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Landschaft von Ostfriesland
Fundchronik 1996 |

Fundchronik 1996

 

Ostfriesische Fundchronik

Emder Jahrbuch Bd. 76, 1996

Von Rolf Bärenfänger, Wolfgang Schwarz und Renate Stutzke

 

 

 

A. Ausgrabungen und Funde in Ostfriesland

 

 

1. Amdorf FStNr. 2711/7:2, Gemeinde Detern, Ldkr. Leer

Spätmittelalterliche Burgstelle

Im Jümmiger Hammrich wurden auf der mutmaßlichen Burgstelle "Oldeborg" Bohrungen vorgenommen. Die etwa 60 x 30 m große Anlage befindet sich nahe am Mündungsbereich von Leda und Jümme an zentraler Stelle in der Flußmarsch. Ursprünglich soll die Oldeborg aus zwei Hügeln bestanden haben. Das Areal wurde aber 1912 im Norden durch Straßenbau angeschnitten und 1992 kam es zu einer weitgehenden Zerstörung der Anhöhe infolge von Planierungen. Verschiedene Begehungen erbrachten Keramikscherben und Backsteinkonzentrationen. Über dem Areal liegt den Bohrungen zufolge nahezu flächendeckend eine bis zu 1,10 m mächtige Kleischicht, die oben durch sandige und humose Einschlüsse eher einen umgesetzten Eindruck machte. Die unteren 0,10 m schienen intakt und wiesen einen hohen Anteil an kleinteiligen Keramikscherben und Holzkohlepartikeln auf. Darunter lag eine bis zu 1,50 m mächtige Torfschicht auf dem pleistozänen Sand. Im südöstlichen Bereich belegten die Bohrungen zwischen Torf und Klei eine 0,10 bis 0,50 m starke Sandlage, bei der es sich vermutlich um eine anthropogene Auftragung handelt. Die Lesefunde datieren die Anlage in das Spätmittelalter. Möglicherweise stand die Aufgabe der Stelle in kausalem Zusammenhang mit dem Wüstungsprozeß auf dem nahen Niederungsmoor. Als Nachfolgesiedlung ist das nordöstlich liegende Neuburg anzusehen.

P. Rosenplänter

 

2. Bagband  FStNr. 2611/5:17, Gemeinde Großefehn, Ldkr. Aurich

Neolithischer Siedlungsplatz

Feldbegehungen durch Herrn Uden am Rande des Bagbander Tiefs haben etliche neuzeitliche Funde und zwei Fundkonzentrationen von Flintartefakten ergeben. Eine der Artefaktkonzentrationen liegt am Rande der Geestkante auf dem Westhang zur Niederung und die andere etwa 20 m entfernt in höherer Lage. Die Flintartefakte können in 47 untypische Abschläge, 59 Abschläge der Flächenretusche, 35 Klingen, 3 Kernflanken, 2 Kernkanten, 10 Klingenkerne, 1 meißelartiger- und ein kernartiger Trümmer sowie in 81 gebrannte Flintstücke eingeteilt werden. Hervorzuheben sind 1 Querschneider, 3 Schaber und 1 Abschlag von der Kante eines geschliffenen Beiles, das wahrscheinlich der Trichterbecherkultur entstammt. Auffällig ist ferner der hohe Stellenwert der hohe Stellenwert der Klingenproduktion an diesem Platz. Da jedoch keine eindeutig mesolithischen Funde entdeckt wurden, kann es sich auch um einen neolithischen Platz mit ungewöhnlich hohem Anteil an Artefakten der Klingenproduktion handeln (Jagdstation?). Der Artefaktbestand der beiden Fundkonzentrationen unterscheidet sich nicht voneinander.

W. Schwarz

 

3. Berumerfehn  FStNr. 2410/4:18, Gemeinde Großheide, Ldkr. Aurich

Eine Spitzhaue aus Sandstein mit Moorpatina wurde bei der Beackerung eines Feldes aufgelesen; sie ist am Nacken und an der Schmalseite beschädigt. L. 12,9, B. 7,0, D. 3,8 cm. 

R. Stutzke

 

4. Blomberg FStNr. 2411/2:97, Gemeinde Blomberg, Ldkr. Wittmund

Im Zuge der Verlegung der EWE-Erdgasleitung wurden während der Vortrassierung auf einem Acker in Altgaude ein Schaber, ein Kernsteinrest, drei Flintabschläge, ein schaberähnliches Gerät sowie gebrannter Flint gefunden.

S. Haß

 

5. Burhafe FStNr. 2312/7:78, Gemeinde Wittmund, Ldkr. Wittmund

Mittelalterlicher Siedlungsplatz

Mehr als 50 Pfostenbefunde sowie eine Siedlungsgrube erbrachten die Untersuchungen in einem 60 x 4 m umfassenden Suchschnitt am Nordhang eines Geestrücken auf der EWE-Erdgastrasse in Warnsath. Die etwa 1,00 x 0,60 m große Grube nördlich der Pfostenbefunde enthielt neben zahlreichen gebrannten Knochenfragmenten und Holzkohleresten auch frühmittelalterliche Keramik, Hüttenlehmbrocken sowie das Bruchstück eines Webgewichts. Einige Pfostenbefunde lieferten Wandungsscherben, die nach Machart eher der Römischen Kaiserzeit angehören, obwohl die zahlreichen Lesefunde (Wandungsscherben, Randscherben, Grapenfuß, pingsdorfartige Keramik) vom Abraum sowie vom Acker östlich des Schnittes ausschließlich das Früh- bis Spätmittelalter belegen. Bis zur abschließenden Befundauswertung ist daher vorab noch nicht zu klären, in welchem Zusammenhang ein Teil der durch die Keramik eher als kaiserzeitlich zu datierenden Pfostenbefunde zu den übrigen mittelalterlichen Siedlungsbefunden steht.

S. Haß

 

6. Dunum FStNr. 2311/8:127, Gemeinde Dunum, Ldkr. Wittmund

Spätmittelalterliche Wagenspuren

In einem 66 x 4 m umfassenden Suchschnitt auf einem Geestrücken längs der EWE-Erdgastrasse am Hünenweg zeichneten sich zahlreiche parallele Wagenspuren im gelben Sand ab. Sie verliefen einheitlich in annähernd nord-südlicher Richtung von der Kuppe hinunter in die sich anschließende Niederung. Die Mehrheit der Radspuren wies einen Abstand von 1,20-1,40 m zueinander auf. Ein dazu parallel verlaufender Graben begrenzte den etwa 11 m breiten Fahrweg im Osten. Da jegliche datierende Funde aus den Spurvertiefungen fehlen, ist ein Zeitansatz zwischen dem Mittelalter und der frühen Neuzeit anzunehmen. Westlich sowie östlich der Wagenspuren fanden sich mehrere Pfostenbefunde, einer davon mit einem Flintabschlag.

