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Landschaft von Ostfriesland
Fundchronik 1990 |

Fundchronik 1990

 

Ostfriesische Fundchronik
Emder Jahrbuch Bd. 71, 1991

 

Aurich FStNr. 2510/3: 81, Stadt Aurich, Ldkr. Aurich
Stadtgrabungen

Im August begannen die Ausgrabungsarbeiten im Innenstadtgebiet östlich des Marktplatzes. Diese Maßnahme wird von der Stadt Aurich getragen und von der Arbeitsverwaltung maßgeblich finanziert.

Die Untersuchung begann im geplanten Zufahrtsweg eines Parkplatzes hinter dem Knodt'schen Haus, wo insgesamt vier Grabungsschnitte angelegt wurden. Die Ergebnisse bestätigen diejenigen, die bereits im Jahr 1988 auf benachbarten Grundstücken gewonnen wurden. Unter einer 1 m mächtigen humosen Deckschicht waren nur punktuell Reste einer Siedlungsschicht des 13. bis 15. Jh. erhalten geblieben. Großflächige neuzeitliche Störungen (Abfallgruben und Fundamentgräben) lagen dicht an dicht und reichten im Untersuchungsgebiet bis an die Häuserzeile der Burgstraße heran. Die Abfallgruben bargen eine große Menge an Kulturschutt der letzten 300 Jahre. Die eigentlichen Grabungsziele werden im kommenden Jahr verfolgt, wenn in dem Innenstadtbereich zwischen Marktplatz und Kirchstraße die Schnitte nach archäologischen Gesichtspunkten angelegt werden können.

W. Schwarz

 

Rahe FStNr. 2510/5: 1, Stadt Aurich, Ldkr. Aurich
Upstalsboom

Der Arbeitskreis Vorgeschichte begann mit einer Untersuchung des Upstalsboom-Hügels, der Versammlungsstätte der Friesen im späten Mittelalter. Es sollte mit einem Grabungsschnitt der Frage nachgegangen werden, ob es sich beim Upstalsboom um einen Grabhügel handelt, der im frühen Mittelalter angelegt worden war. Diese Hypothese hatte W.Schwarz aufgestellt und mit den Berichten von C.B.Meyer und F.Peterssen begründet, die von Funden bei der Errichtung eines hölzernen Denkmals 1815 und beim Bau der Steinpyramide 1833 berichteten. [W.Schwarz, Die Altfunde vom Upstalsboom-Hügel (Stadt Aurich/Ostfriesland) und die frühmittelalterlichen Bestattungen mit Waffenbeigabe in Ostfriesland. In: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 51, 1982, S. 81 - 99.]

Östlich der Steinpyramide wurde ein dreizehn Meter langer und ein Meter breiter Schnitt angelegt, der bis zum Hügelfuß reichte. Der gewachsene Sandboden steht bei ~ 5 m über Normal Null an, und der Hügel erreicht heute eine Höhe von + 6,8 m über Normal Null. Die gesamte Hügelaufschüttung war durch neuzeitliche Grabungen weitgehend geschädigt, so daß keine Funde in ungestörten Schichten zu Tage kamen. Im Profil des Schnittes 1 ließen sich verschiedene Schichten erkennen: zuoberst die Auftragung von Baggergut aus dem Auricher Hafen 1960; darunter die Baugrube und der Aushub für die Pyramide 1833; eine Eingrabung für einen Pfosten des hölzernen Denkmals 1815 sowie weitere neuzeitliche Gruben.

Die Funde von Leichenbrandresten, frühmittelalterlichen Tongefäßscherben und der Fund einer eisernen Schnalle bestätigen die Hypothese, daß der Upstalsboom im frühen Mittelalter, im 8. und 9. Jahrhundert, als Begräbnis­stätte - vermutlich für sozial herausragende Personen - gedient hat.

W. Schwarz

 

Ludwigsdorf FStNr. 2510/9: 15, Gemeinde Ihlow, Ldkr. Aurich
Zisterzienserkloster

Bei der Bearbeitung des Grabungsberichtes der Jahre 1983-1986 stellte sich immer wieder die Frage, wie die einzelnen Bauabschnitte der Klosterkirche zu datieren seien. Da archäologische Funde in den Schichten des Kirchhügels fehlen, sollten Holzproben zur Datierung gezielt entnommen werden. Bei der Anlage der Schürflöcher stellte sich heraus, daß es sinnvoll ist, sie zu kleineren Grabungsschnit­ten, Nr. 24 und 25, zu erweitern.

