlage. Es konnte eine Raumaufteilung in einem halbkellerartigen Untergeschoß festgestellt werden. Reste der ehemaligen Fußbodenpflasterung waren ebenfalls erhalten. Aus den Abbruchschichten dieses Gebäudes stammt neben Keramik, Fensterglas, Fliesen und weiterem Bauschutt eine Münze Ennos III., des Erbauers des Jagdhauses. Die relativ geringen Ausmaße dieses als Sommerresidenz der fürstlichen Familie genutzten Hauses lassen sich mit weiteren Gebäuden erklären, die verschiedene Funktionen erfüllten und die von der genannten Karte von 1744 bekannt sind, jedoch im Zuge der Grabungen nicht erfaßt wurden: Hier waren Gäste- und Dienstbotenzimmer, Küche und Stallungen untergebracht.

Unter den zum Jagdhaus gehörenden Schichten wurden Reste eines klosterzeitlichen Gebäudes erfaßt. Die Fundamentierung dieses Baus bestand aus ca. 3 m breiten und 1 m tiefen Streifenfundamenten aus homogenem, gelbem Sand. Der Sand wurde, wie entsprechende Spuren zeigen, in die Fundamentgräben eingeschlämmt. Auf dem Sandfundament stand das ca. 0,80 m dicke Schalmauerwerk aus Backsteinen, von dem noch ein umgestürzter Mauerrest in situ aufgefunden werden konnte (Abb. links oben). Die Ausmaße dieses Baus wurden in der Länge nicht vollständig erfaßt. Die äußere Breite ist mit ca. 10,30 m anzugeben, die erfaßte Länge beträgt 14,50 m. Die Funktion dieses stattlichen Gebäudes konnte nicht ermittelt werden, denkbar wären z. B. ein separates Abtshaus oder auch ein Speicherbau. Die Fundamentierung dieses Baus stört ihrerseits ältere, stark holzkohlehaltige Schichten, die aufgrund von Funden leistenverzierter Grauware in das 14. Jahrhundert zu datieren sind und somit ebenfalls zum Kloster gehören dürften. In diesen Schichten fanden sich Reste mittelalterlichen Fensterglases sowie Holzstücke, darunter Teile eines Wagenrades. Ebenfalls gefundene Schlackereste lassen auf Metallverarbeitung schließen. Bauliche Befunde wie ein Fundamentgraben und Pfostengruben konnten nicht zu einem Gebäude rekonstruiert werden.

Es ließen sich also zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert vier Phasen mit mindestens drei Gebäuden auf derselben Stelle feststellen (Abb. links unten). Die Fundamente aller Bauten orientieren sich in ihrem Verlauf an einem östlich gelegenen, heute zugeschütteten Graben. Dieser Graben scheint bereits auf eine natürlich vorhandene Senke zurückzugehen, wie mittels eines Profilschnitts festgestellt werden konnte.

M. Brüggler

  Grabung Jagdschloß 2003
  Grabung Kloster Ihlow 2004

 

Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2004