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Landschaft von Ostfriesland
Fundchronik 1986 |

Fundchronik 1986

 

Ostfriesische Fundchronik
Emder Jahrbuch Bd. 67, 1987

 

Zusammengestellt von Wolfgang Schwarz und Renate Schwarz und Renate Stutzke
mit Beiträgen von Johannes Ey, Hans Janssen, Werner Kitz, Arnold Weers und Emil Wiese.

 

Landkreis Aurich

1. Aurich, Stadt Aurich
Burganlage der Tom Brook
FSt 2510/3: 31 u. 56
Die Grabung der Stadt Aurich wurde mit Unterstützung der Archäologischen Landesaufnahme der Ostfriesischen Landschaft von Mai bis Oktober 1986 durchgeführt.
Es sollten mit dieser Grabung Anhaltspunkte für den Standort der 1430 geschleiften Tom Brookschen Burg gefunden werden. Mit insgesamt vier Suchschnitten wurde in diesem Jahr ein Teil des infrage kommenden Geländes abgedeckt.
Es konnte dabei anhand von Keramikfunden eine kontinuierliche Siedlungstätigkeit seit dem 13. Jh. in diesem Gebiet nachgewiesen werden. Verschiedene Gräben, die dieser Zeit zuzuordnen sind, können als zu einer Befestigungsanlage zugehörig gedeutet werden. Die Verfüllung dieser Gräben und die Anlage weiterer und tieferer Gräben belegen eine Verstärkung der Verteidigungsanlagen.
Durch die Funde von Mauerwerk, Steinpflasterungen und einer Brandschicht, in der sich Eisengerätschaften und Schlacke befanden, kann für die Zeit des 15. Jh. in diesem Bereich ein umfriedeter Bezirk, evtl. mit einer Schmiede, vermutet werden.
Es ist somit gelungen, einen Einblick in die Stratigraphie dieses Geländes zu erhalten, wobei die vier Suchschnitte weitere Anhaltspunkte für die Lokalisierung der Burgstelle erbracht haben. Die gleichzeitigen Siedlungsspuren weisen auf eine entsprechende Nutzung des untersuchten Areals hin. Sie sprechen nicht gegen die bekannte Lokalisierung der Burg beim Piqueurhof.  (E. W.)

 

2. Aurich, Stadt Aurich
Münzfund

FSt 2510/3: 61
In der Nürnburger Straße wurde ,,vor einigen Jahrzehnten" ein kleines mittelalterliches Gefäß (Siegburger Keramik) mit abgebrochenem Hals mit 8 Silbermünzen, ,,Dicke Penning" ohne Jahrgang, gefunden. Diese Münzen wurden von Enno II. (1528-1540) ab 1530 geprägt und stellten in Ostfriesland einen gebräuchlichen Wert dar. 
FV: OL

 

3. Bedekaspel, Gemeinde Südbrookmerland
FSt 2509/6: 16
Beim Surfen auf dem Großen Meer gef.:
Rand- und Wandungscherben von mindestens 16 verschiedenen mittelalterlichen, z.T. muschelgrusgemagerten Gefäßen sowie Wandungsscherben von Importgefäßen (Pingsdorfer/Bardorfer Ware). Darüber hinaus wurden Lehmestriche bemerkt.
F, FM: Arnold Weers, Aurich 
FV: AL

 

