OSTFRIESISCHE LANDSCHAFT - REGIONALVERBAND FÜR KULTUR, WISSENSCHAFT UND BILDUNG
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Landschaft von Ostfriesland
Archiv 2014 |

Archiv 2014

Januar

Ein "Mixtape" aus dem 18. Jahrhundert
 

Die Liedersammlung des Cornelius Harmens Normann aus Norden (1787)

 

Seitdem die Musikkassette auf den Markt gekommen und es plötzlich möglich war, Musik nach eigenem Geschmack zusammenzustellen, entwickelte sich – insbesondere bei Jugendlichen – die Sitte, einander ebensolche Musikkassetten mit selbst zusammengestelltem Liedgut zu schenken. Das "Mixtape" war geboren. Die Kriterien für die Liedauswahl waren meist subjektiv – alles, was gerade angesagt war oder der Liebsten gefiel, wurde aufgenommen. --- Als man noch nicht in der Lage war, Musik technisch zu reproduzieren, musste man auf andere Verfahren zurückgreifen, um seinen Mitmenschen ein Beispiel seines Musikgeschmacks zu vermitteln: Man verfasste eine Liedersammlung, die man für einen Hausmusikabend oder ähnliche Veranstaltungen benutzen konnte. Ein eindrucksvolles ostfriesisches Beispiel für eine solche Liedersammlung ist Normanns "Verschiedene leichte Sammlung von Arien und Liedern mit Melodien zum singen beym Clavier", die von 1781 bis 1787 angelegt wurde.

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Das Werk in der Digitalen Bibliothek zum Download (PDF, 6,6 MB)

  

Februar

Wie kommt der Text ins Buch?
 

Der Apuleius-Kommentar des Filippo Beroaldo, Bologna 1500

 

... und vor allem: Wie verhält sich Text zu Kommentar? Im Zeitalter des computergestützten Layouts wird diesen Fragen meist zu wenig Bedeutung beigemessen. In der Pionierzeit des Buchdrucks war das anders. Alles sollte bestmöglich geplant und wohlbemessen sein. Nur das geschulte Auge eines erfahrenen Buchdruckers vermochte dies.
Die damalige Buchdrucktechnik lässt sich am Beispiel eines der ältesten und kostbarsten Frühdrucke der Landschaftsbibliothek ablesen. Es handelt sich bei dieser Inkunabel um den Kommentar des italienischen Humanisten Filippo Beroaldo des Älteren (1453-1505) zum lateinischen Werk "Metamorphosen" des Apuleius (2. Jh. n. Chr). Der Titel lautet auch "Der Goldene Esel". Der "Kommentierungsbedarf" bei Apuleius war in der Tat hoch: Der römische Schriftsteller hat mit den "Metamorphosen" zwar oberflächlich einen heiteren Roman geschrieben; allerdings erschließt sich dessen tiefere, philosophische Bedeutung erst bei genauerer Lektüre. Deshalb schrieb Beroaldo einen Kommentar. Seine erste Auflage aus dem Jahre 1500 ist vergleichsweise selten und innerhalb Deutschlands neben der Landschaftsbibliothek in nur vier weiteren Exemplaren vorhanden. Gedruckt wurde sie bei Benedetto Faelli in Bologna.

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März

"Weh euch! Wie werd ich mich rächen!"
 

Enno Hektor, Lieder aus Schilda, Hamburg, Hoffmann und Campe, 1847

 

"Weh euch! Wie werd ich mich rächen!" schreibt Enno Hektor, seinerzeit ein kleiner Gerichtsschreiber in Dornum, in seinem anonym veröffentlichten Gedichtbändchen "Lieder aus Schilda". Darin bringt Enno Hektor seine Verachtung für sein kleinbürgerliches ostfriesisches Umfeld offen zum Ausdruck und beklagt, dass die Wertschätzung des Einzelnen von seinem Vermögen, Ansehen, Stand und Titel abhängig sei. Er fühlt sich in dieser Gesellschaft als Poet als Genie und Sonderling. Er ist Simson und geißelt das Philistertum und die kleinstädtische Enge.

