OSTFRIESISCHE LANDSCHAFT - REGIONALVERBAND FÜR KULTUR, WISSENSCHAFT UND BILDUNG
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Landschaft von Ostfriesland
Archiv 2015 |

Archiv 2015

Januar

"Alles geklaut"
 

Ein Emder Plagiat eines friesischen Adeligen über Geheimschriften und Kryptographie von 1620

 

Einen ganz besonders unverschämten Fall eines Plagiats präsentiert die Landschaftsbibliothek als Buch des Monats Januar: 1620 wird zunächst in Emden und dann in Groningen eine "Polygraphie ou Methode universelle de l'Ecriture Cachée" veröffentlicht, ein Buch über Geheimschriften und Kryptographie in französischer Sprache. Beide Ausgaben sind identisch und enthalten eine Widmung für den ostfriesischen Grafen Enno III. Als Autor dieser Drucke firmiert zwar ein Dominicus de Hottinga, tatsächlich handelt es sich aber um eine fast exakte Kopie einer bereits 1560 erschienenen Pariser Übersetzung der "Polygraphiae libri sex" des Würzburger Abtes Johannes Trithemius (Tritheim). Diese "Sechs Bücher zur Polygraphie" aus dem Jahr 1518 gehören zu den ersten Druckwerken zum Thema Kryptographie überhaupt. So hat sich de Hottinga mit dem Raubdruck der französischen Übersetzung also in doppelter Weise des Plagiats schuldig gemacht.

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Februar

Ich weiß alles
 

Das Nachschlagebuch der Hausfrau, Ostfriesische Tageszeitung 1936 - 1938

 

Lexika waren im Zuge der Aufklärung seit dem 18. Jahrhundert ein Symbol des freien Zugangs zum aktuellen Wissensstand für die aufgeklärte bürgerliche Bildungselite. Im 19. Jahrhundert zielten die großen, teuren und kostbaren  Nachschlagewerke von Meyer und Brockhaus weiterhin auf das wirtschaftlich potente Bürgertum. "Volkslexika" blieben zunächst noch die Ausnahme, und lexikalisches Wissen hatte die breite Bevölkerung und insbesondere auch die Frauen bis zum Ende dieses Jahrhunderts noch nicht erreicht. Etwa seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erschienen immerhin "Nachschlagebücher", die sich an Hausfrauen, zunächst noch vor allem aus dem landwirtschaftlichen Bereich richteten. In den 1920er Jahren wurde dieser Markt offensichtlich größer. Um 1925 wurde "Das kleine ABC der sparsamen Hausfrau" mit 500 Ratschlägen herausgegeben. 1931 erschien ein "Hausfrauenlexikon". In diesen Zusammenhang gehört auch ein "Nachschlagebuch der Hausfrau" unter dem reißerischen Titel "I.W.A. Ich weiß Alles. Überreicht von der Ostfriesischen Tageszeitung", das die Landschaftsbibliothek als Buch des Monats Februar präsentiert.

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März

"Der monatlich herausgegebenen Insecten-Belustigung dritter Theil"
 

von August Johann Rösel von Rosenhof, Nürnberg 1755

 

Betrachtet man in unserer heutigen Zeit Abbildungen von Insekten, so ist man fasziniert von ihrem filigranen Körperbau und dem Vorkommen verschiedenster Formen und Farben. Diese Perspektive war in früheren Zeiten nicht selbstverständlich. Im Mittelalter etwa galten Insekten als Vorzeichen des Bösen, Fliegen sogar als direkte Begleiter des Teufels. "Beelzebub" bedeutet übertragen "Herr der Fliegen". Insekten, glaubte man, entstünden gewissermaßen aus sich selbst heraus in verfaulendem Fleisch oder Schlamm. Solcherlei unbehagliche Vorstellungen spiegelten sich in entsprechend phantasievollen Darstellungen wider, und Insekten waren nicht unbedingt ein Motiv besonderen Interesses, geschweige denn wissenschaftlicher Beschäftigung. Das in der Reihe "Buch des Monats" im März in der Landschaftsbibliothek Aurich gezeigte Werk von August Johann Rösel von Rosenhof zur "Insecten-Belustigung", 1755 in den Zeiten der Aufklärung in Nürnberg gedruckt, zeigt dagegen eine nüchterne und sachliche Grundhaltung. Es wirkte deshalb prägend auf unsere heutige, von wissenschaftlichem Interesse bestimmte Rezeption von Insektendarstellungen.

