Uttel (2002)
FStNr. 2412/2:67, Stadt Wittmund, Ldkr. Wittmund

Siedlung des Hoch- und Spätmittelalters

Nordwestlich der Kreisstadt Wittmund quert die Landesstraße 10 einen schmalen, annähernd Süd-Nord gerichteten, in das vorgelagerte Marschland ziehenden Geestsporn. Nördlich der Straße hat im Hoch- und Spätmittelalter die Burgstelle von Uttel gelegen, eine frühmittelalterliche Besiedlung des 8. bis 10. Jahrhunderts wurde weiter westlich in Hattersum ergraben. Die Burganlage hat in ihrer späteren Phase über ein wehrhaftes Steinhaus verfügt, von dem aus in strategisch günstiger Position der Verkehrsweg kontrolliert werden konnte. Als nun südlich der Straße ein größeres Wohnbaugebiet auf den südlichen Ausläufer des Geestspornes hin erweitert werden sollte, wurde zunächst ein Prospektionsschnitt angelegt, der umfängliche mittelalterliche Siedlungsspuren zutage brachte. In Abstimmung mit den Denkmalbehörden wurde daraufhin beschlossen, die geplante Straßentrasse vom Oberflächenhumus zu befreien, um Befundkonzentrationen festzustellen und von diesen Bereichen ausgehend Flächengrabungen aufzunehmen. In dieser Trasse kamen 1,50 m hohe mittelalterliche Auftragsschichten zutage, die Fußbodenreste, Feuerstellen, Verfärbungen von Hauswänden sowie Brunnen u.a.m. enthielten, weshalb ein weiteres Abtiefen ausgesetzt wurde. Die Erschließungsgesellschaft als auch die Stadt Wittmund nahmen zunächst Abstand von den Planungen, bis zum Ende des Berichtsjahres war noch keine Entscheidung über dort durchzuführende langjährige Ausgrabungen gefallen. Die außerordentlich qualitätvolle Erhaltung der mittelalterlichen Denkmalsubstanz an diesem Ort ist auch deshalb besonders, weil der Siedlungsplatz auf Geestuntergrund liegt, aber wie eine Warft (Wurt) in der Marsch aufgehöht worden ist. Der Geestsporncharakter ist also durch anthropogene Aufhöhungen entstanden. Vergleichbare Situationen wurden in Nordorf und Holtgast festgestellt.

Im südlichen Bereich der Burgstelle selbst (FStNr. 2412/2:64) fanden unbeaufsichtigt tiefreichende Pflugarbeiten statt, die erheblich in die untertägig erhaltene Denkmalsubstanz eingriffen. Eine anschließende Begehung erbrachte Hinweise auf umgebrochene Lehmestriche, Klosterformatziegel und Siedlungsschichten. Zwölf große Findlinge lagen ausgekoffert am Rande des Ackers. Diese Zerstörungen zeigen einmal mehr den schädlichen Einfluß der modernen Techniken der Intensivlandwirtschaft auf die archäologischen Denkmäler.

R. Bärenfänger

 

Fundchroniken Zeittafel Grabungen 2000