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Landschaft von Ostfriesland
Fundchronik 1985 |

Fundchronik 1985

 

Ostfriesische Fundchronik
Emder Jahrbuch Bd. 66, 1986

 

Landkreis Aurich

1. 2310/7: 27-3 Arle, Gemeinde Großheide
Notbergung auf einer Sandabhaustelle in Arle. Flurstück „Hemstede“ vom 12.-23.7.1985
Durch die systematische Feldbegehung war diese Fundsstelle als Siedlungsplatz der römischen Kaiserzeit bekannt. Eine dichte Fundstreuung war in Richtung des Toogschlootes beobachtet worden.
In den untersuchten Flächen wurden West-Ost und Nord-Süd verlaufende Grabensysteme, Gruben, Siedlungsgruben und Pfostenverfärbungen in reichlicher Anzahl festgestellt. In mehreren Verfärbungen wurden starke Holzkohlekonzentrationen angetroffen. Die geborgenen Funde, darunter fast vollständig erhaltene Gefäße sowie eine Terra-sigillata-Scherbe, datieren den Siedlungsplatz in das 2., 3. und 4. nachchristliche Jahrhundert.

 

2. 2409/1: 4 Norden, Gemeinde Norden
Synagoge
Die Ostfriesische Landschaft hatte die Möglichkeit auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge in Norden eine Notbergung vorzunehmen und fotografisch und zeichnerisch zu dokumentieren: In der Tiefe van 2,50 m NN steht der gewachsene Sandboden an, dieser ist überdeckt mit einer Auftragsschicht, die mit Ziegelkrümeln durchsetzt ist und Keramikbruchstücke enthielt, die dem 13. Jahrhundert zugeordnet werden können. Vermutlich war hier das Garten- oder Ackerland der Stadt Norden.
Darüber liegen verschiedene Auftragsschichten, die durch einen Brandhorizont in 2,95 m NN Höhe unterteilt werden und in 3,5 m Höhe von einem 10 cm starken Lehmestrich abgeschlossen werden. Die beiden genannten Horizonte markieren wahrscheinlich zwei aufeinanderfolgende Bebauungsphasen.
Vom Niveau des Lehmestrichs aus sind sowohl die Rammpfähle für die Gründung der Synagoge sowie die Baugrube für die Fundamente eingetieft worden. Die Unterkante der Fundamente liegt bei 3,04 m NN.
Die Synagoge ist um 1804 erbaut worden; vor ihr hat an dieser Stelle mindestens ein Haus gestanden.

 

3. 2409/2: 9 Lütetsburg, Gemeinde Lütetsburg
Gef. bei Dränagearbeiten im Erdaushub 1955:
Geröllkeule, oval mit abgeplatteten Enden und sanduhrförmiger Durchlochung, der innere Grat ist abgeschliffen. Oberfläche und Durchlochung gepickt, keine Schliffspuren; insbesondere die abgeplatteten Enden zeigen Schlagnarben. Maße: L 11,1 cm; B 7,1 cm; D 6,1 cm; Loch-Dm 2,1 cm.
F: Pflüger, Norden
FM: Kutz. Heimatmuseum Norden
FV: Heimatmuseum Norden

 

4. 2509/3: 4 Oldeborg, Gemeinde Südbrookmerland
Oberflächenfunde vom Acker:
Mittelalterliche Randscherben, darunter ein verzierter Henkel.
F, FM: Ralf Redetzky. Oldeborg 
FV: Finder

 

5. 2509/4: 19 Wirdum, Gemeinde Wirdum
Oberflächenfunde vom Acker im Bereich „Kloster Aland"; gef. 1984:
Bruchstücke grün und gelb glasierter Fliesen, glasierter Keramik und rotgebrannter Keramik.
F, FM: Ralf Redetzky. Oldeborg 
FV: Finder

 