Im Grabungsschnitt 24 - im Südteil des Querschiffes - konnten alle Bodenschichten des Kirchhügels und damit die Bauvorgänge erfaßt und dokumentiert werden. Von seinem Ostprofil wurde ein Lackabzug zur Dokumentation der Bodenschichten angefertigt. Sechs Bestattungen wurden in dem Grabungsschnitt freigelegt, sie lagen in drei Schichten in O-W-Richtung übereinander und hatten keine Beigaben erhalten, bei einer Bestattung fanden sich die Reste eines geknoteten Ledergürtels. Die Leichen waren mit zwei oder drei Totenbrettern bedeckt worden, die oben und unten mit Querhölzern verbunden waren. Sechs Holzproben konnten von dem Dendrochronologischen Labor Dr. Leuschner in Göttingen datiert werden, weil die Proben genügend Jahresringe aufwiesen. Sie belegen den Zeitraum zwischen 1234±6 und 1256±6 AD.

Der Grabungsschnitt 25 lag im Norden des Kirchhügels und reichte von der Nordmauer des Langhauses bis zum Beginn des Nordabhanges des Kirchhügels. Auch im Norden der Kirche konnten die charakteristischen Bauphasen der Kirche erkannt und beschrieben werden. Es wurden drei Horizonte angetroffen, von denen aus Gräber eingetieft worden waren. Das Grab 6 gehört zu der ersten Belegungsphase von dreien in diesem Schnitt und konnte durch die Totenbretter auf das Jahr 1270 ±6 Jahre datiert werden.

Aufgrund der Dendrodatierungen kann der Schluß gezogen werden, daß die von Emmius für das Jahr 1228 überlieferte Weihe des Klosters Ihlow zutreffend ist. Ohne der endgültigen Auswertung der Grabungsbefunde vorgreifen zu wollen, kann angenommen werden, daß der ergrabene Kirchengrundriß in Teilen erst im späten 13. oder gar im 14.Jahrhundert fertiggestellt wurde. Nunmehr stellt sich die Frage, ob und wo ein Vorgängerbau gestanden hat.

W. Schwarz

 

Engerhafe, Gemeinde Südbrookmerland, Ldkr. Aurich, 
Untersuchung in der Engerhafer Meede
FStNrn 2509/3:11; 2509/3:12; 2509/6:1 (Uthwerdum); 2509/2:35; 2509/2:9 (Upgant-Schott).

Anknüpfend an die im vorangegangenen Jahr durchgeführten Voruntersuchungen wurden Warften und alte Deichlinien in der Engerhafer Meede untersucht. Das Untersuchungsgebiet wird im Osten durch den über Georgsheil, Engerhafe, Upgant-Schott bis nach Norden verlaufenden oldenbur­gisch-ostfriesischen Geestrücken, im Norden durch einen Wasserlauf, die "Maar", im Westen durch die "Abelitz" und das "Alte Greetsieler Sieltief" und im Süden durch die Bundesstraße 70 begrenzt.

In diesem Gebiet treten folgende fünf Bodentypen auf: Am südwestlichen Rand des Geestrückens Moormarschböden, die dann nördlich des Haupt-Meedweges in Flußmarschböden übergehen. In westlicher Richtung folgen Übergangs-Brackmarschböden, die sich westlich der Abelitz weiter fortsetzen. Im Gebiet der Übergangs-Brack­marschböden liegen, gleichsam inselartig, zwei Flächen knickige und Knick-Brackmarschböden. Eine dieser Flächen legt sich um die Hofstelle "Beer", die zweite um die Wegekreuzung Haupt-Meedweg/Quadfennenweg. In diesem Bereich stößt dieser Bodentyp unmittelbar an die Moormarsch (s.o.). Im südwestlichen Bereich reicht eine Zunge mit Seemarschböden in das Untersuchungsgebiet bis zur Hofstelle "Amerland" hinein.

Dieses Gebiet wurde deshalb ausgewählt, weil sich hier noch zahlreiche Warften und mittelalterliche Deichlinien befinden, die mit dem bloßen Auge erkennbar sind. Auch liegt in diesem Gebiet der weiteste südöstliche Vorstoß der mittelalterlichen Leybucht. Es ergibt sich somit die Möglichkeit, den Ablauf der Besiedlung im Zusammenhang mit dem mittelalterlichen Einbruch der Leybucht zu untersuchen. Die Untersuchungen werden von folgenden Frage­stellungen geprägt:

1. Klärung der Anfänge des Deichbaus. Durch Anbindung der noch vorhandenen Deichlinien an die zu untersuchenden Warften soll die relative und - wenn möglich - die absolute zeitliche Abfolge der Ein- bzw. Ausdeichung geklärt werden. Weiterhin sollen Standard­profile von Deichen erstellt werden, um u.a. die an der Oberfläche nicht mehr sichtbaren Deichlinien durch Bohrungen verfolgen zu können.

