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Fundchronik |
Ostfriesische
Fundchronik
Zusammengestellt von Wolfgang Schwarz und Hans
Schwarz mit Beiträgen von Abkürzungen: SG = Samtgemeinde; EG = Einheitsgemeinde; Gmk - Gemarkung; Mtbl. = Meßtischblatt (Topographische Karte 1:25 000); gef. = gefunden; F = Finder; FM = Fundmeldung; FSt = Fundstelle; FV = Fundverbleib; B = Breite; D = Dicke; H = Höhe; L = Länge; Dm = Durchmesser; OL = Ostfriesische Landschaft; AL = Archäologische Landesaufnahme.
A. Ausgewählte Neufunde 1) Aurich (EG), Stadt 2) Aurich (EG), Stadt 3) Aurich (EG), Dietrichsfeld (Gmk) 4) Aurich (EG), Middels (Gmk) 5) Aurich (EG), Middels (Gmk) 6) Aurich (EG), Middels (Gmk) 7) Aurich (EG), Schirum (Gmk) 8) Großefehn (EG), Aurich-Oldendorf (Gmk) 9) Großefehn (EG), Holtrop (Gmk) 10) Ihlow (EG), Bangstede (Gmk)
Stadt Emden (kreisfrei) 11) Emden (EG), Stadt 12) Emden (EG), Stadt
Kreis Leer 13) Hesel (SG), Hesel (Gmk) 14) Hesel (SG), Hesel (Gmk) 15) Hesel (SG), Hesel (Gmk) 16) Hesel (SG), Hesel (Gmk) 17) Hesel (SG), Hesel (Gmk) 18) Hesel (SG), Hesel (Gmk) 19) Hesel (SG), Hesel (Gmk) 20) Jemgum (EC), Hatzum (Gmk) 21) Jemgum (EG), Nendorp (Gmk) 22) Jemgum (EG), Oldendorp (Gmk) 23) Jümme (SG), Filsum (EG) 24) Jümme (SG), Filsum (EG) 25) Jümme (SG), Filsum (EG) 26) Jümme (SG), Filsum (EG) 27) Leer (EG), Nüttermoor (Gmk) 28) Leer (EG), Nüttermoor (Gmk) 29 Leer (EG), Logabirum (Gmk) 30) Leer (EG), Logabirum (Gmk) 31) Leer (EG), Logabirum (Gmk) 32) Uplengen (EG), Hollen (Gmk) 33) Uplengen (EG), Hollen (Gmk) 34) Weener (EG), Holthusen (Gmk)
Kreis Norden 35) Brookmerland (SG), Upgant-Schott (EG) 36) Brookmerland (SG), Wirdum (EG) 37 Brookmerland (SG), Wirdum (EG) 38) Hage (SG), Lütetsburg (EG) 39) Hage (SG), Lütetsburg (EG) 40) Krummhörn (EG), Grimersum (Gmk) 41) Krummhörn (EG), Manslagt (Gmk) 42) Krummhörn (EG), Manslagt (Gmk) 43) Krummhörn (EG), Manslagt (Gmk) 44) Krummhörn (EG), Manslagt (Gmk) 45) Krummhörn (SG), Manslagt (Gmk) 46) Krummhörn (SG), Manslagt (Gmk) 47) Krummhörn (EG), Pilsum (Gmk) 48) Krummhörn (SG), Pilsum (Gmk) 49) Krummhörn (EG), Upleward (Gmk)
Kreis Wittmund 50) Esens (SG), Dunum (EG) 51) Esens (SG), Dunum (EG), Brill (Gmk) 52) Esens (SG), Dunum (EG), Brill (Gmk) 53) Esens (SG), Dunum (EG), Brill (Gmk) 54) Esens (SG), Dunum (EG), Brill (Gmk) 55) Esens (SG), Holtgast (EG), Damsum (Gmk) 56) Esens (SG), Holtgast (EG), Damsum (Gmk) 57) Esens (SG), Moorweg (EG) 58) Esens (SG), Moorweg (EG) 59) Esens (SG), Moorweg (EG) 60) Esens (SG), Moorweg (EG) 61) Esens (SG), Stedesdorf (EG), Mamburg (Gmk) 62) Friedeburg (EG), Hesel (Gmk) 63) Friedeburg (EG), Reepsholt (Gmk) 64) Friedeburg (EG), Reepsholt (Gmk) 65) Friedeburg (EG), Reepsholt (Gmk) 66) Friedeburg (EG), Reepsholt (Gmk) 67) Friedeburg (EG), Reepsholt (Gmk) 68) Friedeburg (EG), Reepsholt (Gmk) 69) Holtriem (SG), Blomberg (EG) 70) Holtriem (SG), Blomberg (EG) 71) Holtriem (SG), Blomberg (EG) 72) Holtriem (SG), Blomberg (EG) 73) Holtriem (SG), Blomberg (EG) 74) Holtriem (SG), Blomberg (EG) 75) Holtriem (SG), Blomberg (EG) 76) Holtriem (SG), Blomberg (EG) 77) Holtriem (SG), Blomberg (EG) 78) Holtriem (SG), Ostochtersum (EG) 79) Holtriem (SG), Ostochtersum (EG), Westochtersum (Gmk) 80) Holtriem (SG), Westerholt (EG) 81) Holtriem (SG), Westerholt (EG) 82) Holtriem (SG), Westerholt (EG) 83) Wittmund (EG), Ardorf (Gmk) 84) Wittmund (EG), Ardorf (Gmk) 85) Wittmund (EG), Buttforde (Gmk) 86) Wittmund (EG), Buttforde (Gmk) 87) Wittmund (EG), Leerhafe (Gmk) 88) Wittmund (EG), Leerhafe (Gmk) 89) Wittmund (EG), Leerhafe (Gmk)
B. Grabungsberichte 1) Kreis Leer, Jemgum (EG), Hatzum (Gmk) In den voraufgegangenen Jahren führte das Niedersächsische Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung, Wilhelmshaven, in der Marsch der unteren Ems eine siedlungsarchäologische Landesaufnahme durch. Dabei stellte sich heraus, daß die Orte Hatzum und Jemgum sich durch ihren auffallend länglichen Grundriß von den übrigen, im frühen und hohen Mittelalter bewohnten Warften abheben. Diese Langwarften mit längs über die Warft verlaufender Straße und Häusern von Gewerbetreibenden und Arbeitern beiderseits dieser Straße ähneln den Langwarften von Groothusen, Grimersum und Nesse (Kreis Norden). Archäologische Untersuchungen in der Altstadt von Emden (1951-1953 von HAARNAGEL durchgeführt) und in Groothusen (1955 von REINHARDT durchgeführt) zeigten, daß diese Langwarften im frühen Mittelalter angelegt wurden und dort ganz überwiegend Handwerker und Kaufleute ansässig waren. Es stellte sich die Frage, ob auch westlich der unteren Ems Langwarften vorhanden waren, die wie in Emden und Groothusen auf eine Handelssiedlung des frühen Mittelalters zurückzuführen sind. Der Ort Hatzum besteht heute aus zwei Warften, einer Langwarft des angegebenen Typs und einer zweiten Warft, auf deren Höhe. die Kirche, der Pfarrhof und die ehemalige Burgstelle liegen. Die Bauernhöfe am Rande der beiden Warften dürften nicht zum ursprünglichen Siedlungsbestand gehören. Hatzum besaß unter den Orten am linken Emsufer eine gewisse Mittelpunktsfunktion, es war bis 1467 Sitz eines Propstes. Nachdem in den Jahren 1970 und 1973 im Ortsbereich von Hatzum Bohrungen durchgeführt worden waren, sollten die Grabungen des Jahres 1974 zeigen, wie alt die beiden Warften waren, welcher Art die Bebauung auf der Langwarft in frühgeschichtlicher Zeit war, wie die Gebäude angeordnet waren und welchen Zwecken sie dienten. Auf der Langwarft im