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Fundchronik |
Ostfriesische
Fundchronik
Zusammengestellt von Wolfgang Schwarz und Hans
Schwarz
Abkürzungen:
A. Ausgewählte Neufunde Kreis Aurich 1) Ihlowerhörn 2) Middels 3) Middels-Westerloog 4) Middels 5) Middels 6) Middels 7) Middels 8) Middels 9) Middels 10) Middels 11) Middels 12) Middels (korrigiert in Spekendorf – 2411/9:20) 13) Middels 14) Middels 15) Middels 16) Middels 17) Middels 18) Middels 19) Middels 20) Riepe 21) Sandhorst 22) Sandhorst
Kreis Leer 23) Brinkum 24) Hatzum 25) Hatzum 26) Holtgaste 27) Jemgum 28) Loga 29) Loga 30) Loga 31) Nendorp 32) Oldendorp 33) Potshausen 34) Potshausen 35) Völlen
Kreis Norden 36) Loquard
Kreis Wittmund 37) Blersum 38) Brill 39) Brill 40) Brill 41) Dunum 42) Hesel 43) Moorweg 44) Ostochtersum 45) Reepsholt 46) Reepsholt 47) Reepsholt 48) Reepsholt 49) Reepsholt 50) Reepsholt 51) Reepsholt 52) Reepsholt 53) Reepsholt 54) Schweindorf 55) Utarp 56) Wiesede (nachgetragen 2512/5:1) 57) Wiesede (nachgetragen 2512/6:4)
Kreisfreies Gebiet 58) Memmert
B. Grabungsberichte 1) Middels, Kreis Aurich Nachdem bereits vor ca. 40 Jahren im Kirchhügel von Middels Urnenfunde des 8./9. Jhs. gemacht worden waren, boten Ausschachtungsarbeiten im Inneren der Kirche die Möglichkeit, weitere Aufschlüsse zur Stratigraphie des Hügels sowie evtl. über ältere Kirchengrundrisse unter der aus dem Anfang des 13. Jhs. stammenden Granitquaderkirche zu erhalten. Bei einem ersten im östlichen Teil des Schiffes angelegten Schacht wurden unter dem aus mittelalterlichen Backsteinen bestehenden Fußboden drei Estrich-Horizonte angeschnitten, die durch eine ca. 15 cm mächtige Plaggenlage von zwei weiteren Estrichen getrennt waren. Unter diesen wurde ein etwa 40 cm mächtiger Plaggenhorizont erfaßt, unter dem der gewachsene Boden mit Ortsteinausbildung angetroffen wurde. Bei der Erweiterung des Schachtes wurde ein WO orientiertes Körpergrab im gewachsenen Boden unter dem Plaggenhügel festgestellt. Durch ein von Wand zu Wand verlaufendes Querprofil konnten die verschiedenen Estriche, die Zwischenpackung aus Plaggen sowie der Plaggenhügel im einzelnen untersucht werden. Die angeführten Schichten wurden durch den randlichen Fundamentgraben und die Gerüstpfostengruben der Granitquaderkirche durchstoßen, so daß die Estriche Bauten zuzuordnen waren, die vor der am Anfang des 13. Jhs. errichteten Quaderkirche bestanden haben müssen. Der gesamte Grabungsbefund gab zunächst Aufschluß über den ältesten auf dem Plaggenhügel errichteten Kirchengrundriß, der eine Gesamtlänge von 17 m und im östlichen Teil eine Breite von 4 m besaß. In der Mitte der Längsrichtung verbreitete sich die ergrabene Plattform des Estrichs geringfügig, so daß ein leicht eingezogener, gerade abschließender Chorraum dem Saalschiff vorgelagert gewesen sein muß. Für die stratigraphischen Befunde war die Freilegung von Altarfundamenten aus drei Perioden besonders wichtig. An der Basis des ältesten Blockaltars und am Estrich fanden sich Spuren eines Brandes, die auch im Ostteil der Anlage sowie außerhalb der Kirche zu ermitteln waren. Der Brandschutt enthielt außer Getreideresten auch Scherben einheimischer Ware sowie das Fragment eines Pingsdorfer Gefäßes mit Wellenfuß. Der Estrich des jüngeren Kirchengrundrisses ging in ganzer Länge der Anlage über die Breite der älteren Holzkirche