In Profil ist links der „Burggraben“ gut erkennbar.

Borssum (1999)
FStNr. 2609/5:21, Stadt Emden

Mittelalterliche Warft (Wurt)

Auf der zentralen Dorfwarft von Klein Borssum sollte für den Neubau eines Wohnhauses mit Schwimmbad ein größerer Bodenaushub vorgenommen werden. Die Baugenehmigung erfolgte mit der Auflage, baubegleitend archäologische Untersuchungen zu ermöglichen. Dies konnte jedoch nicht geschehen, weil bereits bei Benachrichtigung die Bodenplatte im Bereich des Schwimmbades eingegossen und das seitliche Mauerwerk dafür begonnen worden war. In einer Notuntersuchung konnten noch sechs Profile dokumentiert werden. Die Baustelle befand sich östlich des zentralen Gebäudes einer aus historischen Quellen bekannten Burganlage, die in großen Teilbereichen von einem Graben umgeben war. Ein kurzes separates Grabenstück wurde in zwei Profilen erfasst. Auf der Sohle der Baugrube datierten die ältesten Siedlungsschichten in das 9./10. Jahrhundert. Sie lagen bei +0,50 bis +0,80 m NN und wiesen Hausreste, eine Feuerstelle und zahlreiche muschelgrusgemagerte Keramik auf. Die folgenden zwei bis drei Auftragsschichten zwischen +1 m und +2 m NN dürften bis etwa Anfang des 14 Jahrhunderts entstanden sein. Ein westlich des Burggrabens in östliche Richtung abfließender älterer, etwa 0,50 m breiter und bereits im 9./10. Jahrhundert vorhandener Graben war im 11. Jahrhundert wieder überdeckt worden. Ob es sich dabei um die Abwässerung eines Gebäudes oder eine Flur- oder Gebietsabgrenzung handelte, war nicht zu entscheiden. Der markanteste Befund, der hier knapp 1 m tiefe spätmittelalterliche Graben, war bereits an der Sohle bei +0,80 m NN etwa 2 m weit und verbreiterte sich nach oben auf 2,50 m. Er war damit zwar nicht unüberwindbar, stellte aber eine unübersehbare Eigentumsgrenze dar und konnte auch die Abwässerung einer Gebäudeanlage aufnehmen. Nach den Funden wurde der Grabenabschnitt im 13./14. Jahrhundert angelegt. Falls die Datierung auf die gesamte Grabenanlage übertragbar ist, könnte die ab 1400 historisch nachweisbare Häuptlingsfamilie bereits 100 Jahre vorher ihren Stammsitz erbaut haben. Das kurze Burggrabenstück war noch bis in die Neuzeit mit einer Grabentiefe von nur 0,50 m in Gebrauch. In der Königlich Preußischen Landesaufnahme von 1891 ist dieser Abschnitt des Grabensystems dann nicht mehr verzeichnet.


Literatur: van Lengen, H. 1976: Geschichte des Emsigerlandes II, Aurich 1976, S. 58.

G. Kronsweide

 

Fundchroniken Zeittafel Grabungen 1999