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Landschaft von Ostfriesland
Fundbericht 2007 |

Fundbericht 2007

 

Archäologischer Jahresrückblick 2007

 

Der archäologische Rückblick auf das Jahr 2007 soll kurz die wichtigsten neuen ostfriesischen Ausgrabungen und Funde in Erinnerung bringen. Sie sind nach den Zeitstufen geordnet, die in Ostfriesland folgendermaßen datiert werden: Mittlere Steinzeit etwa 9000 bis 5000 v. Chr., Jungsteinzeit etwa 5000 bis 2000 v. Chr., Bronzezeit etwa 2000 bis 800 v. Chr., Eisenzeit etwa 800 v. Chr. bis Chr. Geburt, Römische Kaiserzeit bis etwa 375, Völkerwanderungszeit bis etwa 550, frühes Mittelalter bis 1000, hohes und spätes Mittelalter bis 1500, danach frühe Neuzeit.

 

Die Tätigkeiten im Jahr 2007 waren hinsichtlich der Größe der zu untersuchenden Flächen und der Anzahl an über Drittmittel finanzierten Arbeitskräften wohl die umfangreichsten seit Bestehen des Archäologischen Dienstes. In enger Kooperation mit den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der kreisfreien Stadt Emden konnten so wieder zahlreiche neue Erkenntnisse zur frühen Landesgeschichte gewonnen worden. Die Ausgrabungen mußten fast ausschließlich auf den Baustellen Ostfrieslands, in der Regel vor Beginn von Baumaßnahmen, angesetzt werden. Auch einzelne Gemeinden oder öffentliche und private Bauträger und Stiftungen unterstützten die denkmalpflegerische Arbeit. Dank gebührt darüber hinaus den Arbeitsverwaltungen, die für verschiedene Projekte die Aufstellung von Grabungsteams ermöglichten. Ohne diese Hilfen hätten wertvolle Informationen über die Frühzeit Ostfrieslands nur unzureichend oder überhaupt nicht dokumentiert werden können. So aber konnte es auch wieder gelingen, einige spektakuläre Fundstücke zu bergen und der Nachwelt zu erhalten.

 

Im Innendienst wurde das archäologische Archiv weiter bearbeitet und ausgebaut. Mehrere Publikationsvorhaben wurden abgeschlossen. Auch der Sammelband mit den Vorträgen des Symposions zur Klosterarchäologie, das im Oktober 2006 bei der Ostfriesischen Landschaft stattgefunden hatte, konnte im Druck erscheinen.

 

 

Steinzeit / Bronzezeit / Eisenzeit

 

Aus der Zeit der frühesten Besiedlung Ostfrieslands kamen nur wenige Überreste zutage. Damit setzte sich der Trend der vergangenen Jahre fort, wonach kaum noch Areale mit urgeschichtlichen Fundstellen bekannt werden. Auf der Geest scheinen die meisten Zeugnisse dieser Epochen bereits zerstört zu sein. So wurde aus Jheringsfehn ein Steinbeil gemeldet, das bereits Anfang der 1970er Jahre auf einer Baustelle gefunden worden war. Bruchstücke von steinzeitlichen Geräten wurden zudem von Äckern bei Nenndorf, Reepsholt  sowie Wiesedermeer eingeliefert.

 

Wohl gerade noch der Bronzezeit, eher wohl aber der anschließenden Eisenzeit sind die Befunde zuzuordnen, die im geplanten Baugebiet am Hohen Weg in Loga entdeckt worden sind. Die umfangreiche Grabung erbrachte den Grundriß eines großen Bauernhauses mit vorgelagerten Erntespeichern. Südlich dieses Hofes befand sich in geringer Entfernung ein kleines Gräberfeld. Einige der Brandgräber lagen inmitten eines mächtigen Umfassungsgrabens. Eine genaue Datierung der in dieser Konstellation für Ostfriesland bisher einmaligen Befunde soll durch eine Radiokarbondatierung der verbrannten menschlichen Knochen und der Holzkohle gewonnen werden.

 

 

Römische Kaiserzeit / Völkerwanderungszeit

 

Umfangreiche Untersuchungen wurden in der Gemarkung Holtgaste im Bereich der Wurt Jemgumkloster nötig, weil in ihrer direkten Umgebung Betriebsgelände von Energieversorgungsunternehmen entstehen sollen. Dafür war zunächst die genaue Ausdehnung des im Kern 4,50 m mächtigen Siedlungshügels festzustellen. In seinem Randbereich wurde der Verlauf eines ehemaligen Priels dokumentiert, der während der Römischen Kaiserzeit mit hölzernen Uferbefestigungen versehen gewesen ist und dann verlandete. Für Aufsehen sorgten in diesem Zusammenhang die Auffindung des Skeletts eines sehr großen Hundes und einer daneben liegenden menschlichen Brandbestattung. Ein weiteres Grab kann aufgrund einer Gefäßbeigabe in das 4. Jahrhundert datiert werden.

In dem Wohnbaugebiet „An der Mühle“ in Westerholt wurden die nun schon mehrjährigen Ausgrabungen fortgesetzt. Der neue Grabungsschnitt zeigte dabei deutlich, dass sich das ausgesprochen fundreiche Siedlungsgebiet auch weiter im Westen noch fortsetzt. In Schwittersum wurde rund 50 m südwestlich der Kirche von Resterhafe ein Suchschnitt angelegt, weil die Erweiterung des örtlichen Friedhofes geplant ist. Überraschenderweise kamen dabei fast ausschließlich Siedlungsreste der Römischen Kaiserzeit zutage. Die Wurt ist also schon in dieser Epoche entstanden und hat an dieser Stelle im Mittelalter nur noch eine geringe Erhöhung erfahren.

