Backemoor (2000)
FStNr. 2811/1:33, Gemeinde Rhauderfehn, Ldkr. Leer

Siedlungsplatz der Römischen Kaiserzeit und des späten Mittelalters

Im Anschluß an die Grabungsfläche des Vorjahres konnte der östliche Abschluß des kaiserzeitlichen Bauernhauses dokumentiert werden, dessen Gesamtlänge somit 27 m betragen hat. Anschließend wurde ein 2400 qm großer Grabungsschnitt östlich des „Borgweges” eröffnet, weil dort das Baugebiet seine Fortsetzung finden soll. Am westlichen Rand dieser Fläche wurde ein Süd-Nord verlaufendes Zaungräbchen auf 68 m Länge erfaßt. Dabei scheint es sich um die bisher fehlende östliche Begrenzung des kaiserzeitlichen Gehöftareals zu handeln, dessen Größe nun mit mindestens 4500 qm angegeben werden kann. Weitere Befunde dieser Zeitstellung kamen nicht mehr zahlreich zutage.

Trotz des anlehmigen Untergrundes hat in diesem Teil des Geländes auch ein spätmittelalterlicher Hofplatz existiert. Davon zeugt ein noch nicht abschließend untersuchter, ungewöhnlicherweise Süd-Nord gerichteter Grundriß eines Hauses vom Typ Gasselte. Es verfügte über leicht gebogene Längswände sowie eine Feuerstelle etwa am südlichen Ende des nördlichen Hausdrittels. Stellt die Feuerstelle für sich schon eine Besonderheit dar, weil sie sich nur unter der Bedingung geringer landwirtschaftlicher Bodeneingriffe erhalten konnte, so zeigte sie zudem einen bemerkenswerten Aufbau: Ihre rundliche Einfassung bestand in Teilen aus Feldsteinen, dazwischen waren jedoch Bruchstücke von Backsteinen im Klosterformat gesetzt. Dieses Baumaterial scheint also während des Bestehens des Pfostenhauses bereits verfügbar gewesen zu sein, möglicherweise stammt es aus der Entstehungszeit der Backsteinkirche zu Backemoor, die nach bisheriger Kenntnis im 14. Jahrhundert erbaut worden ist. Die genaue Datierung muß freilich der Auswertung des keramischen Fundgutes und evtl. möglichen dendrochronologischen Untersuchungen von Hölzern aus den beiden zum Hof gehörigen Brunnen überlassen bleiben. Immerhin zeigt sich eine Möglichkeit, das Bestehen dieses Haustyps - analog zu den Verhältnissen in der niederländischen Prov. Drenthe - in Ostfriesland ebenfalls noch für das 14. Jahrhundert anzunehmen.

Für einen weiteren auf diesem Fundplatz freigelegten Hausgrundriß läßt sich dagegen derzeit noch keine Datierung vorschlagen. Es handelte sich um ein West-Ost gerichtetes, einschiffiges, 6,50 m breites und auf 10,50 m Länge erfaßtes Gebäude, dessen Wandverlauf durch eine enge Folge von Pfostengruben erkennbar war. Dieser Befund zeigt unübersehbare Übereinstimmungen mit einem Grundriß aus Leer-Loga, für den eine vorläufige Einordnung in die Völkerwanderungszeit vorgenommen, aber noch nicht abschließend verifiziert worden ist. Im weiteren sind zahlreiche dicht beieinander liegende Gruben unterschiedlicher Form und Größe zu nennen, die kennzeichnend für den südlichen Teil des Geländes sind. Bei ihnen wird es sich vorrangig um Lehmentnahmegruben handeln, was die abschließenden Untersuchungen im folgenden Jahr klären sollen.

Lit.: Bärenfänger, R.: Römische Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit. Ostfriesland. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 35, Stuttgart 1999, 72-89.

Bärenfänger, R.: Kaiserzeitlicher Brunnenbau im ostfriesischen Backemoor. Archäologie in Niedersachsen 3, 2000, 75-77.

R. Bärenfänger

Grabung Backemoor 1999
Grabung Backemoor 2001

 

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