4. Eilsum, Gemeinde Krummhörn
Mittelalterliche bis neuzeitliche Warft in Uiterstewehr
FSt 2508/3:6-2
Der Bodenaufschluß in einer Baugrube in Uiterstewehr hat gezeigt, daß an dieser Stelle erst im ausgehenden 12. oder im 13. Jahrhundert mit der Aufschüttung einer Warft begonnen wurde. Im 15. Jahrhundert erreichte die Warft durch eine zweite Auftragschicht bereits eine Höhe von l,5 m über dem anstehenden Kleiboden. Das Haus dieser Besiedlungsperiode ist offenbar abgebrannt. Noch zweimal haben Auftragsschichten die Warft erhöht, einmal im 17. Jahrhundert um 80 cm und später noch einmal um 50 cm, so daß die Gesamtauftragshöhe 2,8 m beträgt.
Erstmals in Ostfriesland können damit die Archäologen dem spätmittelalterlichen bis neuzeitlichen Warftbau belegen. Die bisher älteste Warftbauperiode Ostfrieslands datiert ins 1. bis 3. Jahrhundert nach Christi Geburt. Die zweite Periode gehört ins Mittelalter und nimmt den Zeitraum vorn 7. bis 13. Jh. ein.
Besonders im 13. Jh. sind viele Warften noch einmal erhöht worden. Dann endete die Erbauung - so glaubte man - weil nun die Deiche den Schutz vor dem Seewasser übernommen hatten.

 

5. Ludwigsdorf, Gemeinde Ihlow
Zisterzienserkloster Ihlow
FSt 2510/9: 15
Seit Abschluß der Ausgrabungen, also der "Feldarbeit" auf dem Gelände des Zisterzienserklosters in Ihlow1985, besteht die Hauptaufgabe darin, den Grabungsbericht abzuschließen sowie die Ergebnisse und Befunde zusammenzufassen. Daneben fanden 1986 weitere Bohrungen auf dem Klostergelände statt, um die Altlandschaft zu rekonstruieren und vor allem den Verlauf der natürlichen Gewässer zu erschließen. Im Zuge der Bauarbeiten des Klosters wurde der Bach vermutlich umgeleitet und diente der Klosteranlage zu Kanalisationszwecken.

Mit Hilfe eines AB-Projektes begannen im Gelände die Arbeiten, den ausgegrabenen Kirchengrundriß, also den Verlauf der Mauem und die Grundrisse der Pfeiler, mit Ziegelsteinen auszulegen. Damit erhalten die Bürger die Möglichkeit, sich an Ort und Stelle eine Vorstellung von der Gestalt und Größe der Klosterkirche zu machen.
Zum Jahresende begannen die Vorbereitungen zu einer Ausstellung über die in Ihlow gefundenen Fliesen, die zunächst im Niedersächsischen Landtag und später in der Gemeinde Ihlow gezeigt werden soll.
Die Studien von F. J. Gadomski und K. Adam hatten die Rekonstruktion des Grundbesitzes des Ihlower Klosters zum Ziel.
Dieses AB-Projekt wird Erkenntnisse zur Besiedlungsgeschichte des Umlandes und auch zur Wirtschaftsgeschichte Ostfrieslands liefern. Neben der Durchsicht der Archivalien des Niedersächsischen Staatsarchives Aurich erwies sich auch die Flurnamensammlung der Ostfriesischen Landschaft als nützlich. (A. W.)

 

6. Menstede-Coldinne, Gemeinde Großheide
Lehrgrabung des Arbeitskreises Vorgeschichte
FSt 2410/2: 6 u. 54
Die Aktivitäten des Arbeitskreises Vorgeschichte der Ostfriesischen Landschaft richteten sich im September und Oktober 1986 auf die Untersuchung des Umfeldes der 1985 gefundenen Gravettespitze. Ziel dieser Untersuchung  war herauszufinden, ob die Spitze endpaläolithischen Jägern oder einer jüngeren postglazialen Jägerpopulation zugeschrieben werden muß.
Die Fundstelle befindet sich auf einer seit rund 150 Jahren landwirtschaftlich genutzten Gaste 5.0 m über NN mit einem Bodenauftrag von ca. 0,5 m.