 

 

Frühes Mittelalter

 

Ausgesprochen zahlreich waren die Neufunde aus der Zeit des 8. bis 10. Jahrhunderts. So kamen bei der Untersuchung der oberen Schichten der Wurt Blersum anläßlich der Erweiterung des Kindergartens entsprechende Scherbenfunde ans Licht. In Emden-Wolthusen wurde bei der Betreuung einer Baustelle am Rand der Wurt festgestellt, dass die Besiedlung ebenfalls in diese Zeit zurückreicht. Gefunden wurden u. a. ein schön verzierter Knochenkamm sowie ein Schlittknochen. Auch Oldersum  hat seine Ursprünge im frühen Mittelalter, wie Funde aus einer Baugrube östlich der Kirche belegten.

Die schon genannten Untersuchungen in der Gemarkung Holtgaste erbrachten vor allem südlich der Wurt Jemgumkloster einige rätselhafte Gruben des frühen Mittelalters. Sie waren bis zu 20 m lang, 2 m breit und ebenso tief. Ihre Füllung bestand aus Klei und bisweilen aus Mist. Mehrere enthielten große Mengen zerscherbter Gefäße. In einer kleineren Grube lag ein aus Ahornholz gedrechselter Pokal, der von der hohen Handwerkskunst in der Karolingerzeit zeugt.

Bei der Planung der Umgehungsstraße östlich der Stadt Norden war die Querung der flachen Wurt Nr. 30 nicht zu vermeiden gewesen. So mußten die archäologischen Hinterlassenschaften im Zuge einer Ausgrabung in der Trasse dokumentiert werden. Außer diversen Gruben und Wasserstellen sind Überreste von wenigstens zwei Ofenanlagen hervorzuheben, mit denen die frühmittelalterliche Eisenverhüttung in der ostfriesischen Marsch belegt werden konnte. In einem jüngeren Brunnen wurden gut erhaltene Holzteile eines Bootes oder kleinen Schiffes gefunden.

Eine große Fläche war unweit östlich der Kirche in Remels im Vorwege der Errichtung eines Supermarktes zu untersuchen. Der Beginn der Besiedlung ist auch dort in das 8./9. Jahrhundert zu datieren. Noch steht nicht fest, wie viele Grundrisse von großen Bauernhäusern insgesamt erfaßt werden können. Hinzu kamen wenigstens zwei eingetiefte Hütten, sog. Grubenhäuser, und Brunnen. Bisher einmalig für Ostfriesland ist die Bergung einer kleinen Gewandspange mit Emaileinlage, einer sog. Heiligenfibel.

In Timmel wurden die Untersuchungen im Vorwege des Baues eines Reit- und Sportzentrums abgeschlossen. Mit Überresten von sieben Häusern und anderen Befunden gelang der Nachweis einer Siedlung, die wohl schon in der Zeit um 700 ihren Anfang genommen und bis um 900 bestanden hat. Dann muß sie an eine andere Stelle im Ortsbereich verlagert worden sein.

 

 

Hohes und spätes Mittelalter

 

Anlässlich der archäologischen Begleitung einer Gaspipeline quer durch das Rheiderland wurden u. a. bei Böhmerwold mittelalterliche Siedlungsfunde gemacht. So auch in Großwolde, wo im Vorwege der Überschlickung ein Suchschnitt auf einer Sandkuppe im Sietland angelegt werden mußte. In Holtland fand der Hausbesitzer beim Ausheben eines Gartenteiches ein Glöckchen aus Buntmetall des 15./16. Jahrhunderts. In diese Zeit gehört wohl auch eine kleine Tonfigur, die in Rahe bei Erdarbeiten im Hofbereich eines abgerissenen Gulfhauses gefunden wurde. Zu keinem nennenswerten Ergebnis führten Suchschnitte in Leer  am Steinburgsgang, wo Hinweise auf die Burgstelle von Focko Ukena erwartet wurden: Auf dem Baugelände hat sich im Mittelalter lediglich eine tiefe feuchte Senke befunden. Die Burg muß nördlich davon, unter dem heutigen Borromäus-Hospital gelegen haben.

 

Am ehemaligen Zisterzienserkloster Ihlow wurden die Untersuchungen am Westflügel der Klausur abgeschlossen. Dort konnten mehrere Bauphasen festgestellt werden. Gut erhaltene Überreste von Fässern und Bottichen zeigten, dass sich in dem untersuchten Bereich der Küchentrakt oder vielleicht sogar eine Brauerei des Klosters befunden hat. In einem neuen Grabungsschnitt wurde mit der Aufdeckung des Ostflügels begonnen.

 

Die Probegrabungen am ehemaligen Klostervorwerk in Timmel wurden abgeschlossen. Mit Sand gefüllte Fundamentgräben deuteten auf ein größeres Gebäude hin, von dem aber nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob es schon im Mittelalter errichtet worden ist.

 

 

Neuzeit

 

In Berumerfehn wurde beim Torfabbau eine ganze Anzahl langer, hintereinander liegender Hölzer freigelegt. Es handelte sich also nicht, wie zunächst angenommen, um einen Bohlenweg, sondern um eine frühe Anlage zur Entwässerung des Moores. In der Oldersumer Straße in Emden-Faldern wurden die bis zu 4,50 m tief reichenden Arbeiten an der Kanalisation fachlich begleitet. Außer Überresten von Zisternen aus Backsteinen kamen einige massive hölzerne Fundamentierungen früherer Bauten zutage. Die Datierungen der Hölzer legen eine Erstbebauung des Straßenzuges in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert nahe.

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