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Landschaft von Ostfriesland
Archiv 2017 |

Archiv 2017

Januar

"Der wahre Entdecker der Sonnenflecken"
 

Zum 400. Todestag von Johann Fabricius am 10. Januar 1617 in Dresden

 

Auch wenn die Sonne im Vergleich nur ein durchschnittlich großer Stern der Milchstraße ist, so hat sie für uns doch eine herausragende, Leben spendende Bedeutung. Deshalb sind alle astronomischen Entdeckungen im Zusammenhang mit der Sonne ebenfalls von ganz besonderer Bedeutung, und so ist es schließlich verständlich, dass sich etwa 1614 gleich zwei herausragende Astronomen - Galileo Galilei und Christoph Scheiner - um die Ehre stritten, als erster die Sonnenflecken entdeckt zu haben. Zu Unrecht: Im deutschen Nordwesten nimmt man für sich in Anspruch, dass es mit Johann Fabricius ein ostfriesischer Pastorensohn war, der seine Entdeckung der Sonnenflecken zuerst öffentlich machte.

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Buch im Katalog der Landschaftsbibliothek

  

Februar

"Ostfriesland stand im Rufe evangelischer Freiheit"
 

Hans-Jürgen Goertz (Hrsg.), Radikale Reformatoren - 21 biographische Skizzen von Thomas Müntzer bis Paracelsus, München 1978

 

Zu den herausragenden kulturellen Ereignissen des Jahres 2017 gehört die Feier des 500-jährigen Jubiläums der Reformation. Vielerorts wird aus diesem Grund natürlich besonders an Martin Luther, aber auch an Huldrych Zwingli und Johannes Calvin erinnert. Vor dem Hintergrund einer weit verbreiteten Unzufriedenheit mit der offiziellen Kirche zu Beginn der Frühen Neuzeit begründeten diese "großen Drei" mit ihrer an der Heiligen Schrift orientierten Kirchenkritik eine Entwicklung, deren Folgen in Gestalt der verschiedensten christlichen Kirchen bis heute zu spüren sind. Weil eine Kirchenspaltung zunächst gar nicht beabsichtigt war, stellte sich diese von Luther ab 1517 theologisch angestoßene Bewegung anfangs noch als ein Aufbegehren und dann ein Angriff gegen einen starken Gegner mit mächtigen Traditionen dar. Während dann einerseits die Ideen Luthers unter dem umfassenden Oberbegriff "Reformation" sehr schnell eine breite Anhängerschaft fand, zeigten sich innerhalb dieser Opposition aber bald mehr und mehr Risse und Abweichungen. Vielen Anhängern der neuen Bewegung war die Kritik an der traditionellen Kirche nicht entschieden, der Bruch nicht tiefgründig genug. Sie wollten die Reformation als radikale Erneuerung der Kirche verstanden wissen.

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März

"Kleederdragten en Typen der Bewoners van Nederland"
 

P. G. van Lom, Amsterdam ca. 1850

 

Wenn man die Begriffe "Trachten" und Ostfriesland zusammenbringt, dann denkt man sofort an die Darstellungen im Hausbuch des Unico Manninga aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Abbildungen vor allem zur Oberschicht - aber auch zu Bauern. Danach tut sich eine Lücke auf. Einige spätere Trachtenabbildungen beziehen sich offensichtlich auf die Vorlagen aus dem Hausbuch der Manninga, aber es fällt schwer, in Ostfriesland diese Lücke der Trachten-Abbildungen der letzten drei Jahrhunderte zu füllen.

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Das Werk in der Digitalen Bibliothek zum Download (PDF, 12,9 MB)

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April

Das Friesische zur Dichtersprache erhoben
 

Gysbert Japix, Friesche Rymlerye, Leeuwarden 1681

 

