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Landschaft von Ostfriesland
Fundchronik 1991 |

Fundchronik 1991

 

Ostfriesische Fundchronik
Emder Jahrbuch Bd. 72, 1992

 

Archäologische Forschungsstelle

 

Im Mittelpunkt der Arbeit stand der weitere Aufbau des archäologischen Archivs und die Bodendenkmalpflege. Durch die Schaffung einer zweiten Wissenschaftlerstelle seit Juli 1991 können die Aufgaben effektiver wahrgenommen werden. Die zweite Stelle beschränkt sich mit der Arbeit auf die Gebiete der Landkreise Leer und Wittmund. Da sowohl regional als auch technisch eine ideale Teilung der Arbeit nicht möglich ist, wird der Wissenschaftler projektbezogen und nicht paritätisch tätig.

Mit Mitteln der Arbeitsverwaltung wurde eine kleinräumige archäologische Untersuchung der mittelalterlichen Besiedlung und des gleichzeitigen Deichbaus am Rande der Leybucht beendet. Ein Vorbericht ist in der Ostfriesischen Fundchronk 1990, Seite 78 bis 81 abgedruckt; der Abschlußbericht befindet sich noch in der Bearbeitung. Ebenfalls mit Mitteln der Arbeitsverwaltung wurden die Ausgrabungen mit den Arbeitstiteln „Archäologische Topographie der Stadt Aurich“, „Baugeschichte der Großen Kirche in Emden“ und „Kloster Barthe“ fortgesetzt. Eine neue Untersuchung mit Mitteln der Arbeitsverwaltung wurde in einem Bebauungsgebiet südlich von Weener begonnen, wo eine bronze- und eisenzeitliche Siedlung bestanden hat.

Die Archäologische Forschungsstelle konnte nicht nur mit Mitteln der Arbeitsverwaltung ihren Aufgaben nachgehen, sondern auch Notbergungen der Bodendenkmalpflege mit Hilfe von Kommunen und Landkreisen durchführen. Auch in Zukunft kann die Bewältigung des steigenden Umfanges der Arbeiten nur gewährleistet werden, wenn die Ostfriesische Landschaft die Fachleute und die kommunalen Gebietskörperschaften, deren Aufgabe die archäologische Denkmalpflege ist, die Arbeitskräfte dafür bereitstellen. Die systematische Feldbegehung der archäologischen Landesaufnahme, die bisher etwa ein Drittel Ostfrieslands erschlossen hat, konnte vorläufig nicht fortgesetzt werden und bleibt weiterhin ein Desiderat.

 

Auf Einladung der Ostfriesischen Landschaft tagte vom 20. bis 22. Juni in Aurich die Archäologische Kommission für Niedersachsen e.V., - die Vereinigung aller in Niedersachsen tätigen Archäologen. Die wissenschaftliche Tagung in Aurich stand unter dem Thema „Mittelalterliche Archäologie im Ostfriesischen Küstenraum“. Es referierten Herr Prof. Dr. P. Schmid sowie Herr Dr. J. Ey vom Institut für Historische Küstenforschung, Herr Dr.van Lengen, Herr Dr.Schwarz, Herr Dr.Bärenfänger und Herr Dr.Rytka aus dem Tätigkeitsbereich der Ostfriesischen Landschaft. Am Tag darauf führten Dr. Schwarz und Dr. Bärenfänger die Exkursion der Tagungsteilnehmer zu Fundplätzen durch das westliche Ostfriesland.

 

 

Aurich, Stadt Aurich (FStNr 2510/3: 81-0). Stadtgrabung

Im Bereich der Auricher Innenstadt wurden die seit 1988 als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Stadt Aurich begonnenen Ausgra­bungen fortgesetzt. Bei den Arbeiten handelt es sich um Voruntersuchungen zu einer geplanten Tiefgarageneinfahrt sowie zu einer Ausweitung der innerstädtischen Parkplätze. Dazu wurden im Stadtzentrum zwischen Marktplatz, Lilienstraße, Kirchstraße und Burgstraße sechs weitere Grabungsschnitte mit einer Gesamtlänge von 54 m angelegt.

