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Landschaft von Ostfriesland
Archiv 2013 |

Archiv 2013

Januar

"Laß Blut / Bad / s' Weib ist dir erlaubt"
 

Hermann de Werve: Newer und Alter SchreibKalender/ Auff derer … bißhero Elenden/ Bedrangten/ Betrübten/ Verjagten unnd Geplagten Jubel-Jahr ... M.DC.XXXXIII. Mit dem Stand/ Lauff und Aspecten der Planeten ...; Nürnberg,  Endter [1642]

 

Passend zum Jahresbeginn präsentiert die Landschaftsbibliothek in Aurich mit einem Kalender aus der ersten Hälfe des 17. Jahrhunderts eine ihrer wohlgehüteten Kostbarkeiten aus dem Magazin. Astrologische Schreibkalender gehörten zu den "Bestsellern" des frühen 17. Jahrhunderts. Sie boten dem Leser nicht nur eine Jahresübersicht, sondern auch Voraussagen zum Wetter für jeden Tag des Jahres und sogar zum Verlauf des Weltgeschehens. Astronomie und Astrologie waren damals noch zwei sehr zusammen gehörende "Wissenschaften". Der Autor des Kalenders "Hermannus de Werve, Esensa Frisio" gehörte zu den seinerzeit erfolgreichsten Sterndeutern, und seine astrologischen Kalender fanden weit über das Reich hinaus in ganz Europa bis hin zum Wiener Hof Verbreitung. Sie wurden in Druckereien in Straßburg, Hamburg, Köln und Straubing hergestellt. 1536 erteilte Kaiser Ferdinand II. de Werve mit einem Erlass eine Art von "Copyright", das ihn vor Nachdrucken und der unberechtigten Verwendung seines Namens schützen und ihm die Einnahmen aus dem Verkauf seiner Kalender sichern sollte. Ab 1637 wurden die meisten Kalender de Werves im Verlag Endter in Nürnberg gedruckt.

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Februar

Ubbo Emmius, Enno Rudolph Brenneysen und der Drucker Hermann Tapper
 

Ubbonis Emmii Tractat von Ostfrießland/ / Ins Hochteutsche übergesetzet/ Und mit Anmerckungen und Documenten erläutert/ und respective widerleget [von Kanzler Enno Rudolph Brenneysen] ; Aurich/ gedruckt bey Hermann Tapper/ Hochfürstl. Ostfriesischen Hof-Buchdrucker, 1732

 

"Buch des Monats" Februar der Landschaftsbibliothek Aurich ist ein aus verschiedenen Gründen ganz besonderer Druck aus dem Jahr 1732. Der ostfriesische Bürgerkrieg, der sog. Appelle-Krieg von 1724 bis 1727, war erst seit fünf Jahren beendet. Kanzler Enno Rudolph Brenneysen war im Interesse seines absolutistischen Fürsten Georg Albrecht (1708-1734) bestrebt, den ostfriesischen Ständen und insbesondere der Stadt Emden die Unrechtmäßigkeit ihrer Ansprüche nachzuweisen und zu diesem Zweck ließ er vom Hofbuchdrucker Tapper das Traktat von Ostfriesland von Ubbo Emmius aus dem Jahr 1615 neu auflegen. Damit steht dieser Druck in der Nachfolge der berühmten, 1720 von Brenneysen herausgegebenen und bei Böttger gedruckten zweibändigen Ost-Friesischen Historie und Landes-Verfassung.

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März

" ... das Provinzielle, das Nachbarliche, das Friesenthümliche ..."
 

Der ostfriesische Lehrer-Schriftwechsel – herausgegeben vom Lehrer-Schriftwechsel-Verein in Ostfriesland, 1846 - 1855

 

Vor dem Hintergrund der auch in Ostfriesland wirksam werdenden Aufklärung, begannen seit dem beginnenden 19. Jahrhundert Dorfschullehrer, sich in lokalen Lehrervereinen zu organisieren. Pädagogen aus benachbarten Schulen bildeten sich gemeinsam weiter, tauschten Literatur aus, übten den mehrstimmigen Gesang und legten voreinander Vortrags- und Lehrproben ab. Einer der wichtigsten Antreiber dieser neuen Form von Selbsthilfe war Hinrich Janssen Sundermann (1815-1879), der seit 1839 als Lehrer in Hesel wirkte. Sundermann war ab 1842 der Initiator für ostfrieslandweite Lehrertreffen - zunächst in Ihlow und bald danach in Eschen bei Aurich. 1845 regte er auf dem Lehrertreffen in Eschen die Gründung eines "Lehrer-Schriftwechsel-Vereins" an, der auf einige Resonanz bei der einheimischen Lehrerschaft stieß. Sundermann schwebte ein Monatsblatt vor, in dem sich ostfriesische Lehrer über alles, was ihr Amt und ihren Stand, ihre Selbstorganisation sowie pädagogische und didaktische Probleme betraf, "freundschaftlich miteinander gleichwie in einem Briefwechsel" austauschen konnten.

