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Landschaft von Ostfriesland
Fundbericht 1999/2000 |

Fundbericht 1999

Kreisgrabengrab in Westerholt-Terheide.

 

Ausgrabungen 1999

 

 

Steinzeit

 

Aus der steinzeitlichen Epoche sind 1999 nur wenige Neufunde zutage gekom­men. Auf ein zerstörtes Grab der Einzelgrabkultur wies ein einzelnes Steinbeil in Backemoor hin. Vier Gräber dieser Zeitstufe wurden in Westerholt-Terheide aufgedeckt, sie waren nur fragmentarisch erhalten, Becher der Einzelgrabkultur und Steinbeile konnten als Beigaben geborgen werden.

 

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Bronzezeit

Bronze-Absatzbeil aus Wiesmoor.

Bronzezeit / Vorrömische Eisenzeit

In dem Gewerbegebiet von Westerholt-Terheide wurden drei Grundstücke vor der Bebauung untersucht. Sie grenzen an den seit über 20 Jahren bekannten, überregional bedeutenden Fundplatz, der außer vorgeschichtlichen Bestattungen auch lange Reihen hintereinander aufgestellter Holzpfosten erbrachte, deren Zweck - vielleicht im kultischen Zusammenhang - noch immer nicht restlos geklärt ist. Die neuen Grabungsflächen lieferten vor allem Siedlungsspuren, Pfostenverfärbungen und größere Gruben, aus der Bronzezeit und der anschließenden Eisenzeit. Die Funde belegen erneut die lange vorgeschichtliche Siedlungstradition in diesem Gebiet; die gesamte Ausdehnung des Platzes ist allerdings noch lange nicht erfaßt. Einige Gruben mit zahlreichen Keramikscherben der älteren vorrömischen Eisenzeit wurden auch in Backemoor aufdeckt. Spektakulär war die Auffindung eines gut erhaltenen Absatzbeiles der mittleren Bronzezeit, das mit seiner Y-förmigen Verzierung bisher einzigartig für Ostfriesland ist. Das Beil wurde jedoch nicht bei einer Ausgrabung, sondern von aufmerksamen Laien im Sperrmüll in Großefehn gefunden! Es stammt vermutlich aus dem Nachlaß eines Seefahrers, der in den 1950er Jahren ein Stück Torfmoor in Wiesmoor besaß, wo er das Beil gefunden haben könnte.

 

Römische Kaiserzeit

Umfangreiche Funde dieser Zeitstufe lieferten die Grabungen im Vorwege eines neuen Baugebietes in Backemoor. Entgegen den Erwartungen kamen dort südöstlich der Kirche nicht allein mittelalterliche Siedlungsreste zutage, der überwiegende Teil der dokumentierten Verfärbungen gehörte zu einem bäuerlichen Hofplatz, der schwerpunktmäßig im 2. und 3. Jahrhundert besiedelt gewesen ist. Dichte Reihen und Paare von Pfostenstandspuren deuteten ebenso wie daran anschließende Wandgräbchen auf den ehemaligen Standort des Hauptgebäudes. Seine Gestalt scheint durch Um- und Anbauten mehrfach verändert worden zu sein, wobei es auf seiner Längsachse verlagert worden ist. Zu dem Hof gehörten Zäune, Speicherbauten sowie zwei mit zahlreichen Hölzern ausgekleidete Brunnen.

Weitere Siedlungsreste der römischen Kaiserzeit wurden in Utgast anläßlich der Erweiterung einer Sandgrube dokumentiert. Außerdem wurden die schon im Vorjahr entdeckte Siedlungsstelle auf der Gaspipelinetrasse bei Westerholt weiter untersucht und zahlreiche Funde geborgen. Während der römischen Kaiserzeit begann auch die Besiedlung von Westeraccum, wo im Vorwege der Neuanlage eines Friedhofes erste Sondierungen vorgenommen werden mußten. Es zeigte sich, daß die Warft (Wurt) ab etwa dem 2. Jahrhundert um 4 Meter aufgehöht worden ist, wobei die zweite Hauptaufhöhungsphase dem Mittelalter zuzurechnen ist. Da die Siedlungsschichten von der geplanten Anlage von dichten Grabreihen überwiegend zerstört werden, soll die Denkmalsubstanz vorher durch möglichst vollständige Ausgrabung gesichert werden.