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April

"Ostfriesische Geschichte"
 

von Tilemann Dothias Wiarda, Aurich 1791 - 1817

 

Das Interesse an der Heimat ist in Ostfriesland seit jeher groß und bis heute ungebrochen. Engagierte Laien erforschen ebenso wie Fachleute aller Richtungen historische, geografische oder soziologische Probleme oder beschreiben heimatliche Sitten, Gebräuche und Traditionen. Ein Blick in die von M. Tielke 1990 herausgegebene Ostfriesische Bibliographie, in die Register der Jahrbücher und heimatbezogenen Zeitungsbeilagen oder in die von der Landschaftsbibliothek Aurich regelmäßig veröffentlichten Zusammenstellungen der Neuerscheinungen zum Thema "Ostfriesland" zeigt dies sehr eindrücklich. Dem aufmerksamen Betrachter wird jedoch auffallen, dass bei aller Akribie, mit der große und kleine Fragestellungen bearbeitet werden, das Feld der mit Ubbo Emmius beginnenden Gesamtdarstellungen der Geschichte Ostfrieslands nur relativ spärlich bestellt ist. So ist es zu erklären, dass für den Überblick über die ostfriesische Geschichte von den Urzeiten bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts auch heute noch ein Werk aktuell ist, das mittlerweile selbst auf eine über 200 jährige Geschichte zurückblicken kann: Die zehnbändige "Ostfriesische Geschichte" von Tilemann Dothias Wiarda (1746-1826).

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Mai

"Neuestes ostfriesisches Kochbuch"
 

Bremen 1818

 


Kochbücher sind nicht unbedingt Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und Sammlungsobjekt wissenschaftlicher Bibliotheken. Wenn sie allerdings ein gewisses Alter haben, können sie sowohl für die Wissenschaft als auch für Bibliotheken interessant werden. Seit Sommer 2014 befindet sich das "Neueste ostfriesische Kochbuch" im Bestand der Landschaftsbibliothek. Es handelt sich um das einzige in einer Bibliothek überlieferte Exemplar. Bis dahin war dieser Titel gänzlich unbekannt. Das in handlichem Klein-Oktav herausgegebene Buch besteht aus zwei Teilen und wurde 1818 bei Wilhelm Kaiser in Bremen verlegt. Die Autorin oder der Autor bleiben anonym. Der ausführliche Untertitel lautet: "Gründliche Anweisung gewöhnliche, sogenannte bürgerliche Kost wie auch Suppen, Fische, Gemüse, Fleisch, Braten, Backwerk u.s.w. für herrschaftliche Tafeln von 8 bis 40 Personen zuzubereiten. Nebst einem Anhange vom Einmachen, Einschlachten, Räuchern und der Zubereitung von mehreren künstlichen Sommer- und Wintergetränken usw. Ein Geschenk für junge Hausfrauen und angehende Köchinnen".

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Juni

Die Landschaftsbibliothek – einzigartig
 

"Die Geschichte der Landschaftsbibliothek" von Barbara Lison-Ziessow und Martin Tielke, 1995

 

Ostfriesland verfügt mit der "Landschafts"-Bibliothek über etwas, was es hier eigentlich gar nicht geben sollte: eine für die ganze Region wirkende, geisteswissenschaftliche Bibliothek mit landesbibliothekarischen Aufgaben. 2015 feiert die Landschaftsbibliothek ein doppeltes Jubiläum: Vor 20 Jahren wurde ihr Neubau eingerichtet und vor 50 Jahren kam sie zum ersten Mal unter ein eigenes Dach.