hinaus, die nach dem Grabungsbefund mit einer schwachen aus Feldsteinen aufgesetzten Fundamentausbildung in die Gruppe mit Schwellbalkenkonstruktionen einzuordnen ist. Die Reste des jüngeren Kirchengrundrisses sind ebenfalls als Holzkirche zu interpretieren, wie u. a. vier freigelegte paarig geordnete und als Fundamentsteine für Holzständer zu deutende flache Findlinge in der östlichen Schiffshälfte zeigen. Zwei dieser Ständersteine waren von unten durch einen Kranz kleiner Feldsteine sorgfältig verkeilt. Ließen sich somit zwei Holzkirchengrundrisse ermitteln, deren ältester dem 10./11. Jh. zuzuordnen ist, so konnten durch einen Suchschnitt außerhalb der Kirche auf dem Friedhof weitere Aufschlüsse über Gräber erzielt werden, die vor der Errichtung des Plagenhügels angelegt worden waren. Auf dem Plaggenhügel außerhalb der Kirche wurde wiederum eine deutlich ausgeprägte Brandschicht aus Holzkohle, Getreide und Schilf festgestellt. Unter dem Plaggenauftrag zeichneten sich im gewachsenen Boden zwei mit Beigaben ausgestattete WO-Gräber ab, die z. T. Reste von Brandbestattungen mit Pfostensetzung überdeckten. Sowohl die Grabanlagen als auch das Fundmaterial zeigen, daß der unter dem Kirchhügel von Middels liegende Friedhof in die Reihe der frühmittelalterlichen friesischen Gräberfelder gehört. Die Funde in Middels (aus Brandbestattungen und Körpergräbern) sind in das 8./9. Jh. Zu datieren. (Literaturhinweis: H. Haiduck, Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Band 41.)
2) Holtgaste (Bentumersiel), Kr. Leer Die Untersuchungen zur vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung in der Flußmarsch der unteren Ems wurden in den Jahren 1971 und 1972 fortgeführt. Sie galten Fundplätzen der Spätlatènezeit/römischen Kaiserzeit und des Mittelalters, nachdem die Grabungen bei Jemgum (1953/54) und Hatzum-Boomborg (1963-69) reiche Ergebnisse zur Siedlungs- und Wirtschaftsform der älteren vorrömischen Eisenzeit erbracht hatten. Während im Jahre 1970 an verschiedenen Stellen Bohrungen sowie Schürf- und Suchgrabungen durchgeführt worden waren, konzentrierten sich die Arbeiten der Jahre 1971 und 1972 auf einen Siedlungsplatz der Spätlatenezeit und der römischen Kaiserzeit (Bentumersiel) und auf einen mittelalterlichen Fundplatz (Klunderborg). Durch die Altfunde der Jahre 1928/30 und die Bohrungen der Jahre 1969/70 stand fest, daß bei Bentumersiel, Gem. Holtgaste, Kr. Leer, eine Flachsiedlung der Spätlatènezeit und der römischen Kaiserzeit lag, während etwa 700 m weiter nördlich bei Jemgumkloster bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. Geb. eine Warft errichtet, worden war (Suchgrabung 1970). Da Warft und Flachsiedlung so nahe beieinander zur gleichen Zeit bestanden, war zu erwarten, daß eine Untersuchung beider Plätze zeigen würde, worauf die Unterschiede in der Siedlungsweise zurückgingen. Darüber hinaus deuteten einige Funde von Bentumersiel auf enge Verbindungen zum provinzialrömischen Gebiet in der frühen Kaiserzeit hin, also in einer Zeit, als römische Handelsware sonst noch nicht an die südliche Nordseeküste gelangte. Anscheinend unterschied sich diese Siedlung in wirtschaftlicher Hinsicht von der Masse der anderen. Eine gewisse Differenzierung im wirtschaftlichen Bereich könnte im übrigen auch die dichte Besiedlung des linken Emsufers in der Spätlatènezeit und römischen