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Landschaft von Ostfriesland
AUFGABEN / ZIELE |
ARCHÄOLOGIE / AUFGABEN / ZIELE
Dokumentation der Gruft der reformierten Kirche 2014 in Loga mit Überresten neuzeitlicher Särge.

Unsere Aufgaben

 

Das Tätigkeitsfeld des Archäologischen Dienstes ist breit gefächert: Über denkmalpflegerische Stellungnahmen und Gutachten bis zu Bauleitplanungen und der Organisation und Durchführung von Rettungsgrabungen, befassen wir uns mit den archäologischen Aufgaben und Fragestellungen der Region. Dazu gehören auch die wissenschaftliche Auswertung und Publikation von Grabungsergebnissen, gleichsam wie die Öffentlichkeitsarbeit. Mit unserer Homepage, sowie durch Vorträge, Ausstellungen und Veranstaltungen in der Jugend- und Erwachsenenbildung, möchten wir Sie über unsere Arbeit, die Archäologie in Ostfriesland, informieren.

 

 

Die Geschichte der Archäologie in Ostfriesland

 

Die Sammlung und Katalogisierung archäologischer Funde in Ostfriesland reicht bis weit in das 19. Jahrhundert zurück. In Emden gründeten aufgeschlossene Bürger 1820 die Gesellschaft für Bildende Kunst und vaterländische Alterthümer. In ihrem seit 1872 herausgegebenen Jahrbuch machten Sie u.a. neue Funde bekannt, die zum Teil im Emder Museum ausgestellt wurden. Den damals aktuellen Kenntnisstand trug 1879 der Emder Arzt Dr. Petrus Tergast in dem Bändchen Die heidnischen Alterthümer Ostfrieslands zusammen.

 

Die nächste Zusammenstellung von Funden nahm Prof. Peter Zylmann vor. 1933 veröffentlichte er sein Werk Ostfriesische Urgeschichte. Gelegentlich wurden in dieser Zeit auch Ausgrabungen durch das Landesmuseum Hannover in Ostfriesland, z.B. in Bentumersiel, Nesserland und Logabirum, durchgeführt.

 

 

Bronzezeitliche Steinkiste, 1956 geborgen im Torf bei Dietrichsfeld.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden erste größere Ausgrabungen vor allem durch das Institut für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven iniziert. Sein Leiter, Dr. Werner Haarnagel gründete zusammen mit Prof. Peter Zylmann am 4. Juli 1951 die Arbeitsgruppe Vorgeschichte der Ostfriesischen Landschaft. Motor war hier Dr. Harm Wiemann. Dessen historische Forschungen brachten ihn zu der Erkenntnis, dass eine Verbesserung der Quellenbasis in der Region nur durch archäologische Befunde und Funde erreicht werden könne. In der Arbeitsgruppe sollte es nun darum gehen, in allen Teilen Ostfrieslands Vertrauensleute zu gewinnen und zu schulen, um Feldbegehungen durchzuführen und bei Bauarbeiten zutage kommende Funde der Wissenschaft zu melden.

 

So begann die systematische Erfassung der Bodendenkmale und Funde. Bald stellte sich jedoch heraus, dass diese hochgesteckten Ziele nicht allein durch eine ehrenamtliche Tätigkeit zu erreichen waren. Die Lösung lag in der Institutionalisierung der archäologischen Landesaufnahme und der Bodendenkmalpflege durch Fachkräfte.

 

Beginnend im Landkreis Leer fanden daher seit 1961 Verhandlungen über die flächendeckende Begehung und Kartierung der archäologischen Fundstellen statt. Der Oberkreisdirektor des Landkreises Leer und spätere Präsident der Ostfriesischen Landschaft, Peter Elster, förderte die Gespräche und erreichte schließlich eine Einigung auf Ebene der ostfriesischen Landkreise. Wenig später stieß auch die Stadt Emden hinzu. So konnte seit 1963 in zunächst wechselnder personeller Besetzung die archäologische Landesaufnahme in Ostfriesland begonnen werden. 1972 wurde, nach Dr. Wilhelmi und Dr. Maier, mit Dr. Wolfgang Schwarz auch ein hauptamtlicher Archäologe fest etabliert. Die archäologische Landesaufnahme setzte sich in den siebziger Jahren erfolgreich fort, hinzu traten erste eigene Ausgrabungsprojekte an der Burgstelle Borgholt und am Zisterzienserkloster Ihlow.

 

Neue Herausforderungen

 

Mit den achtziger Jahren veränderten sich allmählich die Anforderungen an die Archäologie: Die wirtschaftliche Entwicklung Ostfrieslands zog eine zunehmende Veränderung der Region nach sich, die sich vor allem in verstärkter Bauaktivität ausdrückte: Wohn- und Gewerbegebiete, Straßen- und Pipelinebau, Rohstoffentnahme bei Sand, Kies, Klei und Torf. Auf der Basis des erst 1978 in Kraft gesetzten Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes rückten nun Rettungsgrabungen auf Baustellen in den Vordergrund des archäologischen Alltags. Die systematische Feldbegehung kam so aus personellen Gründen bald ganz zum Erliegen. Schließlich hatte die Erschließung und Dokumentation der durch Baumaschinen akut gefährdeten Denkmalsubstanz Vorrang. In diesem Zuge wurde auch die Grundlage für ein archäologisches Fundstellenarchiv geschaffen, das mittlerweile auf EDV-Basis eine solide Beurteilung der Situation in verschiedenen Landesteilen zulässt.

 

1998 bei Bauarbeiten in Norden gefundenes Skelett aus dem 17. Jahrhundert.

Der Trend zur weiträumigen Umgestaltung der Kulturlandschaft und der damit einhergehende Verlust von Bodenurkunden hat sich nicht wieder abgeschwächt. Im Gegenteil: Er nimmt bis heute kontinuierlich zu und macht die Arbeit des Archäologischen Dienstes immer zentraler. Die ostfriesischen Gebietskörperschaften, die Landkreise Aurich, Leer, Wittmund und die kreisfreie Stadt Emden haben die Forschungsstelle daher dankenswerterweise personell weiter verstärkt. Nicht nur Grabungstechniker kamen hinzu, 1988 wurde mit Dr. Rolf Bärenfänger auch ein zweiter hauptamtlicher Archäologe eingestellt.

 

Nachdem Dr. Rolf Bärenfänger 2008 in das Amt des Landschaftsdirektors berufen wurde, übernahm Dr. Sonja König im Dezember 2008 die Leitung des Archäologischen Dienstes. Im November des gleichen Jahres wurde Dr. Wolfgang Schwarz nach 36 Jahren Tätigkeit im Dienste der Archäologie in den Ruhestand verabschiedet. Seine Aufgaben nimmt seit Januar 2009 Dr. Jan Kegler wahr.

 

An der Julianenburger Straße in Aurich freigelegter Eiskeller aus der ersten Hälfte des 18. Jh.
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