6. 2509/6: 15  Bedekaspel, Gemeinde Südbrookmerland
Gefunden beim Ausheben von Pflanzengruben für Bäume am Ostrand des Großen Meeres:
Tongefäßscherben. darunter Randscherben des 13. Jahrhunderts; Bruchstück eines Klosterformatsteines.
F: Bruno Ubben. Bedekaspel
FM: Arnold Weers. Aurich
FV: AL

 

7. 2510/9: 15 Ludwigsdorf, Gemeinde Ihlow
Kloster Ihlow
Die Grabungskampagne 1985 hatte zum Ziel, Fragen der Profilanbindungen, besonders im inneren Apsisbereich, zu klären. Weitere Grabungsschnitte wurden im Bereich der nördlichen Querhausmauer und im nordwestlichen Eckbereich des östlichen Querhauses angelegt. Außerdem wurden Steinsetzungen auf ihre Verbandstechnik untersucht. Einige Mauerstümpfe wurden bis zur ersten Steinlage abgetragen, um die Verlegetechnik dokumentieren zu können. Dabei fiel auf, daß im grundwassergefährdeten Bereich ein anderer Kalkmörtel verbaut worden war als im aufgehenden Mauerwerk. Mörtelproben sind entnommen worden und werden auf ihre Zusammensetzung hin untersucht.
Wesentliches Grabungsziel war die Klärung der Frage. ob die Kirche mit einer halbrunden Apsis oder einem Polygon abschloß. Dazu wurden die z.T. bis zur 13. Steinlage hinaufreichenden Fundamentreste Schicht um Schicht abgetragen und dokumentiert. Als Ergebnis dieser Untersuchung kann gesagt werden, daß der Chorbereich zumindest in den Fundamenten mit einem polygonalen 7/12-Chorschluß versehen war.
Daneben konnte an anderen Stellen nachgewiesen werden, daß die Abteikirche bei den erhaltengehliebenen Fundamentresten den sogenannten „märkischen Verband“ aufwies, bei dem auf zwei Läufern jeweils ein Binder folgt. Da die Bauzeit der Kirche gesichert ist, bietet dieser Hinweis wichtige Datierungshilfen für den ostfriesischen Sakralbau. Etwa 60 m südlich der Klosterkirche wurden Fundamentreste und Schmuckfußböden freigelegt. die von hohem kunsthistorischen Wert sind. Einige dieser Fliesen sind mit denen identisch, die im Ihlower Mutterkloster Aduard angetroffen worden sind. Neben einer großen Anzahl sog. „Plavuizen“ wurden etwa 100 gestempelte, inkrustierte und glasierte Fliesen geborgen. Sie befanden sich in sekundärer Position, so daß angenommen werden darf, daß diese Fliesen zunächst in der Klosterkirche Verwendung fanden. Über die Funktion des Gebäudes lassen sich vor weiterer Grabung keine weiteren Aussagen machen. Nach dem Idealplan der Zisterzienser-Abtei könnten bei diesem Grabungsschnitt die Abtei oder das Noviziat angeschnitten worden sein.
(A. W.)

 

8. 251l/l: 32 Wallinghausen, Gemeinde Aurich
Oberflächenfund bei Feldarbeiten auf einem hochgelegenen Geestrücken:
Steinbeil aus grobporigem Granit. Schneidenbreite 6,55 cm; Nackenbreite 4,99 cm; Dicke 3,95 cm; Länge 15,3 cm; Gewicht 660 g.
F, FM: Harm Saathoff, Wallinghausen
FV: Finder

 

9. 2610/2: 8 Ihlowerfehn, Gemeinde Ihlow
Anhöhe; gef. anläßlich einer Geländebegehung im Zusammenhang mit der Ausgrabung des Klosters Ihlow:
Hügel „Schwoogs-Höchte“, vermutlich Standort einer „Kapelle", ovale Form, ca. 20x30 m, an altem Weg gelegen.