Osten des Ortes wurden zwei Flächen von 7 x 10 m (Grabung 1974/I) und 6 x 10 m Größe (Grabung 1974 II) abgedeckt. Im Bereich der Grabung 1974/I waren sieben übereinanderliegende Horizonte zu erkennen. Die Basis der Langwarft lag dort im Niveau von +0,20/+0,40 m NN. In dieser Schicht fanden sich Spuren einer Besiedlung zu ebener Erde, die nach den Keramikfunden etwa in das 8. Jahrhundert n. Chr. Geburt zu datieren sind. Durch Klei- und Mistaufträge von etwa 20 cm Mächtigkeit wurde das Wohnniveau bereits während des 8. Jahrhunderts aufgehöht. Allerdings scheinen sich diese frühen Auftragsschichten auf den Bereich der Gebäude zu beschränken, etwa in der Art von Hauspodesten. Im 9. Jahrhundert wurden dann mächtigere Lagen von Mist oder Klei aufgetragen, die auch größere Flächen bedeckten als die frühen Aufträge. Die Baubefunde innerhalb der Grabungsfläche I zeigten, daß dieser Bereich seit Beginn der Besiedlung wie auch heute noch zum Hofbereich eines wahrscheinlich an der Straße gelegenen Hauses gehörte, ein Hinweis auf die Konstanz des Ortsgrundrisses. Die zweite Grabungsfläche auf der Langwarft zeigte, daß der nordöstliche Teil der Langwarft einen jüngeren Ausbau darstellt, was im übrigen auch der Grundriß dieses Ortsteiles mit dem von der Hauptstraße abzweigenden Weg anzeigt. Auf der Warft des Ortes Hatzum wurde ein Profilschnitt von 12 m Länge angelegt, und zwar auf dem nördlichen Teil des Geländes der ehemaligen Burg, der an den Friedhof grenzt. Der gewachsene Boden wurde dort etwa bei +0,60 m NN angetroffen. Anzeichen für eine Flachsiedlung waren nicht vorhanden. Zu Beginn der Besiedlung scheint man sofort eine Kleischicht von 50-60 cm Mächtigkeit aufgetragen zu haben. Der darüber folgende Siedlungsboden enthält Keramik des 9.-10. Jahrhunderts n. Chr. Geb. Am Nordende des Profiles traten im Profil Störungen auf, die spätmittelalterliche Keramik enthielten. Ergänzende Bohrungen ergaben, daß diese Störungen mindestens 5 m breit waren und vermutlich von einem Graben herrührten, der das Burggelände nach Norden zur Kirche hin abgrenzte, ähnlich wie heute noch der Graben auf der Ost- und Südseite des Burgplatzes. Der Profilschnitt zeigte, daß das Gelände, auf dem im späten Mittelalter die Häuptlingsburg angelegt wurde, bereits im 9./10. Jahrhundert n. Chr. Geb. besiedelt war. Zwar sind die ältesten Funde aus der Langwarft in das 8. Jahrhundert zu datieren, es wäre aber verfrüht, aufgrund der bisher untersuchten Flächen und Profile auf ein höheres Alter der Langwarft zu schließen. Größere Sicherheit in der Beantwortung dieser Frage werden weitere Untersuchungen bringen. Dann werden sich auch weitere Aussagen über das Verhältnis von Burg und Kirche zur Langwarft treffen lassen.