Da sich schon im Laufe der Feldbegehungen seit 1975 Funde vom Mesolithikum bis zur Bronzezeit ergeben hatten, war auch bei der Suchgrabung ein gemischtes Artefaktinventar zu erwarten. Aus dem Mesolithikum wurde eine Trapezspitze und ein Parallelogramm geborgen. Ein Mikroschaber, das Bruchstück eines Mikroschabers, ein Mikrolith mit gerader Endretusche und ein Mikrolith mit seitlicher Retusche dürften ebenfalls in diesen Zeitabschnitt gehören. Aus nachfolgenden Zeiten stammen noch ein Schaber mit Schliff, 16 Abschläge, die bei der Großgeräteherstellung anfielen, ein Dolchfragment und eine Pfeilspitze der Glockenbecherkultur. Insgesamt wurden 299 Fundstücke gesammelt. Bis auf acht Artefakte, die auf dem Ortstein lagen, befanden sich die Fundstücke im beackerten Humusboden. Im näheren Bereich der Gravettespitzen-Fundstelle von 1985 (ca. 10 m im Durchmesser) konnten außer 3 Kernsteinen, 2 Klopfsteinen, Klingen, Klingenbruchstücken, einem Klingenschaber, Schabern und Abschlägen, die oben genannten datierbaren Artefakte des Mesolithikums geborgen werden. Im gesamten Grabungsbereich fanden sich aber keine paläolithischen Artefakte als Indiz für eine Jägergruppe aus diesem Zeitabschnitt, sodaß eine Einstufung ins Mesolithikum somit angebracht ist.

Ein zweiter Schnitt, ein W-O orientierter Suchgraben von 20 m Länge und 0,5 m Breite erschloß den nördlichen Hang einer beobachteten Fundkonzentration. Gleichzeitig begannen im abgesteckten Bereich der Fundhäufung die archäologischen Untersuchungen. Beim Tieferlegen des Suchgrabens zeichnete sich auf dem Ortsteinniveau eine sehr gut sichtbare grauschwarze Verfärbung ab, die sich als nordwestliches Segment eines Kreisgrabensystems herausstellte. Bei der Erweiterung der Fläche nahm im 1. Planum das Grabensystem die Form eines Hufeisens an. Beim Tieferlegen der Fläche stellte sich heraus, daß die Anlage im Südosten stark gestört war und daß sie nun eine geschlossene, annähernd ovale Form annahm. Im nordwestlichen Bereich des Ovals trennte eine kleinere grabenartige Verfärbung einen sichelförmigen Teil ab, so daß sich im Oval ein Kreis abzeichnete. Die Länge der gesamten Grabenanlage beträgt 6,04 m, ihre Breite 4,08 m. Die Untersuchung zeigte, daß die leicht gekrümmte Verfärbung im nordwestlichen Drittel zur Grabenanlage gehörte und nicht von der Überschneidung eines anderen Grabensystems stammte. Die Tiefe des Ovalgrabens schwankt zwischen 22 cm und 32 cm, die sogenannte Abtrennung war etwa 24 cm tief.
Wahrscheinlich gehört das Grabensystem zu einer Grabanlage der frühen Eisenzeit, als kreis- und schlüssellochförmige Gräben die Grabstelle umschlossen.
Die Grabenanlage war im Südwesten von einer Grabgrube überschnitten. Die Länge des Grabes und auch seine Breite konnten erst bei weiterer Eintiefung ermittelt werden. Die Grabgrube besaß eine Länge von 1,77 m bei einer Breite von 82 cm. Die Tiefe bis zur Grabensohle betrug ab 2. Planum 72 cm. Auf der Sohle des Grabes lag als Beigabe eine Spitze aus Feuerstein und 30 cm davon entfernt, ca. 1 m tiefer, eine oxydierte Messerklinge aus Eisen.   (W. K)

 

7. Riepsterhammrich, Gemeinde Ihlow
Warft

Fst 2609/3:l
Im Füllmaterial des die überschlickte Fläche begrenzenden Deiches gefunden:
Scherben von mittelalterlichen, granitgrusgemagerten Gefäßen.
F, FM: Klaus Adam, OL
FV: AL

 

8. Ulbargen, Gemeinde Großefehn
FSt 2611/2: 4
Gef. bei der Begehung des Geländes im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt Kloster Ihlow; Flurname Ueterborg: Urgeschichtliche und mittelalterliche Wandungsscherben; neuzeitliche Rotirden- und Steingutware; Backstein- und Dachziegelreste.
F, FM: Dirk Gerdes u. F. J. Gadomski
FV: AL

