Das Bruchstück des Sarkophagdeckels 
(Foto: G. Kronsweide). 

Hohes Mittelalter

Forlitz-Blaukirchen (2004)

FdStNr. 2509/9:24, Gemeinde Südbrookmerland, Ldkr. Aurich.

Beim Ausheben eines Grabes in der Nordostecke des Forlitzer Friedhofes kamen in ca. 0,80 m Tiefe nebeneinander zwei größere Findlinge und westlich ein fast Nord-Süd ausgerichteter auf der Schauseite liegender halber Sarkophagdeckel aus Bentheimer Sandstein ans Tageslicht (Abb. links). Steine dieses Typs mit einem geschäfteten Keulenkreuz finden sich in mehreren Exemplaren in Ostfriesland (Haiduck 1985, 32 ff., Abb. 9-15). Haiduck (1992, 85, 87) datiert diese Sarkophagdeckel in die zweite Hälfte des 12. Jahrhundert. Der Sarkophagdeckel deutet auf die Bestattung einer hochrangigen Persönlichkeit.

Im Aushub wurden zudem mehrere großformatige Backsteine im Format 31 x 15 x 9 cm gefunden. Da der Friedhof keine eigene Kirche mehr besitzt, dürften die Backsteine auf ein mittelalterliches kirchliches Bauwerk hindeuten. Die letzte Kirche an dieser Stelle wurde 1845 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Die Kirchspiele Forlitz und Blaukirchen, die bereits seit 1719 einen gemeinsamen Pastoren für ihre alten, schon damals baufälligen Kirchen hatten, weihten andernorts 1848 eine gemeinsame neue Kirche ein.

Da der möglicherweise im Fundamentbereich der Forlitzer Kirche sekundär verwendete halbe Sarkophagdeckel älter als die Backsteinkirche ist, könnte er indirekt auf einen Vorgängerbau hinweisen.

Lit.: Haiduck, H.: Importierte Sarkophage und Sarkophagdeckel des 11. und 12. Jahrhunderts im Küstengebiet zwischen Ems und Elbe. Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden 65, 1985, 23-40. Haiduck, H.: Kirchenarchäologie, Beginn und Entwicklung des Kirchenbaues im Küstengebiet zwischen Ems- und Wesermündung bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts. Aurich 1992.

Fundmelder: K. Wilms

G. Kronsweide

 

Fundchroniken  Zeittafel Grabungen 2004