Eine hölzerne Wasserleitung durchstieß eine ältere Backsteinsetzung (Foto: V. Schölgens).

 

Spätes Mittelalter

Esens (2006)

FdStNr. 2311/6:94-15, Stadt Esens, Ldkr. Wittmund

 

Die vom 11. bis zum 18.07.2006 auf dem Grundstück „Im Burggrund 6“ in Esens mit Hilfe von Schülern des Niedersächsischen Internatsgymnasiums Esens, Mitarbeitern des Museums Leben am Meer und interessierten Laien durchgeführten archäologischen Untersuchungen erbrachten neue Erkenntnisse zum tatsächlichen Aussehen der Burganlage in Esens. Um 1427/30 von Wibet von Stedesdorf als Wasserburg errichtet, in den folgenden Jahrhunderten mit Wall und Graben versehen und mehrfach umgestaltet, sind heute im Gelände kaum mehr Spuren des einst wohl beeindruckenden Befestigungswerkes mit seiner Vielzahl an Gebäuden erkennbar. Probebohrungen im Frühjahr und Sommer 2006 sowie der zufällige Fund einiger Backsteine beim Verankern eines Maibaumes ließen eine Untersuchung des Grundstücks sinnvoll erscheinen.

Innerhalb des knapp bemessenen Zeitraumes konnte zum einen eine massive Schuttschicht mit einer Stärke von ca. 0,80 bis 1,00 m lokalisiert und teilweise freigelegt werden. Sie enthielt, neben Mörtelresten, größtenteils zerbrochene Backsteine mit einem rekonstruierbaren Volumen von ca. 2800 bzw. 3600 cm³. Die Schuttschicht ist mit großer Wahrscheinlichkeit dem ehemaligen Herrenhaus der Burg zuzuordnen, das, wie alle anderen Burggebäude, im Jahre 1774 auf Abbruch verkauft und danach abgerissen worden ist.

Die im Bereich der Maibaumgrube angelegten Grabungsschnitte erbrachten eine Wasserleitung (Abb. links), die aus einem ausgehöhlten Baumstamm, wahrscheinlich von einer Eiche, hergestellt worden war. Die Wasserrinne war zum Schutz mit Brettern verschiedener Größe abgedeckt worden. Sie leitete Wasser vom Burggelände in südöstlicher Richtung ab. Im Mündungsbereich durchstieß sie eine Backsteinpackung, bei der es sich wohl um Reste eines Mauerzuges handelt. Da die Burg in ihrer ersten Bauphase als Wasserburg angelegt wurde, ist es denkbar, dass an dieser Stelle ein Abschnitt der ehemaligen Burgmauer ausfindig gemacht werden konnte. Im Profil war zudem eine von West nach Ost ansteigende Struktur aus mehreren, sich überlagernden Sandschichten erkennbar. Sie lässt sich als Fuß des Burgwalles interpretieren. Dieser repräsentiert eine spätere Bauphase der Burg, die wohl um 1490, zeitgleich mit der Stadt Esens, mit Wall und Graben versehen wurde.

Die archäologische Untersuchung hat trotz ihrer Kürze gezeigt, dass weitere Forschungen auf dem Gelände der Esenser Burg in jedem Fall vielversprechend sind. In einem weiteren Schritt sind Mitarbeiter des Museums Leben am Meer derzeit damit beschäftigt, vorhandenes Kartenmaterial und ältere Grabungsberichte auszuwerten, um auf diese Weise ein möglichst umfassendes Bild der Esenser Burganlage zu rekonstruieren.

V. Schölgens

  

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