OSTFRIESISCHE LANDSCHAFT - REGIONALVERBAND FÜR KULTUR, WISSENSCHAFT UND BILDUNG
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Landschaft von Ostfriesland
Archiv 2012 |

Archiv 2012

Januar

Marten Jellen - "Philo-Mathematicus"
 

Rekenkundige Byzonderheden, Amsterdam, Groningen, 1779

 

Der Rechenunterricht gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nicht zum Standard-Unterricht an ostfriesischen Dorfschulen und wurde nur gegen eine höhere Bezahlung gewährleistet. Wenn also ein Dorfschulmeister aus Bunde 1779 ein Rechenbuch veröffentlichte, so durfte man erwarten, dass er damit das Interesse am Fach, aber auch das Können und Wissen der Schüler  zu befördern suchte. Nicht so bei dem Schulmeister und Organisten Marten Jellen. Er verzichtete bei seinem Rechenbuch auf die Einführung in die Grundrechenarten, präsentierte dafür aber eine Reihe von damals kniffligen Denkaufgaben.

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Februar

Sturmflut 1962
 

Johann Kramer, Norden 1967

 

Die Sturmflut von 1962 war für Ostfriesland und für die weitere Entwicklung des ostfriesischen Küstenschutzes ein wichtiges Ereignis – auch wenn der äußerste Nordwesten Deutschlands bei diesem Unwetter vergleichsweise sehr viel glimpflicher davon kam als die weiter östlich in der Deutschen Bucht gelegenen Gebiete. Die meisten der 340 Todesopfer waren in Hamburg zu beklagen. In Ostfriesland kam in der direkten Folge der Sturmflut niemand zu schaden. Und von 61 Bruchstellen allein an den niedersächsischen Deichen ereignete sich nicht einer in Ostfriesland – wohl aber emsaufwärts unweit Papenburg. Dennoch waren auch in Ostfriesland große Schäden zu verzeichnen. Durch den Deichbruch nördlich des Papenburger Hafens wurden etwa 3000 ha Marschenland zwischen Völlen und Kloster Muhde unter Wasser gesetzt. Auf den Inseln richteten bis zu 5 m hohe Wellen große Schäden an den Deckwerken und Dünen an, und nur mit viel Einsatz und großem Glück konnten Deichbrüche am Dollart und in der Krummhörn verhindert werden. Die Sommerdeiche östlich von Norddeich fingen zwar den Angriff der Wellen ab, bevor sie auf die Hauptdeiche treffen konnten, wurden dabei aber stark beschädigt oder zerstört. Insgesamt wurde ein Drittel der Deiche in Ostfriesland durch die Sturmflut beschädigt – davon trug wiederum ein Drittel schwere Schäden davon.

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März

Die Kirche von Marienhafe und ihre Bildwerke
 

Jan Fastenau [Marburg 1936]

 

Als man in Marienhafe in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts eine Kirche errichtete, sprengte man damit nicht nur alle ostfriesischen Normen: Es handelte sich auch um den größten Sakralbau zwischen Groningen und Bremen. Für Vergleiche zu Architektur, Bauformen und Bauschmuck werden die Dome von Reims, Münster und Paderborn herangezogen. Bis heute erscheint es unbegreiflich, wie dieses kleine Dorf mit wenigen hundert Einwohnern in der Lage war, so viel Macht und Reichtum zu demonstrieren. Die Kirchengemeinde hatte sich mit seinem Gotteshaus aber auf längere Sicht zweifellos übernommen. Die Küstenform veränderte sich, der Hafen ging verloren, Reichtum blieb aus und die Kirche zerfiel. 1829 beschloss man aus der Not den Teilabbruch der mittlerweile im Chor eingefallenen Kirche und den Rückbau zu einem viel kleineren Gotteshaus.

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April

"Das ist ein böser, sehr böser Übelstand!"
 

Die zehn Gebote der Orthographie der ostfriesisch-plattdeutschen Sprache
von H. J. Willems im Ostfriesischen Monatsblatt 1874

 