S. Haß

 

7. Dunum FStNr. 2311/9:109, Gemeinde Dunum, Ldkr. Wittmund

Steinzeitliche Feuerstelle

Zwei Flintabschläge sowie gebrannter Feuerstein fanden sich beim Abtragen des Bleichsandes in einem 24 x 2 m umfassenden Suchschnitt auf der Achse der EWE-Erdgastrasse. Am Ostprofil konnte eine unregelmäßige, etwa 1 m lange und ca. 30-50 cm breite Verfärbung des Bleichsandes durch starke Holzkohleanreicherung beobachtet werden. Einziges Fundstück dieses noch etwa 5-10 cm tiefen Befundes war eine 4 cm lange Flintklinge.

S. Haß

 

8. Greetsiel FStNr. 2408/8:7, Gemeinde Krummhörn, Ldkr. Aurich

Spätmittelalterliche und neuzeitliche Warft

Von Juni bis August 1996 wurden die Ausschachtungsarbeiten für ein Seniorenheim in Greetsiel am Nordwestrand der Warft archäologisch begleitet. Es konnte eine bisher unbekannte älteste Warftphase des 13./14. Jahrhunderts zwischen 1 m und 0,7 m unter NN nachgewiesen werden. Darüber folgte eine etwa 20-30 cm starke Schicht mit pflanzlichem Material. Nach dieser wohl ersten Siedlungsphase folgten drei größere, je etwa 1,0 m starke Auftragungsschichten, die bis spätestens 1400 entstanden sein dürften. Eine darüber liegende Kulturschicht mit Backsteinmaterial deutet auf eine erste Bebauung (Steinhaus) gegen Ende des 14. Jahrhunderts hin. Im unmittelbaren Bereich der Bebauung konnte nördlich ein Graben und ein runder Lehmsodenbrunnen des 14./15. Jh. dokumentiert werden. Der Außendurchmesser betrug 2,60 m und der Innendurchmesser 1,50 m, so daß die Lehmsoden fast 60 cm lang waren. Insgesamt bildeten 52 Soden den Kreis. Der Brunnen wurde bei ca. 1,41 m bis ca. 2,10 m unter NN angetroffen und reichte noch tiefer in den Boden hinein. Die Datierung des Brunnens anhand der Funde ins 14./15. Jahrhundert macht eine Zugehörigkeit zum Steinhaus wahrscheinlich.

Zwei weitere Auftragsschichten des 16. Jh. dienten nicht mehr in erster Linie der Erhöhung der Warft, sondern dazu, einem neuen, größeren, nordwest-südost ausgerichteten Gebäude ein stabiles Fundament zu schaffen, vor allem aber dieses Haus nach Norden hin um 6-7 m über den alten Warftrand hinaus wahrscheinlich mit einem Wirtschaftsteil verlängern zu können. Die in den beiden Schichten gefundene Keramik datiert in das 15./16. Jahrhundert. Von diesem Gebäude steht noch heute das Vorderteil, das gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbaut wurde. Von dem Wirtschaftsteil bzw. der Scheune wurde die noch im Erdreich vorhandene äußerste nordöstliche Fundamentecke erfaßt. Hier schlossen sich Fundamentreste eines Scheunenneubaus von 1796 an. Etwa 30 m nordöstlich des bisher angesprochenen Warftenbereiches hatte ein nördlich um die Warft herumfließender Priel seinen Uferbereich, der mit einer Kulturschicht des 16./17. Jahrhunderts bedeckt war. Hier wurde eine komplexe Holzkonstruktion entdeckt, die aus einer zweiphasigen Schiffsanlegestelle (14./15. Jh. und um 1500) und einer westlich angrenzenden Uferbefestigung aus Pfählen bestand. Im 17. und 18. Jh. erfolgten nördlich des Steinhauses weitere Aufschüttungen. Der dort knapp bemessene Raum wurde damit bis auf etwa 8 m erweitert. Dies könnte auch mit Fortifikationsmaßnahmen des 17. Jahrhunderts zusammenhängen. Als weitere Befunde sind ein quadratischer Holzkasten- und ein runder Backsteinbrunnen sowie eine Abortanlage aus der Neuzeit zu nennen. Außerdem wurden Reste von Lederschuhen, Holzklumpen (Schuhe) und einer Eisenkugel gefunden.

G. Kronsweide

 

9. Hatzum FStNr. 2610/7:6, Gemeinde Jemgum, Ldkr. Leer

Früheisenzeitliche Flachsiedlung

Im Aushub eines Grabens am Ostrand der Warft Eilingwehr kamen Tonscherben der frühen Eisenzeit zutage, die möglicherweise auf eine Flachsiedlung hinweisen. Eine konische Randscherbe ist mit Fingertupfen auf dem Rand verziert, eine Wandungsscherbe besitzt einen kleinen, waagerecht durchstoßenen Henkel. Außerdem wurden frühmittelalterliche und neuzeitliche Scherben östlich der genannten Fundstelle aufgelesen.

W. Schwarz

 

10. Hesel FStNr. 2711/2:135, Gemeinde Hesel, Ldkr. Leer

Frühmittelalterliches Gehöft

Im Gewerbegebiet "Am großen Stein" wurde eine etwa 1500 qm große Fläche vor dem Einsetzen der Bauarbeiten untersucht. Durch intensive ackerbauliche Nutzung des Areals bestanden nur mäßige Erhaltungsbedingungen. In einiger Entfernung zueinander kamen an zwei Stellen Ansammlungen vorgeschichtlicher, wohl bronzezeitlicher Pfostengruben zutage, die sich jedoch nicht eindeutig zu baulichen Strukturen zusammenfassen ließen. Des weiteren wurden Reste eines frühmittelalterlichen Gehöftes dokumentiert. Es war nicht, wie sonst bei den Heseler Gehöften beobachtet, von einem Gräbchen umgeben. Von dem Wohnhaus mit knapp 5,50 m Breite konnte nicht die gesamte Länge ermittelt werden. Es handelte sich wiederum um einen rechteckigen Haustyp mit in die Wände integrierten tragenden Pfosten, die sich hier anscheinend paarig gegenüberstanden. Südlich des Hauses stand ein Rutenberg ohne Mittelpfosten von gut 3 m Durchmesser, östlich davon ein rechteckiger 12-Pfostenspeicher von etwa 40 qm Grundfläche. Auch zwei bis in den anstehenden Lehm reichende Wasserentnahmestellen wurden aufgedeckt; aufgrund der weiten Entfernung zu dem Haus ist ihre Zugehörigkeit zu dem Gehöft jedoch nicht gesichert. Im Gerwerbegebiet "Wehrden Ost" (FStNr. 2711/2:142) wurden Hinweise auf ein weiteres Gehöft gefunden.