Wie auch in den vorangegangenen Kampagnen fanden sich in den bearbeiteten Flächen große Mengen neuzeitlicher Aschegruben, die eine Vielzahl an Gebrauchsgegenständen der jüngeren Vergangenheit enthielten. Eine Fundstelle enthielt sehr viele kleine Glasflaschen und Tiegel, die vermutlich einer Apotheke oder Drogerie zugeordnet werden können. Ebenso zahlreich waren die ausgegrabenen Reste von Mauerwerk, die teilweise in Lehm, Muschelkalk oder Zement gemauert waren, was auf eine unterschiedliche Zeitstellung der Gebäude schließen läßt. Ein vorgefundener Lehmestrich konnte in die Zeit des 15./16. Jahrhunderts datiert werden. In den gleichen Zeitraum ist ein aus Torfsoden aufgebauter und mit einer Balkenunterkonstruktion versehener Brunnen zu stellen. Dieser Brunnen reichte bis zu einer Tiefe von +4,60 m NN herab (heutige Oberfläche +8,30 m NN) und konnte vollständig dokumentiert werden. Er hatte einen inneren Duchmesser von ca. 1,20 m und eine Wandungsstärke von 0,30 m.

Unterhalb der zum Brunnen gehörenden Siedlungsschicht fanden sich kleine Reste eines Kulturhorizonts des 12./13.Jahrhunderts. Dieser Horizont zeichnete sich durch Pfosten- und Pflugspuren aus. Der im Jahr 1988 angetroffene Nord-Süd verlaufende Graben der gleichen Zeitstufe konnte nicht wieder aufgefunden werden, was darauf schließen läßt, daß er sich unterhalb des Dunkmannschen Druckereigebäudes befindet und dort evtl. nach Westen abknickt. Er gehört sehr wahrscheinlich zur ältesten Auricher Siedlung. Einzelne Tonscherben stammen aus dem frühen Mittelalter.

An anderer Stelle konnten mehrere bronzezeitliche Pfeilspitzen, Schaber, Messerklingen und andere Feuersteinartefakte freigelegt werden. Es kann jedoch noch nicht abschließend gesagt werden, in welchem Zusammenhang  diese Funde zu dem gefundenen Bodenverfärbungen stehen, ob sich beispielsweise hier eingeebnete Grabhügel befunden haben.

 

 

Brinkum, Gemeinde Hesel, Landkreis Leer (FStNr. 2711/1: 91).Funde der vorrömischen Eisenzeit

Im Zuge von Baumaßnahmen im Gewerbegebiet, Flurname Westergaste, wurden wiederholt Begehungen und Rettungsgrabungen durchgeführt. Da der mittelalterliche Plaggenauftrag bis zu 0,8 m mächtig war, wurden die Befunde nicht durch Oberflächenfunde angezeigt, sondern konnten erst nach dem Abschieben des Oberbodens identifiziert werden. Außer einem wohl mittelalterlichen Grabenrest wurden zwei meilerartige Gruben (2,05 x 1,05 x 0,15 m und 2,65 x 1,2 x 0,3 m) unbekannter Zeitstellung und einige Befunde aus der frühen vorrömischen Eisenzeit dokumentiert. Zu letzteren zählt eine große, runde Grube von 3 m Durchmesser und 0,85 m Tiefe. Sie wies verschiedene Verfüllstadien auf und lieferte knapp 300 Keramikscherben. 20 m westlich davon wurden Reste eines mutmaßlichen Bestattungsplatzes aufgedeckt. Bemerkenswert ist eine Steinpflasterung von 0,75 m Durchmesser, unter der sich ein umgestülpter Topf und das Unterteil eines kleineren (Bei-?) Gefäßes in einer Grube befanden. Da der Topf keinen Leichenbrand enthielt, scheint es sich um ein Kenotaph (leere Grabstätte) zu handeln. Die Bestattungsplätze müssen ehemals obertägig sichtbar gewesen sein, weshalb weitere Steinpflasterungen wohl gänzlich zerstört wurden. Auf sie wiesen lediglich diverse umgelagerte Steine, Reste eines weiteren kleinen Gefäßes sowie das Bruchstück eines bronzenen Tüllenbeiles hin.

