OSTFRIESISCHE LANDSCHAFT - REGIONALVERBAND FÜR KULTUR, WISSENSCHAFT UND BILDUNG
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Landschaft von Ostfriesland
Archiv 2016 |

Archiv 2016

Januar

Die Urmutter aller Ostfriesland-Krimis
 

Erskine Childers, Das Rätsel der Sandbank, 1975 (1903)

 

Am 22. Dezember 1910 berichtete die Ostfriesische Zeitung in Emden abends noch in einem Sonderblatt über den Ausgang eines Prozesses gegen zwei englische Offiziere, Vivian Brandon und Bernard Trench. Nachdem die beiden im August 1910 auf Borkum festgenommen worden waren, wurden sie vom Leipziger Reichsgericht wegen Landesverrats zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Trench und Brandon hatten Festungsanlagen an der deutschen Küste, insbesondere auch im Bereich der ostfriesischen Inseln und im Emsmündungsbereich ausgekundschaftet. Diese kleine ostfriesische Episode der Weltgeschichte ist kaum denkbar ohne den Roman von Robert Erskine Childers "The Riddle of the Sands: A Record of Secret Service", den der irische Schriftsteller 1903 veröffentlichte. Childers kann vermutlich für sich in Anspruch nehmen, damit den ersten Spionageroman überhaupt veröffentlicht zu haben. Ganz sicher handelt es sich dabei aber um den ersten "Ostfriesland-Krimi", lange bevor solche Regionalkrimis in Mode kamen.

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Februar

Über die Regelungen des Zusammenlebens in der Frühen Neuzeit ...
 

"Dat Oistfriesich Landt-Rechtt"

 

Im Manuskriptbestand der Landschaftsbibliothek findet sich eine sehr schöne und saubere, schwungvoll verzierte und gut lesbare Abschrift des Ostfriesischen Landrechts, die in der Landschaftsbibliothek als "Buch des Monats" präsentiert wird. Seit undenklichen Zeiten regeln Menschen ihr Zusammenleben durch Rechte bzw. Rechtsprechung. Zunächst wurden diese Rechte nur mündlich überliefert. Aus den Gewohnheits- und Stammesrechten der Völker auf dem Gebiet des heutigen Europa entstanden in Mittelalter und früher Neuzeit - u.a. auch unter dem Einfluss des uralten Römischen Rechts - die sog. Landrechte. Dies waren Rechtssammlungen, die Regelungen und Überlieferungen für weite Teile des menschlichen Zusammenlebens enthielten: So waren z.B. öffentliche Rechte wie Straf- und Polizeirecht, aber auch Privat- oder Lehensrecht erfasst.

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März

"... mit dem Blick anhänglicher Liebe zur Heimat ..."
 

Otto Galama Houtrouw: Ostfriesland. Eine geschichtlich-ortskundige Wanderung gegen Ende der Fürstenzeit, Aurich 1889

 

Unter den ostfriesischen Heimatforschern, den Regional- und Lokalhistorikern ist der "Houtrouw", wie er meistens genannt wird, sicherlich eines der am weitesten verbreiteten Bücher. Obwohl schon zu Beginn des letzten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts veröffentlicht, fehlt in keiner ostfriesischen Publikation zu einer Ortsgeschichte der Hinweis auf dieses Buch.

 

Dabei war Otto Galama Houtrouw von Haus aus gar kein Historiker, sondern er schlug als Sohn eines Pastors die Laufbahn seines Vaters ein. 1838 in Gandersum geboren, nahm er nach dem Theologiestudium in Göttingen und Erlangen ab 1860 in Oldersum, Loppersum und Akkum eine Tätigkeit als Hilfsprediger auf. Seine erste ordentliche Berufung führte ihn 1864 auf die Insel Borkum. Er wurde dann über Stationen in Ihrhove und Campen 1875 nach Neermoor berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1913 blieb. Bis 1917 war er auch über lange Jahre hinweg Präsident des Ostfriesischen Coetus. Die schriftstellerische Karriere Otto Houtrouws begann 1873 mit einer Veröffentlichung im "Ostfriesischen Monatsblatt für provinzielle Interessen" über die Armenpflege. Seitdem blieb er auch als "Heimat"-Autor aktiv.