 

Mittelalter

Ein hochmittelalterlicher Hofplatz mit dem Grundriß eines großen Bauernhauses konnte auf der NETRA-Pipelinetrasse bei Wiesede fast vollständig erfaßt werden. Auf der zentralen Dorfwarft von Klein Borssum wurde der Bodenaushub für den Neubau eines Wohnhauses nicht rechtzeitig gemeldet, weshalb nur noch vage festgestellt werden konnte, daß die ältesten Siedlungsschichten aus dem 9./10. Jahrhundert stammen. Am Steinhaus zu Bunderhee mußten im Vorwege der Überplanung des Nachbargeländes Sondierungsbohrungen vorgenommen werden, die weitere Sicherheit für die Hypothese brachten, daß das Steinhaus ehemals eine schiffbare Wasserzuwegung besessen haben muß. In Ditzum wurden nach Bauarbeiten Keramikscherben des 12. - 14. Jahrhunderts aufgesammelt, immerhin sind es die ersten archäologischen Funde in Ditzum überhaupt. Im Altstadtbereich von Esens wurde durch Fundstücke deutlich, daß die früheste Besiedlung wohl im 9. Jahrhundert begann. Im Gebiet der späteren Stadt sind dabei anscheinend mehrere flache Geestkuppen von bäuerlichen Gehöften bebaut gewesen. An der nun dokumentierten Stelle läßt sich zudem eine kontinuierliche Siedlungstätigkeit nachweisen. Westlich des Ortskernes von Reepsholt wurden in einem neuen Baugebiet Suchschnitte angelegt, wobei keine ausgeprägte Besiedlung, wohl aber die Nutzung des Areals in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts, vielleicht in Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Tätigkeit, nachgewiesen wurde. In Rorichmoor wurde eine Weidelandparzelle gepflügt und für den Maisanbau hergerichtet. Dabei gelangten Backsteinbruchstücke sowie mehr als 2000 Keramikscherben und diverse Fragmente von Mühlsteinen aus rheinischer Basaltlava an die Oberfläche. Der von der archäologischen Landesaufnahme als Warft geführte Fundplatz gab sich zudem als natürliche Sandkuppe im ehemaligen Moor zu erkennen, die ab dem 13./14. Jahrhundert bis in die Neuzeit besiedelt gewesen ist. In der schon genannten Dorfwarft Westeraccum wurden oberhalb der kaiserzeitlichen Schichten Auftragsbänder des 7./8. und 9./10. Jahrhunderts festgestellt. Darüber fanden sich hoch- und spätmittelalterliche Schichten und schließlich die komplette untere Fundamentlage eines Gulfhauses, dessen Ursprünge in das Ende des 18. Jahrhunderts zurückreichten. Mit Unterstützung des Landkreises Aurich konnte eine Sondierungsgrabung an den beiden Hügeln der Beninga-Burg bei Wirdum begonnen werden. Als erste Hinweise auf die spätmittelalterliche Häuptlingsburg kamen dabei Reste von Backsteinlagen und Fußböden sowie Gräben und Brunnen zutage. Zu ebener Erde wurden unter dem größeren Hügel auch Keramikfunde des 8./9. Jahrhunderts geborgen. Sie zeigen aber vorläufig noch keine Siedlungskontinuität, sondern eher eine sporadische landwirtschaftliche Nutzung des Geländes im frühen Mittelalter. In Wymeer wurde im Rahmen des grenzüberschreitenden Projektes "Jugendwerkstatt ohne Grenzen" der Standort eines spätmittelalterlichen Steinhauses untersucht, nachdem auf niederländischer Seite zwei Steinhausfundamente südlich von Neuschanz dokumentiert worden waren. Sie werden dem untergegangenen Dorf Houwingaham zugerechnet, das vor den Dollartüberschwemmungen des 14./15. Jahrhunderts aufgegeben worden ist. Zu diesen Untersuchungen gehörte auch die Anlage eines Suchschnittes auf einem erhöhten Hausplatz bei Bunderneuland. Dort zeigt sich ein neuzeitlicher Siedlungsbeginn, der in Zusammenhang mit der Wiederbedeichung nach 1600 zu sehen ist.

 

Ausgrabungen 2000


Archäologischer Jahresrückblick 2000

Im Jahr 2000 hat die Archäologische Forschungsstelle der Ostfriesischen Landschaft wieder zahlreiche Rettungsgrabungen auf den Baustellen in allen Teilen Ostfrieslands durchführen müssen, wobei mehrfach viele tausend Quadratmeter zu bearbeiten waren. Die so geborgenen Funde aus Siedlungen und Gräbern decken wieder einen Zeitraum von 10.000 Jahren ab - von der Steinzeit bis in die jüngste Vergangenheit. Diese umfassende Tätigkeit hätte ohne die Kooperation mit den Landkreisen, Gemeinden, Arbeitsämtern, Bauherrn, Stiftungen und vielen anderen nicht durchgeführt werden können, wofür auch an dieser Stelle Dank gesagt sei.