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April

Eine fast vergessene ostfriesische Schriftstellerin
 

Toni Wübbens, Ut min Dörp. Gedichte, Hannover 1910

 

In der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts gibt es nur wenige ostfrieische Schriftstellerinnen, denen es gelang, sich einen Namen zu machen. Zu ihnen gehörte neben Matha Köppen-Bode und Wilhelmine Siefkes auch Toni Wübbens. Antonie Caroline Wübbens, genannt Toni, wurde am 15. Mai 1850 als Tochter des in Timmel tätigen Arztes Carl Wilhelm Töpfer und seiner zweiten Ehefrau Louise Lantzius-Beninga vom Gut Stikelkamp geboren. In ihren ersten 12 Lebensjahren wurde Toni geprägt von einer Welt der Fehne zwischen Stiekelkamperfehn und Großefehn mit dem alten Geestdorf Timmel als Mittelpunkt. Während sie also in einem gutbürgerlichen Ambiente aufwuchs und von einem Kindermädchen betreut wurde, wurde sie zugleich durch die alte bäuerliche Kultur im Herzen Ostfriesland geprägt. Ihrer Mutter, der der sie später in ihren Gedichten oft liebevoll gedenkt, verdankte Toni Wübbens den Sinn für die melodische Sprache der alten plattdeutschen Kinderlieder und Geschichten.

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Mai

Eine "vollständige und wahrhafte Beschreibung von Ostfriesland"
 

Fridrich Arends, Ostfriesland und Jever in geographischer, statistischer und besonders landwirthschaftlicher Hinsicht, Emden 1818 - 1828

 

1811 veröffentlichte ein Herr Händel in dem in Jena von Karl Christoph Gottlieb Sturm herausgegebenen "Jahrbuch der Landwirthschaft und der damit verbundenen Wissenschaften" eine haarsträubende Beschreibung der Landwirtschaft in Ostfriesland. Von den Zeitgenossen im äußersten Nordwesten Deutschlands wurde diese Beschreibung nicht nur als falsch und übertrieben, sondern sogar auch als hämisch empfunden. Als Händels Beschreibungen in der Halle’schen Zeitung 1814 noch einmal wiederholt wurden, bot das Fridrich Arends den endgültigen Anlass, sich selbst an eine "möglichst vollständige und wahrhafte Beschreibung von Ostfriesland" zu begeben.

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Juni / Juli

"... den letzten Rest der preußischen Sympathien in Ostfriesland zu tilgen"
 

Onno Klopp, Geschichte Ostfrieslands in drei Bänden, Osnabrück 1854, 1856 und 1858

 

Onno Klopp (1822 - 1903) war ein äußerst begabter Sohn aus einem erfolgreichen und bekannten Leeraner Handelshaus und darf zugleich als einer der bedeutenden deutschen Historiker des 19. Jahrhunderts gelten. Durch seine enge Anbindung an das hannoversche Königshaus, seine Parteinahme für großdeutsche Ideen und seine antipreußische Haltung spielte er als Propagandist der Welfen, der Habsburger und des Katholizismus auch nach dem "Deutschen Krieg" zwischen dem Deutschen Bund und Preußen 1866 eine bedeutende politische Rolle und gehört somit zu den wenigen ostfriesischen Stimmen, die in den gesamtdeutschen Verhältnissen nach 1866 auf nationaler Ebene wahrgenommen wurden.

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August

Verschollene "vaterländische Arbeiten"
 

Johann Conrad Freese, Ostfrieß- und Harrlingerland nach geographischen, topographischen, physischen, ökonomischen, statistischen, politischen und geschichtlichen Verhältnissen, Aurich 1796

 

Johann Conrad Freese (1757-1819) veröffentlichte 1796 bei Johann Adolph Schulte in Aurich unter dem Titel "Ostfrieß- und Harrlingerland ..." die erste verlässliche Landesbeschreibung. Der Finanz- und Verwaltungsbeamte hatte in mehr als 18 Jahren seine Quellen gesammelt und das Werk aus Begeisterung für sein "Vaterland" in seinen "Nebenstunden" verfasst. Die "Wahrheit in den mancherlei Verhältnissen Ostfrieslands" sei – wie er zu seiner Motivation schreibt – so oft verstellt, verkannt und verdreht dargestellt worden, dass er sich bemühe, mit seiner Beschreibung Fakten, Quellen und Belege zu liefern. In Freeses Beschreibung werden zum ersten Mal die Geschichte der Deiche und Siele, Polder und Anwächse verlässlich geschildert. Die Informationen entstammen oft direkt den Amtsrenteirechnungen, Archivakten, Urkunden, Vergleichen und Verträgen. Außerdem verwendete Freese ein leider nicht überliefertes Manuskript von Hermann Teepken mit dem Titel "Ostfriesische Sachen von Eindeichungen und deren Contracten".