Anders als in Ostfriesland, wo das Friesische seit dem späten Mittelalter nicht mehr gesprochen wurde, blieb diese Sprache in Westfriesland lebendig und fand noch bis 1580 in der Verwaltung und in Rechtstexten Verwendung. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts galt das Friesische aber auch hier nur noch als Umgangssprache. Deswegen war es etwas Besonderes, als der Renaissance-Schriftsteller Gysbert Japix (auch: Japiks oder Japics) 1640 unter dem Titel "Friesche Tjerne" eine Art von verspielter Hochzeitsrede in friesischen Reimen veröffentlichte. Gysbert Japixs (1603-1666), Sohn des Sargtischlers und Bürgermeisters Jakob Gysberts in der Stadt Bolsward in Westfriesland, war erst in Witmarsum und dann in seiner Heimatstadt Schulmeister und "Vorsänger". Japix' Dichtungen machten ihn schon zu Lebzeiten bekannt, er stand in Kontakt mit niederländischen und englischen Dichtern und Wissenschaftlern. Die Gesamtausgabe der Werke von Japix wurde aber erst 1668 - danach in weiteren Auflagen 1681 und 1684 - unter dem Titel "Friesche Rymlerye" von seinem jüngeren Freund, dem Historiker Simon Gabbema, herausgegeben. Dem Zeitgeschmack entsprechend hat Gabbema die Sammlung in drei Abschnitte aufgegliedert, die zugleich auch drei Lebensphasen des Dichters widerspiegeln: Im ersten finden sich volksnahe Verse, darunter auch die schon erwähnte "Friesche Tjerne". Der zweite didaktisch-philosophische Abschnitt enthält ernstere Dialoge und Lieder, der letzte religiöse Hymnen und ins Friesische übersetzte Psalmen. Mit diesem Gedichtband begründete sich der Ruf von Japix als herausragender friesischer Dichter. Er schreibt bildhaft und sehr musikalisch. Es gilt als sein wesentliches Verdienst, mit seinen Werken dem Friesischen, das zur Bauersprache herabgesunken war, unter den europäischen Kultursprachen wieder einen Rang verschafft und zugleich mit seinen Veröffentlichungen die Grundlage für die heutige friesische Schriftsprache gegeben zu haben. In Anerkennung seiner Bedeutung verleiht das friesische Provinzparlament seit 1947 den Gysbert-Japix-Preis für friesische Literatur, und zum 400. Geburtstag wurde 2003 in Westfriesland ein Gysbert-Japix-Jahr ausgerufen.

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Mai

Umfassend und fürstenfreundlich
 

Christian Funcks Ost-Friesische Chronick, Aurich 1784-1788

 

In der frühen Neuzeit gehörten Ostfrieslands Prediger über 150 Jahre auch zu den wichtigsten Chronisten Ostfrieslands. Auf Ubbo Emmius folgten Balthasar Arend und Christian Funck. Arend und Funck teilen das Schicksal, dass ihre Werke zunächst unveröffentlicht blieben. Während Arends Landesbeschreibung des Harlingerlandes aber erst 1930 gedruckt vorgelegt wurde, sorgten die Enkel oder Urenkel von Christian Funck dafür, dass seine umfangreiche ostfriesische Chronik in der 1780er Jahren veröffentlicht werden konnte.

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Artikel "Christian Funck" im Biographischen Lexikon für Ostfriesland (PDF)

  

Juni / Juli

Niederländische Gebietsansprüche nach dem Zweiten Weltkrieg
 

"Ónze Schulden Zijn Hún Schuld" von Jo Spier. Amsterdam, Elsevier, 1945

 

Grenzen, auch wenn sie scheinbar durch Naturgegebenheiten wie Bergketten oder Flüsse vorgegeben erscheinen, sind immer ein Ergebnis einer Vereinbarung. Sie lassen sich also auch in Frage stellen, und das gilt umso mehr, wenn die durch Grenzen getrennten Nachbargebiete - wie Ostfriesland und Groningen - durch enge kulturelle und politische Bande verknüpft sind: Graf Edzard hatte zu Beginn des 16. Jahrhunderts versucht, Groningen seinem Herrschaftsbereich einzuverleiben, und dabei fand er zunächst durchaus die Zustimmung der Einwohner. Die Reformation wurde von Emden aus geprägt, das Niederländische war lange reformierte Gottesdienstsprache, und seit 1603 bis zur Mitte des 18. Jh. hatten die Generalstaaten niederländische Truppen in Emden zur Unterstützung der ostfriesischen Landstände stationiert Die Niederlande sind erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden aus dem Deutschen Reich ausgeschieden, zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Ostfriesland Teil des Königreiches Holland und die Grenze im Emsmündungsbiet ist bis heute nicht eindeutig festgelegt.