2) Kreis Wittmund, Esens (SG), Dunum (EG) Im letzten Vierteljahr 1974 haben die Aussandungsarbeiten auf der "Alten Warfe" wieder eingesetzt, die laufend unter Beobachtung standen. Mitfinanzieller Hilfe des Landkreises Wittmund konnte außerdem eine ca. 400 m2 große Fläche untersucht werden. Die Aufnahme der Siedlungsspuren richtete sich nach der Arbeitsweise des Baggers. Nach Entfernung des Eschbodens wurde die Fläche abgesucht und ggf. geputzt, wenn Siedlungsspuren zu vermuten waren. Gelegentlich waren Teile schon ausgesandet, bevor eine Beobachtung möglich war, so daß keine größeren zusammenhängenden Flächen untersucht werden konnten. Nur die Fundkategorie der Brunnen war davon nicht betroffen, weil sie gewöhnlich noch unter die Aussandungstiefe hinabreichten und daher wohl fast vollzählig erfaßt werden konnten. Die Mächtigkeit des Eschbodens betrug zwischen 25 und 40 cm. Auf die beschriebene Weise konnten etwa 9000 m2 beobachtet werden. Insgesamt wurden 21 Gräben, 12 Pfostenlöcher, 54 Siedlungsgruben und 14 Brunnen festgestellt und auf Plänen eingezeichnet. Ein Teil der Gräben entstand bei der Eschkultivierung und schneidet die älteren der Siedlungen. Letztere enthielten Scherben des 9. und 10. Jh. Die Pfostenlöcher waren unregelmäßig verteilt, so daß eine Zuordnung zu Hausgrundrissen nicht möglich war. In den Siedlungsgruben fanden sich ebenfalls Scherben des 9./10. Jh. sowie gebrannte Tonbrocken, Holzkohle und Schlacke. Überschneidungen von Siedlungsgruben fehlen. Die Brunnen der Siedlung lagen in Gruppen von 2-4 Stück zusammen, maßen ca. 2 m im Durchmesser und besaßen eine Tiefe von etwa 2 m bis 2,60 m unter heutiger Oberfläche. Die Brunnenwand war immer aus Heidesoden gesetzt. Die Grundlage dafür bildeten entweder einige im Rund liegende Findlinge bis 50 cm Dm oder ein viereckiger Holzrahmen, der an seinen Ecken oft mit Holzzapfen verdübelt war. Nach der Holzartenbestimmung von Professor Dr. Behre, Wilhelmshaven, wurden überwiegend Hölzer der Eiche und der Waldkiefer verwendet. Die meisten Brunnen konnten durch Scherbenfunde ebenfalls ins 9./10. Jh. datiert werden. Ein Bericht über die Ergebnisse der Notbergungen wird demnächst veröffentlicht.
3) Esens (SG), Moorweg (Gmk), Kreis Wittmund Die Mitglieder des Arbeitskreises Vorgeschichte haben auf einem kaiserzeitlichen Gräberfeld der Gemeinde Moorweg einen Grabungsschnitt angelegt. Da die Auswertung der Funde und des Befundes noch nicht abgeschlossen ist, kann hier nur eine vorläufige Darstellung der Grabungsergebnisse gegeben werden. Bei der Feldbegehung durch die Archäologische Landesaufnahme wurde die Fundstelle Nr. 91 entdeckt. Sie liegt auf einem Geestsporn, der in die Niederung des Hartgaster Tiefes vorspringt und im Westen von der alten Ehe und im Nordosten und Osten vom Klampentief begrenzt wird. Die Ergebnisse der Feldbegehung weisen auf dichte Besiedlung in diesem naturräumlich abgeschlossenen Gebiet hin. Neben bronzezeitlichen Grabhügeln gibt es jungsteinzeitliche, kaiserzeitliche und mittelalterliche Siedlungsspuren sowie ein kaiserzeitliches Gräberfeld, auf dem Leichenbrand und Reste von Standfußschalen gefunden wurden. Am südlichen Rand des Gräberfeldes wurden etwa 90 qm abgedeckt. Unter der Ackerkrume im Planum erschienen 34 Verfärbungen, die zahlreiche Funde bargen. Das Gräberfeld war einmal überlagert von einem NNW-SSO verlaufenden Grabensystem und zum andern von dazu rechtwinklig ausgerichteten Gräben, die sich als älter als die vorgenannten erwiesen. Wahrscheinlich dürfen beide Grabensysteme mit der mittelalterlichen Kultivierung des Geestbodens durch Plaggenauftrag in Verbindung gebracht werden. Insgesamt konnten 11 Bestattungen festgestellt werden sowie 2 mutmaßliche Gräber, die von den Gräben zerstört worden waren. Unter den als Grabgruben identifizierten Verfärbungen befanden sich 8 mit rechteckigem bzw. quadratischem Grundriß sowie 3 runde Gruben. Eine der runden Gruben erwies sich als Urnengrab, eine andere als Knochenlager. Bei den rechteckigen bzw. quadratischen Formen handelt es sich um Brandgruben, die als datierende Beigaben nur wenige Scherbenbrocken enthielten. Ein Grabungsbericht wird für Heft 3/1975 der Zeitschrift "Ostfriesland" vorbereitet.
