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Landschaft von Ostfriesland
Fundchronik 1988 |

Fundchronik 1988

 

Ostfriesische Fundchronik
Emder Jahrbuch Bd. 69, 1989

 

Jahresbericht über die Forschungsvorhaben und Projekte 
der Ostfriesischen Landschaft 1988

 

Aurich, Stadt Aurich, Stadtkernforschung (2510/3:81 u. 82)

Im Stadtkern Aurichs wurden zwischen der Kirchstraße und dem Marktplatz fünf Grabungsschnitte in west-östlicher Richtung mit einer Gesamtlänge von 120 m angelegt. Hier befand sich wahrscheinlich der älteste Kern der Besiedlung. Die Grabungsschnitte entdeckten einen Graben von 4 m Breite und 1 m Tiefe, der aus dem 12./13 Jh. stammt. Seine Bedeutung ist zur Zeit noch ungeklärt. Das Gebiet östlich davon scheint vor allem in jüngerer Zeit besiedelt gewesen zu sein. Hier kam ein breiter Befestigungsgraben des 15. Jh. zutage. Er besaß eine Breite von mindestens 15 m und eine Tiefe von 2,50 m und stammt von der ersten Befestigung der Stadt Aurich durch Fokko Ukena.

Der Bereich des heutigen Marktplatzes, östlich des Grabens, diente bereits im hohen und späten Mittelalter als Ackerland. Davon zeugen die Reste von Wölbäckern sowie datierende Keramik. Der Platz wurde 1517 mit der Gründung der Neustadt zum Markt erkoren und im frühen 18. Jh. durch verschiedene Pflasterungen auf das heutige Niveau angehoben, wies aber keine Anzeichen von Bebauung auf. Durch die Grabungsschnitte im Innenhofbereich zwischen der Kirchstraße und dem Markt wurden mehrere Abfallgruben des 17./18. Jh. freigelegt, die durch ihren hohen Anteil an Keramik gute Aussagen über den Hausrat dieser Zeit erlauben.

 

Hochmittelalterliche und frühneuzeitliche Wüstung Kloster Barthe in Hesel, Landkreis Leer (2611/9:10-8)