 

 

Emden, Stadt Emden (FStNr. 2609/1:22)

Grabung „Große Kirche“

Die archäologische Untersuchung im Bereich der Großen Kirche wurde fortgesetzt und die Grabungsarbeiten abgeschlossen. Die Profilaufnahmen und die Bohrungen weisen darauf hin, daß die älteste Kirche, die aus der Zeit der Gründung Emdens im frühen Mittelalter stammt, auf einer kleinen Warft errichtet worden war. Sie wurde offenbar bei der Errichtung der zweiten Kirche zerstört. Von letzterer wurden in einer Tiefe zwischen +1,5 m und 0,0 m NN drei mächtige Eichenpfosten entdeckt, die wahrscheinlich als Pfosten für das Mittelschiff einer dreischiffigen Kirche zu deuten sind. Ihre Unterkante lag bei 0,0 m NN. Zwei der Pfosten tragen an den Außenseiten Zapflöcher. Die dendrochronologische Untersuchung ergab zweimal das Fälldatum: Frühjahr 966. Einer der Pfosten stand auf einer Unterlage aus bearbeiteten Bauhölzern, von denen eines nach 940 datiert werden konnte. Dieser Pfosten stand in unmittelbarer Nähe des alten Warftabhanges. 1,5m tiefer wurde nämlich eine nach Osten abfallende humose Schicht angetroffen, die außer frühmittelalterlichen Scherben und Tierknochen auch Hölzer enthielt, von denen eines angekohlt war. Eine Altersbestimmung schlug fehl.

Im nördlichen Arm der gotischen Kreuzkirche wurden fünf Fußböden aus der Zeit vom 13./14. bis zum 18./19. Jahrhundert und der Nordeingang erfaßt. Der älteste nachgewiesene Backsteinfußboden, in Fischgrätmuster (opus spicatum), gehört der Bauphase der Kreuzkirche an. Der später zugemauerte Nordeingang war knapp 1 m breit und das Portal außen mit einfachem dreigliedrigen Gewände verziert. Als Unterlage für das Mauerwerk im Eingang wurde das Fragment einer Grabplatte aus rotem Buntsandstein vermauert. Vom Chorabschluß der Kreuzkirche stammt wahrscheinlich eine Reihe Feldsteine, die im Mittelschiff der Großen Kirche 2 m unter dem jüngsten Fußboden angetroffen wurde.

Die vorläufige Auswertung der Grabungsbefunde ergab, daß elf Bauphasen der Großen Kirche vorausgingen. Die Analyse der stratigraphischen Befunde und der Funde ergab einen deutlichen Horizont, der die katholische von der reformierten Kirche trennt. Die Funde der oberen Schichten sind ins 16. bis 19. Jahrhundert zu datieren. Ihre Vielfalt und ihr profaner Charakter deuten darauf hin, daß sie mit der aufgetragenen Erde aus dem Stadtbereich in den Kirchenraum gelangten.

Das reichhaltige Skelettmaterial, das von Bestattungen aus etwa eintausend Jahren stammt, rechtfertigt eine anthropologische Untersuchung. Bedeutende demographische Ergebnisse zur Emder Population sind dabei zu erwarten. Darüber hinaus können diese Befunde mit den Bestattungssitten hinsichtlich des sozialen Ranges der Person verglichen werden. Bedeutsame Unterschiede wurden bei der Bauart der Holzsärge beobachtet. Solche mit Eisengriffen und die gemauerten Gruften finden sich im Mittelgang. Außerdem gibtes in einigen Gräbern Textil- und Lederreste sowie kelchartige Gegenstände aus Wachs. 