R. Bärenfänger

 

11. Holtgast FStNr. 2311/8:126, Gemeinde Holtgast, Ldkr. Wittmund

Eisenverarbeitung der Römischen Kaiserzeit

In dem Wohnbaugebiet "Im Splitt" wurden die Bauvoruntersuchungen fortgeführt und abgeschlossen. Insgesamt wurde eine Fläche von 4800 qm ausgegraben, im übrigen Teil des Geländes wurden keine Befunde beobachtet. In dem Werkareal südlich der kleinen, ehemals wohl mit Wald bestandenen Senke wurden durch die Auffindung von Schlacken Hinweise auf Eisenverarbeitung gewonnen. Die Häuser der Siedlung müssen nördlich der Senke gelegen haben. Dort wurden annähernd 700 Befunde, vorwiegend Pfostengruben aufgedeckt, von denen sich etliche im Zuge der Auswertung einzelnen Grundrissen zuordnen lassen werden. Bemerkenswert ist eine eingetiefte Feuerstelle von 1 m Durchmesser, deren randlicher Unterbau aus 14 in den Sand gesteckten und später verkohlten Hölzern bestand. Darüber lagerte eine unregelmäßige Feldsteinpflasterung als eigentliche Brennfläche. Erwähnenswert ist weiterhin ein Areal von etwa 15 x 6 m Ausdehnung, das von einem 0,60 bis 0,80 m breiten Gräbchen umgeben und im Gegensatz zu seiner Umgebung fast völlig frei von Pfostensetzungen war. Diese nicht ohne weiteres zu deutende Anlage war annähernd West-Ost ausgerichtet und im Osten anscheinend offen. Der umfängliche Keramikfundus deutet auf eine Datierung der Siedlung in die Spätlaténe- und frühe Römische Kaiserzeit. Klopf-und Glättsteine, Spinnwirtel sowie ein Mahlsteinunterlieger und ein halber gelochter Mahlsteinauflieger gehören zum weiteren Fundinventar.

R. Bärenfänger

 

12. Holtland FStNr. 2711/2:140, Gemeinde Holtland, Ldkr. Leer

Spätmittelalterliches Model

Im Außenmauerwerk der Holtlander Kirche wurden im Chorbereich zwei bisher nicht veröffentlichte Backsteine mit identischem Modelabdruck entdeckt. Da bereits Mitte der achtziger Jahre ein nicht vermauerter Stein mit dem gleichen Abdruck im reiderländischen Jemgum gefunden wurde, konnte aus den drei Steinen das Aussehen des Models rekonstruiert werden. Kern des Stempels scheint eine Buchstabenfolge, die sich WERM(O)R liest und auf einem ornamental verzierten, spitz zulaufenden Stab (als Grundlinie) steht. Das E ist spiegelverkehrt eingeschnitten. Das Schriftbild der Versalien deutet ins 12./13. Jh., widerspricht jedoch der Annahme, der Holtlander Chor sei Ende des 15. Jahrhunderts angebaut worden. Sowohl eine Wiederverwendung der Backsteine als auch eine längerdauernde Nutzung des Models (Familientradition) kann in Betracht gezogen werden.

G. Kronsweide

 

13. Leer FStNr. 2710/5:10, Gemeinde Leer, Ldkr. Leer

Jungsteinzeitliche Gräber und Siedlungsspuren der Römischen Kaiserzeit

Am westlichen Stadtrand von Leer erhebt sich im Westerhammrich eine Geestkuppe halbinselartig über die niedriger gelegene Flußmarsch am rechten Emsufer. Ihr Zentrum, das sich bis 3,50 m über NN erhoben haben muß, wurde zu Beginn der sechziger Jahre bedenkenlos ausgesandet, obschon durch Oberflächenfunde der Standort eines Megalithgrabes nachgewiesen wurde und Siedlungsreste der Römischen Kaiserzeit zutage kamen. 1992/93 wurden Suchschnitte und Rettungsgrabungen am intakten nördlichen Rand der Kuppe angesetzt, wodurch Bestattungen der Einzelgrabkultur und Werkplätze der Römischen Kaiserzeit mit Buntmetallverarbeitung erfaßt wurden (vgl. Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 13, 1993, 52-55). 1996 mußten die Arbeiten fortgesetzt werden, weil das Gelände nun restlos bebaut werden soll. Untertägige Denkmalsubstanz wurde durch Suchschnitte in einem Streifen von etwa 1,2 ha Größe prospektiert. Davon wurden inzwischen 3000 qm mit Unterstützung der Stadt Leer flächendeckend untersucht. Der Bestand an Gräbern der Einzelgrabkultur konnte auf nunmehr 17 erhöht werden, davon waren lediglich zwei beigabenlos, eines jedoch mit einem Kreisgraben versehen, in dem sich Hinweise auf eine Pfostenumkränzung zeigten (vgl. Archäologie in Deutschland, Heft 4/1996, 50). In einer recht kleinen Grabgrube fand sich ein kleiner Becher, ein anderes Grab enthielt zwei Gefäße, weitere bargen Steinbeile und Flintklingen in Kombination. Nicht eindeutig der EGK zuzuordnen ist eine West-Ost gerichtete Grabgrube von 2,60 x 1,20 m Ausdehnung mit plattigem Feldstein und Keramiktopf am östlichen Ende. Während die Länge der Grube nicht für eine Hockerbestattung spricht, könnten einige Feldsteine auf der Grabgrubensohle zur Stützung eines Baumsarges gedient haben, entsprechende Verfärbungen waren allerdings nicht nachweisbar. Weiter westlich fanden sich schon in den früheren Suchschnitten vereinzelt flache Leichenbrandlager. Das flächenhafte Abtragen der diese empfindlichen Befunde konservierenden Kleiauflage erbrachte neue Bestattungen dieser Art, so daß nun 26 Brandgräber erfaßt sind. Allein die stratigraphische Einbindung bewies ihr hohes Alter, denn kleinräumig konnte eine Überprägung durch die natürliche Podsolierung gut belegt werden. Sieben dieser Gräber waren mit Beigefäßen ausgestattet. Dabei ist die mehrfach vorkommende Verwendung halber Gefäße besonders erwähnenswert. Ein Grab enthielt allerdings zwei komplette Schalen sowie eine Tasse. Auf dem Leichenbrand eines anderen lag ein Flintbeil, das starker Hitze ausgesetzt gewesen sein muß. Erst die Restaurierung des sehr fragilen Keramikmaterials brachte die Gewißheit, daß der Bestattungshorizont typologisch der Havelte-Stufe der Trichterbecherkultur zuzuordnen ist. Augenscheinlich liegt also erstmalig in Nordwestdeutschland ein so früher, an das Ende des mittleren Neolithikums zu setzender Beleg für die Brandbestattungssitte vor. Zur genauen absolutchronologischen Einordnung muß die Radiokarbon-Analyse von Holzkohlen abgewartet werden. Die nachfolgende EGK praktizierte dagegen wieder die Körperbestattung, wobei an diesem Platz die Kenntnis von dem älteren Gräberfeld vorausgesetzt werden muß, weil sich die EGK-Bestattungen in östlicher Fortsetzung unmittelbar an das Brandgräberfeld anlehnten.