1988 begannen die Ausgrabungen auf dem Gelände des Klosters Barthe in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hesel und dem Landkreis Leer als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Das hochmittelalterliche Prämonstratenserkloster ging um die Mitte des 16. Jh. in gräflichen Besitz über und fiel wohl zu Beginn des 18. Jh. endgültig wüst. Während alle Gebäude nach und nach gründlich abgetragen worden waren, lagerten sich Sanddünen auf dem Areal ab. Zur Klärung der Stratigraphie und der Erhaltungsbedingungen wurden fünf Grabungsschnitte im Bereich der größten Düne (”Nonnenhügel”) niedergebracht, anschließend wurden zwei bis 100 m lange und 2 m breite Suchschnitte zur Auffindung von Gebäuderesten gezogen. Ihre Anlage wurde nach Bohrergebnissen bestimmt, wobei auf den vorhandenen Baumbestand Rücksicht genommen wurde. Der gründliche Abriß erschwert das Erkennen ehemaliger Baustrukturen erheblich, zudem waren die Gebäude nicht allzu tiefgründig fundamentiert, allein im Schnitt A3 reichte eine Kellersohle 3,2 m tief. Die Nord-Ost-Ecke des Kellers war noch als zweischaliges Mauerwerk wenige Ziegellagen hoch erhalten. Durch einen rottonigen halben Grapen aus der Mauerfüllung kann der Keller vorläufig in das 16. Jh. datiert werden. Durch seine Einbringung wurde ein mittelalterlicher Bau zerstört. Durch ergänzende Beobachtungen in anderen Schnitten muß der Keller als zum Klausurgebäude gehörig angesehen werden. Der West-Ost verlaufende Suchschnitt konnte nicht nur den Klosterfriedhof mit bisher etwa 25 Bestattungen anschneiden, er erbrachte auch mehrere weit ausgedehnte Lehmlagen als ehemalige Fu8böden westlich des Friedhofes. Durch die Lehmlagen fanden sich ebenfalls Gräber eingetieft, davon eines mit einer durch Backsteine ausgekleideten Grabgrube. Darin lag ein gut erhaltenes Skelett eines Mannes von mindestens 1,80 m Größe. Ein kleiner Mauerrest westlich der Lehmlagen zeigt an, daß die Mauern dieses Gebäudes auf Fundamentgräben gestanden haben, die sich im umgebenden gewachsenen Boden gut abzeichnen. Ein solcher Graben wurde zwischen dem Friedhofsareal und den Lehmlagen aufgedeckt, ein zweiter läuft im rechten Winkel auf ihn zu. Der Grundriß des Gebäudes kann also auch ermittelt werden, obgleich die Mauern restlos entfernt wurden. Der erste Graben knickt zudem in charakteristischer Weise ab, so daß er als Fundamentgraben der Kirchenapsis angesehen werden kann, die Lehmlagen kennzeichnen also den Kirchenfußboden. Südlich der Kirche findet der Friedhof seine Fortsetzung, der genannte Keller liegt nördlich von ihr. Entgegen den allgemeinen Erwartungen hat die Kirche also südlich des Klausurgebäudes gestanden. Während der Winterpause wurde mit der Inventarisierung und ersten Auswertung der mehr als tausend Keramikscherben begonnen. Die Grabung soll im Frühjahr 1989 wieder aufgenommen werden. Schwerpunktmäßig soll dann der Kirchengrundriß ermittelt und den noch offenen Fragen im Bereich der Klausur nachgegangen werden. Vorbericht: R. Bärenfänger, Die archäologischen Ausgrabungen am ”Kloster Barthe” im Heseler Wald. In: Ostfriesland Journal Nr. 10/1988, 17 – 20.

 

Turmhügelburg ”Dachsberg”, Landkreis Aurich (2510/9:18)

Die Voruntersuchungen hatten die Topographie des Naturraumes erfaßt, so daß sowohl der Wegeverlauf, die Anbindung der Burganlage hierzu, sowie eine brauchbare Hypothese über die Altlandschaft aufgestellt werden konnte. Diese Arbeitsphase hatte ein Jahr in Anspruch genommen. Die Hauptuntersuchung begann mit der archäologischen Ausgrabung der Turmhügelburg ”Dachsberg”. Hier wurden in der zweijährigen Grabung 24 Schnitte angelegt, die ca. 1500 qm auf der Hauptburg und der potentiellen Vorburg erschlossen. Vorbehaltlich der abschließenden Auswertung der Grabungsbefunde, die noch das geplante dritte Jahr in Anspruch nehmen wird, kann hier vorläufig folgendes Untersuchungsergebnis mitgeteilt werden. Im Bereich der potentiellen Vorburg sind mindestens drei Siedlungsphasen angetroffen worden, die ein bezeichnendes Licht auf die Siedlungs- und Herrschaftsentwicklung im frühen und hohen Mittelalter werfen. Im 8. Jh. existierte zunächst ein bäuerliches Gehöft, bestehend aus einem Bohlenwandhaus von 21 m Länge und 6 m Breite sowie einem Brunnen und Speicher. Im 9./10. Jh. entsteht wahrscheinlich ein Werkstattgebiet mit Werkstattgruben, zu denen kein bäuerliches Gehöft zugeordnet werden kann. Vermutlich zeichnet sich jetzt bereits eine von bäuerlichen Siedlungen zu unterscheidende Sonderentwicklung ab, weil auch die späteren Siedlungsphasen keine Bauernhäuser zeigen. Diese beiden jüngeren Phasen sind gekennzeichnet von großen Pfostenbauten, denen aber die dichte Pfostensetzung in der Wand fehlt, wie sie bäuerlichen Gehöften zueigen ist.