 

 

Hesel, Gemeinde Hesel, Landkreis Leer (FStNr. 2611/9: 10-8-0)

Mittelalterliche und neuzeitliche Wüstung "Kloster Barthe"

Die archäologischen Untersuchungen im Bereich des ehemaligen Prämonstratenserklosters wurden fortgesetzt. Ihr Schwerpunkt lag in der Ermittlung von Baustrukturen im westlichen Klausurbereich und in der Überprüfung der Stratigraphie der Kirchenbauten. Weitere kleine Schnitte sollten Aufschlüsse über den Ostflügel der Klausur erbringen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen ist für die Klostergebäude von drei Hauptbauphasen auszugehen, wobei auf erste Holzbauten Backsteingebäude folgten. Letztere mußten nach einem recht weiträumigem Brand erneuert werden. Es steht nunmehr fest, daß die erste Backsteinbauphase nicht in einem Zuge ausgeführt wurde. Zuerst scheint der Nordtrakt errichtet worden zu sein, der dann nach Westen erweitert wurde und schließlich abbrannte. Er wurde erneut aufgebaut und nach Süden durch einen Westtrakt erweitert, wodurch sich erst jetzt der Anschluß zur Nordwestecke der Kirche ergab. Einem weiteren Brand folgte die nochmalige, wohl schon frühneuzeitliche Überbauung des Westflügels.

Zur Absicherung der Kirchenstratigraphie wurde ein S-N verlaufender Schnitt an jener Stelle durch die Kirche gelegt, an der ihre Lehmestriche noch ungestört erhalten waren. Hier bestätigten sich die bisherigen Ergebnisse, zudem konnte so der grünliche Estrich der mutmaßlichen ersten Holzkirche in der Fläche auf mehreren Quadratmetern untersucht werden. Er überdeckte nicht nur eine W-O-Bestattung sondern auch eine sekundäre Beisetzung. Des weiteren kamen auf seiner Oberkante zwei Ständersteine und eine gerade, S-N verlaufende Reihe von kleineren Feldsteinen zur Auflage eines Schwellbalkens zutage. In einem früheren Suchschnitt war bereits eine rechtwinklig dazu liegende, breitere Steinreihe aufgedeckt worden, die nun als Rest der Südwand der Holzkirche gedeutet werden kann. 

Der nördliche Abschluß der Holzkirche ist durch die Einbringung des Fundamentgrabens der ersten Backsteinkirche zerstört worden. Erhalten blieb hier lediglich eine Pfostengrube, über die sich partiell noch ein dünner Brandhorizont zog, der hauptsächlich verkohlte Schilf- oder Strohstückchen enthielt. Daraus ergibt sich ein deutlicher Hinweis auf die Bedachung der frühen Kirche.

Im unmittelbaren Zusammenhang mit dem grünlichen Lehmestrich wurde bemerkenswerterweise eine kleine Anzahl von verkohlten Getreidekörnern gefunden. Nach Mitteilung von H. Haiduck, Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven, ist die Auffindung von Getreide für früh- und hochmittelalterliche Kirchen Ostfrieslands geradezu typisch. Er stellte in einzelnen Fällen große Mengen von Getreide in Kirchen fest und geht von regelrechter Einlagerung aus (Kornböden?). Möglicherweise handelte es sich um Naturalabgaben, die an die Kirchengemeinden geleistet werden mußten. 