2. Kartierung der noch vorhanden Deiche, da diese durch Erosion und durch die Umwandlung von Grasweiden in Ackerflächen zunehmend zerstört werden sowie Entdeckung und Kartierung aller Siedlungsstellen.

Vorläufig können folgende Ergebnisse mitgeteilt werden: Ein Bodenaufschluß der Warft 1 (2509/3:11) ergab mindestens drei Auftragsschichten. Hierbei wurde an Hand der gefundenen Keramik festgestellt, daß die auf der Mooroberfläche aufgebrachte erste Auftragsschicht mit einem Niveau von -0,36 m NN aus dem 11. Jahrhundert stammt. Diese Schicht wird von den weiteren Auf­tragsschichten bis zu einer Höhe von +1,97 m NN überlagert.

Die Untersuchung der Warft 2 (2509/2:12) ergab einen Siedlungsbe­ginn im 12. Jahrhundert auf einem Niveau von -0,6 m NN, dem minde­stens drei weitere Auftragsschichten im 13. Jahrhundert folgten. Im Unterschied zu Warft 1 liegt die erste Auftragsschicht auf einer natürlich abgelagerten Kleischicht von 0,5-0,7 m Mächtigkeit, die über dem Moor abgelagert worden war. Die Warft 3 (2509/6:1) wurde während Kabelverle­gungsarbeiten untersucht. Die erste, 0,3 m mächtige, Auftrags­schicht liegt direkt auf der Torfoberfläche, die in der Warftmitte eine Höhe von -0,15 m NN erreicht. Über der ersten Auftragsschicht liegen noch zwei Auftragsschichten, wobei die zweite aufgrund der gefundenen Keramik in das 12. Jahrhundert datiert werden kann. Da bei den Untersuchungen ausschließlich hochmittel­alterliche Keramik gefunden wurde, muß die Besiedlung der drei Warften im Spätmittelalter aufgegeben worden sein.

Durch Feldbegehung wurde eine, vermutlich eingeebnete, Warft entdeckt. Auf dieser Warft 4 (2509/2:35) wurden spätmittelalterliche Tonscherben aufgelesen. Vergleichbar mit der Aufreihung der Fundstellen, die 1989 auf dem Westufer der Abelitz entdeckt wurden, deuten diese Fundstellen auf eine bislang unbekannte Siedlungsreihe in dem Untersuchungsgebiet hin. Die Aufgabe dieser Siedlungsplätze im Spätmittelalter hängt möglicherweise mit dem Einbruch der Leybucht zusammen. Dieser Frage und der zeitlichen Bestimmung der Deichlinen sowie ihre Kartierung soll im nächsten Jahr weiter nachgegangen werden.

A. Weers

 

Emden FStNr. 2609/1: 22, Stadt Emden
Große Kirche

Die Ruine der Großen Kirche in Emden zu einem Kultur- und Studienzentrum auszubauen, gab den Anlaß, vorher eine archäologische Untersuchung durchzuführen. Sie wurde von der Stadt Emden mit Hilfe der Arbeitsverwaltung durchgeführt. Sie soll die Bauphasen der Großen Kirche und ihrer Vorgänger entdecken und einen Beitrag zur Geschichte der Stadt Emden leisten.

Die architektonische Untersuchung der Großen Kirche von J. Höpken 1895 und die Grabungen in ihrem Innenraum von Haarnagel 1953 und insbesondere die Grabung 1990 haben es ermöglicht, neun Bauphasen nachzuweisen. Im westlichen Teil der Ruine zeichnete sich durch Holzpfosten eine Holzkirche ab, die vermutlich ins 9./10. Jahrhundert datiert werden kann. Außerdem wurden wieder Teile einer einschiffigen romanischen Kirche des 12./13. Jahrhunderts freigelegt. Auf ihren Resten entstand die Kreuzkirche des 13./14. Jahrhunderts. Sie erfuhr verschiedene Ausbauphasen durch den Zuzug von Immigranten im 16./17. Jahrhundert, welche auch für eine rasche Stadtentwicklung sorgten.

Bei der Grabung 1990 wurden vier Fußböden entdeckt, die aus Backsteinen und Fliesen angefertigt worden waren und der Zeit zwischen der Errichtung der Kreuzkirche und den folgenden Erweiterungen bis ins 19. Jahrhundert zuzuweisen sind.

