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Landschaft von Ostfriesland
Fundchronik 1987 |

Fundchronik 1987

 

Ostfriesische Fundchronik
Emder Jahrbuch Bd. 68, 1988

 

Aurich, Stadt Aurich 

Burganlage der Tom Brook (2510/3:56 – 5)

Von Mai bis November 1987 bestand die Möglichkeit, die 1986 begonnene Grabung an der Burgstraße, nördlich des Kriegerdenkmals von 1870/71, fortzusetzen. Die Ausgrabung wurde wieder von der Stadt Aurich unter wissenschaftlicher Leitung der Ostfriesischen Landschaft durchgeführt. Rechtwinklig zum Schnitt 2 des Vorjahres entstand parallel zur Burgstraße ein neuer Schnitt von 14 m Länge. Zwei kleinere Schnitte wurden östlich der Post sowie östlich des Denkmals angelegt. Der gewachsene Boden, bestehend aus gelbem Sand, steht bei +4,60 m NN an (d. h. ca. 2 m unter der heutigen Oberfläche). Aufgrund der Podsolierung der Sandschichten bestand die ursprüngliche Bedeckung des Bodens in diesem Gebiet aus Heide. Die bereits 1986 festgestellten Gräben des 13. Jh. sind weiter untersucht worden, so daß eine rechtwinklige Anlage zu rekonstruieren ist. Außerdem gibt es Beweise einer Siedlungstätigkeit im 15. Jh. Die bereits untersuchte Steinpflasterung kann neuer Befunde wegen als Rest eines umfriedeten Platzes gedeutet werden. Aus der gleichen Zeit stammt ein Brunnen, welcher in den gewachsenen Lehm eingegraben und mit Torfsoden aufgebaut worden ist. Eine Brandschicht am Boden des Brunnens und die Verfüllung mit Bauschutt lassen einen Zusammenhang zum Stadtbrand von 1514 vermuten.

In einer weiteren Schicht, ca. 50 cm unter dem heutigen Niveau, kamen Mauerreste und Pflasterungen des 17. Jh. zutage. Es spricht alles dafür, daß es sich hier um die Überreste des westlichen Stadttores (Leytor), um Mauern sowie um einen gepflasterten Weg des Schloßvorplatzes handelt. 1987 konnten die Ergebnisse der Ausgrabung 1986 bestätigt und in mancher Hinsicht erweitert werden. Es darf davon ausgegangen werden, daß hier der Bereich zwischen der Tom-Brookschen Burg und der damaligen Stadt freigelegt wurde, wobei eine vorburgartige Anlage anzunehmen ist. Die jüngere Bebauung des Geländes zeigt den Verlauf des von Westen in die Stadt führenden Weges mit der Brückenbefestigung des Stadtgrabens. Es bleibt zu vermuten, daß sich die Hauptburg westlich der Grabungsflächen befunden hat.

 

 

3. Mittelalterlicher Siedlungsplatz am Großen Meer (2509/9:4)

Im südlichen Teil des ”Großen Meeres” wurden Reste von mindestens 104 mittelalterlichen Gefäßen gefunden. Sie lagen – nach Aussagen der Finder – etwa einen Meter unter der heutigen Wasseroberfläche in eingetieften Gruben, die mit Schlamm gefüllt waren. Eine genaue Einmessung der Fundstelle erfolgte noch nicht. Außer heimischer Kugeltopfware kamen auch eine fast unversehrte Amphore pingsdorfartiger Ware mit Resten von Bemalung, ein kleiner Topf Paffrather Ware sowie bearbeitete Hölzer, ein Webschiffchen und Teile eines Wagenrades zutage. Im Vergleich der Kugeltöpfe aus dem Großen Meer mit denen aus Grabungen in Emden und Groothusen zeigt sich, daß die Tonware ins 9. bis 13. Jh. datiert.

 

 

4. Grabung der Burgstelle ”Dachsberg” (2510/9:18)

Im Ihlower Forst liegt der Rest einer Turmhügelburg, die typologisch ins 11./12. Jahrhundert datiert werden kann. Damit stellt sich die Frage, ob eine landesherrliche Befestigung und eine Besiedlung dieses Raumes vor der Landnahme der Zisterzienser Anfang des 13. Jh. vorhanden war. Mit Forschungsmitteln des Landes Niedersachsen sind zunächst Testschnitte gelegt worden, die ein mehrphasiges Grabensystem erkennen lassen, welches im 13. Jh. aufgegeben wurde. Darüber hinaus zeigten sich Siedlungsspuren, wie Pfostengruben und Brunnenschächte, die von einer dauerhaften Bewohnung des Areals zeugen.

Die älteste Schicht (= Phase) wird von muschelgrusgemagerter Kugeltopfware ins frühe Mittelalter datiert. Danach erfolgte ein weiterer Ausbau, welcher möglicherweise zu der Anlage der Turmhügelburg führte. Diese Frage können nur weitere archäologische Untersuchungen beantworten, die für das Jahr 1988 geplant sind.