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August

"Für die Begleitung und Führung des Gemeindegesanges"
 

Das Choralbuch des Seminardirektors Wilhelm Gerdes, Aurich 1865

 

Auch als Folge der Reformation verfügt die evangelische Kirche über einen großen "Schatz" von Liedern, die, sofern sie in der Kirche im Gottesdienst gesungen werden, als Choräle bezeichnet werden. Kirchengesangbücher wurden hier also auch als Choralbücher bezeichnet. Sie konnten aber auch für den Gebrauch im Privathaushalt und in der Schule ausgerichtet sein. Um den Gesang in der Kirche steuern zu können und ihm insgesamt eine gewisse Einheitlichkeit über die Einzelgemeinde hinaus zu geben, wurden früh auch Choralbücher mit Noten eingeführt. Heute dient das Choralbuch für den Gebrauch in der Kirche meist als Orgelbegleitbuch zum Gesangbuch. Mit dem breiten Aufkommen der Posaunenchöre in den Kirchengemeinden etwa zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden dann auch spezielle Posaunenchoralbücher herausgegeben.

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September

Ein Buch als "Trostbalsam"

 

Haring van Harinxma schreibt 1645 in Emden über den Tod seiner Frau

 

Haring van Harinxma, geboren 1604 im niederländischen Doesburg, ist in einer kleinen Rolle in die ostfriesischen Annalen eingegangen, weil er 1645 in ein Dauerdrama der ostfriesischen Geschichte verwickelt war: Als Stellvertreter des Stadtkommandanten der Staatischen Truppen in Emden, Erhard von Ehrentreuter, wurde er nach dessen Rücktritt auf Wunsch der Stadt Emden für das Amt des Kommandanten der niederländischen Garnison in Emden vorgeschlagen. Weil die Generalstaaten aber mit einem eigenen Kandidaten andere Interessen gegenüber der Stadt durchdrücken wollten, musste van Harinxma die Stadt verlassen.

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Oktober

Im Dienste der Kriegsvorbereitung und der Kriegswirtschaft
 

Die "Schriftenreihe für die praktische Hausfrau" - Leipzig, Berlin 1936-1943

 

"Gut kochen! Gut wirtschaften!" - ein unverfänglicher Titel für einen Ratgeber, wenn er nicht aus dem Jahr 1936 stammen würde. Das Heftchen, das seinen Weg aus einem ostfriesischen Haushalt in die Landschaftsbibliothek fand, gehört zu einer "Schriftenreihe für die praktische Hausfrau" mit zunächst acht Broschüren, die in Verbindung mit der Reichsfrauenführung der NSDAP von dem ebenfalls 1936 gegründeten "Reichsausschuß für Volkswirtschaftliche Aufklärung" herausgegeben wurden. Beteiligt waren bei der Redaktion auch das Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront und das Deutsche Frauenwerk mit den Abteilungen Volkswirtschaft-Hauswirtschaft und Reichsmütterdienst. Die Vorworte oder Geleitworte der Hefte stammen von der Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink. Sie war als "Führerin" der NS-Frauenschaft und des Deutschen Frauenwerks als den einzigen zugelassenen Frauenorganisationen nach 1933 die höchste politische Vertreterin der Frauen in Deutschland. Schon durch die Beteiligten wird deutlich, dass es sich hier um sehr viel mehr als nur harmlose Rezeptsammlungen und Haushaltsratgeber handeln muss.

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Schriftenreihe im Katalog der Landschaftsbibliothek

  

November

Die "Umbständliche und eigentliche Beschreibung von Africa"

 

von Olfert Dapper, gedruckt 1670 in Amsterdam

 

Nach der ersten Phase der großen Entdeckungen zu Beginn der Frühen Neuzeit im 17. Jahrhundert entwickelte sich die Idee einer neuzeitlichen Geographie, die die räumlichen Zusammenhänge auch in einen historischen und religiösen Kontext setzte. Die Landschaftsbibliothek befindet sich im Besitz von vier prachtvollen und reich ausgestatteten Veröffentlichungen aus dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts, die sich dieser neuen Auffassung von Geographie zuordnen lassen. Es handelt sich um Beschreibungen Afrikas Arabiens, Mesopotamiens, Asiens und der östlichen Mittelmeerinseln – alle aus der Feder des niederländischen Geographen Olfert Dapper. Diese Bände sind im Depositum des ersten preußischen Regierungspräsidenten von Derschau in der Landschaftsbibliothek in Aurich überliefert und bilden einen schönen Beleg für die Neugier und die Weltoffenheit, die es auch schon früh im äußersten Nordwesten Deutschlands gab.

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Bücher im Katalog der Landschaftsbibliothek

  

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