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April

Ostfriesisches Wörterbuch
 

gesammelt und herausgegeben von Cirk Heinrich Stürenburg, Aurich 1857

 

Derzeit haben plattdeutsche Wörterbücher wieder Konjunktur in Ostfriesland. Das "Wörterbuch der ostfriesischen Sprache", das Jan ten Doornkaat Koolman 1879 bis 1884 in drei Bänden in Norden veröffentlichte, erfreut sich als der "ostfriesische Grimm" wegen seines Umfangs und seiner Qualität ungebrochenen Zuspruchs. Seit einem Jahr gibt es das sehr gut angenommene Online-Plattdeutsch-Lexikon der Ostfriesischen Landschaft auf der Basis des Wörterbuchs von Gernot de Vries (2000). Außerdem arbeiten der Verein Ostfreeske Taal und die Landschaftsbibliothek gemeinsam an der digitalen Präsentation des Hochdeutsch-Plattdeutschen Wörterbuchs von Otto Buurman (1962).

 

In diesem Zusammenhang soll hier auf das älteste "Ostfriesische Wörterbuch" hingewiesen werden, das 1857 vom Auricher Kammerkonsulent und Rat Cirk Heinrich Stürenburg (1798-1858) im Verlag von Carl Otto Seyde in Aurich veröffentlicht wurde. Heute steht dieses vergleichsweise schmale Bändchen im Schatten der danach erschienenen Lexika, aber es ist als erstes ostfriesisch-plattdeutsches Wörterbuch als eine Pioniertat zu betrachten.

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Mai

Zur argumentativen Abwehr katholischer Avancen
 

Die Dialoge zwischen Photin und Irénée über die Vereinigung der Religionen von François Gaultier de Saint-Blancard, Mayence chez Jean Le Blanc, 1685

 


Die Landschaftsbibliothek stellt in ihrer Reihe zum „Buch des Monats“ im Mai eine kleine Kostbarkeit vor, mit der sich noch immer einige unbeantwortete Fragen verbinden: Die "Dialogues entre Photin et Irénée sur le dessein de la reunion des religions ..." von François Gaultier de Saint-Blancard (1639-1703).

 

Ostfriesland ist seit der Reformation eine evangelisch geprägte Region. Bekenntnisvielfalt hat hier eine lange und wichtige Tradition. Die beiden großen evangelischen Konfessionen, Reformierte und Lutheraner, stellten (und stellen) die Mehrheit der Gläubigen. Obwohl Emden als "Genf des Nordens" Zentrum des Calvinismus in Nordwesteuropa war, machten es die politischen Verhältnisse in der Grafschaft Ostfriesland möglich, dass die Gebiete um Aurich und Wittmund bis heute prozentual gesehen die höchsten Anteile an Lutheranern in ganz Deutschland haben. Und auch andere religiöse Richtungen wie Mennoniten, Juden und vermehrt seit dem 19. Jh. auch Katholiken und verschiedene Freikirchen haben ihre Spuren in der Kirchengeschichte Ostfrieslands hinterlassen. Das Miteinander und Nebeneinander der Konfessionen ist hier im Laufe der Jahrhunderte nicht immer konfliktfrei verlaufen. Blutige Religionskriege wie die sich über ein Vierteljahrhundert hinziehenden Hugenottenkriege in Frankreich blieben Ostfriesland allerdings erspart.

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Juni

Alle Bücher unter dem Hammer
 

Der Katalog zur Versteigerung der Fürstenbibliothek in Aurich, 1746

 

Die Landschaftsbibliothek rühmt sich als moderne geisteswissenschaftliche Bibliothek für ganz Ostfriesland, mehr als 400 Jahre alt zu sein und führt ihre Wurzeln auf die um 1600 entstandene Handbibliothek der Administratoren der ostfriesischen Landstände zurück. Warum gibt es in Ostfriesland aber keine Landesbibliothek? Zur Beantwortung dieser Frage bietet ein Katalog zur Versteigerung der Fürstenbibliothek einen wichtigen Baustein. Landesbibliotheken sind meist in der Tradition herrschaftlicher Buchsammlungen entstanden, die fürstliche Bibliothek in Aurich wurde aber, wie dieser "Catalogus Bibliothecae principalis ..." belegt, 1746 öffentlich versteigert.