Kaiserzeit erklären. Im Jahre 1971 wurden bei Bentumersiel zunächst zwei Suchgräben von 100 m und von 70 m Länge angelegt, die durch eine 10 x 30,5 m große Flachabdeckung ergänzt wurden. Dann schloß sich im Jahre 1972 eine Grabungsfläche von 29,5 x 30 m Größe an. Durch Bohruntersuchungen in der Umgebung der Grabung wurde festgestellt, daß die Siedlung auf einer Landenge lag. Über diese etwa 40 m breite Landbrücke gelangte man auf ein rings von Wasser umgebenes Areal. Dieses inselartige Gebiet war von der Ems und zwei in sie einmündenden Prielen umschlossen und lag zwischen den heutigen Ortsteilen Bentumersiel und Jemgumkloster. Die Grabungen der Jahre 1971 und 1972 zeigten, daß sich die Siedlung bei Bentumersiel in mancher Hinsicht von den bisher bekannten Siedlungen jener Zeit in der Marsch unterschied. Nicht Wohn-Stall-Häuser, sondern mehrere Speicher und ein reines Wohnhaus wurden bis jetzt aufgedeckt. Diese Gebäude bildeten keine bäuerlichen Gehöfte, sondern lagen locker über das Siedlungsareal verstreut, 10 bis 15 m voneinander entfernt und meist von Zäunen umgeben. Die Siedlung war auf der Westseite, also zur Landseite hin, durch Palisade und Graben in der Art einer Abschnittsbefestigung geschützt. Diese Verteidigungsanlage war bereits in der ältesten Siedlungsschicht vorhanden, als man noch keine Gebäude errichtet hatte, sondern das Areal durch Zäune in viereckige Parzellen aufgeteilt war. Diese Einfriedigungen werden am ehesten als Viehauftriebsplatz gedient haben. In einem zweiten Entwicklungsstadium wurden Speicher gebaut und anscheinend jeweils mit einem Zaun umgeben. Eine derartige Anlage wurde in ihrer Gesamtheit erschlossen. Zu ihr gehörte außer dem Speicher ein reines Wohngebäude, das konstruktiv und vermutlich auch funktional zweigeteilt war. Diesen leicht zu verteidigenden Platz nahmen im 1. Jahrhundert n. Chr. Geb. römische Soldaten in Besitz. Das zeigen deutlich die Importfunde, darunter Stücke von der Ausrüstung römischer Legionäre, wie sie aus frührömischen Lagern wie Haltern und Hofheim/Taunus bekannt sind. Auch in der Bauweise äußerte sich provinzialrömischer Einfluß. Denn neben den herkömmlichen Pfostenkonstruktionen wurden nun auch Gebäude auf Schwellhölzern errichtet. Bei dem vorläufigen Stand der Auswertung muß noch offen bleiben, wann die Römer an diesem Platz waren und welche Ziele sie dort verfolgten. Jedenfalls ließ sich das inselartige Gebiet ohne größeren Aufwand gegen Angriffe vom Lande her verteidigen und bot außerdem günstige Ankerplätze im ruhigen Wasser der Priele. Die Anwesenheit der Römer beschränkte sich auf einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum. Danach hat anscheinend einheimische Bevölkerung wieder den Platz beherrscht, soweit die Funde das erkennen lassen. Aber die Beziehungen zum provinzialrömischen Gebiet blieben bestehen, wie die römischen Importe des 2./3. Jahrhunderts n. Chr. Geb. bezeugen. Durch Bohruntersuchungen wurden im Jahre 197l ehemalige Prielläufe im Gebiet zwischen Jemgum und Weener festgestellt. Wichtigstes Ergebnis war die Feststellung, daß ein breiter Priel von Südwesten kommend bei Jemgum in die Ems mündete, die von WILDVANG angenommene Emsschleife also wahrscheinlich zwei Mündungsarme dieses Prieles darstellte und ein zweiter großer Priel aus dem Gebiet von Holtgaste nach Süden verlief und bei Weener sich mit