Darüber hinaus hat die Grabung über 5000 Kleinfunde erbracht, die offenbar mit dem Erdmaterial aus dem Stadtbereich in den Kirchenraum während der jeweiligen Bauarbeiten gelangten. Die Funde haben eindeutig Siedlungscharakter: Fragmente neuzeitlicher und mittelalterlicher Keramik (darunter Pingsdorfer Ware), Bruchstücke von Tonpfeifen, Nadeln, Knöpfe, Fingerhüte, Brillengläser, Wetzstein- und Griffelfragmente, Eisennägel, Tierknochen und vieles mehr.

Es wurden 230 Münzen gefunden, deren Prägezeit vom 15. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts reicht. Unter ihnen gibt es zahlreiche Stücke Emder Prägung. Einige Münzen werden für die präzise Datierung der Bauphasen von Bedeutung werden. Es wurde auch ein Münzstück gefunden, das vermutlich orientalischer Herkunft ist. Die Münzen weisen auf die Kontakte Emdens mit dem Ausland hin.

Im untersuchten Areal der Großen Kirche wurden über 1600 verschiedene Baumaterialien geborgen, darunter Back-, Tuff- und gelbe Tuffitsteine, glasierte oder unglasierte Fliesen verschiedenster Form, Dachziegel und Kalksteinplatten. Sie zeugen von intensiven Baumaßnahmen in der Großen Kirche und ihre Vielfalt läßt vermuten, daß sie aus verschiedenen Gegenden des Emder Umlandes, vielleicht aus zerstörten oder verfallenen Bauten, stammen.

Die Belegungszeit des Friedhofes ist mit großer Wahrscheinlichkeit bis ins 9. Jh. zurückzuführen. Darauf könnte die 1953 gefundene Kreuzscheibenfibel hinweisen. Der Grabungsbefund des Jahres 1953 zeigte außerdem, daß Bestattungen auch noch bis zu einer Tiefe von ‑0,5 m NN auftreten. Die im Jahre 1990 erfaßten 60 Bestattungen in Holzsärgen sind in den Schichten bis zu einer Tiefe von +0,9 m NN angetroffen worden und deuten auf mehrere Belegungsphasen des Friedhofes hin. Ein interessanter Fund ist die ganz erhaltene romanische Grabplatte aus gelbem Sandstein mit Kreuzdarstellung. Sie wurde in einer Tiefe von +1,0 m NN gefunden. In dieser Schicht befand sich auch ein auf einen Sarg gestelltes Holzfaß, welches mit Fischgräten, Knochen, einem Obstkern und Bauschutt gefüllt war und wahrscheinlich als Abfallbehälter für die Bauarbeiten im nördlichen Seitenschiff der Kirche diente.

C. Rytka

 

Hesel FStNr. 2611/9:10-8, Gemeinde Hesel, Ldkr. Leer
Prämonstratenserkloster Barthe

Im Bereich der ehemaligen Klosterkirche wurden die Arbeiten in zwei großen Abschnitten beendet. Frühere Beobachtungen zu ihrer Baugeschichte wurden dadurch im wesentlichen verifiziert. So konnte ein bereits im Vorjahr angeschnittener älterer Bestattungshorizont ansatzweise untersucht werden. Diese sarg- und beigabenlosen, mit dem Kirchenbau leicht von der W-O-Achse abweichenden Gräber wurden zum Teil von dem Fundamentgraben des Chorraumes der Backsteinkirche geschnitten. Ihre Grabgruben waren mit einem bunten Sandgemisch verfüllt, das keine Einschlüsse von Ziegelstücken oder Kalkmörtel enthielt. Kleinräumig konnte noch ein, sie überlagernder, alter Oberflächenhorizont ausgemacht werden, der diese Bestattungen als ehemals außerhalb eines Gebäudes liegend und damit als zum Friedhof der mutmaßlichen Holzkirche gehörig ausweist.

Somit ist gesichert, daß die spätere Backsteinkirche gegenüber ihrem Vorgänger eine erhebliche Erweiterung nach Osten erfuhr. Im Chorbereich konnte allerdings kein Hinweis auf den weiter westlich dokumentierten Brandhorizont gefunden werden, wodurch die genannte Erweiterung jetzt allein der letzten Bauphase zugeordnet werden könnte. Dies muß aufgrund der starken, meist vom Abbruch herrührenden Störungen in einem weiteren Schnitt noch überprüft werden. Gleichzeitig ist die nördliche Ausdehnung des älteren Bestattungshorizontes zu ermitteln, um seine Zugehörigkeit zur Holzkirche endgültig sicherzustellen.