Neben etlichen Befunden und Funden, darunter Keramikscherben des 10. bis 12. Jahrhunderts, scheint nun also ein Beleg dafür gefunden, daß die Klostergründer um das Jahr 1204 keine Gebäude errichten mußten, sondern bereits vorhandene, sogar eine kleine Holzkirche, übernehmen und vorerst nutzen konnten. Erst später begannen sie mit der Errichtung von Backsteinkirche und Nordtrakt.

 

Die derzeit noch laufenden Untersuchungen im Bereich des Osttraktes förderten in erster Linie neuzeitliche Baureste zutage, die ehemals vorhandene ältere Befunde größtenteils zerstört oder erheblich reduziert haben. Die Anlage eines Schnittes über den einzig in Frage kommenden Standort der Nordostecke der Klausur brachte bisher nicht das erwartete Ergebnis. Hier wurden Anlagen der Bewirtschaftung aufgedeckt - ein gemauerter Ofen und eine Vorratsanlage. Aufgrund dieser Befundsituation können die Geländearbeiten wie vorgesehen im Sommer 1992 abgeschlossen werden, da keine wesentlichen weiteren Erkenntnisse in Hinblick auf den Grundriß der Hauptgebäude des Klosters und die genannten Bauphasen zu erwarten sind.

 

 

Rahe, Stadt Aurich, Landkreis Aurich (FStNr. 2510/5:11)

Mittelalterlicher Grabhügel „Upstalsboom“.

Der Arbeitskreis Vorgeschichte hat seine Untersuchung am Upstalsboom fortgesetzt. Um zu überprüfen, ob es sich dabei um den Rest eines mittelalterlichen Grabhügels handelt, wurde außerhalb des Hügels im Norden und im Westen je ein Grabungsschnitt und am westlichen Hügelfuß ein dritter Schnitt angelegt. Es wurden keine Gräber entdeckt. Anhand der Profile kann der ursprüngliche Hügel rekonstruiert werden. Nur die Südseite des Upstalsboomes ist noch nicht untersucht.

Abgesehen von neuzeitlichem Kulturschutt in der Deckschicht fanden sich in der humosen Schicht oberhalb des gewachsenen Sandbodens Feuersteinabschläge und Artefakte, die auf eine Besiedlung in der Stein- und Bronzezeit hinweisen.

Südwestlich des Upstalsbooms befindet sich eine vermoorte Senke von fast 6 m Tiefe. Der Torf hat seit dem Ende der Eiszeit die eingewehten Pflanzenpollen bewahrt, so daß ein Pollenprofil wichtige Anhaltspunkte zur Siedlungsgeschichte liefern könnte. Herr Freund, ein Mitarbeiter des Institutes für Historische Küstenforschung hat dort Proben entnommen, die noch ausgewertet werden müssen. Besonders interessant für die Untersuchung sind die beiden oberen Meter Torf, die im Mittelalter entstanden sind. Wahrscheinlich werden die Pollen darüber Auskunft geben, ob und in welchem Maße in dieser Zeit eine bäuerliche Besiedlung stattgefunden hat.

 

 

Schwittersum, Gemeinde Dornum, Landkreis Aurich (FStNr. 2310/5:1).

Früh- und hochmittelalterliche Warft

Auf der Nordseite der Warft Reersum ist seit einigen Jahren der Bau eines Altenheimes geplant. Der Landkreis Aurich und die Bezirksdenkmalpflege haben sich darauf verständigt, an der Stelle des geplanten Kellers eine Notgrabung durchzuführen.

Der erste Schnitt maß etwa 10 mal 20 m. Er wurde nach Norden hin durch einen zweiten, etwa 30 m langen und 2,5 m breiten Schnitt ergänzt, der die Schichtenfolge des Nordabhanges erkunden sollte. Vorbehaltlich der endgültigen Auswertung können hier folgende Ergebnisse mitgeteilt werden.