Außer den Rettungsgrabungen, die wir im folgenden nach den Epochen geordnet aufgeführt haben, konnten Dank der Unterstützung des Landkreises Aurich, der Stadt Emden, des Arbeitsamtes und der Gerhard Ten Doornkaat Koolman-Stiftung auch zwei kleine Forschungsvorhaben verwirklicht werden: die Grabungen auf der Beningaburg in Wirdum und die Untersuchung der Emsmauer in Emden. Auch im Innendienst schritt die Arbeit voran, im Archiv sind nun sämtliche bekannten Fundstellen in Ostfriesland auf über 30.000 Datensätzen mit der EDV erfaßt und nach unterschiedlichsten Kriterien abrufbar. Außerdem wurde eine Homepage eingerichtet.

Steinzeit

Aus der mittleren Steinzeit, der Phase der Jäger und Sammler vor rund 7-10.000 Jahren, wurden verschiedentlich Oberflächenfunde wie Flintabschläge, Klingen und Schaber bei Feldbegehungen aufgesammelt, so in Kirchdorf, Sandhorst und Upende.

Oberflächenfunde der Jungsteinzeit stammen aus Reepsholt und Tannenhausen. In dieser Epoche begann in Ostfriesland vor rund 6000 Jahren die Seßhaftigkeit der Menschen mit Ackerbau und Viehhaltung. Vor dem Übergang zur Bronzezeit vor etwa 4000 Jahren lassen sich archäologisch zwei Gruppen unterscheiden, die Einzelgrabkultur und die Glockenbecherkultur. Auch wenn von beiden noch keine Siedlung gefunden werden konnte, traten sie in den vergangenen Jahren immer wieder durch Grabfunde in Erscheinung. In diesem Jahr wurden unscheinbare Bestattungen der Einzelgrabkultur beim Bau einer Erdgasleitung bei Backemoor entdeckt. Einzige Beigaben waren kleine Gefäße. Ein Grab der Glockenbecherkultur kam bei dem Leitungsbau bei Schatteburg zutage, das ein schönes Exemplar dieser namengebenden Keramik enthielt.

 

Bronzezeit / Vorrömische Eisenzeit

Auf der genannten Leitungstrasse kamen zahlreiche bronzezeitliche Befunde zutage. Bei Backemoor wurden nicht nur Siedlungsreste aufgedeckt, sondern auch mehrere Gräber. Eindrucksvoll war dort ein Kreisgraben mit einem Durchmesser von 12 m, der an der Außenseite von zwei konzentrischen Pfostenkreisen umgeben war und der zwei Körpergräber umschloß. Diese durch die Kombination von Graben und doppeltem Pfostenkranz in Ostfriesland bisher einmalige Anlage muß ein imponierendes Grabmal aus Holz und Erde gewesen sein. Weitere Gräber waren einfacher gestaltet, eines war von acht Pfosten umstanden. Bei Schatteburg wurde ebenfalls ein interessantes Grab entdeckt: Es besaß mit 2,00 m Länge die Dimensionen eines Körpergrabes, enthielt auf der Sohle jedoch ein kleines Lager verbrannter menschlicher Knochen, so daß hier der Übergang von der Körperbestattung zur Leichenverbrennung zu beobachten ist.

Über 30 Gräber der späten Bronze- bzw. frühen vorrömischen Eisenzeit wurden auf einer Großbaustelle in Nortmoor freigelegt. Es handelte sich um kleine, mit Holzkohle gefüllte Gruben, die manchmal nur wenige verbrannte Knochen enthielten. Dort waren die Reste der Scheiterhaufen niedergelegt worden, wie auch einzelne Keramikscherben zeigen, daß sämtliche Beigaben dem Feuer übergeben worden sind. Die Gräber lagen in kleinen Gruppen, die auf mehrere große Kreisgräben Bezug nahmen. Die Kreisgräben sind als letzte Reste von Grabhügeln anzusehen, an denen sich die nachfolgenden Generationen der einzelnen Familien orientiert haben. Ein Kreisgraben kam auch in dem neu geplanten Gewerbegebiet von Westerholt-Terheide zutage. Da er keine Funde enthielt und noch Grabungen in größerem Umfang erforderlich sind, kann er nicht eindeutig datiert werden.