der Ems vereinigte. Eine Verbindung zwischen beiden Prielen im Gebiet von Jemgumgeise bestand nicht. Auf einem mittelalterlichen Fundplatz, dem Flurstück „Klunderborg“ in der Gemeinde Oldendorp, Kr. Leer, wurden im Jahre 1971 Bohrungen durchgeführt und im Jahre 1972 ein 33 m langer Suchgraben angelegt. Altfunde ließen dort einen frühmittelalterlichen Bestattungsplatz erwarten. Die Untersuchungen aber erbrachten Kulturschichten des 10./11. Jahrhunderts. Drei parallel zueinander verlaufende Gräben lassen vermuten, daß es sich um eine Befestigung handelt. Sie wurde zu ebener Erde angelegt und im hohen Mittelalter wegen der damals wieder einsetzenden Überflutungen aufgegeben. Es bestätigte sich, daß im frühen Mittelalter die Überflutungen nachließen und es möglich war, zu ebener Erde zu siedeln. Es ist geplant, die Grabung bei Bentumersiel im Jahre 1973 fortzusetzen.
3) Ardorf, Kreis Wittmund Die Ortschaft Borgholt lag im Mittelalter im Grenzgebiet zwischen Harlingerland und Östringen; jedoch läßt sich der Grenzverlauf nicht eindeutig festlegen. Sie gehört bis heute kirchlich und politisch zur Gemeinde Ardorf. Borgholt liegt in unmittelbarer Nähe eines alten Verkehrsweges, der von der Friesischen Heerstraße, die Oldenburg mit Jever verband, in nördlicher Richtung ins Harlingerland führte und dabei westlich von Borgholt das Südertief mit einem Niederungsmoor („Alte Wegsmoor“) überquerte. Dieser Weg verband zugleich die im Norden über Ardorf von Aurich nach Wittmund verlaufende Straße mit einer weiteren Verbindung im Süden zwischen Aurich und Jever. Am Nordrand der heutigen Ortschaft Borgholt befindet sich in einem kleinen Gehölz die Burganlage. Sie besteht aus zwei etwa gleichgroßen Teilen von annähernd rechteckigem Umriß, die durch einen umlaufenden Graben eingefaßt und zugleich durch einen weiteren Graben voneinander getrennt werden. Der östliche Teil der Anlage („Vorburg“) mißt ca. 22 x 32 m und erhebt sich kaum über das Niveau des umliegenden Geländes. Die Oberfläche zeigt nur eine geringe Profilierung mir einer Höhendifferenz bis ca. 50 cm, wobei die höchsten Erhebungen am Rande, besonders an den Ecken, liegen. Der westliche Teil der Anlage („Hauptburg“) stellt ein weniger regelmäßiges Rechteck dar mit einer Breite von ca. 19 m und einer Länge von ca. 24 bis 29 m. Die Höhenunterschiede sind gegenüber der Vorburg beträchtlicher. Sie schwanken zwischen 5,80 m und 7,75 m. Auch hier sind die Ränder besonders in den Ecken am höchsten; sie fallen steil zu dem umgebenden Graben ab, während sie sich zur Mitte hin allmählich zu einer fast runden Mulde senken. Die erste Probegrabung wurde im Auftrage der Ostfriesischen Landschaft mit Hilfe von Lottomitteln von Ende März bis Anfang Mai 1972 von Dr. Reinhard Maier und Dr. Hajo van Lengen sowie drei Arbeitern durchgeführt. Es wurden zwei 2 m breite Schnitte in der Hauptburg angelegt: Schnitt I von Osten nach Westen in einer Länge von 8 m; Schnitt II von Norden nach Süden in einer Länge von 6 m. Die heutige Anlage der Hauptburg mit erhöhter Randpartie und muldenartiger Vertiefung in der Mitte erwies sich in beiden Schnitten als eine durch Versturz unkenntlich gewordene Wallanlage; und zwar besteht der Wall aus Lehm, der den Aushub des Burggrabens (Graben II) darstellen dürfte. Unter dem Wall zieht sich ein breites Humusband entlang, dessen obere Begrenzung in