4) Kreis Wittmund, Friedeburg (EG), Etzel (Gmk) Im Sommer und Herbst 1974 wurde an der Kirche von Etzel eine planmäßige Grabung durchgeführt, um die Entwicklungsgeschichte der Kirche und des Kirchhügels zu erforschen. Die auf einem hohen Sandhügel gelegene Kirche besteht aus Granitquadern im unteren Mauerbereich und Backsteinen im oberen. In der bisherigen Literatur über die Kirche werden die östlichen Wandendungen und Mauerstümpfe, die deutlich von einem Abbruch zeugen, so gedeutet, daß hier die sonst übliche Apsis abgebrochen wurde. Nach dem Grabungsbefund war das Schiff jedoch noch ca. 3 m länger und schloß dann mit einer nicht eingezogenen 3,5 m tiefen Apsis ab, die in Ostfriesland und im angrenzenden Jeverland sonst nirgends vorkommt. Die in dem östlichen, abgebrochenen Teil der Kirche angelegten Grabungsschächte erlaubten einen begrenzten Aufschluß der Bodenverhältnisse, bei dem Spuren noch älterer Kirchenbauten aufgedeckt wurden. In einem Schacht an der Nordostecke der Kirche wurden neben den Fundamenten des später eingezogenen Chorbogens Reste von zwei durch Sandauftrag getrennten Lehmestrichen ermittelt. Der untere Estrich war stellenweise durch dicke Lagen von Brandschutt gestört, in dem neben Kugeltopfscherben des 12. Jhs. sehr viel verkohltes Getreide vorkam. Am Nordrand begrenzte ein Feldstein den Estrich. Etwa 70 cm unter diesem Fußboden tauchte, durch weitere Sandschichten abgetrennt, eine Lehmtenne auf, die starke Brandspuren aufwies und 25 cm stark war. Die nächsten Schächte wurden im Apsisbereich des abgebrochenen Kirchenteiles angelegt. Dabei zeigte sich, daß die Fortsetzung der mittleren Estrichschicht vom Schacht an der Nordostecke hier als ehemalige Oberfläche außerhalb des Bauwerks ausgeprägt war. Der Boden war stark mit Lehm und Holzkohle durchsetzt und enthielt Getreidereste, Scherben und Eisennägel. Diese Schicht wurde vom Fundamentgraben der Steinkirche geschnitten. In der Süd-Nord verlaufenden Grabungsgrube im mittleren Apsisbereich trat eine Reihe mittelgroßer Feldsteine auf, in deren Verlauf zwei Pfostengruben im Abstand von 2,20 m angeordnet waren. Feldsteine und Pfostengruben gehören demnach zum Wandabschluß einer in Pfostenbauweise erstellten Holzkirche, deren Schwellbalken auf Steinen ruhten. In kurzem Abstand von der ehemaligen Ostwand der Holzkirche konnten zwei zu diesem Horizont gehörende, Ost-West gerichtete Gräber ohne Beigaben angeschnitten werden. Der im ersten Schacht als unterster Estrich ermittelte Horizont zeichnete sich im Apsisbereich als dünne, mit Tonbrocken durchsetzte Brandschicht ab, zu der ein starker, teilweise verkohlter Pfosten gefunden wurde. Der eichene Pfosten von ca. 35 x 35 cm bildete die Nordostecke eines noch älteren Bauwerks, zu dem auch die Fußbodenzone aus festgestampftem groben Sand ermittelt werden konnte. In dem hinter der Ostwand der Kirche angelegten Schacht, im Mittelgang des ehemaligen Kirchenschiffs, hatte