Ein kompletter Hausgrundriß der Bronzezeit wurde in Nenndorf bei Westerholt in einem kleinen Baugebiet dokumentiert. Das Haus war 7 m breit und scheint in der ersten Phase gut 23 m lang gewesen zu sein, bevor es nach Osten auf wenigstens 30 m Länge ausgebaut worden ist. Siedlungsreste der älteren Eisenzeit wurden in Upstede am Rande einer Sandgrube gefunden. Auffällig war eine Wasserentnahmestelle, die unten eine sorgfältig zugearbeitete, ausgehöhlte Röhre aus einem Baumstamm enthielt.

 

Römische Kaiserzeit

Außerordentlich fundreich sind stets die Siedlungsplätze der römischen Kaiserzeit. Aus Uttum wurden gleich mehrere Zentner an rund 2000 Jahre alten Keramikscherben eingeliefert, die bereits 1960 beim Bodenabbau für eine Ziegelei westlich der Ortschaft Damhusen aufgesammelt worden sind. Eine gut erhaltene Siedlungsstelle ist damals ohne Beobachtung zerstört worden. Ein ähnliches Schicksal erfährt seit einigen Jahrzehnten die Siedlung in Midlum im Rheiderland, durch die ohne Benachrichtigung der Fachkräfte eine Kanalisation gelegt wurde. Viele tausend Fundstücke wurden erst aus dem Abraum aufgelesen, während die Siedlungsschichten bereits zerstört waren.

Die Grabungen im Vorwege eines neuen Baugebietes in Backemoor lieferten dagegen konkrete Hinweise auf das bereits im Vorjahr entdeckte bäuerliche Gehöft des 2. und 3. Jahrhunderts: Durch die Freilegung von Zaunverfärbungen kann seine Größe nun mit mindestens 4500 qm angegeben werden, das Bauernhaus hat eine Gesamtlänge von 27 m besessen. Ähnliche Dimensionen hatten auch zwei vollständig ausgegrabene Häuser in dem kleinen Baugebiet in Nenndorf. Anhand der vielen tausend Keramikscherben von dort läßt sich der zeitliche Schwerpunkt in das 1. und 2. Jahrhundert setzen.

Ein wenig jünger und wohl schon in die Völkerwanderungszeit (spätes 4. und 5. Jahrhundert) zu setzen ist ein neuerlicher Grabfund aus dem Watt vor Ostbense. Leider haben die Fluten das Grab stark beschädigt, weshalb nur noch die Knochen des Unterkörpers erhalten waren. Wie schon früher beobachtete Gräber lag aber auch dieses Skelett auf einer Unterlage aus Pflanzenresten.

Mittelalter

Besonders zahlreich waren die zu bearbeitenden Fundplätze des Mittelalters. Kleinere Komplexe das frühen Mittelalters (7./8. bis 10. Jahrhundert) wurden in Engerhafe, Esens, Holtgast und Updorf untersucht. Auf Langeoog wurde von einem Touristen die erste Keramikscherbe dieser frühen Zeit gefunden. In Nordorf (Sterbur) konnte mit Unterstützung von Schülern des NIGE eine Siedlungsschicht des 7./8. Jahrhunderts ergraben werden. In Westeraccum, wo im Vorwege der Neuanlage eines Friedhofes die Rettungsgrabung fortgesetzt wurde, sind in einem Abschnitt nun die Schichten des 9. Jahrhunderts erreicht.

Funde des Hoch- und Spätmittelalters (11. bis 15. Jahrhundert) wurden bei den Beobachtungen der Kanalisationsarbeiten in Jennelt und Uttum geborgen und kamen auch im Park der Evenburg in Loga zutage. Weitere Funde stammen von Juist und aus Nüttermoor. Bei den Grabungen in Backemoor konnten ein Hausgrundriß des 14. Jahrhunderts von etwa 27 m Länge und weitere Siedlungsreste aufgenommen werden. Bei Lütetsburg wurde eine Vorabausgrabung begonnen, weil dort eine Umgehungsstraße über eine bekannte Fundstelle führen soll. Dort zeigten sich auf Anhieb drei dicht beieinander liegende Brunnen und zwei aufwendig aus Holz und Torfsoden gebaute Abwasserleitungen, die bisher auf einer Länge von ca. 10 m verfolgt werden konnten. Der zeitliche Schwerpunkt des bisherigen Fundmaterials sei vorläufig mit 11./12. Jh. angegeben, weshalb die beiden Leitungen in der Tat als außergewöhnlich anzusehen sind, da solche Installationen in Ostfriesland bisher unbekannt waren und als technologischer Fortschritt bisher den spätmittelalterlichen Klöstern zugeschrieben wurden, in denen Abwasserleitungen aus Backsteinen oder Dachziegeln ergraben werden konnten.

