Spätmittelalterliche
Keramikscherben
(Zeichnung: P. Schamberger).

Spätes Mittelalter

Großwolde (2007)

FdStNr. 2810/5:18, Gde. Westoverledingen, Ldkr. Leer

1933 wurde beim Bau des Eisenbahndamms von Ihrhove nach Weener inmitten des Sietlandes eine flache Geländekuppe zur Hälfte abgetragen. Die dabei gemachten Funde („Karolingerscherben“) und eine „Fundstelle von Asche“ führten dazu, dass der Platz als Urnengräberfeld angesehen wurde. Die in der Ortsakte vorhandenen Zeichnungen von Gefäßprofilen zeigen indes spätmittelalterliche Randscherben, was eher an Siedlungsfunde denken läßt. Dafür sprechen auch einige angespitzte 0,70 m lange Pfahlreste, die damals 1,00 m unter Geländeoberfläche beobachtet worden sind.

Im Berichtsjahr wurden Teile des Sietlandes als Überschlickungsgebiet ausgewiesen. In großräumigen, mit noch aufzuschüttenden Wällen umgebenen Arealen sollen dort aus der Ems gebaggerte Sedimente dauerhaft abgelagert werden. So mußte der Fundstellencharakter auf dem südlich der Bahnlinie erhaltenen Rest der Kuppe eruiert werden, um nötigenfalls Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. Dazu wurde mit einem kleinen Bagger ein 1,60 m breiter und 63 m langer Suchschnitt von der höchsten Stelle (+0,10 m NN) bis in die Niederung gezogen. Es zeigte sich rasch, dass es sich um eine natürliche, stark podsolierte Sandkuppe in einem später vermoorten Umfeld handelt. Festgestellt wurden eine 0,08 bis 0,10 m starke Siedlungsschicht mit einem rot verziegelten Bereich sowie ein schmales Gräbchen, das als Begrenzung des besiedelten Areals angesehen werden kann. Wie über dem Moor lag auch über der Siedlungsschicht eine etwa 0,24 m mächtige verwitterte Kleischicht. Nach Ausweis der Keramikscherben (Abb. links) beschränkte sich die Nutzung der Kuppe auf das späte Mittelalter. Sie ist wohl mit der Urbarmachung des Gebietes, als Aufstreckfluren entstanden, in Verbindung zu bringen. Die Kleischicht belegt spätere Überflutungen.

Nach der Erhebung des Befundes wurde beschlossen, die Fundstelle von der Überschlickung auszunehmen und dort auch kein Material zum Aufschütten von Wällen zu entnehmen. So kann ein nennenswerter Rest dieses Zeugnisses der Landschaftsgenese und Siedlungsgeschichte der Nachwelt erhalten bleiben.

R. Bärenfänger

Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2007