 

9. Ulbargen, Gemeinde Großefehn
FSt 2611/2: 5
Gef. bei der Begehung des Geländes im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt Kloster Ihlow; Flurname ,,Oll Thun":
Hochmittelalterliche Gefäßreste; glasierte und unglasierte Scherben vom 15. -17. Jh.; Backsteinreste im Klosterformat.
F, FM: Dirk Gerdes u. F. J. Gadomski
FV: AL

 

10. Warften
Folgende Warften/Siedlungsplätze sind der Archäologischen Landesaufnahme aufgrund des Studiums der Bodenkarte von Niedersachsen im Landkreis Aurich bekanntgeworden:

Arle (2310/8:47)
Arle (2310/8:52)
Arle (2310/8:53)
Arle (2310/8:54)
Arle (2310/8:55)
Blandorf-Wichte (2309/9:31)
Dornum (2310/5:23)
Dornum (2310/5:24)
Dornumersiel (2310/2:1)
Dornumersiel (2310/2:2)
Dornumersiel (2310/2:3)
Dornumersiel (2310/2:4)
Dornumersiel (2310/3:5)
Hage (2309/9:14)
Hage (2309/9:30)
Hagermarsch (2309/6:29)
Lütetsburg (2309/8:19)
Lütetsburg (2309/8:38)
Norden (2309/7:33)
Norden (2309/7:34)
Norden (2309/7:35)
Norden (2309/7:36)
Norden (2309/7:37)
Norden (2309/7:38)
Norden (2309/7:39)
Osteel (2409/4:3)
Osteel (2409/4:4)
Ostermarsch (2309/5:52)
Ostermarsch (2309/8:39)
Ostermarsch (2309/8:40)
Westeraccum (2310/6:15)
Westerende (2310/7:80)

 

Stadt Emden

11. Petkum, Stadt Emden
Grüfte in der Kirche Petkum
FSt 2609/5: 14
In der Kirche zu Petkum waren im Zuge von Bauarbeiten im Altarraum Grabplatten entfernt worden. In diesem Bereich der Kirche befinden sich mehrere gemauerte Gruften, die z. T. zerstört bzw. eingestürzt und mit Schutt (Backstein- und Dachziegelschutt, z.T. schwarz glasiert) verfüllt worden waren. Der Boden scheint mehrfach umgearbeitet zu sein. An der östlichen Seite des Chores befindet sich eine ungestörte, 4,82 m lange Gruft, die bis zum Ansatz des Gewölbes geputztes Mauerwerk erkennen läßt. Bauarbeiter hatten aus dem Gewölbe einige Steine entfernt, um dort hineinsehen zu können. In der Gruft stehen zwei kupferne, stark patinierte Särge hintereinander. Das die Särge überdeckende Gewölbe scheint in einem Arbeitsgang gemauert zu sein, da keine Trennfuge erkennbar ist. Durch die enge Öffnung sind nur Fotos gemacht worden. Dem Institut für Denkmalpflege, Hannover, ist die Entdeckung der Kupfersärge mitgeteilt worden.   (H. J.)

 

12. Wolthusen, Stadt Emden
FSt 2609/5: 2
Bei Baggerarbeiten an der Schleuse des Vorflutkanals kamen z.T. verzierte Scherben der römischen Kaiserzeit zutage.
F, FM: F. Rischmüller, Wasser- und Schiffahrtsdirektion Aurich
FV: AL

 