Der Fundniederschlag belegt einen Zeitraum vom 8. bis ins 13. Jh. Die Anlage wurde also mit der Gründung des Zisterzienserklosters Ihlow 1218 aufgegeben. Funde von Badorfer und Pingsdorfer Keramik zeigen, daß an Ort und Stelle ein höherer Konsumstandard als in bäuerlichen Siedlungen herrschte, wohingegen die Spinnwirtel und Webgewichte auf Hauswerk hinweisen. Der Turmhügel der Hauptburg zeigt eine zweiphasige Aufschüttung innerhalb eines knapp 40 m durchmessenden Grabenovals. Leider haben Dachs- und Fuchsbauten in vierhundert Jahren die Stratigrafie und Baubefunde weitgehend zerstört, so daß es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sicher ist, ob die weitere Auswertung noch klarere Ergebnisse zur Stratigrafie des Hügels ergibt. Bereits zur primären Hügelanlage gehört ein runder Kellerraum von 3,2 m Durchmesser und über 3 m Höhe. Er überragte noch die heutige Hügeloberfläche, was auf die Problematik der Erkennbarkeit weiterer Baubefunde hinweist. Mehrfach zeigen die Profile alte abgesunkene Hügeloberflächen. Daher konnte noch keine weitere Bebauung erkannt werden. Man muß also annehmen, daß der aus Bohlen errichtete Kellerraum die Stelle des Fachwerkturmes markiert, zumal hier auch die höchste Stelle des heutigen Hügels liegt. Nach Aussage der Funde entstand er in der 2. Hälfte des 12. Jh. und gehört zu der (den) letzten Siedlungsphase(n) der Vorburg.

 

Früh- und hochmittelalterliche Siedlung in Hollen (2712/4:16)

Auf dem Flurstücke ”Kampeeschen” wurde die Untersuchung des mittelalterlichen Siedlungsplatzes des 8. bis ’J3. Jh. zum Abschluß gebracht. 1988 wurde eine Fläche in einer Größe von ca. 0,5 ha abgedeckt und untersucht. Ferner sollten Testschnitte zeigen, wie weit diese Siedlung sich in östlicher und südlicher Richtung ausdehnte. Zwei Hausplätze konnten freigelegt werden, wovon einer mehrmals überbaut worden war. Die Hausgrundrisse weisen eine Länge von 15 – 20 m und eine Breite von 8 – 9 m auf. Überlagert wird die gesamte Fläche von in West- Ost-Richtung verlaufenden Entwässerungsgräben eines späteren Wölbackersystems. Außerdem kam ein Brunnen zutage, dessen Schacht aus einem ausgehöhlten Eichenstamm bestand. Die Stammteile werden durch Holzlaschen und Holzdübel zusammengehalten.

 

Steinhaus in Neermoor (2610/8:7)