Die Landschaftsbibliothek ist in ihrer Entstehung einzigartig, denn es gibt keine andere geisteswissenschaftliche, öffentlich zugängliche Bibliothek im deutschen Sprachraum in dieser Tradition. Das ist nur mit der besonderen Geschichte Ostfrieslands zu erklären. Denn hier teilte sich seit dem 16. Jh. die Grafenfamilie die Macht mit den ostfriesischen Ständen. Das Ständekollegium, das ab etwa 1600 die Geschäfte der Landschaft führte, benötigte dafür auch eine eigene Bibliothek. Im Ursprung ist die Landschaftsbibliothek also eigentlich eine Parlamentsbibliothek. Die fürstliche Bibliothek, die der Kern einer ostfriesischen Landesbibliothek hätte werden können, hat man dagegen 1746 zwei Jahre nach dem Aussterben des Fürstenhauses und der Übernahme Ostfrieslands durch Preußen öffentlich versteigert. Sie wurde in alle Winde verstreut und nur in der Landschaftsbibliothek sind über Umwege einege hundert Bände dokumentiert und erschlossen.

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Juli / August

Ein völlig ausgestorbener ostfriesischer Dialekt
 

Johannes Cadovius Müller - Memoriale linguae Frisicae, Stedesdorf [1790]

 

Sprache ist nach herrschender wissenschaftlicher Auffassung das wichtigste und beste Kommunikationsmittel zwischen Menschen. Weit über 6.000 Sprachen und noch viel mehr Dialekte gibt es auf der Welt. Sie alle sind aber laufenden Veränderungen unterworfen, und Sprachwissenschaftler gehen davon aus, dass in ungefähr 100 Jahren die Hälfte ausgestorben sein wird. Auch an den friesischen Sprachen und Dialekten ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Das "echte" Ostfriesisch ist nahezu ausgestorben. Über einen langen Zeitraum wurde es von dem heute in Ostfriesland üblicherweise gesprochenen ostfriesischen Platt - welches eigentlich ein niedersächsischer Dialekt ist - verdrängt. Und bereits für das 15. Jahrhundert weisen Wissenschaftler den Beginn dieser Verdrängung nach. Heute beschäftigen sich in Universitätsinstituten, aber auch in privaten Vereinen und Organisationen, ganze Zweige der Sprachwissenschaft nicht nur mit der Erforschung sondern vor allem auch mit der schriftlichen und mündlichen Aufzeichnung verschwindender Sprachen. Das Interesse an der Sprache der vorangegangenen Generationen scheint allenthalben groß zu sein.

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September

"Das einzig Notwendige" – "Unum Necessarium ..."

 

von Johann Amos Comenius, Leipzig 1724

 

"Alle Verwicklungen der Welt haben nur eine einzige Ursache, nämlich, dass die Menschen nicht zwischen dem Nötigen und dem Unnötigen unterscheiden können, dass sie das, was ihnen not ist, übersehen und sich fortwährend mit dem Unnötigen beschäftigen, sich darin verwickeln und verstricken." Dieses Zitat, das so modern anmutet und allgemeine Gültigkeit beanspruchen darf, stammt aus dem Jahr 1668, aus einem Alterswerk von Johann Amos Comenius (1592-1670). Er entstammte einer Familie aus Südostmähren, die zu den protestantischen und in der Region verfolgten Böhmischen Brüdern gehörte. Er wurde nach dem Studium in Herborn und Heidelberg zunächst Lehrer, dann Rektor und Professor, zugleich auch Pfarrer und später Bischof der Unität der Böhmischen Brüder und Autor wichtiger, schon von seinen Zeitgenossen geschätzter theologischer und pädagogischer Werke. Als solcher wird er als eine Art Bindeglied zwischen der Renaissance und der Aufklärung gesehen: einerseits in der theologischen Tradition stehend, andererseits die Vernunft eines jeden Menschen, die Eigenverantwortung und Selbstständigkeit betonend. Als bedeutendster Pädagoge des 17. Jahrhunderts gab er der Pädagogik eine neue Richtung in der Tradition der christlich-humanistischen Lebensgestaltung.

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Oktober

Emder Libertinismus
 

Der Emder Druck der "Chronica, Tytboek en gheschiet bibel ..."
 

von Sebastian Franck aus dem Jahr 1558

 

Sebastian Franck ist eine schillernde Figur der Reformationszeit, der sich als spiritualistischer Theologe und Schriftsteller abseits aller etablierten Bahnen bewegte und dessen Werke zeitweise in einigen Gebieten verboten waren. Gleichzeitig gilt er aber auch als äußerst einflussreicher Chronist, Geograph und Sprichwortsammler. Durch die Rezeption seiner Werke in den Niederlanden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts steht er auch in einer besonderen, indirekten Beziehung zu Emden. Hier druckte Gailliart 1558 in seiner Offizin im Rathauskeller als vermutlich erstes einer Reihe von Werken Sebastian Francks die "Chronica, Tytboek en[n] gheschiet bibel, van aenbegin Tot in dit teghenwoordich M.D.XXXUJ. Jaer verlengt. ... / Door Sebastianum Franck va[n] Word/ voortijts in duytscher sprake noyt gehoort noch gelesen. Met een Register ende Jnhoudt deser geheelder Chronijcken".