Landkreis Leer

13. Hollen, Gemeinde Uplengen
Mittelalterlicher Siedlungsplatz
FSt 2712/4: 14
In Hollen wurde, bedingt durch den Autohahnbau, eine umfangreiche archäologische Untersuchung in einer Sandgrube durchgeführt. Dabei konnte ein Teil der Fläche in der Größe von 0,5 ha freigelegt werden. Der übrige Teil der Sandgrube, worin sich drei Wohnplätze befanden, fiel der Aussandung zum Opfer. Vorbehaltlich der weiteren Auswertung der Befunde werden erste Ergebnisse mitgeteilt.
Im ausgegrabenen Bereich der Sandgrube lagen mindestens vier Wohnplätze, die aufgrund der Aussandungsarbeiten mehr oder weniger intensiv untersucht wurden.
Ein Wohnplatz bestand aus mehreren Gebäuden: einem Wohn-Stallgebäude sowie Speichern und Schuppen. Die Gebäude erneuerte man an Ort und Stelle mehrmals, sobald ihre Baufälligkeit das erforderte. Auch die Brunnen, die zu einer Betriebseinheit gehörten, mußten häufiger erneut gegraben werden. Die Gesamtzeit der Besiedlung am Westrand der Geestinsel erstreckt sich über mindestens 3 Jahrhunderte vom 9. bis 12. Jh. Diese Siedlung scheint der Vorgänger des heutigen Dorfes Hollen zu sein.
An besonderen Funden sind noch die Reste eines Nachfolgertyps des Einbaums aus einem Brunnen des 9. Jh. zu nennen. In einem anderen Brunnen wurde Flechtwerk gefunden, das anhand der darüber liegenden Keramik ins 12. Jh. datiert werden kann. Außerdem gibt es Reste von Webgewichten sowie Importkeramik, die auf Handwerk und Handel hindeuten.   (H. J.)

 

14. Hollen, Gemeinde Uplengen
FSt 27l2/4: 15
Gef. bei Bauarbeiten im Bereich der Mutterbodenschicht: Scherben von verschiedenen Gefäßen der römischen Kaiserzeit (ca. 1. Jh. nach Christi Geburt).
F: Hermann Hasse u. Klaus Hamann, Amt für Agrarstruktur
FM: Edzard Duhm, Amt für Agrarstruktur
FV: AL

 

15. Leer, Stadt Leer
Altstadtfunde
FSt 2710/9: 9
Beim Ausbaggern eines Kellers fanden Handwerker in der Neuen Straße in etwa 3,0 m Tiefe Bruchstücke von Tongefäßen. Sie kamen zutage, als die Maurer einen zugeschütteten Keller leerten, auf dessen Boden die Gefäße standen. Weitere Bruchstücke wurden im Schutt entdeckt. Bei den Gefäßen handelt es sich um große rotirdene Töpfe, welche vermutlich als Vorratsgefäße dienten.
Im Innern eines Topfes befand sich eine etwa zwei Zentimeter dicke Schicht aus Muschelkalk.
F, FM: Firma Wilhelms, Lammertsfehn
FV: AL

 

16. Siedlungsarchäologische Untersuchung in der  Autobahntrasse des Reiderlandes
Anläßlich der Projektierung einer neuen BAB-Trasse zwischen Leer und Bunde ergab sich für das Niedersächsische Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung Wilhelmshaven, die Möglichkeit, in der Nähe der Reihendörfer St. Georgiwold und Weenermoor alte Hausplätze und Kirchhöfe archäologisch zu untersuchen, die zu den heute wüst liegenden, mittelalterlichen Vorgängersiedlungen der genannten Orte gehören. Die Aufschlüsse wurden zeichnerisch und fotografisch dokumentiert.

 

a) St. Georgiwold, Gemeinde Weener 
FSt 2909/9: 21
Auf dem Grundstück des abgebrochenen Hofes von M. Meyer konnten in einem Profil durch die Warft zwei Auftragsschichten dokumentiert werden; datierende Funde wurden nicht beobachtet.

 

b) St. Georgiwold, Gemeinde Weener
FSt 2710/7: 67 u. 68
Etwa 1300 m östlich von St. Georgiwold konnten am, ,Middelweg“  zwei Hausplätze des 13./14. Jh. aus der Vorgänger-Reihensiedlung von St. Georgiwold dokumentiert werden, ebenso der Grundriß der Kirche aus dem 15. Jh. mit den Maßen 8,50 x16,50 m. Dazu kam ein Turmfundamentgraben von ca. 4,50 x 4,50 m.