Der neolithische Bestattungshorizont wurde partiell von dem kaiserzeitlichen Siedlungsareal überlagert. Zwei quadratische 9-Pfostenspeicher und eine nur sehr flach eingetiefte, kleine Grubenhütte(?) mit zwei Pfosten und umgebenden Gräbchen von 7 m Durchmesser wurden erfaßt. Weiter sind zahlreiche Siedlungsgruben und Gräbchen zu nennen, außerdem wurden zwei Brunnenschächte in Gestalt ausgehöhlter Baumstämme dokumentiert, einer davon war außen mit grobem Flechtwerk versteift. Im westlichen Grabungsbereich dominierte unter den Keramikfunden importierte Drehscheibenware. In einer Grube fand sich grob zerscherbt fast ausschließlich provinzialrömische Keramik, darunter Standfußschalen und zwei terra-nigra-artige Becher wohl des 3. Jh. Des weiteren deuteten Scherben von terra sigillata und das Bruchstück eines gläsernen Spielsteines ebenso wie eine 0,15 m lange, teilvergoldete Silbernadel und ein Bronzestab unbekannter Zweckbestimmung auf einen gewissen Wohlstand der Siedlung und auf weitreichende Verbindungen. Angesichts der auf dem gegenüberliegenden Flußufer lokalisierten Fundstelle Bentumersiel, die bekanntermaßen römische Militaria augusteisch-tiberischer Zeit und Hinweise auf einen Umschlagplatz geliefert hat, kristallisiert sich in diesem Bereich der unteren Ems anscheinend ein Handelszentrum der Römischen Kaiserzeit heraus.

R. Bärenfänger

 

14. Loga FStNr. 2710/6:47, Gemeinde Leer, Ldkr. Leer

Völkerwanderungszeitliche und mittelalterliche Siedlungsspuren

In dem kleinen Wohnbaugebiet am Leegkamp wurden die Bauvoruntersuchungen fortgesetzt und abgeschlossen. Der nun dokumentierte nördliche Bereich von 1800 qm Größe erbrachte wiederum mannigfache Siedlungsreste der Völkerwanderungszeit und des Mittelalters; außerdem wurden wenige, sehr fundreiche Gruben der frühen vorrömischen Eisenzeit angeschnitten. An völkerwanderungszeitlichen Befunden ist ein wohl zweischiffiger Hausgrundriß von 6 m Breite und mindestens 20 m Länge zu nennen. Von einem weiteren wurde nur die Südwestecke erfaßt, weil sein Hauptteil außerhalb der Fläche unter einer baumbestandenen Wallhecke liegt. Interessant sind diverse Gräbchenstrukturen im Westen des Geländes, deren genaue Funktion noch im Gesamtzusammenhang zu klären ist; in einem Fall könnte es sich um einen Palisadenzaun handeln. Einige der Gräbchen wurden von einer leicht bogenförmigen Wagenfahrspur überlagert, die auf einer Länge von 20 m erfaßt werden konnte, die Spurbreite betrug 1,40 m. Ihre zeitliche Zuordnung muß der späteren Auswertung überlassen bleiben, da der völkerwanderungszeitliche Horizont gerade hier von zahlreichen mittelalterlichen Gruben und Gräbchen überprägt wurde, einige davon schnitten die Fahrspur.

Zu den beiden mittelalterlichen Hausgrundrissen des Vorjahres ließ sich dem ersten Anschein nach kein weiterer hinzugewinnen, vielleicht lassen sich noch Standorte von Nebengebäuden herausarbeiten. Schließlich sind zwei in diesem Bereich aufgedeckte Brunnen zu nennen. Der Schacht des einen bestand lediglich aus Erdsoden ohne weitere Substruktion, bei dem anderen lagen Torfsoden auf einem einfachen Geviert von Eichenhölzern. Nach Mitteilung der Fa. DELAG, Göttingen, besteht für diese Hölzer aufgrund ihrer Herkunft von ungünstigen Standorten noch keine Möglichkeit zur dendrochronologischen Datierung. Entsprechendes gilt für etliche im Vorjahr geborgene Proben. Lediglich für eine konnte ein Fälldatum von 1142 ±2 ermittelt werden. Bei mutmaßlicher sekundärer Verwendung des Holzes wird so die anhand der Keramikfunde erfolgte vorläufige Datierung bestätigt, die den zeitlichen Schwerpunkt der Befunde in das 12. und 13. Jahrhundert setzt. Wenige neu aufgefundene Stücke von Muschelgrusware zeigen aber an, daß auch die frühmittelalterliche Siedlung nicht weit von diesem Platz entfernt gelegen haben kann. Dies wird jedoch aufgrund der allseitigen modernen Bebauung nicht mehr zu überprüfen sein. Lediglich ein schmaler Streifen im Süden des Geländes bewahrt noch untertägige Denkmalsubstanz, weil er als Erholungsfläche unberührt bleibt.

R. Bärenfänger

 

15. Menstede-Coldinne FStNr. 2310/7:84, Gemeinde Großheide, Ldkr. Aurich

Mittelalterlicher Webstuhl

Sieben große ringförmige Webgewichte aus Ton mit Durchmesser von 12 bis 14 cm und Scherben eines spätmittelalterlichen Kugeltopfes wurden innerhalb eines Bauernhauses bei Umbauarbeiten in der Dreschdiele in ca. 1,0 m Tiefe gefunden. Der Fund wurde nach Beendigung der Umbauarbeiten gemeldet. Vermutlich handelt es sich um ein unerkanntes Grubenhaus.

R. Stutzke

 

16. Menstede-Coldinne FStNr. 2410/2:54, Gemeinde Großheide, Ldkr. Aurich

Zwei Kernbeile und weitere Flintartefakte wie Schaber, Klingen und Abschläge wurden von Herrn Gast auf dieser Fundstelle augelesen, die in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Funde lieferte.

R. Stutzke

 

17. Middels-Westerloog FStNr. 2411/9:45, Stadt Aurich, Ldkr. Aurich

Siedlungsreste der Vorrömischen Eisenzeit

Mitten auf einem hohen Sandrücken (10 m ü. NN) zwischen zwei natürlichen Wasserläufen wurde ein Bebauungsgebiet ausgewiesen. Beim Abschieben des Mutterbodens für die Straßentrassen wurden einzelne urgeschichtliche Gruben beobachtet. Die geringe Anzahl der Befunde läßt vermuten, daß hier das Land abseits der Siedlungen nur gelegentlich genutzt wurde, während die Siedlungen in der Nähe der Wasserläufe auf den flachen Hängen lagen. Neben drei nicht zusammengehörenden Pfostengruben fanden sich sieben Siedlungsgruben, von denen eine viel Keramik enthielt. Gerauhte und gut geglättete Tonscherben, Bandhenkel und langausgezogene Ränder datieren den Fundkomplex in die ältere vorrömische Eisenzeit. Die letztgenannte Grube war in der Fläche von ovaler Form und maß 1,17 zu 1,38 m. Sie erreichte noch eine Tiefe von 0,95 m unter dem Planum. Eine andere Grube mit den Maßen 0,69 x 0,80 x 0,09 m war mit einer Handvoll gebrannter Knochen und reichlich Holzkohleresten gefüllt.