Als Pastor Johann Cadovius Müller aus Stedesdorf in seinem 1691 abgeschlossenen "Memoriale linguae frisicae" die Spuren des Altfriesischen im Harlingerland in Wortlisten sammelte, war er nur einer von wenigen, die bereits sehr früh ein Bewusstsein des drohenden Verlusts der sprachlichen Wurzeln in Ostfriesland entwickelt hatten. Aber als man diese Wörtersammlung 1875 endlich bei Leenderz in Leer einem breiteren Publikum in gedruckter Form zugänglich machte, war dies bereits Ausdruck einer neuen breiteren Wertschätzung der ostfriesischen Sprache in der Region. Spätestens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde man sich im Zuge der Heimatbewegung der Bedeutung der sprachlichen Besonderheiten Ostfriesland bewusst. In ganz Norddeutschland blühte in dieser Epoche das plattdeutsche Vereinswesen mit seinen Veröffentlichungen und Zeitschriften auf. In Ostfriesland hatte Enno Hektor seit der Mitte der 19. Jahrhunderts durch seine intensive Beschäftigung mit der ostfriesischen Mundart und durch seine humorvollen niederdeutschen Satiren wesentlich dazu beigetragen,  die plattdeutsche Literatur wieder aufleben zu lassen. Cirk Heinrich Stürenburg hatte bereits 1857 in einem schmalen Band ein erstes ostfriesisch-niederdeutsches Lexikon veröffentlicht. 1879 bis 1884 folgte das berühmte, bis heute geschätzte, dreibändige "Wörterbuch der ostfriesischen Sprache" von Jan ten Doornkaat Koolman. Aber bei all diesen publizistischen Aktivitäten dieser Zeit stellte sich bald die Frage, welche Schreibweise des Plattdeutschen denn die rechte sei. Hektor verfolgte einen eigenen Stil, Stürenburg schrieb anders als ten Doornkaat Koolman. Jeder hielt es vorläufig so, wie er es für richtig erachtete.

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Mai

"Da wird euch der Wind um die Ohren pfeifen"
 

Freie Jugend. Nachrichtenblatt für eine Jungmännerbewegung in Ostfriesland, 1933-1935

 

Im Zuge der christlichen Jugendbewegung entstanden an den ostfriesischen Gymnasien vermutlich kurz nach dem Ersten Weltkrieg die ersten Schülerbibelkränzchen. Seit 1925 entwickelte sich eine evangelische Jungmännerbewegung des Evangelischen Jugendrings mit aktiver Bibelkursarbeit auch auf dem flachen Lande. In Konkurrenz zu anderen Jugendverbünden und insbesondere zur Hitlerjugend war auch diese christliche Jungmännerbewegung straff organisiert. Auf den vielen Jugendtagen, Jungvolklagern, Jungschartreffen und Schulungswochen erkannte man sich an der "Kluft". Die Aktivitäten wurden durch junge, der Jugendbewegung aus eigener Erfahrung verbunden Pastoren geprägt und konzentrierten sich insbesondere auf das westliche und südliche Ostfriesland, also auf die Krummhörn, das Rheiderland und den südlichen Landkreis Leer bis nach Uplengen.

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Juni

Van de runne Mann
 

Greta Schoons Kindergeschichte vom runden Mann

 

Die Landschaftsbibliothek Aurich versorgt die Region Ostfriesland nicht nur mit wissenschaftlicher Literatur, sie sammelt auch Ostfriesica und plattdeutsche Literatur. Deshalb verfügt sie in ihrem Bestand auch über eine große Anzahl plattdeutscher Kinder- und Jugendbücher, darunter Bilderbücher, Märchen, Gedichtbände und Abenteuererzählungen. Häufig sind es zweisprachige Ausgaben, so dass sie Kindern und Jugendlichen zusätzlich als Hilfe beim Erlernen der plattdeutschen Sprache dienen können. Auch bei dem Buch "Van de runne Mann" von Greta Schon handelt es sich um einen Klassiker in einer zweisprachigen Ausgabe. Greta Schoon (1909 – 1991) ist eine über Ostfriesland hinaus bekannte Lyrikerin. Aber sie war auch Kindergärtnerin von Beruf, unter anderem in Edewechterdamm, Hesel und in Emden-Transvaal. Deshalb überrascht es nicht, dass Greta Schoon neben ihrem lyrischen Werk auch zwei Kinderbücher veröffentlichte: Nach der 1986 publizierten Erzählung "Gevelke" erschien 1987 "Van de runne Mann".

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Juli

Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg
 

Mémoires pour servir à l’histoire de la maison de Brandebourg, 1750

 

"Was halten Sie vom Alten Fritz?" fragte 1990 der deutsche Schriftsteller Joachim Fernau. Heute, im Jahre 2012, ist anlässlich des 300. Geburtstages Friedrichs II. (1712-1786) vielleicht auch die Frage erlaubt: "Was wissen Sie noch vom Alten Fritz?". Bekannt ist hierzulande, daß dem 32-jährigen König im vierten Jahr seiner langen Herrschaft Ostfriesland zufiel, nachdem Carl Edzard, der letzte Fürst aus dem Hause Cirksena, gestorben war: Vor fast 300 Jahren, im Juni 1744 und nur wenige Wochen vor Beginn des zweiten Schlesischen Krieges, nahmen Friedrichs Bevollmächtigte in Emden die Huldigung Ostfrieslands entgegen. Weithin bekannt ist Friedrich der Große sicher auch als aufgeklärter Monarch, Staatsmann und Feldherr, dessen Bestreben es war, die Macht Preußens zu erhalten und zu mehren. Unvergessen ist auch der Mensch Friedrich als Philosoph, als Schöngeist und nicht zuletzt als Komponist und Flötist.