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April

Arend Lang: Entwicklung der ostfriesischen Inseln seit der Mitte des 16. Jahrhunderts, Norderney 1960
 

Noch immer ist die irrige Ansicht weit verbreitet, dass die Ostfriesischen Inseln im Laufe der Jahrhunderte von Westen nach Osten gewandert sind. Zwar sind sie durch die ostwärts gerichtete Strömung und das von Westen in die Seegaten drängende Wasser gewaltigen Kräften ausgesetzt. Aber die Gaten sind relativ ortsfest, und eine West-Ost-Wanderung der Inseln gibt es nicht. Stattdessen kann man durch den Anstieg des Meeresspiegels im Laufe der letzten Jahrtausende aber von einer "Wanderung" der Inseln um mehrere Kilometer nach Süden ausgehen. Wie hat sich unter diesen Voraussetzungen das konkrete Gesicht der Inseln im Laufe der letzten Jahrhunderte verändert? Diese Frage versucht Arend Lang in seiner 1960 verfassten, bislang unbekannten Schrift "Entwicklung der ostfriesischen Inseln seit der Mitte des 16. Jahrhunderts" zu beantworten. Im Nachlass von Johann Kramer, dem früheren Leiter des Auricher Wasserwirtschaftsamtes, fand sich in der Landschaftsbibliothek ein Schuber mit den zwei Heften dieser "grauen Veröffentlichung": ein Textteil und ein Bildteil, schlicht verleimte und gebundene Hektographien im Umfang von insgesamt etwa 100 Seiten.

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Artikel "Arend W. Lang" im Biographischen Lexikon für Ostfriesland (pdf)

Anlagenband in der Digitalen Bibliothek zum Download (pdf, 20 MB)

  

Mai

Von der Freiheit der Weltmeere
 

Hugo Grotius, Mare liberum sive De jure quod Batavis competit ad Indicana commercia dissertatio, Leiden 1609

 


Für Ostfriesland mit seinen Häfen waren See- und Handelsrechtsfragen immer schon von besonderer Bedeutung. Im Bestand der Landschaftsbibliothek befinden sich zwei wertvolle historische Ausgaben zu dem Problem, ob man auch das Meer mit staatsrechtlichen Grenzen durchziehen und für andere sperren kann. Freie Schifffahrt in internationalen Gewässern erscheint uns heute selbstverständlich. Dieser allgemein akzeptierte Rechtszustand ist aber in Wirklichkeit das Ergebnis einer langen Auseinandersetzung. Als das Mittelmeer noch das Zentrum der bekannten Welt darstellte, war letzteres das "mare nostrum" der Römer. Und als Portugiesen und Spanier im späten 15. Jahrhundert die Seewege nach Indien und Amerika entdeckten, sorgte man sich darum, die neu entdeckten Gebiete einschließlich der Wege dorthin exklusiv für sich zu sichern. Mit Unterstützung des spanischen Papstes Alexander VI. wurde deshalb 1494 der Vertrag von Tordesillas abgeschlossen, der vorläufig die Aufteilung der neu entdeckten Welt zwischen Portugal und Spanien besiegelte und die freie Schifffahrt stark beschränkte.

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Juni

"... den letzten Rest der preußischen Sympathien in Ostfriesland zu tilgen"
 

Onno Klopp, Geschichte Ostfrieslands in drei Bänden, Osnabrück 1854, 1856 und 1858

 