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Juli / August

"Das Baden in reinem Seewasser hat seine eigenthümlichen Würkungen ..."
 

Ueber die Seebade=Anstalt auf der Ostfriesischen Insel Norderney,
Friedrich Wilhelm von Halem, Aurich 1801

 

Badetourismus auf den ostfriesischen Inseln ist heute nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region. Norddeich ist aktuell der größte Fährhafen in Niedersachsen. Jährlich werden etwa 175.000 Fahrzeuge und 2,25 Millionen Menschen mit den Schiffen nach Juist und Norderney gebracht.

 

Dabei sind Urlaub und Tourismus historisch gesehen eigentlich sehr junge Erscheinungen. Als Massenphänomen haben sie sich erst seit den 1960er-Jahren entwickelt. Die Anfänge des Tourismus liegen in der Region ebenfalls kaum mehr als 200 Jahre zurück. Der Inseltourismus begann mit der Gründung von Seebädern zur medizinischen Anwendung. Allerdings hatte der ostfriesische Landphysikus Friedrich Wilhelm von Halem auch schon um 1800 geschrieben, dass "Befreiung von Geschäften und Sorgen" und Erholung zugleich auch ebenso zur "Erheiterung der Seele und dadurch als Folge zur Gesundheit beitragen, als die Bäder selbst; und wenn man seinen Endzweck, Gesundheit und Frohsinn erreicht, so ist es ja völlig gleich, wodurch dies geschieht".

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September

"Oldenburgisch Chronicon" von Hermann Hamelmann

 

Oldenburg 1599

 

Während in Ostfriesland der Historiker und Theologe Ubbo Emmius an einer friesischen Geschichte im Sinne der Stadt Emden und der ostfriesischen Stände arbeitete und hier fast zeitgleich David Fabricius, Johannes Badius und Ernst Friedrich von Wicht ihre Chroniken verfassten, beschäftigte sich im benachbarten Oldenburg der Superintendent der Grafschaft, Hermann Hamelmann im Auftrag seines Herrn, des Grafen Johann VII., mit der Abfassung einer Landesgeschichte. Sie wurde 1599 in Oldenburg gedruckt unter dem Titel "Oldenburgisch Chronicon. Das ist Beschreibung Der Löblichen Vhralten Grafen zu Oldenburg vnd Delmenhorst [et]c. Von welchen die jetzige Könige zu Dennemarck vnd Hertzogen zu Holstein entsprossen Sampt Jhres Stammens ersten Ankunfft, Thaten, Regierung, Leben vnd Ende".

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Oktober

Mehr als 130.000 "historische Logos"
 

Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch 1854 - 1961

 

Heute kennt jeder den Begriff des "Logos" und verbindet selbstverständlich grafische Zeichen mit Organisationen, öffentlichen Einrichtungen, Unternehmen, Personen oder Produkten. Aber den wenigsten ist klar, dass diese Logos keine neue Erfindung moderner Designer sind, sondern als "Wappen" schon seit fast 900 Jahren den Menschen helfen, die Identität des Inhabers der Zeichen zu identifizieren.

 

Das uns geläufige europäische Wappenwesen entstand in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit den aufkommenden Kreuzzügen. Ein weiterer Faktor war die im Ritterwesen sich entwickelnde Kultur der Turniere. Wappen dienten dazu, Personen in den geschlossenen Rüstungen zu identifizieren. Als stilisierte Kombination von Farben und Symbolen wurden sie am Helm und am Schild angebracht. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine eigene Wappenkunde (Heraldik), die Regeln für die Gestaltung mit Symbolen, für den Aufbau und die Farbgebung festsetzte. Seitdem war festgelegt, wie ein Wappen zu führen und zu lesen war. Über Wappen ließen (und lassen) sich Personen und weitergehend dann auch Familien, Dynastien und Herrschaftsbereiche identifizieren. Wappen konnten deshalb auch auf Siegeln zur Beglaubigung Verwendung finden.