Eine besonders schwierige Situation ergab sich für die Denkmalbehörden nach der Öffnung eines Suchschnittes in Uttel bei Wittmund. Dort sollte geprüft werden, ob sich auf dem Geländesporn, auf dem nördlich die Burg gestanden hat, ebenfalls archäologische Funde aus der Häuptlingszeit befinden. Es kamen 1,50 m hohe Auftragsschichten zutage, die Fußbodenreste, Feuerstellen, Verfärbungen von Hauswänden sowie Brunnen u.a.m. enthielten, so daß dort erst eine langjährige Ausgrabung durchgeführt werden muß, bevor das Baugebiet erweitert werden kann. Die außerordentlich qualitätvolle Erhaltung der mittelalterlichen Denkmalsubstanz an diesem Ort ist auch deshalb besonders, weil der Siedlungsplatz auf Geestuntergrund liegt, aber wie eine Warft in der Marsch aufgehöht worden ist.

Fortgeführt und abgeschlossen wurde die Sondierungsgrabung an den Hügeln der Beninga-Burg bei Wirdum. Nachdem im Vorjahr Reste von Backsteinlagen und Fußböden als erste Hinweise auf die spätmittelalterliche Häuptlingsburg in Gestalt eines Steinhauses ausgemacht werden konnten, wurden nun zwei Vorgängerphasen entdeckt: Eine umgefallene Bretterkonstruktion der ersten Schicht konnte dendrochronologisch „nach 1175“ datiert werden, ein rechteckiger Eichenpfosten der zweiten Phase wurde „nach 1238“ gefällt. Erst nach dem Abriß dieses zweiten Holzgebäudes, wohl im 14. Jahrhundert, kann das Steinhaus gebaut worden sein.

 

Neuzeit

Die Emder Stadtmauer vor der Großen Kirche in einer Ansicht von 1616.

 

Auch die Zeit ab 1500 ist archäologisch noch interessant, weil in Ostfriesland selbst für die jüngere Vergangenheit nur wenige Quellen vorhanden sind. Dies zeigte sich in Emden im Keller des Pelzerhauses, wo bei Bauarbeiten zwei mit Fliesen ausgekleidete Wasserbecken aufgedeckt wurden. Neuzeitliche Fundstücke wurden in Zusammenhang mit einem Brunnen auf Juist aufgelesen, sie belegen erneut die Verlagerung der Insel. Beobachtungen zur neuzeitlichen Siedlungsgeschichte und zum Deichbau wurden auch in der Westermarsch bei Norden im Rohrleitungsgraben der EWE-Erdgasleitung gemacht.

5 m tief mußte der Grabungsschnitt an der Emsmauer in Emden eingebracht werden, um näheres über die Konstruktion und das Alter dieses obertägig abgetragenen Bauwerks zu erhalten: Unter der Backsteinmauer fanden sich in 1,70 m Tiefe insgesamt acht Lagen massiver Sandsteinblöcke, die ihrerseits 2,90 m tief reichten. Darunter befand sich ein hölzerner Unterbau aus Rammpfählen auf denen ein starker Eichenbalken verlegt war. Es handelte sich also um eine stabile Konstruktion, die dem Absinken der Mauer und dem seitlichen Verrutschen gleichermaßen entgegenwirkte. Aus dem Balken konnte eine Probe zur dendrochronologischen Untersuchung entnommen werden, die jetzt erfolgt ist. Sie erbrachte das abgeleitete Fälljahr „1522 -6 / +8“, womit eine erst frühneuzeitliche Erstellung des Bauwerkes belegt werden kann, dessen primäre Funktion im Hochwasserschutz zu sehen ist. Die Reparatur der Mauer des späten 18. Jahrhunderts ließ sich archäologisch ebenfalls nachweisen.

Im Park der Evenburg in Loga wurden vom Landkreis Leer weitere Sondierungsschnitte zur Auffindung von ehemaligen Wegen aus der Phase des Landschaftsparks angelegt. Vorrangig wurde das Wegenetz östlich und südlich des Schlosses aufgefunden und eingemessen. Es kamen aber erneut auch mittelalterliche Funde zutage, die nun belegen, daß das Gelände spätestens seit dem 11. Jahrhundert in Nutzung gestanden hat, vielleicht sogar bebaut gewesen ist.

Zu nennen ist außerdem ein schöner Glätt- oder Gniedelstein aus Walle. Der jüngsten Vergangenheit entstammt schließlich ein französischer Offiziershelm, den ein Schüler beim Grabenreinigen in Veenhusen fand.

 

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