 

Landkreis Leer

10. 2611/9: 135  Hesel, Gemeinde Hesel
Geländekuppe; Oberflächenfund im Garten;
Feuersteinbeil. Schneidenbreite 3,6 cm; Länge 6,0 cm; Nackenbreite 2,6 cm; Dicke 1,95 cm ; Gewicht 110 g; Feuersteinabschläge.
F, FM: Dr. Heinz Kampen. Hesel-Neuemoor
FV: Finder

 

11. 2810/9: 1  Flachsmeer, Gemeinde Westoverledingen
TK 25  2810 Weener 
Grabhügel
Im Auftrag des Instituts für Denkmalpflege wurde die Ausgrabung vom 4.11.- 21.11.1985 von der Archäologischen Landesaufnahme der Ostfriesischen Landschaft durchgeführt.
Die höchste gemessene Stelle des Hügels beträgt 5,10 m NN, seine Sohle ist durch einen hellen Bleichsandhorizont bei ca. 4,0 m NN markiert.
Es fiel auf, daß dieser durchlaufende Horizont, der auch außerhalb des Hügels anzutreffen war, innerhalb des Hügels mehr oder minder viel Holzkohlepartikel enthielt, vorwiegend an seiner Oberfläche. Diesem Horizont sind auch die in den Plana festgestellten Verfärbungen zuzuordnen. Der Hügelkörper besteht aus gelbem Sand. welcher von dunkelbraunen Linien durchzogen ist. Diese Linien entstehen durch sekundäre Bodenbildungsprozesse, die auch Ortsteinhorizonte erzeugen. Es konnten keine Beobachtungen gemacht werden. die auf eine Zweiphasigkeit hindeuten. Der Hügel selbst sowie seine Umgebung ist stark durch rezente Eingrabungen und Gräben gestört. Sie weisen eine Füllung z. T. mit gelben Lehmbrocken und Heideplaggen auf. Im Westen schließt sich eine bis 60 cm mächtige Schicht aus Heideplaggen an den Hügel an, die zur Hügelkuppe hin ausläuft. Einige Eingrabungen sind zeitlich dieser Ackerperiode zuzuordnen.
Der nördliche und der südwestliche Quadrant wurden lagenweise abgetragen. Im südwestlichen Quadranten zeichneten sich zwei Holzkohlekonzentrationen ab, die einen Durchmesser von 50 cm und 60 cm haben. Beide Verfärbungen sind im Profil muldenförmig ausgebildet und liegen etwa 80 cm auseinander. Eine weitere Holzkohlekonzentration wurde gefunden, als die verbleibenden Quadranten lagenweise abgetragen und einplaniert wurden. Diese Verfärbung gleicht jener im südwestlichen Quadranten, liegt aber im Abstand von 1,70 m davon entfernt. Die Holzkohlekonzentrationen ergeben aneinandergereiht fast einen Viertelkreis, dessen Durchmesser mindestens 12,0 m betragen haben dürfte.
Aus den Befunden läßt sich ableiten, daß der südliche Hügelteil bereits vor der Bebauung des Nachbargrundstückes durch Sandentnahmen abgegraben worden ist; dadurch ist dieser Teil des Hügels schon zerstört.
Außer den beschriebenen Befunden konnten keine Funde gemacht werden, daher läßt sich der Hügel nicht datieren. Nach den Befunden käme aber als zeitliche Einordnung die sehr fundarme Periode der älteren Bronzezeit, die ohne unterirdische Grabgrube auskam, oder die vorrömische Eisenzeit infrage.
(H. J.)

 

Landkreis Wittmund

12. 2211/9: 3  Seriem/Watt, Gemeinde Neuharlingersiel
Funde anläßlich einer Wattwanderung im Bereich des ehemaligen Dorfes Otzum:
Gefäßscherben der römischen Kaiserzeit, der Völkerwanderungszeit und des Mittelalters; Pingsdorfer Keramik; Schiefer-, Tuffstein- und Hartholzbruchstücke.
F, FM: Axel Heinze, Esens
FV: AL

 

13. 2211/9: 4   Bensersiel/Watt, Gemeinde Esens
Funde bei Begehung der Fundstelle im Watt:
Mittelalterliche Tongefäßscherben; Gelbirdenware; Schieferbruchstück; Tierzahn.
F, FM: Axel Heinze, Esens
FV: AL