der Estrich der jüngeren Holzkirche eine starke Ausprägung. Auf seiner Oberfläche lag in Resten ein verkohlter, Süd-Nord gerichteter Balken. Der südliche Rand dieser Lehmtenne wurde wieder durch einen Findling begrenzt, der Brandspuren trug. Auch ein dünnes Band mit Holzkohle und verkohltem Getreide zog sich über den Stein hin und fiel nach Süden ab. Hiermit wurde die seitliche Begrenzung der oberen Holzkirche an drei Seiten festgestellt. Danach hatte der Bau im östlichen Teil eine Breite von ca. 6 m. Die überraschendsten Befunde dieser Grabung erbrachte jedoch die Untersuchung der untersten Schicht, zu der der Holzpfosten und der Fußboden im Apsisbereich gehören. In ost-westlicher Fortsetzung des genannten Holzpfostens tauchte in dem Grabungsschacht ein rechtwinklig angelegter, ca. 30 cm hoher Sockel aus gebranntem Lehm auf, der auf sehr flachen Findlingen ruhte. Der Sockel war in nord-südlicher Richtung noch 2,30 m erhalten; nach Osten konnte sein Verlauf ca. 45 cm nachgeprüft werden. Die Seitenflächen des stark rissigen Tonsockels waren rauh, seine teilweise erhaltene Oberfläche dagegen glattgestrichen. Die Findlinge trugen auf der Oberfläche starke Brandspuren. Aus dem Lehmfußboden, in dem sie eingebettet waren, traten sie in einer Breite von ca. 45 cm heraus. Zweifellos hatte ein mächtiger, durchgehender Schwellbalken auf den Steinen gelegen, der die Ostseite des Schiffs der Holzkirche bildete und zu dem eine rechtwinklige Schwellenverbindung des östlich gelegenen Holzpfostens des Chorraumes hergestellt war. Den Arbeitsgang kann man sich so vorstellen, daß nach dem Auslegen der Schwellen auf das Findlingsfundament und nach Errichtung der aufgehenden Bauteile der Chorraum um die Höhe der Schwellen mit Sand und anschließend mit Lehm ausgefüllt wurde. Der Schwellenrahmen wurde dabei innen besonders sorgfältig mit gestampftem Lehm befestigt. Durch die Hitze des Feuers, dem die Holzkirche zum Opfer fiel, wurde der Lehm gebrannt, der daher die Zeiten überdauerte. An einigen Bruchstücken des Tonsockels ist der Holzabdruck noch zu erkennen. Neben den drei Fundamentsteinen wurden die Ausbruchgruben weiterer Findlinge festgestellt. Eine seitliche Begrenzung des Schiffs war wegen der tiefer gehenden Fundamentgräben der Steinkirche nicht festzustellen, jedoch muß die Breite mindestens 7,50 m betragen haben. Die Tiefe des Chors von der Stufe bis zum Holzpfosten maß 4 m, seine Breite wir nicht vollständig zu ermitteln. Wahrscheinlich hatte der Chor einen quadratischen Grundriß. Zwischen den Findlingen vor der Chorstufe lag Brandschutt, in dem neben Holzkohle und Keramikscherben sehr viel dünnes Bronzeblech, z. T. mit kleinen Bronzenägeln, verschmolzene Steine, Perlen und Glasfluß, etwas Gold sowie Bruchstücke von geschliffenem Porphyr schwarzweißer Färbung gefunden wurde. Außerdem enthielt der Schutt noch Splitter von Bergkristall. Eines der Bronzeblechteilen hat einen Perlrand, wie er zusammen mit Steinen und Perlen beim kunsthandwerklichen Kircheninventar im 8. bis 12. 