 

W. Schwarz

 

18. Münkeboe FStNr. 2410/8:1, Gemeinde Südbrookmerland, Ldkr. Aurich

Eine stark verwitterte Arbeitsaxt aus grauem Felsgestein, vermutlich aus der älteren Bronzezeit, wurde im Grabenaushub gefunden, der aus wasserführenden Schichten in ca. 60-80 cm Tiefe stammt. Weitere Beobachtungen fehlen.

 

R. Stutzke

 

19. Neermoor FStNr. 2610/9:22, Gemeinde Moormerland, Ldkr. Leer

Neuzeitliches Kolonistenhaus

Das Straßendorf Neermoor liegt in erhöhter Lage auf dem Geestrand, der das rechte Ufer der Ems begleitet. Östlich schlossen sich ausgedehnte Moorgebiete auf dem Sand an, die von den einzelnen Parzellen aus nach dem Upstreckrecht abgetorft worden sind. Der Abriß eines der ältesten Häuser in diesem Bereich Neermors war Anlaß für eine archäologische Befundaufnahme. Das Haus verfügte über eine recht kleine Grundfläche von 11,90 x 8,80 m. Es war in eine Wohn- und eine Stall- bzw. Wirtschaftshälfte aufgeteilt, die kleinformatigen Backsteine waren auch im Fundament mit Lehm vermauert. Es scheint sich hierbei um das Gebäude zu handeln, das schon auf einem Kartenblatt von etwa 1872 eingetragen ist. Feldsteinreihen gaben den Hinweis auf einen leicht nach Norden versetzt stehenden und wenig größeren Vorgängerbau, dem ein Lehmestrich mit Laufhorizont sowie ein etwa 2,00 x 1,70 m großer und gut 1,00 m tiefer Kellerraum zugerechnet werden muß. Letzterer war z.T. aus sekundär verwendeten Klosterformatziegeln gemauert, die aus dem Abbruch des 300 m nördlich gelegenen spätmittelalterlichen Steinhauses stammen könnten. Die ursprüngliche Situation mit einem Haus läßt sich einem Kartenblatt von 1779 entnehmen, das die Parzelle in zweiter Siedlungsreihe ausweist und einen sehr schmalen Upstreekstreifen von ihr ausgehen läßt. Die archäologischen Funde dokumentieren in diesem Zusammenhang die wirtschaftlich schwache Position der Siedler in dieser Phase der Moorkolonisation.

R. Bärenfänger

 

20. Nenndorf FStNr. 2410/2:66, Gemeinde Nenndorf, Ldkr. Wittmund

Siedlung der Römischen Kaiserzeit

Im Zuge der Erweiterung des Wohnbaugebietes kamen bei der Straßentrassierung Keramikfunde zutage. Das Aufdecken zweier Bauplätze von zusammen knapp 1500 qm Fläche erbrachte dann Siedlungsbefunde im grobsandigen und kiesigen Boden. Die Rettungsgrabungen konnten zwei z.T. wohl mehrfach überbaute Hausplätze sicher nachweisen, die von verschiedenen, außerordentlich fundreichen Gräben umgeben waren. Da sie u.a. eng um die Häuser gezogen waren, kommt eine Interpretation als Traufgräben in Betracht. Bei einem der Häuser handelte es sich wahrscheinlich um ein dreischiffiges Haus von etwa 25 m Länge und 6 m Breite. Der zweite, noch fragmentarischer erhaltene Grundriß wurde nur unvollständig bis zur Länge von 15 m erfaßt; seine Breite betrug ebenfalls 6 m. Die zahlreichen Keramikfunde datieren die Besiedlung in die ältere Römische Kaiserzeit.

R. Bärenfänger

 

21. Norden FStNr. 2409/1:23, Gemeinde Norden, Ldkr. Aurich

Mittelalterliche Kirche

Dank der Bereitstellung von Finanzmitteln durch die Gerhard ten  Doornkaat Koolman-Stiftung, Emden, wurden Bohruntersuchungen auf dem Alten Friedhof nördlich der Ludgerikirche möglich. An den sich bis auf +10,20 m NN erhebenden, ca. 150 x 90 m großen Hügel knüpfen sich wesentliche historische Fragen des Norderlandes. Während die Ludgerikirche als ehemalige Landeskirche noch besteht, ist die auf dem Hügel errichtete Pfarrkirche St. Andreas nach wechselvoller Geschichte am Beginn des 18. Jahrhunderts endgültig verschwunden. 

Als vorläufiges Ergebnis dieser Untersuchungen kann mitgeteilt werden, daß die 130 Bohrkerne insofern Aufschluß über die Geschichte des Hügels erbrachten, wie etwa mittig ein wohl aus Heidesoden errichteter älterer Kernhügel festgestellt werden konnte. Seine Abmessungen betrugen etwa 30 m in West-Ost- und 13 m in Süd-Nord-Richtung, seine Höhe hat 0,60 m über der alten Oberfläche nicht überschritten. Hier kann der Standort einer hölzernen Vorgängerkirche angenommen werden. Anschließend scheint eine Erweiterung des Kernhügels durch randliche Aufbringungen von humosem Sand erfolgt zu sein, worauf dann das neue Kirchengebäude errichtet worden sein muß. Im westlichen Drittel des Hügels wurde in wenig abweichender Tiefe von durchschnittlich 1,70 m unter heutiger Oberfläche Hinweise auf ein Fundament vermutlich aus Feldsteinen gefunden. Die Abmessungen von etwa 12 x 10 m könnten auf den Standort des ehemaligen Westturmes hinweisen. Östlich davon könnte ein weiterer, Süd-Nord verlaufender, 27 m langer Fundamentstreifen auf die ehemalige Westwand der Andreaskirche hindeuten. Von ihm nach Osten verlaufende entsprechende Strukturen konnten nur auf wenige Meter Länge verfolgt werden, der Großteil der Kirchenfundamente scheint demnach nicht mehr im Boden erhalten zu sein. Außerdem wird die überaus dichte Belegung mit Gräbern, darunter zahlreiche gemauerte Kammern, die aus der Zeit nach dem Abbruch der Kirche stammen, die archäologische Substanz erheblich reduziert haben. Datierendes Fundmaterial wurde nicht gewonnen. Die Bohrergebnisse scheinen bezüglich der Lage der Kirche die Vorstellungen im wesentlichen zu bestätigen, die M. Kozok bereits anhand der Archivalien entwickelt hat (Jahrbuch der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden 72, 1992, 19-68).

R. Bärenfänger

 

22. Nortmoor FStNr. 2711/4:136-6, Gemeinde Nortmoor, Ldkr. Leer

Bronzezeitliche Gruben

Im Gewerbegebiet wurden die Erdarbeiten zur Erstellung einer Containerabstellfläche beobachtet. Während der überwiegende Teil des Geländes frei von Befunden war, kamen in unmittelbarem Anschluß an die im Vorjahr dokumentierte Konzentration von Gruben, darunter eine Vierpfostensetzung mit Urnenbestattung, knapp 20 weitere Eingrabungen zutage. Vorrangig handelte sich um größere Gruben, aus denen z.T. grobe bronzezeitliche Keramik geborgen wurde; außerdem sind ein Flintschaber und ein mutmaßlicher Mahlsteinunterlieger zu nennen.