 

14. 2310/9: 34-1 Westochtersum, Gemeinde Ochtersum
Gef. beim Bau des Radweges an der Kreisstraße:
Granitgrusgemagerte Tongefäßscherben und Scherben eines früheisenzeitlichen Gefäßes.
F, FM: Axel Heinze, Esens 
FV: AL

 

15. 2311/2: 23 Bensersiel/Watt, Gemeinde Esens
Funde bei der Begehung des Wattes:
Mittelalterliche Tongefäßscherben; Gelbirdenware ; Mahlsteinbruchstück; Dachziegelbruchstücke; Tierknochen.
F, FM: Axel Heinze, Esens 
FV: AL

 

16. 2311/3: 25 Bensersiel/Watt, Gemeinde Esens
Funde bei Begehung der Fundstelle im Watt:
Granitgrusgemagerte Tongefäßscherben; Tuffstein- und Schieferbruchstücke; Dachziegelbruchstück; Eisenschlacke.
F, FM: Axel Heinze, Esens 
FV: AL

 

17. 2311/3: 28 Bensersiel/Watt, Gemeinde Esens
Funde bei Begehung der Fundstelle im Watt:
Zahlreiche Tongefäßscherben der römischen Kaiserzeit, darunter Rand-. Boden- und Henkelbruchstücke sowie verzierte Scherben; Schiefer- und Tuffsteinbruchstücke.
F, FM: Axel Heinze, Esens 
FV: AL

 

18. 2311/8: 117 Holtgast, Gemeinde Holtgast
Gef. beim Ausharken einer Rasenfläche (Bodenauftrag möglich):
Axt aus grobporigem Granit mit angefangener Bohrung. L 13,8 cm; B 5,3 cm; D 5,2 cm. 
F: Alfred Martens, Holtgast
FM: Axel Heinze, Esens   
FV: AL

 

19. 2411/2: 11 Moorweg, Gemeinde Moorweg
Bohrungen anläßlich einer Projektwoche des Internatsgymnasiums Esens:
Künstlicher Hügel, ohne Funde.
F. FM: Axel Heinze, Esens

 

20. 2412/4: 36 Ardorf, Gemeinde Wittmund
Oberflächenfunde im Laufe mehrerer Jahre (1978 - 1985) und Funde im Boden-/Grabenaushub bei der Bewirtschaftung des Landes:
Frühmittelalterlicher Kugeltopfrest, muschelgrusgemagert, ca. 1/3 erhalten, ohne Boden, innen angebrannte Reste, Rand- Dm. ca. 24 cm; Bauch-Dm. ca. 28 cm.
Zahlreiche Scherben von mittelalterlichen Gefäßen.
F, FM: Reiner Toben, Ardorf
FV: Finder

 

2l. 2412/6: 2 Leerhafe, Gemeinde Wittmund
Klosterstätte Burmönken
Die erste urkundliche Erwähnung des Klosters Burmönken ist aus dem Jahr 1319 überliefert.
Anläßlich der 666-Jahr-Feier des Dorfes Burmönken beabsichtigte der Heimatverein eine kleine archäologische Untersuchung durchzuführen. Da der Standort des Klosters nicht geklärt ist, wandte man sich an die Ostfriesische Landschaft, die mittels Bohruntersuchung auf dem infrage kommenden Grundstück den Baubefund erheben sollte.
Die Bohrungen haben ergeben, daß im Bereich des untersuchten Geländes ein Erdauftrag von rund 40-80 cm Stärke erfolgt ist. An einigen Stellen wurden im künstlichen Bodenauftrag. der mit Ziegelkrümeln durchsetzt war. Lehmestriche vorgefunden. An einer Stelle lagen sogar drei Estriche übereinander. Sie weisen auf eine Bebauung des Gebietes im Mittelalter hin.
Da die Bohrungen keine Befunde für Steinbauten geliefert haben, ist auf eine Grabung verzichtet worden.

 

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