OSTFRIESISCHE LANDSCHAFT - REGIONALVERBAND FÜR KULTUR, WISSENSCHAFT UND BILDUNG
DATENSCHUTZ | IMPRESSUM | TELEFONZENTRALE: +49 (0)4941 17 99 0
Landschaft von Ostfriesland
Baldachin-Orgel nach 1559 |
HISTORISCHE TASTENINSTRUMENTE / Baldachin-Orgel nach 1559
Die Baldachinorgel von vorne betrachtet
Detail der Messing-Ornamente vor rotem Stoff
Die Baldachin-Orgel von der Seite betrachtet
Die Schöpfbälge auf der Rückseite des Instrumentes
Die Registerzüge an der Seite der Orgel
Die Baldachinorgel und die Schöpfbälge auf dem Tisch von der Seite betrachtet
Die Bälge mit sieben Falten in Aktion Alle Fotos: W.D.

Baldachin - Orgel

(Jürgen Ahrend 1994 nach Michael Strobl 1559)

 

Im Frühjahr 2015 erfuhr die Instrumentensammlung des ORGANEUMs eine wunderbare Bereicherung. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) stellt dem ORGANEUM eine besondere Dauerleihgabe zur Verfügung: Die Kopie der Baldachinorgel der Churburg von 1559, erbaut von der Orgelbauwerkstatt Jürgen Ahrend 1994.

 

Die Geschichte dieses Instruments:

Der Nachbau dieser Orgel wurde von dem damaligen Landeskirchenmusikdirektor und Leiter der Frankfurter Kirchenmusikschule, Dr. Dietrich Schuberth und von dem Orgelsachverständigen und stellvertretenden Leiter derselben Hochschule, Prof. Reinhardt Menger, initiiert. Im Dezember 1986 fragte Dr. Schuberth schriftlich bei Orgelbaumeister Jürgen Ahrend nach dem Bau einer Renaissance-Orgel für die Kirchenmusikausbildung an. Die Fachleute widmeten sich diesem Projekt mit viel Enthusiasmus und einigten sich bald auf ein geeignetes Vorbild und den erforderlichen Kostenrahmen. Bereits1987 wurde der Auftrag für den Nachbau der „Churburg-Orgel“ oder auch „Baldachin-Orgel“ von 1559 erteilt.

 

Für die Orgelbauwerkstatt Ahrend war dies eine Phase mit großen Projekten, wie der Restaurierung der Arp Schnitger-Orgel mit 60 Registern in der Hamburger St. Jacobi-Kirche. So konnte die Baldachin-Orgel als Opus 142 der Orgelbauwerkstatt Ahrend erst 1994 an die Evangelische Landeskirche in Hessen und Nassau übergeben werden.

 

Dr. Schuberth schrieb voller Dank an Orgelbaumeister Ahrend: „Ich habe das Instrument vor ein paar Tagen mit allen unseren Orgelsachverständigen gesehen und gehört, und wir sind alle sehr zufrieden und voller Hochachtung. … Meister, Sie haben Ihre Sache wieder einmal sehr gut gemacht.“

 

Das ORGANEUM freut sich und ist der EKHN sehr dankbar, dass sie nun den hochwertigen Nachbau dieser faszinierenden Renaissance-Orgel als Dauerleihgabe dem ORGANEUM zur Verfügung stellt.

 

Das Vorbild der Baldachin-Orgel wurde 1559 von dem Orgelmacher Michael Strobl aus Ammergau für den Ritter Jakob Trapp gebaut. Das Pfeifenwerk ist in eine kleine Truhe eingebaut. Die längsten Pfeifen sind 2 Fuß lang (Copl 4‘ und Oktave 2‘). Zusammen mit der Windlade misst das Orgelwerk 95 cm in der Höhe und 91 cm in der Breite. Die originale Baldachin-Orgel blieb einschließlich ihrer siebenfaltigen Bälge bis auf ein Register original erhalten. Sie hat die Churburg niemals verlasssen und wurde 1969 von Jürgen Ahrend und engen Mitarbeitern dort auf der Churburg sorgfältig restauriert. Dabei musste lediglich das Zungenregister (Regal 8‘) rekonstruiert werden. Die originale Baldachin-Orgel gehört bis heute zum Adelssitz der Familie Trapp, die im Besitz der um 1250 in Schluderns (Südtirol) erbauten Churburg ist.

 

Das Pfeifenwerk ist aus einer hochprozentigen Zinnlegierung gefertigt. Es ist nicht zu sehen, weil die Orgel durch einen gewölbten Baldachin überdacht ist. Die Rundbögen der Renaissance-Truhe sind mit Zierelementen aus Messing geschmückt, die mit einem roten Stoff hinterlegt sind. Die Register sind in Bass und Diskant geteilt. Auf beiden Seiten finden sich verzierte Griffe, an denen die Schleifen der sechs Register direkt betätigt werden können. Zusätzlich findet sich an der linken Seite noch die Einschaltung für den Kanaltremulanten.