 

c) Weenermoor, Gemeinde Weener
FSt 2710/7: 29
Der ebenfalls am Middelweg gelegene sogenannte ,,Alte Kirchhof“ von Weenermoor wurde durch einen Grabungsschnitt an der Südseite des Hügels archäologisch untersucht. Auch hier markierte ein Fundamentgraben von ca. 1,60 m Breite und der gleichen Tiefe den Grundriß einer Kirche, die aber 8,50 m breit und 23,0 m lang gewesen war. In einer ca. 60 m entfernten Warf wurde durch einen Profilschnitt eine Siedlungsschicht aus dem 13./14. Jh. dokumentiert. Die gewonnenen Aufschlüsse und die geborgene datierende Keramik bringen wichtige Ergebnisse zur Frage nach der Datierung sowohl der Gründung als auch der Verlagerung mittelalterlicher Reihensiedlungen.   (J. E.)

 

17. Stapelmoor; Gemeinde Weener
FSt 2809/6: 38
Hügel, westlich der Stapelmoorer Kirche gelegen. Ursprung und Zweck dieser künstlichen Erhebung sind unbekannt.

 

18. Warften
Folgende Warften/Siedlungsplätze sind der Archäologischen Landesaufnahme aufgrund des Studiums der Bodenkarte von Niedersachsen im Landkreis Leer bekanntgeworden:

Rorichum (2610/7:13)
Rorichum (2610/7:14)
Rorichum (2610/7:15)
Rorichum (2610/7:16)
Rorichum (2610/7:17)
Terborg (2610/8:6)

 

Landkreis Wittmund

19. Bensersiel, Gemeinde Esens
Warft Oldendorf
FSt 2311/1: 2
Der Bodenaufschluß der Warft zeigte, daß dort der gewachsene Sandboden etwa bei - 0,3 m NN ansteht. Von dieser Sandoberfläche aus hatten Eingrabungen stattgefunden, die von der darauffolgenden ersten Auftragsschicht aus Klei auf einem Niveau von - 0,1 m NN eingeebnet wurden. Die Keramik dieses Wohnhorizontes weist in den Zeitraum um Christi Geburt. Überflutungen, die feine Sandbänder und Muschelablagerungen hinterließen, erzwangen einen erneuten Bodenauftrag. Bei etwa + 0,9 m NN entstand ein weiterer Wohnhorizont, welcher noch dem Zeitraum der römischen Kaiserzeit angehört. Die letzte Auftragschicht bis etwa + 1,6 m NN erreicht die heutige Warftoberfläche und stammt höchstwahrscheinlich erst aus dem Mittelalter. (H. J.)

 

20. Dunum, Gemeinde Dunum
Warft Haus Berdum
FSt 2312/9: 9
Eine Baumaßnahme erschloß den Rand der o. g. Warft. Im beobachteten Bodenprofil zeigte sich im Norden die natürliche Schichtung der Marsch mit Sand und Muschelablagerungen im Untergrund und steifem Klei in der überdeckenden Schicht. Der südliche Teil des Profils wird von einem Kleiauftrag bestimmt, welcher in die natürliche Schichtung eingreift. Beides wird überlagert von einem jungen Bauhorizont, der aus klosterformatigem Backsteinschutt und Muschelkalkmörtel besteht. Darüber folgt eine ca. 20 cm mächtige Deckschicht aus gewürfeltem Klei, welche auch die heutige Oberfläche bildet. Der deutlich ausgeprägte Bauhorizont darf wohl dem Bau des Hauses Berdum zugeordnet werden. Der darunterliegende künstliche Bodenauftrag, der an seiner Sohle einen Backsteinkrümel aufwies, gehört entweder zu einer Grabenfüllung oder zu einem weiterreichenden Bodenauftrag der Warftaufschüttung  (H. J.)