Die Siedler des frühen Mittelalters fanden in der Marsch eine nicht überschlickte Sandkuppe vor. Hier erbauten sie die ersten Häuser. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels wurden vom frühen Mittelalter bis zum 11./12. Jahrhundert mehr als 25 Erdschichten von insgesamt 3,5 m Mächtigkeit aufgetragen, so daß die Warft bereits damals ihre heutige Höhe erreichte. Ein weiterer Ausbau der Warft erfolgte seit dem 13.Jahrhundert in nördlicher Richtung. Ob sie insgesamt in ihrer Fläche (auch nach Süden, Westen und Osten) erweitert wurde, kann erst nach einer entsprechenden Untersuchung gesagt werden. Aus späterer Zeit stammt ein frühneuzeitlicher Torfsodenbrunnen, der die kontinuierliche Besiedlung der Warft auf dem Auftragsniveau des hohen Mittelalters bezeugt.

In dem ersten Grabungsschnitt wurde der Randbereich eines frühmittelalterlichen Hauspodestes mit einem begleitenden Graben angetroffen. Diese Anlage wurde mehrfach aufgehöht. Erst im hohen Mittelalter wird der Graben zugefüllt und das Hauspodest in die Gesamtanlage der Warft integriert. Zahlreiche Einzelfunde, Keramikscherben und Knochen, wurden entdeckt, daneben auch ein kleines Grubenhaus, in dem gewebt wurde.

 

 

Utarp, Gemeinde Utarp, Landkreis Wittmund (FStNr. 2410/3: 27)

Mittel- und endsteinzeitliche sowie bronzezeitliche Funde

Mit Hilfe der Gemeinde Holtriem konnte in einer Sandgrube eine Notbergung vorgenommen werden. Die Sandgrube baute eine Geländekuppe ab, die sich etwa am Nordende eines N-S verlaufenden Höhenrückens befand, welcher ehedem aus dem umgebenden Moor herausgeragt haben muß. Bereits bei der archäologischen Geländebegehung kamen Feuersteinartefakte der Mittleren Steinzeit, der Endsteinzeit und der Bronzezeit zutage.

Die Notbergung untersuchte etwa 1600 qm Fläche und entdeckte dabei zahlreiche Siedlungsspuren, insbesondere Gruben verschiedener Größe. Darunter befanden sich auch eindeutige Pfostengruben, die noch klar erkennbare Pfostenschatten zeigten. Leider gelang es nicht - das mag auch an den Grabungsbedingungen liegen, diese Pfosten zu Gebäudegrundrissen zusammenzufügen. Nach den Grabungsbefunden gehören die Gruben vor allem in die Besiedlungsphase der späten Stein- und Bronzezeit. Streufunde belegen aber auch die Anwesenheit der Menschen im Mesolithikum. Die Funde häufen sich im Bereich einer ovalen Pfostensetzung von 7 m Länge und 3 m Breite, bei der es sich - vorbehaltlich der endgültigen Auswertung - um einen der seltenen mesolithischen Hüttengrundrisse handeln könnte.

 

 

Uttel, Stadt Wittmund, Landkreis Wittmund (FStNr. 2412/3: 65)

Frühmittelalterliche Siedlung Hattersum

Durch die Meldung der Hofeigner Mammen konnte die Archäologische Forschungsstelle auf dem landwirtschaftlichen Anwesen zwei baubegleitende Rettungsgrabungen durchführen. Insgesamt wurden etwa 500 qm abgeschobener Fläche beobachtet. Es kamen die für Ostfriesland typischen Befunde einer frühmittelalterlichen Siedlung mit Pfostengruben und -gräbchen, Feuerstellen, Gräben sowie Gruben verschiedener Zweckbestimmung zutage. Hinzu kommen mehrere Brunnen, von denen einer vollständig untersucht werden konnte. Er besaß einen runden, aus Heidesoden aufgesetzten Schacht von 1,5 m Durchmesser, der einem Geviert aus sekundär verwendeten Holzbalken auflag. Zwei der Balken lassen sich aufgrund eingelassener Zinken und Einlassungen für Querhölzer als Teile von Eggen ansprechen. Unklar ist indes die Funktion der zwei anderen Holzbalken. Sie besitzen am dünneren Ende eine schräge Aussparung zur Anblattung eines anderen Holzes und weisen knapp vor den Enden Durchbohrungen auf. Die jeweils am Ende ihrer Reihe stehenden Zinken der Eggenbalken waren zur Stabilisierung der Brunnensubstruktion bemerkenswerterweise in die Durchbohrungen dieser Balken gesteckt.