Schnitt II durch ein schmales Torfband besonders deutlich hervortritt; darunter folgen ein Bleichsandhorizont und der anstehende Lehm. In Schnitt I, der tiefer in die erhöhte Randpartie hineingeführt werden konnte als Schnitt II, kam nun noch ein weiterer interessanter Befund zutage. Im Osten von Schnitt I ist der durchgehende Humus- und Bleichsandhorizont unterbrochen durch einen sich deutlich abzeichnenden Graben (Graben I); unweit westlich seiner oberen noch sichtbaren Kante, und parallel zu ihr verlaufend traten im Planum drei regelmäßige rechteckige gelbe Verfärbungen auf, die sich im Profil als mit Lehm verfüllte Eintiefungen erwiesen: Sie deuten auf eine Bohlensetzung hin. In dem nicht so weit in die erhöhte Randpartie geführten Schnitt II wurde dieser Befund nicht angetroffen. Jener Graben I ist sekundär mit Lehm verfüllt und darüber mit Humus aufgefüllt worden, so daß eine neue durchgehende Oberfläche entstand; über der schließlich der Wall aufgeschüttet wurde. Dagegen wurde sowohl in Schnitt I im Westen als auch in Schnitt II im Süden ein querverlaufender schmaler Graben, der - mit Humus verfüllt - jeweils durch den Bleichsandhorizont in den gewachsenen Lehm einschnitt. Der Graben in Schnitt II traf zudem auf einen weiteren, ebensolchen Graben, der rechtwinklig dazu und damit parallel zu dem in Schnitt I angetroffenen Graben nach Süden verlief. Eine Begrenzung der Verfüllung zu dem darüberliegenden Humusband ließ sich in keinem Fall ausmachen. Dagegen zeigt das Westprofil von Schnitt II, daß das den Humushorizont nach oben abschließende schmale Torfband sich auch über den verfüllten Graben hinzieht. Somit ergab diese erste Probegrabung immerhin schon, daß es sich bei der Burg von Borgholt um mindestens zwei, wenn nicht drei aufeinanderfolgende Befestigungen handelt. Das Fundmaterial, das in diesen beiden Schnitten geborgen wurde, war so geringfügig, daß eine nähere Datierung der Burg noch nicht möglich ist und sich somit eine historische Einordnung dieser Anlage(n) noch nicht vornehmen läßt. (H. van Lengen u. R. Maier, Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte, Bd. 41, 1972.)
4) Dunum, Kreis Wittmund Mit Abschluß des Grabungsabschnittes 1971 konnte die Begrenzung des frühmittelalterlichen Gräberfeldes nach allen Seiten erfaßt und die vorhandenen Grabanlagen bis auf einen geringen Teil im Südwesten des Grabungsgeländes vollständig untersucht werden. Insgesamt wurden 778 Bestattungen freigelegt. Bei diesen handelt es sich überwiegend um Körpergräber (717), während der Anteil der Brandbestattungen relativ gering ist (61). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß eine Reihe von Brandbestattungen, wie schon die Auswertung der Keramik von Dunum gezeigt hat, bei der Anlage jüngerer Körpergräber zerstört wurde. Im Zusammenhang mit den stratigraphischen Befunden konnte auf Grund der fast vollständigen Freilegung des Gräberfeldes nachgewiesen werden, daß die Grabrichtung in der älteren Belegungsphase nicht als Merkmal einer bestimmten Zeitgruppe zu werten ist, sondern weitgehend Bezug nimmt auf die Randbezirke der Grabanlagen von Brandbestattungen. So lassen sich die meisten SN-Gräber zusammen mit den im Randbezirk von Brandbestattungen freigelegten SW/NO-, WO- oder einigen NW/SO-Bestattungen der ältesten Gruppe von Körpergräbern zuordnen. Die Brandgräber lassen eine