Überreste des Torfsodenbrunnens
am Strand von Juist.

Juist (2000)
FStNr. 2307/2:3; Inselgemeinde Juist, Ldkr. Aurich

Funde und Befunde aus Spätmittelalter und Neuzeit

Das Institut für Geobotanik der Universität Hannover und das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung, Hannover, bearbeiten seit 1997 im Rahmen eines von der DFG geförderten geologisch-paläoökologischen Forschungsprojektes subfossile Salzwiesen-horizonte und Wattschichten am Strand der Insel Juist und weiterer Ostfriesischer Inseln (Borkum, Memmert, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge, Mellum). Diese originär im landwärtigen Bereich der Inseln entstandenen Ablagerungen werden, infolge einer Nord-Süd gerichteten Inselverlagerung, seit einigen Jahren erosiv am seeseitigen Strand der Insel Juist freigelegt. Bei Strandbegehungen wurden im Umfeld dieser subfossilen Salzwiesenschichten auch Reste eines freigespülten Sodenbrunnens entdeckt.

Der Brunnenschacht hat einen Außendurchmesser von 1,00 m und ist aus Soden aufgebaut, die, wie Diatomeen-Analysen zeigen, im oberen Bereich einer Salzwiese gestochen wurden. Durch Erosion ist der Brunnenschacht weitgehend abgetragen, so dass nur noch eine Sodenlage vollständig erhalten war, deren Oberkante bei +1,09 m NN lag (Abb. links oben). Der hölzerne Unterbau bestand aus Spaltbohlen, die im oberen Bereich durch Weidenruten fixiert waren. Die auflaufende Flut verhinderte eine detailliertere Aufnahme und die Bergung des hölzernen Unterbaus. Im zentralen Bereich des Brunnens fand sich lediglich ein Fragment glasierter roter Irdenware des 16./17. Jhs.

Der Brunnen ist in Zusammenhang mit der ehemaligen Ortschaft Billdorf auf der Insel Juist zu sehen, die während der Weihnachtsflut im Jahr 1717 zerstört und dann aufgegeben wurde. Wahrscheinlich lag der Brunnen am wattseitigen Dünenfuß im oberen Bereich der ehemaligen Salzwiese oder geschützt in einem Dünental (Delle oder Dellert), wobei die ehemalige Brunnenoberkante vermutlich in einer Höhe von +2,5 m NN lag. Dies entspricht der Höhenlage eines humosen Horizontes, der an mehreren Stellen am Strand ebenfalls erosiv freigelegt und im Rahmen des oben genannten Forschungsprojektes beprobt wurde. Durch die heutige Fundsituation am Strand wird die oben angeführte Nord-Süd Verlagerung der Insel eindeutig belegt.

H. Freund



Die kreisförmige, aus Torfsoden erstellte Anlage war wahrscheinlich eine Viehtränke.
Foto: Ahrends, Juist.

    
Anhänger mit frühneuzeitlicher Hausmarke.

Nach Niedrigwasser infolge von Oststürmen wurden zwischen Weihnachten und Neujahr 1999 am Strand auf der Nordseite der Insel archäologische Befunde freigespült. Sie gehören zu den östlich der Domäne Bill weitflächig erhaltenen spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Siedlungsresten. Beobachtet wurde eine kreisrunde, aus Torfsoden erstellte Anlage von etwa 30 m Durchmesser, auf die aus annähernd südöstlicher Richtung eine langgestreckte, deichartige Erhebung zulief. Anscheinend handelt es sich um eine ehemalige Viehtränke oberhalb einer Süßwasserlinse, die über eine höher gelegene Zuwegung erreichbar war. Aus diesem Gebiet wurden eine spätmittelalterliche Keramikscherbe sowie neuzeitliche glasierte Rot- und Gelbirdenware aufgesammelt. Außerdem wurde ein 12,5 hoher und 12,3 cm breiter medaillonartiger Anhänger mit Durchbohrung gefunden. Er besteht aus einem geschliffenen, graugelblichen Naturstein und trägt einseitig eine geometrische Ritzung. Letztere kann als Hausmarke angesehen werden, die zur Besitzkennzeichnung von Vieh oder eines Fischernetzes Verwendung gefunden haben dürfte.

R. Bärenfänger

 

Fundchroniken Zeittafel Grabungen 2000