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November

Martialisch und national ...

 

Die deutschen Befreiungskriege : Deutschlands Geschichte von 1806 - 1815
von Hermann Müller-Bohn, Berlin 1907

 

Die "Befreiungs-" oder "Freiheitskriege" gegen Napoleon, die 1813 bis 1815 die sog. "Franzosenzeit" beendeten, zählten lange zu den großen Eckpunkten nationaler Identifikation und Traditionsbildung in Deutschland. Zahlreiche Legenden und glorifizierende Mythen ranken sich nach wie vor darum. Man denke nur an die Stiftung des Eisernen Kreuzes oder die Herkunft der deutschen Nationalfarben.

Auch Ostfriesland blieb von den Auswirkungen der Franzosenzeit und der Befreiungskriege nicht verschont: Nach der Schlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 wurde Ostfriesland kurzfristig Frankreich einverleibt, aber schon im März 1808 als Departement Oost-Friesland dem unter der Regentschaft von Napoleons Bruder Louis Bonaparte stehenden Königreich Holland zugeschlagen. Nach der Annexion der Niederlande 1810 wurde es endgültig als Département Ems-Oriental Teil des französischen Kaiserreichs. Die französische Herrschaft war hierzulande äußerst unbeliebt, und so erscheint es vielleicht nicht weiter verwunderlich, dass auch Ostfriesen mit in die Befreiungskriege zogen. Mit der Schlacht bei Waterloo/Belle Alliance endete im Juni 1815 endgültig die Zeit der Herrschaft Napoleons in Europa. Der Wiener Kongress enttäuschte viele der mit der Neuordnung Europas nach der Franzosenzeit verbundenen Hoffnungen. Und auch Ostfriesland wurde, anders als erwartet, nicht erneut Preußen, sondern Hannover zugeschlagen.

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Dezember

Adventszeit im Zweiten Weltkrieg

 

"Vorweihnachten. Ausgabe 1943" - Eine Broschur der Reichspropagandaleitung München

 

Im Ersten Weltkrieg hatte man erkannt, welche große Bedeutung die "Heimatfront" für den Durchhaltewillen der Soldaten hatte. Deshalb wurde im Zweiten Weltkrieg besondere Rücksicht auf die Soldatenfamilien genommen. In diesem Zusammenhang stehen auch zwei 1942 und 1943 veröffentlichte Broschüren zur Vorweihnachtszeit, die heute in der Landschaftsbibliothek aufbewahrt werden. Herausgegeben wurden sie als eine Art von Adventskalender mit einer Lochung zur Aufhängung im Verlag Franz Eher Nachf. in München. Es handelt sich um in weiten Teilen identische Hefte im Querformat mit je 33 Doppelseiten mit farbiger Druckgrafik auf schlechtem Kriegspapier. Thea Haupt war für die Gesamtzusammenstellung verantwortlich; von ihr stammen auch die meisten Texte. Die Holzschnitte wurden von einem Kreis älterer Künstler vor allem aus Süd- und Südostdeutschland erstellt. Geboten werden Lieder, Gedichte, Bastel- und Dekorationsanleitungen. In der Mangelsituation des Krieges sollten Möglichkeiten aufgezeigt werden, mit wenigen und einfachen Mitteln, mit Papier und Stroh, Kastanien und kleinen Schachteln weihnachtliche Stimmung zu erzeugen. Für die Kinder gibt es auch Spielvorschläge, etwa ein Puppenhaus unter dem Küchentisch oder eine Eisenbahn aus Stühlen auf einem Teppichläufer einzurichten. Wie bei einem Adventskalender sind die Blätter abgezählt: "Noch 23 Tage bis Weihnachten".

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Das Werk in der Digitalen Bibliothek zum Download (PDF, 28 MB)

   

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