Während der Nutzungszeit des Brunnens muß eine halbe hölzerne Scheibe von 0,52 m Durchmesser in den Brunnen gelangt sein. Sie ist einseitig gedrechselt und weist einige Holznägel und Bohrungen auf, die ebenso wie eine hölzerne Lasche von mehrmaliger Reparatur zeugen. Zweck und Funktion dieses Fundstückes sind noch nicht geklärt.

Die Grabung erbrachte eine große Anzahl von Keramikscherben, auch stempelverzierte Stücke sind darunter. Die Datierung läßt sich auf das 9. und 10. Jahrhundert eingrenzen. Anschließend scheint eine Verlagerung der Siedlung auf einen weiter östlich gelegenen Platz am Rande der Harleniederung erfolgt zu sein. Durch eine frühere Sondierungsgrabung ist von dort bekannt, daß die Besiedlung wahrscheinlich im 12. Jahrhundert begann und der Platz im 13./14. Jahrhundert mit einem Steinhaus bebaut und befestigt wurde (Burg Uttel).

 

 

Weener, Stadt Weener, Landkreis Leer (FStNr. 2809/6: 39)

Siedlungsplatz der jüngeren Bronzezeit und der frühen vorrömischen Eisenzeit.

Im Bebauungsgebiet "Süderhilgenholt" südlich der Stadt Weener sind seit Jahrzehnten urgeschichtliche Funde gemacht worden. Herr Hoek hat auch im benachbarten Baugebiet "Norderhilgenholt" Funde geborgen, so daß eine Rettungsgrabung vor Baubeginn geplant und begonnen wurde. Auf dem hochliegenden Sandrücken westlich der Ems, an dessen Nordende die Stadt Weener gegründet wurde, siedelten sich immer wieder Menschen an. Die Ausgrabung sollte herausfinden, in welchen Zeitstufen das geschah und welche Spuren sie hinterließen, bevor auch der Rest der Siedlungsfläche den Aussandungen und der Bebauung zum Opfer fiel.

Bisher ist ein Areal von etwa 1700 qm Fläche freigelegt worden, wobei 25 Siedlungs-, 173 Pfosten- und 6 Grabgruben entdeckt wurden. Sie gehören alle in die späte Bronze- und in die frühe vorrömische Eisenzeit. Eine Fülle von Tongefäßscherben, Kochsteinen und einige Steingeräte fanden sich in den Siedlungsgruben. Von den sechs Grabgruben enthielten vier Urnen und zwei nur Leichenbrand. Eine Urne konnte unzerstört geborgen werden, während die anderen durch die mittelalterliche und neuzeitliche Beackerung stark beschädigt worden waren. Einige der entdeckten Pfostengruben gruppierten sich symmetrisch zu zwei Gebäudegrundrissen, die NW-SO ausgerichtet waren.

Die Bedeutung der Ausgrabung liegt nicht nur in der Dokumenta­tion und Fundbergung dieser urgeschichtlichen Siedlung, sondern auch im späteren Vergleich der Befunde mit denen der zeitgleichen Siedlungen der Emsflußmarsch bei Jemgum und Hatzum. Damit erhält die Urgeschichtsforschung einen bedeutsamen Einblick in die Wirtschaft und in die Siedlungsstruktur gleichzeitiger Siedlungen auf der Geest und in der Marsch.

 

 

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