 

21. Esens, Gemeinde Esens
Funde in der Altstadt
FSt 2311/6: 126
Im Zuge der Kanalisationsarbeiten in der Altstadt von Esens sind in der Theodor-Thomas-Straße, nur etwa 150 m von der Kirche entfernt, wichtige Funde zutage gekommen. Der Lehrer Axel Heinze hat mit einer Arbeitsgruppe die Bauarbeiten beobachtet und Funde geborgen. Auf seine Initiative hin hat die Ostfriesische Landschaft ein Bodenprofil aufgenommen.
In einer Höhe von etwa 3,3 m NN steht der gewachsene Boden (pleistozäner Sand) an. Der typische Bleichsand weist darauf hin, daß die Bodenoberfläche wahrscheinlich mit Heide bewachsen war. Auf der alten Heideoberfläche fanden sich Gefäßscherben aus der Karolingerzeit (9. Jh. n. Chr.), ebenso Reste eines Gefäßes, welches seiner roten Brennfarbe und seines harten Brandes wegen als Importstück gedeutet werden muß.
Auf den gewachsenen Boden folgt eine ca. 60 cm starke Auftragsschicht aus graubraunem Sand; sie ist frei von Backsteinresten, so daß sie vermutlich aus dem 10. -12. Jh. stammt. Die Bodenschicht ist wahrscheinlich als Garten- oder Ackerland genutzt worden, da ihre Struktur recht einheitlich ist und daher oft umgearbeitet worden sein muß. In der Höhe von 4 bis 5 m NN folgen drei Bauhorizonte, die sich durch eine Anreicherung mit Ziegelkrümeln und Ziegelschutt auszeichnen. Im 12./13. Jh. hat die Bebauung dieses Areal erreicht; vielleicht stehen die Bauhorizonte auch in einem direkten Zusammenhang mit der Kirche von Esens, so daß deren Baustelle sich bis hierhin erstreckte.
Bei den Kanalisationsarbeiten kamen auch Holzteile zutage. Dabei handelt es sich um mehr oder weniger kunstvoll behauene Balken bzw. Kanthölzer mit trapezförmigem Querschnitt. Ein Stück ist aber überaus interessant, weil es vom Kiel eines Bootes stammt. Es besitzt die Schrammspuren, die beim Anlanden entstehen und eine Nut, in der die Bordwand eingesetzt war, sowie eine Bohrung.

 

22. Eversmeer, Gemeinde Eversmeer
FSt 2410/5: 11
Funde im Aushub eines Grabens am Ewigen Meer: 
Abschläge aus Feuerstein, welche bei der steinzeitlichen Geräteherstellung entstanden.
F, FM: Werner Kitz, Norden 
FV: AL

 

23. Marx Gemeinde Friedeburg
Bunkenburg
FSt 2513/4: 13
Bei einem Neubau in Marx-Bunkenburg konnte festgestellt werden, daß dort ein landwirtschaftliches Gebäude gestanden haben muß. Im nördlichen Teil des Fundamentgrabens kamen Reste einer Lehmdiele zutage. Sie zeigte Wagenspuren, die im Traufbereich des Krüppelwalms besonders deutlich ausgeprägt waren. Vermutlich gehörte zu diesem Gebäude - wahrscheinlich aus dem 17. Jh. - auch (der Brunnen, dessen Wand aus Heideplaggen und Torf bestand. Sein Innendurchmesser betrug 1,20 m.

 

24. Warften
Folgende Warften/Siedlungsplätze sind der Archäologischen Landesaufnahme aufgrund des Studiums der Bodenkarte von Niedersachsen im Landkreis Wittmund bekanntgeworden:

Osteraccum (2311/6:125)
Seriem (2311/3:29)
Seriem (2311/3:30)
Sterbur (2311/6:123)
Thunum (2311/6:122)
Thunum (2311/6:124)
Werdum (2312/2:8)
Werdum (2312/4:43)
Werdum (2312/4:44)

 

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