 

Die Orgel steht auf einem eichenen Tisch, der in seiner Konstruktion dem originalen Vorbild nachgebildet ist. Er trägt die schmucke Renaissance-Truhe mit ihrem gewölbten Deckel (Baldachin) und die zwei Schöpfbälge. Die Schöpfbälge öffnen sich keilförmig und können weit aufgezogen werden, da sie sieben Falten haben. Sie sind mit Balggewichten beschwert, die den beachtlich hohen Winddruck von 82 mm/Ws liefern. Die Orgel hat einen intensiven, starken, hellen Klang. Das Orgelwerk ist in mitteltöniger (terzenreiner, preatorianischer) Stimmung temperiert.

 

Die Orgel hat den Tonumfang der Renaissance mit 41 Tasten: In der Bass-Oktave sind die Töne Cis, Es, Fis und Gis ausgelassen (kurze Oktave). Im Diskant endet die Klaviatur bei a2, wobei der Ton gis2 ausgelassen ist. Der Stimmton ist einen Halbton höher als die moderne Klavierstimmung. Die Gesamtzahl der Pfeifen beträgt 287.

 

 

Die Disposition der Baldachin-Orgel lautet:

Manual C D E F G A – g’’ a’’

Regal            8’

Copl              4’

Copl              2’

Oktave          2’

Quindecima  1’

Zimbel          2f.

Registerteilung c‘/cis‘

Temperatur:      rein mitteltönig

Kanaltremulant

Winddruck:       82 mmWS

Stimmton:         a1 = 465 Hz

2 Schöpfbälge mit sieben Falten

 

 

 

KALENDER
Events
Adventskonzert im ORGANEUM | 17.00 u. 20.00 Uhr Kammermusik von Johann Sebastian Bach Hajo Wienroth - Traversflöte, Arwen Bouw - Violine und Winfried Dahlke – Cembalo bringen vier kunstreiche Sonaten von Johann Sebastian Bach zu Gehör. Im Anschluss a...
Beginn: 13.12.2018 17:00 Uhr
Ende: 13.12.2018 18:30 Uhr
Adventskonzert im ORGANEUM | 17.00 u. 20.00 Uhr Kammermusik von Johann Sebastian Bach Hajo Wienroth - Traversflöte, Arwen Bouw - Violine und Winfried Dahlke – Cembalo bringen vier kunstreiche Sonaten von Johann Sebastian Bach zu Gehör. Im Anschluss a...
Beginn: 13.12.2018 20:00 Uhr
Ende: 13.12.2018 21:30 Uhr
Prof. Wolfgang Baumgratz konzertiert an der Ahrend & Brunzema- Orgel der katholischen St. Marienkirche. Auf dem Programm steht adventliche und weihnachtliche Orgelmusik von Johann Sebastian Bach, u.a. drei Choralvorspiele über den Choral "Nun komm de...
Beginn: 15.12.2018 17:00 Uhr
Ende: 15.12.2018 18:00 Uhr
Das berühmte Weihnachtsmärchen von Charles Dickens verschmilzt kleinen englischen Orgelstücken. Französische Noëls und gemeinsam gesungene Weihnachtslieder umrahmen nach Stapelmoorer Tradition das Geschehen.An der französischen Barockorgel: Reinalt K...
Beginn: 30.12.2018 19:00 Uhr
Ende: 30.12.2018 21:00 Uhr
Zum Neujahrskonzert lässt LKMD Winfried Dahlke fröhliche und selten aufgeführte Orgelwerke des Barock erklingen, die sich auf der Arp Schnitger-Orgel wunderbar entfalten und durch ihre „Neuheit“ die Ohren besonders erfreuen. Im Anschluss wird zu eine...
Beginn: 06.01.2019 17:00 Uhr
Ende: 06.01.2019 19:00 Uhr
„Musick aus allen landen, da Meister Arpen orgell-instrumenta gelieffert“ Werke vom V.Lübeck, G. Böhm, v. Noordt, J. Blow, Chr. Ritter, J.A. Coberg, J.B. Bach u.a. Es konzertiert Prof. Martin Böcker (Stade)
Beginn: 03.02.2019 17:00 Uhr
Ende: 03.02.2019 18:00 Uhr
Emmanuel Le Divellec,  Professor für Orgel und Improvisation an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, konzertiert im März in der traditionsreichsten Orgelkonzertreihe Ostfrieslands an der Arp Schnitger-Orgel der Georgskirche Weener. Eintr...
Beginn: 03.03.2019 17:00 Uhr
Ende: 03.03.2019 18:00 Uhr