 

 

5. Siedlungsgeschichte des Riepster Hammrichs

Im Sommer 1987 wurde eine kleinere archäologische Untersuchung im Riepster Hammrich unternommen. Es wurden über einige Warften Bohrriegel gelegt und Schürflöcher gegraben. Diese Untersuchungen ergaben bisher, daß die Besiedlung des Riepster Hammrichs kein einheitlicher Vorgang war, der das gesamte Gebiet in gleichem Maße zur gleichen Zeit erfaßte. Im Nordwesten der Gemarkung gibt es Siedlungsspuren aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, möglicherweise auch aus dem 9./10. Jh. Die mittlere Reihe war im 12./13. besiedelt. Das im Süden isoliert gelegene Grovehörn weist früheste Siedlungsspuren aus dem frühen 17. Jh. auf. Für die im Mittelalter besiedelten Plätze konnte keine Siedlungskontinuität bis in die Neuzeit nachgewiesen werden. Es muß entweder mit einem Abbruch der Besiedlung im hohen Mittelalter gerechnet werden oder es liegt eine Fundlücke vor. Der Zeitpunkt der Wiederbesiedlung konnte archäologisch nicht nachgewiesen werden.

Das Studium der Literatur, der Akten und historischer Kartenwerke hat ergeben, daß an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit eine Besiedlung festzustellen ist. Wahrscheinlich geht eine Wiederbesiedlung für einen Teil des Riepster Hammrichs von der Oldersumer Herrschaft aus und erfaßt somit den Süden der Gemarkung. Der Norden dagegen hat deutlich andere Strukturen und offensichtlich eine andere Geschichte. Für das Jahr 1988 sind weitere Untersuchungen – vor allem im Nordosten des Riepster Hammrichs – vorgesehen, da für den gesamten Abschnitt zwischen Capelle und Riepster Grenze noch keine Aussagen gemacht werden können.

 

 

6. Früh- und hochmittelalterliche Siedlung in Hollen (2712/4:16)

Im Grabungsjahr 1987 wurde auf einem Geestsporn, der die 3 m-Höhenlinie überragt, eine Fläche von ca. 0,6 ha abgedeckt und archäologisch dokumentiert. Im Umfeld fällt das Gelände bis auf + 2,5 m NN ab, so daß vor der Melioration das Abfließen des Oberflächenwassers in westlicher Richtung vorgegeben war. Auf dem Niveau von + 2,4 m NN kommen vereinzelt Gruben und Siedlungsstrukturen der römischen Kaiserzeit zutage. Die höhergelegenen Stellen dagegen weisen Siedlungstätigkeiten überwiegend des 9., 10. und 11. Jahrhunderts und weniger des 12. und 13. Jh. auf. Insgesamt gibt es nach dem derzeitigen Bearbeitungsstand über 800 Bodenverfärbungen. Bei der Grabung kamen fünf fast vollständige Hausgrundrisse verschiedenen Typs und weitere Siedlungsstrukturen wie Speicher, Zäune und Brunnen zutage. Von zwei weiteren Gebäuden wurden Hausteile freigelegt. Die Häuser weisen eine Breite von ca. 8-9 m und eine Länge von 20 – 30 m auf. Im nordwestlichen Bereich der Grabungsfläche wurden die Pfostengruben einer Ständerreihe freigelegt. Die Gruben beinhalten neben dem üblichen Füllmaterial Lehmbröckchen mit Spuren von Eisenoxydation und schwach gebrannte Lehmkrümel. Ca. 5 m in nördlicher Richtung verläuft ein Wall, der die Grenze zwischen zwei Flurstücken bildet. An einer unbewachsenen Stelle wurde ein Wallschnitt angelegt. Im Profil konnte ein Laufhorizont erkannt werden, der Spuren des gleichen Materials aufweist, wie sie auch in den o. g. Pfostengruben vorkommen. Diese Oberfläche des ehemaligen Hausbodens liegt bei + 2,8 m NN. Bei den fünf Hausgrundrissen und den beiden Teilgrundrissen sind nur zwei Brunnen angetroffen worden. Das ist bemerkenswert, weil die Grabung des Vorjahres einen Brunnen pro Hausplatz ergab. Der jüngere Brunnen, der in den älteren einschnitt, enthielt einen Einbau aus Holz in Kastenform. Die Hölzer sind allseitig bearbeitet worden und greifen an den Ecken auf Gehrung zusammen. Der Boden des Brunnens besteht aus Eichenbrettern, die Bohrungen von etwa 3 cm Durchmesser aufweisen. Diese Hölzer befinden sich mit ziemlicher Sicherheit in sekundärer Verwendung. Der Brunnen lieferte leider keine datierbare Keramik. Spuren eines alten Wall- und Grabensystems überdecken die o. g. Siedlungsreste des frühen und hohen Mittelalters. Wahrscheinlich entstanden diese Wölbäcker, als sich die Siedlung mehr und mehr auf den Höhenrücken des jetzigen Dorfes Hollen verlagerte. Die Gräben verlaufen leicht gebogen über den Höhenrücken und schaffen durch ihren Abstand voneinander eine Ackerbreite von 9 – 11 m. Auffallend ist, daß nach beiden Seiten ein Gefälle vorhanden ist. Am Rande dieses Höhenrückens ist ein Ringgraben angelegt worden, der das anfallende Wasser in niedriger gelegene Flächen nach Süden ableitete.

 

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