 

R. Bärenfänger

 

23. Nortmoor FStNr. 2711/8:2, Gde. Nortmoor, Ldkr. Leer

Siedlungsreste der Römischen Kaiserzeit und des Mittelalters

Die im vergangenen Jahr begonnene Grabung im Nortmoorer Hammrich wurde im Vorwege umfangreicher Aussandungen fortgesetzt. Trotz der Befunddichte und des raschen Abbautempos sind nunmehr gut zwei Drittel der Fläche, ca. 1 ha, archäologisch erfaßt worden. Nach wie vor bemerkenswert ist das hohe Aufkommen von Keramikfunden vor allem der Römischen Kaiserzeit. Sie entstammen nicht nur den zahlreichen Siedlungsbefunden auf dem Sand sondern auch den Kleiablagerungen, die die Ränder des West-Ost verlaufenden Dünenzuges überdeckt haben. Im jetzt erreichten westlichen Teil des Geländes kam nach vorläufiger Beurteilung fast ausschließlich kaiserzeitliches Fundmaterial zutage, während weiter östlich auch ein hoher Anteil mittelalterlicher Waren in das Sediment eingelagert war. Die letzten landschaftsformenden Überflutungen, die zur Aufgabe der Siedlung zwangen, können demnach erst im Mittelalter erfolgt sein. Dies legt besonders der Befund in einem Baumstammbrunnen nahe, denn in seiner Verfüllung lagen zwei pingsdorf- bzw. schinveldartige Gefäße, die unmittelbar von der in den Brunnen einziehenden Kleischicht überdeckt waren. Auch das reiche Repertoire einheimischer Kugeltopfware scheint auf ein Ende der Besiedlung in dem Zeitraum um 1200 zu deuten. Dendrochronologische Datierungsversuche schlugen in diesem Zusammenhang bisher fehl. Auf dem Scheitel des Dünenzuges überlagerten sich Reste von kaiserzeitlichen und mittelalterlichen Haus- und Speicherbauten in vielfältiger Weise, so daß an dieser Stelle noch keine zeitliche Zuweisung der einzelnen Komplexe gegeben werden kann. Entsprechendes gilt für entwässernde Gräben und wahrscheinlich gehöftabgrenzende Zäune. Ein Zaun konnte anhand eines Gräbchens mit hölzernen Staken auf einer Länge von mehr als 100 m am Südrand der Kuppe verfolgt werden. Inmitten des Siedlungsareals fanden sich zudem zwei Brandbestattungen der Römischen Kaiserzeit in Standfußschalen sowie mehrere flache, stark holzkohle- und leichenbrandhaltige Gruben, von denen noch unklar ist, ob es sich um Bestattungen oder um Verbrennungsplätze handelt.

Zu den besonderen Befunden zählten diverse, in der Regel sehr fundreiche, z.T. mit Holz versteifte oder ausgeflochtene Siedlungs- und Brunnengruben. Aus der jüngeren Römischen Kaiserzeit etwa stammte eine kastenförmige, noch gut 0,70 m tiefe Anlage, deren Seitenwände vorrangig aus Birkenhölzern bestanden, die oben sowie auf der Sohle durch Rahmen aus stärkeren Kanthölzern gehalten wurden. Die Enden der Kanthölzer waren durchlocht bzw. zapfenartig ausgearbeitet, um eine solide Eckverbindung zu erreichen. Aus der Verfüllung des Befundes stammt provinzialrömische Importkeramik wohl des 3. Jh. Ein anderer Befund, ein geflochtener Korb von über 0,70 m Höhe und 1,10 x 0,70 m Seitenlängen hat wohl ebenfalls als Wasserentnahmestelle fungiert, datiert aber in das Mittelalter.

Unter den wenigen Metallfunden ragen eine kleine silberne Zierscheibe mit umbörteltem Rand, eine noch nicht restaurierte Bronzefibel sowie ein Denar aus der Zeit des Trajan (98 - 117), geprägt in Rom zwischen den Jahren 103 und 111 (Bestimmung Dr. F. Berger, Hannover), heraus. Die zahlreichen Importfunde belegen für das Hinterland der unteren Emsregion den Anschluß an das überregionale Handelsnetz schon während der Kaiserzeit und dann wieder im Mittelalter. Für das niedrig gelegene Hammrichgebiet ist wohl vorrangig Vieh als Exportgut denkbar.

R. Bärenfänger

 

24. Oldeborg FStNr. 2509/3:13, Gemeinde Südbrookmerland, Ldkr. Aurich

Mittelalterliche Siedlungsfunde

Bei der Verlegung der Kanalisation in Oldeborg, die von den Planungsbehörden nicht gemeldet worden war, konnten dank einer privaten Mitteilung in der Burgstraße sporadisch einzelne Bodenprofile im Verlauf des Kanalgrabens dokumentiert werden. Die "Lohne" im Westen Oldeborgs, wo vermutlich die Hauptbefestigung der Burganlage liegen müßte, war leider bereits verrohrt. Das Profil in der Burgstraße zeigte verschiedene Auftrags- bzw. Verfüllschichten, die bis auf den gewachsenen Boden mit Backsteinbröckchen und mehr oder weniger Schutt durchsetzt waren. Mauerfundamente wurden durch den Bau angeblich nicht freigelegt. Ein Brunnen aus Torfsoden mit hölzernem Unterbau wurde nach Aussage der Bauarbeiter angeschnitten, aber nicht gemeldet. Der Aushub aus den beiden Straßen wurde getrennt gelagert. Im Aushub der Burgstraße fand sich überwiegend neuzeitlicher Siedlungsschutt, darunter mehrere Lederreste, handgefertigte Schuhe, eine gedrechselte Holzschale, Steine im Klosterformat und die unregelmäßig gestochenen Soden des Torfbrunnens. Die ältesten datierbaren Funde stammen aus der Lohne und gehören zu spätmittelalterlichen Kugeltöpfen.