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November

Frühe Montan- und Geowissenschaften

 

Schriften von Georg Agricola, 1612 und 1614 in Wittenberg herausgegeben

 

In der Phalanx der einheitlich aussehenden Leder- und Pergamentbände eines der ältesten Bestände der Bibliothek, des Depositums Christoph Friedrich von Derschau, fällt ein voluminöses, aber mit 16,5 cm Rückenhöhe im Klein-Oktav gehaltenes und dadurch gedrungen wirkendes Buch besonders auf: Ein Ganzpergamentband mit Stehkanten und durchgezogenen Bünden, dessen Buchdeckel offensichtlich, einer Mode der Renaissance folgend, aus der Seite einer nicht weiter zu identifizierenden, mittelalterlichen Handschrift besteht. Diese sog. Pergamentmakulatur, also die zweckentfremdete Verwendung von mit der Hand beschriebenen Pergamentbögen für den Einband, war im 16. und 17. Jahrhundert durchaus gebräuchlich. Man setzte auf die ästhetische Wirkung der schönen Handschrift. Der Buchbinder achtete in unserem Fall darauf, dass die rot gehaltenen Versalien und Überschriften auf dem vorderen Buchdeckel und den Buchrücken ihre Wirkung entfalten konnten.

Bei dem hier beschriebenen Buch handelt es sich um eine von dem Helmstedter Arzt und Hochschullehrer Johannes Sigfridus (1556-1623) bei Schürer 1612 in Wittenberg schön gedruckte und mit Marginalien versehene Sammlung von Schriften des humanistischen Gelehrten Georgius Agricola (1494-1555).

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Dezember

"Von den Armen. Von den Schenkeln. Von den Leibern."

 

Zwei Anleitungen des frühen 18. und 19. Jahrhunderts zum Zeichnen aus dem Nachlass des Kunsthistorikers Jan Fastenau

 

Das Malen nach Zahlen und Buchstaben kennt heute jeder, aber solche Anleitungen zum Zeichnen sind keine moderne Erfindung. Vielmehr bilden sie ein altes Bedürfnis, auf das der Buchmarkt schon früh reagierte. Im Bestand der Landschaftsbibliothek befinden sich zwei historische Drucke von Johann Daniel Preißler (1666-1737). Der in Nürnberg geborene und gestorbene anerkannte Maler und Verleger war einer der ersten deutschen Kunstpädagogen, die durch ihre Veröffentlichungen überregionale Bedeutung gewonnen haben. "Die durch Theorie erfundene Practic, Oder Gründlich-verfaßte Reguln, deren man sich als einer Anleitung zu berühmter Künstlere Zeichen-Werken bestens bedienen kan ..."  wurde von Preißler als zunächst dreibändiges Werk zwischen 1721 und 1725 im Verlag der Familie gedruckt. Sein Sohn Johann Justin Preißler ergänzte die Reihe 1757 um einen vierten Band. Preißler war von 1704 bis 1737 Direktor der Nürnberger Kunstakademie und gründete 1716 mit großem Erfolg eine Zeichenschule. Das war offensichtlich Anlass für ihn, Malschülern in seinem Verlag auch didaktisches Material zur Verfügung zu stellen und ihnen die Grundregeln der "edlen Zeichenkunst" in verschiedenen Schritten zu vermitteln. Er vertrieb Anweisungen zur Anatomie für Anfänger, Anleitungen zum Nachzeichnen schöner Landschaften und Tiere, zur Erstellung von Laub- und Blumenrissen, aber auch zur Erstellung von "Schilden" und Zierleisten. Seine "durch die Theorie erfundene Practic ..." verband diese verschiedenen Themenfelder in drei schmalen Bänden mit einer jeweils sechsseitigen Einleitung und 18 Blättern mit Illustrationen. Die Serie war über Deutschland hinaus erfolgreich, wurde bis 1795 zehn Mal aufgelegt und ist heute auch noch relativ gut in den Bibliotheken überliefert. Bei den beiden in der Land-schaftsbibliothek überlieferten Drucken handelt es sich um die ersten zwei Teile dieser Malanleitung aus den Jahren 1771 und 1768, die in einem schmalen Band im Folio-Format zusammengebunden wurden.

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