In Ostfriesland wird dieses Jahr neben einigen anderen Jahrestagen auch dem des Ausbruchs der Sächsischen Fehde vor 500 Jahren gedacht. Aus diesem Anlass zeigt die Landschaftsbibliothek mit einem äußerst seltenen Groninger Druck einen ihrer besonderen Schätze. --- Zur direkten Vorgeschichte der Sächsischen Fehde (1514-1517) gehört der Versuch von Herzog Albrecht von Sachsen, mit dem Mandat Kaiser Maximilians seinen Anspruch auf die Erbstatthalterschaft von "Friesland" durchzusetzen. Um die Grafschaft Ostfriesland vor dessen Zugriff zu schützen, verbündete sich Graf Edzard I. 1499 mit Albrecht. Er begleitete Albrecht auch auf seinem Kriegszug gegen Groningen und die Ommelande. Gemeinsam mit den Sachsen belagerten die Ostfriesen ab 1505 die Stadt Groningen. Nach etwa einem Jahr zog sich Edzard aber wegen interner Streitigkeiten mit seinen Soldaten von der Belagerung zurück, und anschließend gab sich das bedrängte Groningen in seine Hände. So konnte er – angeblich "im Namen des Kaisers" – die Herrschaft über die Stadt und die Ommelande antreten, obwohl ihm eigentlich die Legitimation dazu fehlte. Am 1. Mai 1506 zog er mit 6 000 Mann in die Stadt ein, und brachte zugleich Getreide Butter und anderen Proviant mit in die ausgehungerte Stadt. Damit befand sich Edzard I. auf dem Höhepunkt seiner Macht. Erst als Ergebnis der Sächsischen Fehde musste sich Edzard auf seinen alten Machtbereich als Graf in Ostfriesland zurückziehen, doch die Groninger hielten ihn seitdem als ihren Retter in Ehren.

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Artikel "Edzard I." im Biographischen Lexikon für Ostfriesland (pdf)

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Juli / August

Aktenberge aus fünf Jahrhunderten
 

Das Depositum der Ostfriesischen Landschaft im Auricher Staatsarchiv (Dep 1)

 

Schatzungslisten sind eine besonders bei Familien- und Heimatforschern beliebte, gerne und viel genutzte Quelle im Auricher Staatsarchiv. Wenigen wird bei der Durchsicht der Jahrhunderte alten Steuerakten bewusst sein, dass es sich bei diesen Stücken oft um Verwaltungsakten aus dem Depositum der Ostfriesischen Landschaft handelt. Ursprünglich gab es keine regelmäßige Steuerhebung. Aber das Recht zur Erhebung von Abgaben bei besonderen Anlässen lag bei den Landständen. Deshalb sind die ältesten ostfriesischen Steuerakten, die heute wegen der Auflistung der Namen so bedeutsam sind, im Depositum der Ostfriesischen Landschaft (Dep. 1) oder im fürstlich-gräflichen Archiv (Rep.4) im Staatsarchiv.

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September

Trend zum Mythisch-Germanischen

 

"Deutsche Heldenhaine" von Willy Lange, Leipzig 1915

 

Gefallenendenkmäler haben eine lange Tradition. So gibt es z. B. hier in Ostfriesland über 400 Orte der Erinnerung an die Kriegstoten der vergangenen 200 Jahre. Vielfach haben sich in dieser langen Zeit das äußere Bild und die Aussage der einzelnen Gedenkstätten geändert. Sie wurden und werden – obwohl als „Erinnerungszeichen für die Ewigkeit“ errichtet – immer wieder dem Zeitgeist und der jeweils aktuellen Wahrnehmung von Tod, Krieg und Nation angepasst. Unter den vielen Denkmalanlagen finden sich auffällig viele kreisrunde Anlagen. Häufig wurden auch kleine Feldsteine und große Findlinge als „erra¬tische Blöcke“ in den Anlagen verbaut. Das entspricht einem in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aufkommenden Trend zum Mythisch-Germanischen.

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Liste ostfriesischer Gefallenendenkmäler (PDF, 700 KB)

  

Oktober

"Emden & Oldenborch"
 

Der Mercator-Hondius-Atlas, Amsterdam 1612

 

Einer der größten Buchschätze in der Landschaftsbibliothek aus ihrem historischen Bestand ist der Mercator-Hondius-Atlas. Der Großfolio-Band in lateinischer Sprache wurde 1613 in Amsterdam gedruckt und enthält Karten sowohl von Gerhard Mercator als auch von Jodocus Hondius.
 