R. Stutzke

 

25. Potshausen FStNr. 2711/9:3, Gemeinde Ostrhauderfehn, Ldkr. Leer

Spätmittelalterlicher Kirchplatz

Der "Alte Kirchhof" von "Alt Filsum" ist mit seiner Höhe von 2,50 m und seinem Ausmaß von etwa 60 x 35 m der größte der erhaltenen Hügel im Jümmiger Hammrich. Ein vom Randbereich zum Hügelinneren orientierter Suchschnitt, der stratigraphische und chronologische Fragen klären sollte, zeigte eine anthropogene Aufschüttung über dem gewachsenen Moor. Oberhalb der bis zu 1,70 m Mächtigkeit ansteigenden Torfschicht wurden zwei stark sandhaltige Kleischichten beobachtet, die mit zahlreichen Backstein- und Kalkmörtelfragmenten durchsetzt waren. Um für die Bebauung die nötige Stabilität zu erreichen, war der zum Hügelzentrum ansteigende Torfsockel (maximal +1,10 m NN) im Bereich der Fundamentgrube abgegraben und mit einer 3,00 m mächtigen Sandschicht aufgefüllt worden. Ein zweiter Schnitt auf der Hügelkuppe belegte an dieser Stelle ein Ansteigen der Torfschicht auf +0,95 m NN unter einer 1,50 m starken Sandschicht. Im ersten Schnitt am Nordrand wurden Überreste von 13 West-Ost gerichteten, beigaben- und sarglosen Körperbestattungen aus der sandigen Hügelaufschüttung geborgen. Die nördlichsten Gräber lagen am Hügelfuß direkt auf dem gewachsenen Torf nur wenige Dezimeter unter der heutigen Oberfläche. Insgesamt wurden drei Gräberreihen nachgewiesen, innerhalb derer in mehreren Lagen übereinander bestattet worden war. Spätmittelalterliche einheimische Keramik, Faststeinzeug und Siegburger Ware datieren den Kirchplatz in das 14. und 15. Jh.

P. Rosenplänter

 

26. Potshausen FStNr. 2811/2:14, Gemeinde Ostrhauderfehn, Ldkr. Leer

Spätmittelalterlicher Kirchplatz

Auf dem Areal des als "Olde Karkhoff" der mittelalterlichen Wüstung "Alt Potshausen" tradierten Erhebung wurden kleinräumige Sondagen durchgeführt. Der 1,20 m hohe, ovale Hügel von etwa 40 x 27 m Ausdehnung wurde als künstliche Aufschüttung identifiziert, die direkt auf das Niederungsmoor unter Ausnutzung einer darunterliegenden, flachen pleistozänen Sandkuppe errichtet wurde. Die Hügelaufschüttung bestand aus zwei stark sandigen Kleischichten mit Einschlüssen von Backsteinbruch und Kalkmörtel. Der Torf war unterhalb der Fundamentierung eines Gebäudes durch eine 1 m mächtige Sandschicht ersetzt worden. Im Westen des Hügels konnte eine einzelne West-Ost-Körperbestattung mit überkreuzten Armen dokumentiert werden. Weitere Gräber wurden durch Bohrungen auf der Ostseite erfaßt, so daß die bisher nur mit dem Flurnamen überlieferte Funktion des Kirchhügels nun auch durch Funde verifiziert ist. Zusätzlich gelang an zwei Stellen der Nachweis eines 4,50 m breiten Grabens, der vermutlich den gesamten Kirchhof umgrenzte.

Zu den Keramikfunden zählten auch Wandungsscherben mit Schlickerleisten und Importware der Siegburger Machart. Anhand des stratigraphisch geborgenen Materials läßt sich die Nutzungsdauer des Hügel auf das 14. und 15. Jahrhundert eingrenzen.

P. Rosenplänter

 

27. Potshausen FStNr. 2811/2:15, Gemeinde Ostrhauderfehn, Ldkr. Leer

Spätmittelalterliche Burgstelle

Als zur Wüstung "Alt Potshausen" gehörig wird die 130 m nordöstlich des "Olde Karkhoff" gelegene "Fockenbörg" betrachtet. Das ovale Wohnpodest von etwa 20 x 15 m Ausdehnung bestand aus zwei stark sandigen Kleischichten, die direkt auf das Niederungsmoor aufgebracht waren. Zahlreicher Backsteinbruch und Kalkmörtel belegen die Bebauung mit einem Steinhaus. Zu seiner Fundamentierung wurde der Torf bis zur Tiefe von 0,42 m unter NN abgegraben und mit einer 1,00 m mächtigen Sandschicht aufgefüllt. Siegburger Steinzeug und einheimische, z.T. mit Schlickerleisten verzierte Ware datieren den Komplex in das 14./15. Jahrhundert.

P. Rosenplänter

 

28. Tannenhausen FStNr. 2410/6:25, Gemeinde Aurich, Ldkr. Aurich

Eisenzeitlicher Moorweg

Die Trasse der EWE-Erdgasleitung querte den Verlauf des sogenannten "Sandstrahls", eines ca. 4,5 km langen eisenzeitlichen Moorweges zwischen Tannenhausen im Süden und Westerholt im Norden. In der Nähe dieses Weges durch das Meerhuser Moor wurden beim Abtorfen etliche urgeschichtliche Funde gemacht. Vor allem ist die Moorleiche von Bernuthsfeld zu nennen, die 1907 in ca. 350 m Entfernung südlich von dieser Fundstelle entdeckt wurde. In dem 13 x 4 m umfassenden Suchschnitt konnte die noch im Torf größtenteils erhalten gebliebene 6-7 m breite Wegkonstruktion aus Hölzern und Heideplaggenauftrag untersucht werden. Die Unterkonstruktion bestand aus einer bis zu 40 cm dicken Lage von stärkeren, entasteten Holzknüppeln sowie kleineren Ästen. Der Großteil dieser im anstehenden Schwarztorf niedergelegten Hölzer, zu denen auch einige Spalthölzer gehörten, zeigte eine quer zum Wegverlauf ausgerichtete Lage. Hinweise auf senkrechte Stabilisierungskonstruktionen wurden nicht vorgefunden. Das verwendete Holz stammt vermutlich mehrheitlich von Birke und Erle, die Ergebnisse der Holzartenbestimmung stehen noch aus. Auf den Hölzern der Unterkonstruktion, an denen teilweise Bearbeitungsspuren nachgewiesen sind, war in einigen Bereichen noch eine Lage aus dünnen Zweigen zu erkennen. Darüber folgte als Oberkonstruktion und gleichzeitig Wegoberfläche eine mehrere Schichten umfassende Heideplaggen- bzw. Sandauftragschicht, die sicherlich auch einzelne Ausbesserungsphasen dokumentiert. Aufgrund von Abtragungen der obersten Bereiche durch früheren Torfabbau ließ sich die ursprüngliche Stärke der noch teilweise bis 70 cm mächtigen Wegkonstruktion nicht mehr ermitteln. Da datierende Funde fehlen und die Ergebnisse der Radiokarbon-Proben des Holzes noch nicht vorliegen, ist zunächst von einer Datierung in die vorrömische Eisenzeit auszugehen, wie durch Pollenanalysen aus anderen Wegabschnitten belegt ist.