Während die Untersuchungen an dem Wirtschaftsgebäude mit Ofenanlage fortgesetzt wurden, konnte ein gut 200 qm großer Abschnitt im Bereich der mutmaßlichen Nordwestecke des Klausurbaues angelegt werden. Hier kam bisher eine mehr als 6 m lange, kompakte Feldsteinlage auf einem Fundamentgraben zutage. Sie verläuft annähernd S-N, rechtwinklig schließt sich nach Osten eine Backsteinrollschicht an. Dieser bisher umfangreichste Baubefund blieb nur erhalten, weil das Gebäude abbrannte und wieder überbaut wurde. Der neuere Bau griff weiter nach Westen aus, repräsentiert nach dem jetzigen Kenntnisstand aber noch nicht die letzte Bauphase. Standspuren weiterer S-N verlaufender Wände lassen Informationen über die Innenaufteilung erhoffen. Zudem wurde eine zisternenartige Anlage aufgedeckt, die durch eine aus Backsteinen gesetzte Zuleitung gespeist wurde.

Die Anzahl der bisher geborgenen Fundstücke hat sich beträchtlich erhöht. Derzeit liegen weit über 30 000 Keramikscherben vor (60 % Mittelalter, 40 % Neuzeit). Aus dem Wohn- und Wirtschaftsbereich konnten einige Werkzeuge und Gegenstände des täglichen Gebrauchs (Knochenkämme, Pinzette, Nadeln u.a.) gesichert werden. In der Bauschicht des neuzeitlichen Kellers wurde eine Kette aus Knochenperlen sowie auf der Sohle einer der dazugehörigen Pfostengrube ein noch nicht restauriertes Geflecht aus Knöpfen und Drähten auf Leder und Stoffresten (Ziergürtel?) gefunden. Bemerkenswert ist die Auffindung eines griffelartigen Bronzestabes mit figürlicher Darstellung. Eine Baugrube im Kircheninnern lieferte zudem ein kleines Glöckchen. Abschließend sei festgehalten, daß ein dendrochonologischer Datierungsversuch von Eichenholzproben aus dem im Vorjahr aufgedeckten Brunnen leider fehlschlug, weil die Anzahl der Jahresringe nicht ausreichte. Zur Fixierung absolutchronologischer Eckdaten stehen derzeit lediglich zwei Münzen zur Verfügung. Eine davon datiert in die Zeit um 1400, die andere ist noch unbestimmt.

R. Bärenfänger

 

Uttel FStNr. 2412/2: 64, Stadt Wittmund, Ldkr. Wittmund
Hoch- und spätmittelalterliche Burgstelle

Der Arbeitskreis Archäologie der Heimatvereine des Ldkr.es Wittmund hat seine Untersuchung auf der Burgstelle Uttel, die in der frühen Neuzeit geschleift wurde, fortgesetzt. Nunmehr sollten die Reste eines Ziegelbaues freigelegt werden, der im ersten Grabungsschnitt entdeckt worden war. Am Ende des Schnittes 1 wurde deswegen eine Fläche von etwa 9 mal 6 m eingemessen und untersucht (Schnitt 3). Dabei wurden sowohl in der Fläche als auch in den Profilen zwei Bauphasen unterschieden, die von einer mächtigen Kultur- und Ackerschicht bedeckt sind. Zur Arbeitserleichterung wurde letztere mit dem Bagger abgetragen und sodann mehrere Plana angelegt.
In der Fläche zeigte sich die Fundamentierung der Ostmauer und die Südostecke eines Baues aus Ziegelsteinen. Das Haus maß etwa 6,5 m quer und 8 m längs innen, bzw. etwa 8 und 9,5 m außen. Diese Maße entsprechen gut denen anderer Steinhäuser des 13./14. Jahrhunderts. Darunter befanden sich Spuren einer älteren Schicht, deren Erdschichten keine Ziegel- oder Mörtelkrümel aufweisen. Eine Deutung der langen, schmalen und flachen Gräbchen, die mit humoser Erde gefüllt sind und immer in derselben Richtung wie die Mauerfundamente verlaufen, konnte noch nicht gefunden werden. Im Osten des Grabungsschnittes zeichnete sich der Rand eines Grabens ab, der zur Befestigung der gesamten Anlage gedient haben kann. Bohrungen sind nötig, um seinen weiteren Verlauf zu bestimmen.

W. Schwarz

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