Gerhard Mercator (eigentlich Gerard De Kremer, 1512-1594) wurde in Rupelmonde in Flandern geboren und starb als berühmter und reicher Geograph, Kartograph, Kosmograph, Theologe und Philosoph in Duisburg. Die Eltern stammten aus dem Jülicher Land am Niederrhein und Mercator selber kehrte, nachdem er in der Nähe von Antwerpen aufgewachsen war und in Löwen studiert hatte, 1552 nach Duisburg zurück. In Löwen hatte Mercator sich als Mathematicus der naturwissenschaftlich geprägten Kosmographie gewidmet. Noch als Autodidakt schuf er 1537 eine erste Karte des Heiligen Landes und dann bald als Meister seines Fachs in enger Folge eine Reihe berühmter und begehrter Globusse und wichtiger Karten, darunter Europa- und Weltkarten. Die nach ihm benannte Mercatorprojektion bewirkte mit ihrer winkelgetreuen Darstellung der Welt eine Reform der Kartographie im 16. Jahrhundert.

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November

"Schwänke und Schnurren von unsere Leut", Leipzig um 1830

 

Ein frühes Beispiel des literarischen Antisemitismus aus der Landschaftsbibliothek in Aurich

 

Die Reihe „Buch des Monats stellt "bemerkenswerte" Objekte aus dem Bestand der Landschaftsbibliothek in Aurich vor. Dazu können auch Bücher gehören, deren Inhalt und Intentionen abstoßen, die aber dennoch aus (buch-)geschichtlichen Gründen eine reflektierte Beachtung verdienen. Im Besitz der Bibliothek findet sich eine Broschur mit dem Titel "Rare und neue Sammlung schöner Anekdoten, witziger Einfälle, spaßiger Schwänke und Schnurren von unsere Leut. Aus dem Jüdischen des Aaron Hersch in’s Deutsche übersetzt und herausgegeben von Justus Hilarius". Das Bändchen erschien vermutlich um 1830 im Verlag "Magazin für Industrie und Literatur" in Leipzig. Jürgen Gottschalk, ein Berliner Historiker hat sich näher mit dieser und mit vergleichbaren Veröffentlichungen auseinandergesetzt und konnte wichtige Hinweise für die Beschreibung des hier vorgestellten Exponats gegeben, weil er auch Herausgeber einer Website zu Humoristica Judaica und Antisemitica bei der bibliophilen Pirckheimer-Gesellschaft ist. Er schreibt, dass weltweit bislang nur noch ein weiteres Exemplar der in Aurich vorhandenen Ausgabe von Schießler in der Nationalbibliothek in Luxemburg nachzuweisen sei.

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Dezember

Eine frühe Anleitung für "Knoff-Hoff-Shows"?

 

"Die natürliche Magie" von Johann Christian Wiegleb, Berlin und Stettin ab 1779

 

Traf man sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Ostfriesland in geselliger, gelehrter Runde und ließ zwecks privaten Amüsements und Weiterbildung die Haare mit elektrischer Ladung zu Berge stehen, Funken sprühen oder ein totes Froschbein zucken? Zeigte man bei solchen Gelegenheiten "leuchtende Eyer", "eine electrische Spinne" oder einen künstlichen Heiligenschein als "belustigende und nützliche Kunststücke"? Das scheint nicht ausgeschlossen. Denn in der Landschaftsbibliothek sind zahlreiche Bände der Veröffentlichung "Die natürliche Magie, aus allerhand belustigenden und nützlichen Kunststücken bestehend" überliefert. Bevor die hier präsentierte Ausgabe des Autors und Herausgebers Johann Christian Wiegleb in die Lehrerbibliothek des Leeraner Gymnasiums wanderte, gehörte sie, wie die Stempel "Physikalische Gesellschaft zu Leer" auf den Titelblättern ausweisen, einem aufgeklärten Kreis wissenschaftlicher Geister in der ostfriesischen Provinzstadt.

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Das Werk in der Digitalen Bibliothek zum Download (PDF, 19,6 MB)

  

   

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