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August / September

Wilhemine Siefkes – Keerlke. En Gang dör en Kinnerland.
 

Quickborn-Verlag Hamburg, 1942

 

"De Septembermaant is Plattdüütskmaant!" Außerdem findet Anfang September die 17. düütsch-amerikaansche Plattdüütschkonferenz in den Räumen der Ostfriesischen Landschaft statt. Anlass genug für die Landschaftsbibliothek, mit dem Roman "Keerlke" von Wilhelmine Siefkes eine pattdeutsche Veröffentlichung als Buch des Monats vorzustellen. Es geschieht nicht oft, dass man Romanfiguren ein Denkmal setzt. Umso bemerkenswerter ist die von dem Bildhauer Christian Eisbein geschaffenen Bronzestatue "Keerlke", die im Hof des Rathauses von Leer zu Ehren des Titelhelden des Romans "Keerlke" von Wilhelmine Siefkes aufgestellt wurde. Seit 1993 wird ebenfalls in Erinnerung an die Schriftstellerin und ihren Roman der Keerlke-Preis verliehen-Er wird von dem Verein Oostfreeske Taal für besondere Verdienste um die plattdeutsche Sprache in Ostfriesland vergeben.

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Artikel "Wilhelmine Siefkes" im Biographischen Lexikon für Ostfriesland (pdf)

  

Oktober

" ... drängt sich das jubelnde Volk, um den geliebten Herrscher zu begrüßen"
 

Was verdankt Emden den Hohenzollern? Fest-Schrift zum Besuche Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. in Emden am 30. Juli 1902 von F. Helmke

 

Die Hafenstadt Emden hat immer eine besondere, herausgehobene politische und wirtschaftliche  Rolle in der Geschichte Ostfrieslands gespielt. Seit 1744 erfuhr sie aber unter preußischer Herrschaft einen politischen Bedeutungsverlust und im Verlauf des 19. Jahrhunderts drohte ihr sogar zeitweise im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf mit der Hafenstadt Leer der Verlust der Spitzenposition in Ostfriesland.

 
Diese Situation wandte sich für Emden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Guten, und mit der bereits 1896 erfolgten Einweihung des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. (1797-1888) brachte man zum Ausdruck, wem man vor allem diesen erneuten Aufstieg zu verdanken meinte: 1869 hatte Wilhelm I. noch als preußischer König Emden besucht und erkannt, dass der Hafenstadt für die Versorgung des aufstrebenden Ruhrgebiets und als Kriegshafen eine wichtige nationale Rolle zuwachsen könnte.

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Das Werk in der Digitalen Bibliothek zum Download (pdf, 13 MB)

  

November

"Das Licht der ökonomischen Wissenschaft"

 

Oeconomische Encyclopaedie, oder Allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft, in alphabetischer Ordnung, von Johann Georg Kruenitz u.a.

 

Im 19. Jahrhundert erfolgte die wegweisende Entscheidung des Kollegiums der Ostfriesischen Landschaft, die 200 Jahre alte Dienstbibliothek der Administratoren und Landschaftsräte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Letztlich ist es dieser Entscheidung zu verdanken, dass Ostfriesland heute über die Landschaftsbibliothek als eine öffentliche wissenschaftliche Einrichtung verfügt, die die Funktion einer Landesbibliothek erfüllt. Die neue Ausrichtung der Bibliothek hatte auch Auswirkungen auf ihre Anschaffungsstrategien. Man erwarb jetzt vermehrt Enzyklopädien, um verlässliche Basisinformationen in einer Region zur Verfügung stellen zu können, die durch ihre Randlage von jeher wissenschaftsfern war. Zu den äußerst wichtigen Anschaffungen der Landschaftsbibliothek und zu ihren heutigen besonderen Schätzen gehört die "Oeconomische Encyclopaedie oder Allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft", die allgemein nur kurz als der "Krünitz" bekannt geworden ist.

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Dezember

"Vierhundert ostfriesische Sprüchwörter und Redensarten"

 

Gesammelt und herausgegeben von Christopher Hinderks Lottmann, Hage 1906/1910

 

Plattdeutsche Sprichwörter sind in Ostfriesland schon sehr früh gesammelt worden. Bereits 1805 und 1806 ist eine Sammlung ostfriesischer Sprichwörter in loser Folge in den Gemeinnützigen Nachrichten für die Provinz Ostfriesland erschienen. Der nicht näher bekannte Autor wollte dadurch die "Philosophie des Volks" festhalten und zugleich den Leser unterhalten. Ob diese Sammlung in späteren Veröffentlichungen aufgegriffen wurde, ließe sich nur durch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung nachweisen.

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Das Werk in der Digitalen Bibliothek zum Download (PDF, 15 MB)

   

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