Der Arbeitskreis Vorgeschichte der Ostfriesischen Landschaft hat eine Untersuchung auf einem Grundstück der Reihensiedlung Neermoor durchgeführt, wo der Standort eines spätmittelalterlichen Steinhauses vermutet wird.
Dabei wurde festgestellt, daß der gewachsene Boden aus pleistozänem Sand mit einem klassischen Podsol-Profil besteht. Seine Oberkante schwankt nur geringfügig zwischen + 1,20 m und + 1,40 m NN, so daß von einem relativ ebenen Plateau im Untersuchungsbereich auszugehen ist. In den gewachsenen Boden sind Gräben von ca. 1 m Breite und 0,5 m Tiefe gegraben worden, die parallel zur Längsachse des heutigen Hauses in Nordost-Südwest-Richtung verlaufen, soweit das erkennbar ist. Die Gräben gehören zum ersten Auftrag, der ebenfalls eine relativ einheitliche Oberkante von + 1,3 m bis + 1,5 m NN besitzt. Die Gräben zwischen Schnitt 1 und Schnitt 2 scheinen ein ca. 8 m breites Ackerbeet (Gartenbeet) einzufassen. Der Auftrag außerhalb des Ackerbeetes bestand aus stärker gewürfeltem Sandboden mit Lehmlinsen. Vermutlich gehört er zu einem Gebäude, welches die Schnitte nicht erfaßten. Die zweite Auftragsschicht besitzt eine durchschnittliche Höhe an ihrer Oberkante von + 1,65 m bis + 1,8 m NN. Sie überdeckt das alte Grabensystem. Der Auftrag ist z. T. mit Ziegelbrocken durchsetzt, so daß er mindestens dem 13. Jh. zugeordnet werden muß. Die Sandschicht ist im Osten (Schnitt 3) homogen wie Gartenerde, im Süden (Schnitt 1) und im Westen (Schnitt 2) aber gewürfelt und mit Lehmlinsen und hellgelbem Sand durchsetzt. Ein dazugehöriges Gebäude könnte ebenfalls im Bereich des heutigen Hauses gestanden haben. Der dritte Auftrag besteht in allen drei Schnitten aus gewürfeltem Sand, der z. T. mit großen Lehmlinsen durchsetzt ist. Seine, Oberkante liegt bei + 1,8 bis 1,9 m NN. Auch hierzu wurden keine Bauspuren entdeckt. Eine Fundamentlage aus Ziegelsteinen im Klosterformat in Schnitt 3 befindet sich in einem Fundamentgraben, der von einem höheren Niveau als dem des dritten Auftrags eingetieft worden sein muß. Wahrscheinlich erreichte das damalige Hügelniveau bereits seine heutige Höhe von + 2,3 m bis + 2,5 m NN. Die wenigen Steine ließen nicht erkennen, ob der Schnitt den Innen- oder Außenraum erschlo8. Wahrscheinlich lag er aber im Innenraum, weil die Schuttschicht nach Westen hin stärker entwickelt war. Die Funde der einzelnen Schichten datieren die Besiedlung der ehemals mit Heide bewachsenen Geestkuppe ins 12./13. Jh. Die Reste des Ziegelsteingebäudes (Steinhauses?) gehören wohl ins 14./15. Jh. Die Datierung bestätigt die These, da8 die ältere Siedlung Neermoors wegen Überflutungen im 12./13. Jh. auf die hohe Geest nach Osten verlegt wurde.

 

Die Siedlungsgeschichte des Riepster Hammrichs

Die Untersuchungen zur Besiedlung des Riepster Hammrichs im Rahmen eines AB-Projektes wurden 1988 fortgesetzt. Im Niederungsgebiet des Riepster Hammrichs siedelte man im hohen Mittelalter auf dem Moor, welches heute noch eine Mächtigkeit bis zu 2 m aufweist. Dies gilt allerdings nicht für die Geestdurchragung Kapelle, die bereits im 10. Jh. besiedelt war. Entweder entstanden an den beiden Hauptwegen des Riepster Hammrichs, dem Norderhammrichsweg und dem Süderhammrichsweg, jeweils etwa 7 Hofstellen, die sich das Ackerland zwischen den beiden Wegen gleichmäßig teilten, oder die Wege dienten als Anschlu8 für einige wenige Einzelgehöfte im Besitz von Grundherren. Die Frage kann erst beantwortet werden, wenn alle potentiellen Siedelstellen untersucht worden sind. Die Höfe des frühen und späten Mittelalters bewirtschafteten das Moor und auch noch die ersten Kleiablagerungen. Um der Vernässung auszuweichen, wurden die Hofplätze noch im 13. Jh. aufgehöht, bis im 14. Jh. das Land durch Überflutung unbesiedelbar geworden war, obgleich man offenbar versuchte, mit einem ringförmig angelegten Binnendeich das Land zu schützen. Erst in der Neuzeit, im 16. Jh., kam es zu einer Neubesiedlung der alten Hofplätze und Neuaufteilung des überschlickten Hammrichs.

 

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