5h. vorkommt. Die Untersuchung der Porphyrbruchstücke durch Herrn Dr. Röder aus Koblenz ergab, das es sich um den seltenen grünen Porphyr handelt, der in römischer Zeit in den Steinbrüchen von Krokeai auf dem Peloponnes gewonnen wurde und hauptsächlich als Fußbodenplatten Verwendung fand. Die zweifellos aus einem römischen Bauwerk stammende Porphyrplatte, deren Bruchstücke in Etzel gefunden wurden, gehörte mit weitgehender Sicherheit zu einem mittelalterlichen Tragaltar; sie war in die Oberseite eines wahrscheinlich kastenförmigen Schreins als Altarstein eingelassen. An den gefundenen Bruchstücken ist der antike Sägeschnitt und die mittelalterliche Bearbeitung noch deutlich zu erkennen. Das Bronzeblech mit den kleinen Nägeln diente zur Bekleidung des Holzkastens, und die Perlen und Steine bildeten den Zierrat des Portatiles. Unter den wenigen Scherbenfunden befand sich nur ein Randstück. Es gehörte zu einem Kugeltopf und ist nach vergleichbaren Funden des Küstengebietes in die erste Hälfte des 11. Jhs. zu datieren. Zusammenfassend vollzog sich die Entwicklung des Kirchplatzes von Etzel nach den bisher gewonnenen Erkenntnissen in folgender Weise: Auf der höchsten Stelle eines in die Marsch hineinreichenden Geestausläufers wurde in der Zeit um 1000 ein Sandhügel aufgeschüttet, auf dem man eine Schwellbalkenkirche mit rechteckigem Saal und quadratischem Chor errichtete. Ob an dieser Stelle schon ein heidnisches, frühmittelalterliches Gräberfeld bestand, ist bisher nicht erwiesen. Nach einem Brand, dem diese Holzkirche zum Opfer fiel, wurde nach weiterem Aufschütten des Kirchhügels eine neue Holzkirche, wohl in Pfostenbauweise mit dazwischenliegenden Schwellbalken, gebaut. Als dann im 12. Jh. auch diese Kirche abbrannte, entstand nach abermaligem Aufhöhen des Hügels die jetzt in veränderter Form erhaltene Steinkirche.
C. Archäologische Landesaufnahme Die Geländebegehung erfolgte planmäßig mit Schwerpunkt im Landkreis Wittmund. Aus organisatorischen Gründen ist die alte Gemeindegliederung Ostfrieslands beibehalten worden. Der Neueinteilung entsprechend werden die ehemaligen Gemeinden der jetzt gültigen Kreis- und Gemeindeeinteilung untergeordnet.
Kreis Aurich 1) Aurich (EG), Middels (Gmk) (Nachtrag). 3 FSt, darunter 2 Siedlungen (s. FSt 146A, 172).
Kreis Leer 1) Hesel (SG), Hesel (Gmk) (Nachtrag): 4 FSt,
darunter 1 Hügel (s. FSt 170, 172, 173, 175, 176).
Kreis Norden 1) Hage (SG), Lütetsburg (Gmk): 2 Warfen (s. FSt 2,
3).
Kreis Wittmund 1) Dornum (SG), Westeraccum (Gmk) (Nachtrag): 1 FSt
(Warf). Die hier aufgezählten Fundstellen sind das Ergebnis der planmäßigen Geländebegehung. Außerdem erscheinen Fundmeldungen und Fundbergungen im Rahmen der Bodendenkmalpflege (Sandgruben-, Erdarbeiten etc.) auch in der Rubrik "A- Ausgewählte Neufunde" der Fundchronik.
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