deutliche Gruppierung erkennen. Jede Gruppe umfaßt bis zu sechs Grabhügel, von denen sich jeweils ein bis zwei Bestattungen durch Waffenbeigaben auszeichnen. Die Brandbestattungssitte erstreckte sich über einen Zeitraum von etwa 200 Jahren, d. h. von der Mitte des 7. bis etwa zur Mitte des 9. Jhs. Außer den auf dem Gräberfeld festgestellten insgesamt fünf Hügelgruppen von Brandgräbern wurden 717 Körpergräber freigelegt, von denen 313 Beigaben sowie Trachtenbestandteile enthielten. Wie bei den Brandgräbern, so weisen auch einzelne Körperbestattungen reiche Beigaben auf. So kommen in den Randbezirk der Brandgräbergruppen jeweils zwei bis fünf Körperbestattungen vor, an deren Fußende eiserne Spitzen mit Schaftdorn gefunden wurden, die auf Reste von Stoßwaffen mit langer Holzschäftung hindeuten. Eine Besonderheit stellt ein mit Sporen und Riemengarnitur ausgestattetes Männergrab dar, dessen Beigaben in die Typenreihe chronologisch bedeutender Funde gehören, die für die 2. Hälfte des 8. und das frühe 9. Jh. von Bedeutung sind. Unter den beigabeführenden Körpergräbern zeichnen sich auch eine Reihe von Frauenbestattungen durch besondere Funde aus. Zu diesen Beigaben gehören reich verzierte Bronzeschlüssel sowie Bronze- und Silbernadeln. Bei den häufiger auftretenden Perlenketten ist das Vorkommen relativ seltener Formen aus der Gruppe der Millefioriperlen bemerkenswert. Alles in allem läßt die statistische Auswertung der Dunumer Grabfunde erkennen, daß das Gräberfeld sowohl mit Urnenbestattungen als auch mit Körpergräbern gruppenweise belegt wurde. In der ersten Phase seit etwa der 2. Hälfte des 7. Jhs. setzte die Anlage der Brandbestattungen ein. Während des 8. Jhs. wurden dann jedoch auch Körpergräber in enger Anlehnung an die Brandgräbergruppen errichtet. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Brandbestattungssitte nicht aufhörte, sondern bis in den Beginn des 9. Jhs. neben der Anlage der Körpergräber weiterbestand. Seit etwa der 2. Hälfte des 9. Jhs. ist dann eine Zunahme der beigabenlosen Körperbestattungen zu beobachten. Diese überschneiden oft ältere Gräber, wie die festgestellte Zerstörung von Brandbestattungen gezeigt hat. Zum überwiegenden Teil werden jedoch in der Folgezeit die zwischen den älteren Grabgruppen noch bestehenden freien Zonen für die Anlage der jüngeren SW/NO- und WO-Gräber ausgenutzt. Die in der älteren Belegungsphase erkennbare Gruppierung der Grabanlagen läßt sich also im jüngeren Bestattungsabschnitt nicht mehr nachweisen. (Literaturhinweis: P. Schmid, Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Dunum, Kr. Wittmund, Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen S, 1970, S. 40 ff. D. O., Die Keramik aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld von Dunum, Kr. Wittmund, Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 9, 1970, S. 59 ff.)
C. Archäologische Landesaufnahme Die planmäßige Geländebegehung wurde in den ostfriesischen Landkreisen fortgeführt, ruhte jedoch Ende 1971 und im Jahre 1972, weil der Geländetechniker seinen Wehrdienst leistete.
Kreis Aurich 1) Middels: 168 FSt, darunter 1 Münzfund,
Urnenfunde, 9 Siedlungen, 7 Siedlungsstellen, 1 Grabhügel.
Kreis Leer 4) Critzum: 4 FSt, darunter 3 Warfen, 1 Siedlung.
Kreis Wittmund 11) Brill (Nachtrag): 4 FSt, darunter 1 Siedlung.
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