S. Haß

 

29. Tannenhausen FStNr. 2410/9:26, Gemeinde Aurich, Ldkr. Aurich

Mesolithischer Fundplatz

In der Gemarkung Tannenhausen kreuzte die EWE-Erdgastrasse den vermuteten südlichen Ausgangsbereich des spätneolithischen Bohlenweges XV (Le). Nachdem bei Bohrsondagen auf einer Wiese ca. 100 m nördlich der Erdgas-Trasse Holzreste im Torf angetroffen worden waren, erfolgte die Anlegung eines etwa 125 m langen und 4 m breiten Suchschnittes auf der Trassenachse quer über den flachen natürlichen Sandrücken, der ins Moor hinein in Richtung des Holzweges hin vorstößt. Die Untersuchungen lieferten zwar keine Hinweise auf den Bohlenweg, erbrachten aber mesolithische Befunde. Dazu gehört ein Flintschlagplatz mit einer größeren Ansammlung von Abschlägen, Klingen, Kernsteinen und gebranntem Feuerstein auf einer Fläche von ca. 1 x 1 m am Südprofil innerhalb einer etwa 20 cm starken Bleichsandschicht. Ein aus diesem Befund stammendes endretuschiertes Rückenmesserchen, eine kantenretuschierte Klinge sowie eine regelmäßige Klinge in Form einer Stielspitze mit Stichelschlag vom Basalende her weisen große Ähnlichkeiten mit Inventaren der Boberger Stufe auf. 

Östlich dieses Befundes zeichneten sich im gelben Sand, knapp unter der Ortsteinschicht, die Sohlen von insgesamt sechs verstreut angelegten Kochgruben ab. Die im Durchmesser zwischen 60-80 cm großen, holzkohlehaltigen Befunde waren, abgesehen von einem gebrannten Flintstück, fundleer. Die Ergebnisse einer Radiokarbon-Datierung stehen noch aus, doch ist auch hier mit einer mesolithischen Datierung zu rechnen. Am östlichen Schnittende fand sich eine Ansammlung von stark feuerverwitterten Granit- und Quarzitgeröllen, die eine Nutzung als Kochsteine, evtl. im Zusammenhang mit den Kochgruben, nahelegen.

S. Haß

 

30. Tannenhausen FStNr. 2410/9:27, Gemeinde Aurich, Ldkr. Aurich

Drei Flintabschläge, ein gebrannter Abschlag sowie gebrannter Feuerstein wurden nördlich der FSt. 2410/9:26 innerhalb kleiner Sandflächen eines moorigen Ackers aufgelesen. Die Fundstelle befindet sich im Verlaufsbereich des spätneolithischen Bohlenweges XV (Le) (FStNr. 2410/6:16).

S. Haß

 

31. Wiesens FStNr. 2511/5:72, Stadt Aurich, Ldkr. Aurich

Bronzezeitliche Siedlungsspuren

Ein neues Baugebiet entstand in der Nähe des bekannten urgeschichtlichen Fundplatzes Wiesens 200, dessen Untersuchungsergebnisse bereits teilweise publiziert worden sind. Obgleich seitens der Denkmalpflege auf mögliche Siedlungsreste hingewiesen worden war, begannen die Bauarbeiten ohne archäologische Begleitung; deshalb konnten nur noch Teilbereiche untersucht werden. Auf einer Grabungsfläche von etwa 600 qm wurden zahlreiche Siedlungsspuren freigelegt, die zeigen, daß das genannte Siedlungsgebiet erwartungsgemäß bis hierher reichte. Das keramische Fundmaterial ist relativ uncharakteristisch, entspricht damit weitgehend dem des ausgegrabenen benachbarten Fundplatzes und kann in die mittlere bis jüngere Bronzezeit, vielleicht bis zum Beginn der Eisenzeit, datiert werden. Zwei Konzentrationen von Pfostenspuren weisen darauf hin, daß hier möglicherweise zwei Hausplätze lagen. Sie sind jedoch nur rudimentär erhalten, da Bodenabtrag und Beackerung die Erhaltungsbedingungen derart verschlechterten, daß nur noch die tieferen Pfostenspuren erkennbar blieben. Weiteres kann erst eine Analyse der Grabungbefunde ergeben.

W. Schwarz

 

 

 

 

B Veröffentlchungen aus dem Arbeitsgebiet der Archäologischen Forschungsstelle der Ostfriesischen Landschaft 1996 

1. Bärenfänger, R.: Aus der Geschichte des Klosters Barthe. - Festschrift zum 25jährigen Jubiläum der Haupt- und Realschule "Kloster Barthe" Hesel, Leer 1996: 67-77.

2. Bärenfänger, R.: Neue Erkenntnisse zu den Gräbern der Völkerwanderungszeit aus dem Benser Watt. - Kiek mal rin! Nachrichten aus Museen und Sammlungen in Ostfriesland, Nr. 39, Juni 1996: 18-19.

3. Bärenfänger, R.: Größere Ausgrabungen und Fundbergungen der Ostfriesischen Landschaft im Landkreis Leer; Größere Ausgrabungen und Fundbergungen der Ostfriesischen Landschaft im Landkreis Wittmund. - Nachrichten des Marschenrates 33, 1996: 31-36.

4. Bärenfänger, R.: So wichtig können Randbereiche von Fundplätzen sein. -Archäologie in Deutschland, Heft 4/1996: 50.

5. Bärenfänger, R.: Fundberichte Nrn. 34, 107, 163, 164, 291, 305, 539, 490, 535-538, 560, 574, 606, 613, 661, 694, 711, 761, 818. - Niedersächsische Fundchronik 1995, Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 64(2), 1995: passim.

6. Bärenfänger, R., Schwarz, W., Stutzke, R.: Ostfriesische Fundchronik 1995. - Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands 75,1995 (1996): 178-190.

7. Freund, H.: Pollenanalytische Untersuchungen zur Vegetations- und Siedlungsentwicklung im Moor am Upstalsboom, Ldkr. Aurich (Ostfriesland, Niedersachsen). - Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 23, 1995: 117-152.

8. Neun, S.: Fundberichte Nrn. 547, 682, 743. - Niedersächsische Fundchronik 1995, Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 64(2), 1995: passim.

9. Heun, S.: Auf der Spur mittelalterlicher Eisenschmelzer in Lütetsburg. -Ostfreesland, Kalender für Jedermann 1997 (1996): 215-227.

10. Heun, S. u.a.: Interdisziplinäre Studie zu einem Hüttenplatz in Lütetsburg, Ldkr. Aurich. - Archäologische Mitteilungen aus Nordwestdeutschland 18, 1995: 85-138.

11. Schwarz, W.: Fundberichte Nrn. 55, 107a, 235, 264, 315, 512, 547, 590, 681, 702, 736, 851, 953. - Niedersächsische Fundchronik 1995, Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 64(2), 1995: passim.

12. Schwarz, W.: Größere Ausgrabungen und Fundbergungen der Ostfriesischen Landschaft im Landkreis Aurich; Größere Ausgrabungen und Fundbergungen der Ostfriesischen Landschaft in der kreisfreien Stadt Emden. - Nachrichten des Marschenrates 33, 1996: 29-30.

13. Schwarz, W.: Bronzezeitliche Hausgrundrisse von Hesel im Landkreis Leer. -Die Kunde N. F. 47, 1996: 21-50.

14. Strahl, E.: Eine Bestattung der Einzelgrabkultur bei Logabirum, Stadt Leer (Ostfr.), Ldkr. Leer. - Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 23, 1995:227-242.

 

 

 

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