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Emden
(2000)
FStNr. 2609/4:29, Stadt Emden Ausgrabung an der Emsmauer Historische Ansichten zeigen die Stadt Emden mit Großer Kirche und Burg hinter der sog. Emsmauer, die wohl gleichzeitig Uferbefestigung war und Hochwasserschutz bot, vielleicht auch Wehrcharakter besaß. Überlegungen der Stadt Emden, einen Teil der Fundamente der Emsmauer sichtbar und zugänglich zu machen, führten zu einer zweimonatigen archäologischen Freilegung und Dokumentation, die dank der Unterstützung des Arbeitsamtes und der Gerhard Ten Doornkaat Koolman-Stiftung ausgeführt werden konnten. Für die Untersuchung wurde ein Mauerabschnitt südlich der Großen Kirche ausgewählt, der sich in Flucht mit dem Verlauf der weiter östlich gelegenen Emsmauerstraße befindet. Hier war zunächst die Frage zu klären, ob die unmittelbar unter losem Bewuchs befindlichen Backsteine einer jüngeren Friedhofsmauer zuzurechnen sind, oder ob sie noch der von Friedrich dem Großen finanzierten Reparaturphase von 1777 entstammen, nachdem die Mauer in einer Flut am 21. November 1776 umgestürzt war. Weiter sollte eine möglichst präzise Datierung ermittelt werden, da keine sicheren Quellen über die Ursprünge und die Erbauungszeit vorliegen. Da sich in diesem Bereich nördlich der Mauer der dicht belegte Friedhof der Großen Kirche befindet, wurde nach dem Freilegen der oberen Backsteine ein 5 m langer und oben zunächst 4,50 m breiter Grabungsschnitt südlich der Mauer eröffnet. Die bis zu knapp 1,70 m breite Backsteinmauer (Steinformat 0,26 x 0,125 x 0,06 m) reichte maximal 1,70 m tief. Sie saß auf insgesamt acht Lagen massiver Sandsteinblöcke, die ihrerseits 2,90 m tief reichten. Unter den Sandsteinen befand sich eine hölzerne Substruktion aus dicht aneinander gesetzten Rammpfählen aus Weichholz. Solche steckten bis in 0,40 m Entfernung auch noch vor der Mauer, reichten jedoch bis zu 0,15 m höher als die Unterkante der Steine bei -0,80 m NN. Auf den Pfählen unter den Steinen war etwa kantenparallel ein 0,19 x 0,17 m starker Eichenbalken verlegt, in den an einer Stelle ein Querriegel mit leicht schwalbenschwanzförmiger Verzapfung eingelassen war. Eine dendrochronologische Untersuchung (Fa. DELAG, Göttingen) erbrachte für den Eichenbalken ein abgeleitetes Fälljahr “1522 -6 / +8”, wodurch eine erst frühneuzeitliche Erstellung des Bauwerkes belegt ist. In eine entsprechende Richtung weist auch das zahlreiche Fundmaterial, darunter Bruchstücke von Bartmannkrügen und zwei mehrfach gelochte Tierrippen als Abfall der Knopfproduktion, ein fast vollständiges Gefäß der gesandeten Waldenburger Ware (frdl. Hinweis Dr. M. Roehmer) sowie mehrere hundert Stecknadeln in unterschiedlichsten Größen und weitere Buntmetallfunde. Jüngere Keramik und zahlreiche Tonpfeifenbruchstücke fanden sich vorrangig in den Schichten oberhalb der vierten Sandsteinlage. Nur diese Steine scheinen den Originalzustand der Emsmauer überliefert zu haben, da sie sorgfältig und mit Rücksicht auf die Schauseite verlegt waren. Die Steine der oberen vier Reihen zeigten hingegen z.T. nach außen weisende Mulden, die ursprünglich zur Aufnahme der Hebezangen gedient hatten, und mit Backsteinen ausgemauerte Zwickel, wenn Steine an den Ecken beschädigt waren. Diese Steine sind also eindeutig als sekundär verbaut anzusehen, was wohl in Zusammenhang mit der eingangs genannten Reparatur zu bringen ist. Literatur: Bärenfänger, R. u. Oetken, M.: Friedrich der Große und die Stadtmauer von Emden. Archäologie in Niedersachsen 4, 2001, 127-130. R. Bärenfänger / M. Oetken
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