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September

Plattdeutsche Limericks

 

Heinrich Smeins, Labyrinth. Arig Riemsels. 54 plattdütse Limericks, Leer 1987

 

Der Monat September ist bei der Ostfriesischen Landschaft traditionell der plattdeutschen Sprache gewidmet. Die Landschaftsbibliothek nimmt den Septembermaand 2013 zum Anlass, als Buch des Monats die "Labyrinth. Arig Riemsels" von Heinrich Smeins vorzustellen. Limericks zeichnen sich durch eine einfache, leicht verständliche Form aus, die zum Nachdichten geradezu einlädt. Die ersten Limericks entstanden bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts in England. Ihren Namen verdanken sie einem damals in Gesellschaften gepflogenen Rundgesang. Jeder trug eine improvisierte Nonsensstrophe vor, die mit dem Refrain: "Will you come up to Limerick?" endete. Limericks bestehen aus fünf Versen, die Pointe liegt im letzten Vers. Beim Versschema folgt eine betonte auf zwei unbetonten Silben. Das Reimschema ist aabba. Die Verse 1, 2 und 5 bestehen aus sieben bis zehn Silben, das Verspaar 3 und 4 aus fünf bis sieben Silben.

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Oktober

"Gestalten, die in finsterer Nacht aus Gräbern steigen und Schlafende heimsuchen ..."
 

Christian Friedrich van Dalen / Johann Heinrich Zopf: Abhandlung über Vampire in Serbien (Dissertatio de Vampyris Serviensibus), Duisburg 1733

 

Aus der Kleinstadt Medvedja in Serbien werden zu Beginn des 18. Jahrhunderts merkwürdige Dinge berichtet: Auf Friedhöfen sei nachts ein lautes Schmatzen zu hören gewesen. Tote seien zum Leben erweckt worden und hätten, von einem unstillbaren Hunger befallen, noch im Sarg ihre eigenen Kleider aufgefressen. Daraufhin hätten sie sich aus ihren Gräbern erhoben und ihren Verwandten das Blut aus den Adern gesogen. Soweit die Legende. Die angeblichen Vorfälle machten in den Metropolen Europas schnell die Runde. Am Hofe Maria Theresias wurden sie ebenso besprochen wie in der königlich-preußischen Akademie. Sie boten Anlass für zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen.

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November

Ein Leben für die Medizin

 

Johann Christian Reils "Diaetetischer Hausarzt für meine Landsleute"

 

Im 18. Jahrhundert war Ostfriesland, so beschreibt es ein Zeitgenosse, "eine der entle-gensten Provinzen Teutschlands" und "hatte seit Jahrhunderten wenig Anteil an den Schicksalen der Welt". Diese Einschätzung stammt von dem damals bekannten Philosophen Henrich Steffens (1773 - 1845), anlässlich einer Denkschrift zu Ehren seines 1813 verstorbenen Freundes Johann Christian Reil. Dieser hatte als Ostfriese die theoretische und praktische Medizin in besonderem Maße geprägt, war Professor in Halle, Arzt von Goethe und später ein Berater bei der Gründung der Humboldt-Universität in Berlin.

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Dezember

Eine traurige Weihnachtsgeschichte

 

Astrid Dehe / Achim Engstler: Auflaufend Wasser, Göttingen 2013

 

Am 21. Dezember 1866, drei Tage vor Heiligabend, ertrinkt der Seefahrtschüler Tjark Evers unterwegs zu seinen Eltern nach Baltrum auf einer Sandbank. In einer Kladde hinterlässt er eine letzte Nachricht an seine Familie. Während diese Kladde in einer Zigarrenkiste an Landgespült wird, bleibt die Leiche des 21-jährigen auf immer verschollen.

Diese Geschichte ist seitdem mehrmals nacherzählt worden und gehört zum festen Kanon jener ostfriesischen Topoi, die einen wichtigen Teil der ostfriesischen Identität ausmachen.

Zuletzt haben sich Astrid Dehe und Achim Engstler mit ihrem Buch "Auflaufend Wasser" dieser Geschichte angenommen. Die Landschaftsbibliothek präsentiert dieses Werk als "Buch des Monats".

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Das Werk in der Digitalen Bibliothek zum Download (PDF, 8,4 MB)

   

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